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Gestatten ? "IronMan" Alexander Nikolopoulos
Samstag, 1. November 2008
ImageZu Alexander Nikolopoulos gibt es viel zu schreiben, mehr als im Bericht über den IronMan Hawaii in dieser Ausgabe oder hier im Interview möglich ist. Sein Blog, den wir unten auf dieser Seite verlinkt haben, ist wirklich lesenswert. Eins wird danach jedem Leser klar, er hat ihn sich verdient, den Satz der ihm im Ziel zugerufen wurde:  "You are an Ironman!"

Nach seiner Rückkehr aus Hawaii hatten wir die Möglichkeit, ihm einige Fragen zu stellen

Alexander, wenn man das Wetter hier in Deutschland betrachtet, wären Julia und du nicht lieber noch ein paar Tage auf Hawaii geblieben?

Klar, die zwei Wochen auf Hawaii waren, wie erwartet, ein Traum. Einmal wegen des Wetters, aber auch die ganze Atmosphäre auf den Inseln war phantastisch. Vor allem in der Woche nach dem Rennen auf einer anderen Insel (Kauai) merkte man, dass hier die Menschen viel entspannter und lockerer sind als bei uns. Ob es an dem Klima, der Natur oder woran auch immer liegt, kann ich nicht sagen. Ich auf alle Fälle war positiv überrascht von den Menschen dort.

Natürlich gibt es insbesondere in den Tagen vor dem Rennen viele, die sich wegen des Klimas Sorgen machen: zu warm, zu schwül, zuviel Wind etc. etc. Meiner Meinung nach muss man sich mit den Gegebenheiten auf Hawaii abfinden, planen kann man das Rennen ohnehin nicht, da die klimatischen Bedingungen immer anders sind: In der Woche vor dem Rennen war es jeden Tag leicht bedeckt und nicht so warm. Pünktlich zum Wettkampfmorgen kam die Sonne raus und es wurde dann richtig warm  –  42° zeigten die Thermometer im Energy Lab an.

ImageDie zwei Wochen waren natürlich viel zu schnell vorbei, gerne wären wir noch etwas länger dort geblieben, aber die Inseln laufen ja nicht weg… Die Rückreise war dann ein ziemlicher Schock: bei ca. 30° sind wir in den Flieger gestiegen und als wir hier ankamen, hatte es so 3-5° - brrr…

Um eine Saison voller Jedermannrennen im Radsport zu bestreiten muss man schon ziemlich verrückt sein. Wie verrückt muss man erst sein, damit man auf die Idee kommt an einem Triathlon teilzunehmen?


Natürlich war die vergangene Saison nicht ganz unstressig. Neben den vielen Wettkämpfen (ich glaube, es waren mit allen Läufen, Radrennen und Triathlons so um die 25 Wettkämpfe) musste man ja auch noch trainieren und ein Leben neben dem Sport gibt es auch noch. Mit etwas Organisation ging das aber ganz gut, zumal ich das unschätzbare Glück habe, dass meine Freundin – Julia – genauso "spinnt", wie ich, sprich, wir nehmen an fast allen Wettkämpfen gemeinsam teil und trainieren ab und an auch gemeinsam oder zu gleichen Zeiten.

Natürlich leiden andere Bereiche des Lebens – Feiern bis spät in die Nacht kommt halt - vor allem in der Saison - seltener vor, aber ich würde nicht sagen, dass uns etwas fehlt. Ganz lustig ist es immer Sonntags: wenn wir in aller Früh zum Radtraining aufbrechen, ziehen hier in Frankfurt immer noch die letzten Gestalten aus den Clubs nach Hause – da fragt man sich schon, wer hier der Verrückte ist.

Triathlon, insbesondere Langdistanztriathlon, hat ja immer noch den Ruf, extrem zeitaufwändig zu sein. Das mag stimmen, wenn man die gesamte Trainingszeit betrachtet. Auf der anderen Seite kann man sich das Training besser einteilen: mal eine Stunde laufen oder Schwimmen schafft man eigentlich fast immer, das geht auch ganz gut vor oder nach der Arbeit. Wenn dann mal etwas mehr Zeit ist, geht es dann aufs Rad, insofern ist die zeitliche Belastung nicht unbedingt höher als im Radsport.

Vor einem Jahr musstest du durch deine Krankheit deine Teilnahme am Ironman kurzfristig absagen. Hast du daran während der Vorbereitung für 2008 oft denken müssen?


