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Bergzeitfahren in Ramsbeck
Samstag, 1. November 2008
Jagd auf den Streckenrekord

ImageDen Saisonabschluss bildete für Ingo in den letzten Jahren immer das Bergzeitfahren in Ramsbeck, das von der Tus Valmetal veranstaltet wird. Der Überraschungsfahrer vom Bildchen-Sprint Frank Schweinheim - obwohl kein Bergexperte - wollte sich das diesmal nicht nehmen lassen und war auch mit dabei.

Die Entfernung von Köln nach Ramsbeck beträgt 160 km und dafür benötigen wir 2 Stunden - die Rennstrecke ist 3 km lang und ist in etwa 10 min zu absolvieren. Ein interessantes Verhältnis. Aber das Rennen ist toll organisiert und für einen Bergfahrer allemal eine Reise wert, denn es sind annähernd 300 Höhenmeter zu erklimmen. Kein Grund die kurze Distanz zu unterschätzen...

ImageDas Startgeld beträgt 8,- € und enthält ein Nudelgericht sowie ein Getränk. Guter Preis. Gemeldet waren die üblichen Verdächtigen: Vorjahressieger Gunnar Huettl, Vorvorjahressieger Mike Zucht usw... Offen bleibt, welcher Bergexperte dieses Jahr das erste Mal dabei ist. Letztes Jahr konnte ich in der Gesamtwertung mit einer Zeit von 10:33 min den 3. Platz erfahren (1. Platz in der AK). Also 17 sec hinter dem Gewinner und 18 sec schlechter als der Streckenrekord. Mein Ziel für dieses Jahr: vielleicht etwas besser fahren als im Vorjahr, vielleicht schneller zu fahren als der bisherige Streckenrekord. Vielleicht, vielleicht. Schließlich habe ich dieses Jahr ein besseres Rad und bin besser trainiert. 

Der Start war für 14:30 Uhr vorgesehen, also haben wir uns mit dem Auto um 11:00 Uhr auf den Weg gemacht, so dass uns noch genug Zeit zum Einfahren bleibt. In Ramsbeck angekommen, holen wir erst mal unsere Startunterlagen ab. Und stellen fest, dass Frank mit Startnummer 1 als erster auf die Strecke darf. Schön, so ist er auch mal die Nummer 1. Ich habe die Startnummer 77 und starte damit 30 sec vor Mike Zucht. 

ImageDieses Jahr ist es in Ramsbeck (sehr) kalt und das liegt mir eigentlich nicht so. Aber die Sonne scheint und so haben wir eine fast komplett abgetrocknete Straße. Die Taktik ist aufgrund der Kürze der Strecke einfach: von Anfang an Vollgas fahren und hoffen, dass ich das nicht mit einem Einbruch kurz vor dem Ziel bezahlen muss. Also nicht hadern, Ausreden gelten nicht.

Wir ziehen uns um und los geht es zum Einfahren und zur Besichtigung der Rennstrecke. Eigentlich kenne ich die Strecke ja schon, aber sicher ist sicher. Sie beginnt mit einem kurzen sehr steilen Anstieg, wird dann kurz etwas flacher und die letzten 2,5 km gehen mit nahezu konstanter Steigung von 9% bergauf. Kurz vor dem Ziel flacht sie ab und auf diesem Abschnitt haben wir Rückenwind. Wenn die Puste reicht, kann hier also mit Schwung ins Ziel gefahren werden. Sehr gut. Für das Rennen entscheide ich mich für Beinlinge und Ärmlinge, das müsste funktionieren.

ImageMein Start ist um 15:08 Uhr. Der Computer wird mir während der Fahrt Geschwindigkeit und Herzfrequenz anzeigen. Die Fahrtzeit werde ich mir im Ziel anschauen. Im Wiegetritt mit gut 30km/h geht es los. Und schon ist der erste steile Anstieg geschafft. Dann muss ich langsam Tempo rausnehmen und versuchen meinen Rhythmus zu finden. Mir wird es zu heiß und so ziehe ich schon nach wenigen hundert Metern die Ärmlinge hektisch herunter. Alle 500m sind Entfernungstafeln aufgestellt. Die Zeit dazwischen kommt mir ewig vor. Langsam, aber unerbittlich wird die Geschwindigkeit langsamer. Erst unter 20km/h, dann unter 19km/h, dann unter 18km/h. Ich versuche mich zu erinnern, mit welcher Geschwindigkeit ich letztes Jahr hier hochgefahren bin. Aber zum Denken reicht das Blut nicht, das brauche ich jetzt woanders. Irgendwann pendelt sich meine Geschwindigkeit bei 15,x km/h ein und ich versuche, auf keinen Fall langsamer zu werden. Weniger interessant ist meine Herzfrequenz. Die ist schon direkt nach dem Start auf 178/179 gestiegen und da bleibt sie bis kurz vor dem Ziel.