Schweres Thema, insbesondere, da nicht alle Menschen mit meiner lockeren Art klarkommen, mit der ich mit der Krankheit umgegangen bin. Solch eine Krankheit und die Chemotherapie vergisst man natürlich nicht so schnell, insbesondere, da man durch die häufigen Kontrolluntersuchungen immer wieder daran erinnert wird. Bei mir war es im letzten Jahr auch noch ein Rezidiv, d.h. ich hatte mich allmählich an die Kontrollen nach dem Abschluss meiner ersten Chemotherapie gewöhnt und machte mir keine großen Sorgen bei der Kontrolle.

Drei Tage vor dem geplanten Abflug nach Hawaii sagte mir mein Arzt dann, dass ich mal besser erneut ins Krankenhaus gehen sollte, statt nach Hawaii zu fliegen. Man denkt eigentlich ständig daran, insbesondere schiebt man erst einmal jedes Ziehen gleich auf einen Rückfall. Damit kann man sich vollkommen verrückt machen und es dauert relativ lange, bis man wieder Vertrauen in seinen Körper hat.

Natürlich hat auch mein Körper die Chemotherapie nicht ohne weiteres weg gesteckt. Die Folgen waren und sind immer noch spürbar. Insbesondere die verlängerte Regeneration zwang mich in der vergangenen Saison, "intelligenter" zu trainieren. Natürlich gehörten überlange Trainingstouren auf dem Rad zur Vorbereitung, doch nicht mehr in dem Maße wie früher. Stattdessen habe ich stärker auf die Qualität der Trainingseinheiten geachtet und insbesondere auf die dazugehörigen Regenerationsphasen. Anscheinend war das nicht so falsch, ich vermute, dass ich früher doch häufig zu viel gemacht habe - ist ja ein häufiges Problem bei Hobby-Sportlern.

Die Gedanken an den Start und insbesondere an den Zieleinlauf auf Hawaii begleiteten mich beinahe das ganze Jahr: Während der Chemotherapie schaute ich mir eine Reportage über die vergangenen beiden Rennen auf Hawaii an – das war natürlich hochgradig masochistisch, denn ehe ich es unterdrücken konnte, kullerten mir die Tränen aus den Augen. Damals – während ich beinahe den ganzen Tag damit verbrachte, das Ende der täglichen Infusionen abzuwarten - sagte ich mir, dass auch ich an diesem Wettkampf teilnehmen wollte. Meine Ärzte erklärten mich damals eigentlich alle für verrückt.

Als ich eine junge Ärztin zu Beginn eines Zyklus fragte, wie es nach der Chemotherapie mit Sport aussehen würde, erhielt ich die Antwort: "Sie können schon etwas Sport machen, aber nicht unbedingt einen Marathon." Glücklicherweise relativierte der Chefarzt diese Aussage und erlaubte mir eigentlich alles, so lange ich auf meinen Körper hörte.

Nachdem ich von den Veranstaltern die Nachricht bekommen hatte, dass ich in diesem Jahr starten durfte, hatte ich nur noch ein Ziel: Dieses eine Rennen – alles andere war zweitrangig. Ob ich bei einem Triathlon an den Start ging, bei einem Jedermannrennen startete, alleine trainierte – alles für diesen einen Tag im Oktober. Dieser war eine unglaubliche Motivation, der mich vor allem im Herbst motivierte, trotz des relativ schlechten Wetters weiterhin nach Plan zu trainieren.

ImageAuch wenn das jetzt etwas abgegriffen klingt, ich denke, dass ich durch die Krankheit mental stärker, aber auch ausgeglichener geworden bin. Vergleiche ich aktuelle Probleme mit den Entscheidungen, die ich während der Therapie treffen musste, werden die alle ganz unbedeutend, so dass sich der Stress dafür nicht lohnt.

Was ist das für ein Gefühl, sein großes Ziel nach einer so schwierigen Zeit zu erreichen?


Ein tolles. Nein, im Ernst, direkt im Ziel konnte ich noch gar nicht richtig realisieren, dass ich es endlich geschafft hatte. Anscheinend war ich da etwas weggetreten. Den Spruch vom Sprecher Mike Riley, den er allen Finishern zuruft "You are an IRONMAN", nahm ich nur schemenhaft wahr und auch das Chaos im Ziel mit Umhängen eines Lei-Kranzes, Gratulationen durch die Helfer, die Zuschauer, die Photographen, das ganze dauerte nur wenige Augenblicke.

Direkt nach meinem Zieleinlauf war ich einerseits so geschafft, dass ich mich erst einmal eine Stunde hinlegen musste. Danach wurden Photos gemacht, ich musste noch einen Bericht über mein Rennen für eine Zeitschrift schreiben und außerdem liefen alle meine mit mir gestarteten Freunde ins Ziel (oder waren schon vor mir angekommen). Nach einem kurzen Abendessen waren wir dann bis zum Zielschluss im Zielbereich, wo auch noch die letzten Finisher von der Masse begrüßt wurden, bevor wir gegen Mitternacht endlich ins Bett kamen. Erst nachdem der gröbste Stress vorbei war, wurde mir allmählich klar, dass ich es endlich geschafft hatte.

Die Teilnahme war natürlich auch so etwas wie eine Trotzreaktion – ich habe im vergangenen Jahr nicht nur einmal gehört, dass ich mit der "Spinnerei" aufhören sollte, dass ich das ohnehin nicht schaffen könnte und so weiter. Im Ziel, bzw. schon auf der Strecke dachte ich mir mehrmals: "So, sagt mir nie mehr, was ich alles nicht schaffen kann." Ich kann da sehr stur sein.

Beim Triathlon treffen ja bei vielen Veranstaltungen Hobby-Sportler und Profis aufeinander. Wäre für dich auch bei den deutschen Jedermannrennen so etwas denkbar oder findest du die Regelung der meisten Veranstalter besser, keine Fahrer oberhalb der Leistungsklasse C zuzulassen?

Ich denke, das kann man nicht ohne weiteres vergleichen. Im Triathlon insbesondere im Langdistanztriathlon geht es nicht unbedingt um die Platzierung, zumindest nicht um den Gesamtplatz. Profis werden gesondert gewertet, nehmen also den Amateuren nicht wirklich einen Platz weg. Natürlich gibt es auch hier Amateure, die ähnlich leistungsstark wie die Profis sind – das führt immer wieder zu Diskussionen, wie diese Sportler einzuordnen sind.

Auf der anderen Seite macht es den besonderen Reiz des Triathlons aus, dass die Profis keinerlei Starallüren haben und zusammen mit den Jedermännern an den Start gehen – und häufig genau so leiden wie diese (der dänische Profi Rutger Beke erreichte 2006 als dritter das Ziel auf Hawaii, brach 2007 beim Laufen komplett ein und wanderte erst nach ca. 14 Stunden ins Ziel und dieses Jahr reichte es dann wieder für Platz 3) – Und Feiern und Trinken können sie am Tag nach dem Rennen genauso gut wie die Hobby-Sportler ;-)

Anders sieht es auch bei kleineren Triathlons aus: In den Landesligen gibt es eine ähnliche Unterteilung wie im Radsport, so dass man sich hier in der Regel mit Sportlern der gleichen Leistungsklasse messen kann.
Im Radsport ist das anders, der gesamte Sport ist stärker wettbewerbsorientiert und da im Jedermannbereich alle Starter in einer Klasse starten, führt meiner Meinung nach, die Zulassung von B und A-Fahrern doch zu einer starken Wettbewerbsverzerrung. Auf der anderen Seite sollte sich der BDR eventuell einmal fragen, warum so viele Starter an den Jedermannrennen teilnehmen, auch die Lizenzfahrer. Das ist aber eine andere Frage.

Natürlich darf die Frage nach deinen Zielen für das kommende Jahr nicht fehlen. Wo werden wir Alexander Nikolopoulos 2009 sehen können?

Da ich im kommenden Januar einen neuen Job beginnen werde, will ich mich da im Moment noch nicht festlegen. Natürlich werde ich bei dem einen oder anderen Jedermannrennen erneut an den Start gehen, welche das sein werden, kann ich aber noch nicht sagen – dies hängt natürlich auch etwas von den Terminen ab. Das Mannschaftszeitfahren in Roth ist bereits fest eingeplant, alles Weitere werde ich dann spontan entscheiden. Zusätzlich bin ich bereits beim IRONMAN in Frankfurt gemeldet und werde da auch an den Start gehen und wenn es dann erneut mit der Qualifikation klappt…

Alexander, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir und Julia eine gesunde und erfolgreiche Saison 2009.

Das Interview mit Alexander Nikolopoulos führte Wolfgang Schaaf


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