ImageEtwa 500m vor dem Ziel gehe ich in den Wiegetritt, um noch mal Fahrt aufzunehmen. Eine schlechte Idee, denn das bringt mich total aus dem Rhythmus. Also setze ich mich wieder brav hin und kämpfe und keuche und kämpfe und keuche. Nun fahre ich in die letzte Rechtskurve und es sind vielleicht nur noch 100m, als ich im Wiegetritt für den Schlusssprint nochmals beschleunige, denn ich spüre den Rückenwind. Ich schaffe es noch mal auf 30km/h, kann den Sprint aber dann nur bis knapp vor die Ziellinie durchziehen. Egal. Ich bin oben.

ImageNach einer kurzen Erholungsphase kann ich nachsehen, wie schnell ich war: 10:04 min! Ich freue mich riesig, denn den Streckenrekord habe ich um 9 sec unterboten. Bleibt nur die Frage, wer das außer mir auch noch geschafft hat. Ich rolle runter in den Ort und treffe dort Frank und Andreas Pucher-Diehl von der Tuspo Weende. Frank ist nicht wirklich glücklich. Seine Zeit: 12:20 min. Der Vorteil: diese Zeit besitzt eine Menge Verbesserungspotential für nächstes Jahr. Andreas vermutet, er müsste so bei 11:00 min. liegen. Damit hat er seine Vorjahreszeit auf jeden Fall verbessert. Inzwischen wird gemunkelt, dass der Sieger eine Zeit von unter 10 min. gefahren sein soll. Wahnsinn! Die Siegerehrung wird es also zeigen müssen, denn vorher werden keine Zeiten veröffentlicht. Das macht es richtig spannend.

Und da zeigte sich, dass der bisherige Streckenrekord von 10:15 min aus dem Jahr 2006 von insgesamt 4 Fahrern unterboten wurde (bei einem Starterfeld von 82 Fahrern und Fahrerinnen). War nur die Frage, wem dies am besten gelungen ist. Am Ende hatte Jens Christian Brockmann vom RC Lüdenscheid mit wahnsinnigen 9:45 min die Nase vorne. Auf den 2. Platz kam Vorjahressieger Gunnar Huettl vom RV Gießen-Kleinlinden mit einer Zeit von 10:03 min. Ich belege in der Gesamtwertung mit 10:04 min wie im Vorjahr den 3. Platz. Super. Als viertem Fahrer gelang es auch Mike Zucht vom Team-Berg-Germany mit einer Zeit von 10:08 min seinen bisherigen Streckenrekord zu unterbieten. Die nächsten Fahrer folgen mit über einer halben Minute Rückstand!

ImageIn der Altersklassenwertung belege ich zum dritten Mal hintereinander den 1. Platz. Diesmal allerdings mit einem Vorsprung von fast 1 min vor Andreas, der mit exakt 11:00 min. auch dieses Jahr den 2. Platz in der AK belegen konnte. Ich denke, der Abstand ist schon beachtlich. Und Andreas dankt mir dies mit den Worten, dass ich aufgrund meiner Zeit eigentlich in einer jüngeren Altersklasse starten müsse, denn schließlich sei ich ja auch noch nicht so groß... Den 3. Platz in der AK belegt Sven Gemeine vom TV Kredenbach-Lohe mit einer Zeit von 11:15 min. Frank erreichte am Ende den 24. Platz (AK 8. Platz). Bei den Frauen gewann Petra Rauer in einer Zeit von 13:42 min, gefolgt von Christine Zucht in 15:25 min und Jennifer Donner in 17:57 min

ImageDie Reise ins Sauerland hat sich für mich also auch dieses Jahr wieder gelohnt. Nächstes Jahr werde ich bei diesem perfekt organisierten Rennen wieder dabei sein. Und mal sehen, vielleicht fahre ich ja dann schneller als dieses Jahr, vielleicht fahre ich sogar schneller als 10 min., aber vielleicht fahre ich auch langsamer, denn jünger werde ich auch nicht. Ja, ja, vielleicht, vielleicht...

Ingo Koßmann
http://www.biot-tourisme.com/
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