Home arrow News-Archiv arrow Der lange Weg nach Hawaii
Der lange Weg nach Hawaii
Samstag, 1. November 2008
IronMan Alexander Nikolopoulos

Image
Die passende Überschrift zur Teilnahme von Alexander Nikolopoulos am Ford Ironman World Championchip, besser bekannt als Ironman Hawaii. Für einen Triathleten gibt es nichts Größeres als eine Teilnahme an diesem Wettbewerb.

Alexander Nikolopoulos hatte sich bereits für 2007 qualifiziert, doch eine böse Krankheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Dennoch kämpfte er für sein Ziel, immer unterstützt von seiner Partnerin Julia. In seinem Blog   können die Leser seinen Weg in den letzten 18 Monaten studieren. Ein Tagebuch, das ich unseren Lesern ans Herz legen möchte.

Für Challenge-Magazin.com beschreibt Julia Hild, die ihn auf der Reise nach Hawaii begleitete, die letzten sieben Tage vor dem großen Triathlon und natürlich auch den Wettkampf selber aus der Sicht von Alexander.
 
Tag 7 Samstag: Der Morgen vor der Abreise fängt früh an: Um halb vier klingelte der Wecker. Die Sachen waren am Abend vorher noch in letzter Minute gepackt worden, so dass wir noch kurz ein Brötchen frühstücken, Kaffee trinken und dann die Radkoffer aus dem 4. Stock, vermutlich zur Freude unserer Mitmieter, die Treppen herunter tragen. Gemeinsam mit unserem Freund und Vereinskollegen Howard Fordham, der sich ebenfalls für das Rennen auf Hawaii qualifiziert hatte, teilen wir uns das Taxi zum Flughafen, wo schon eine lange Schlange zum einchecken auf uns wartet.

ImageAm Flughafen vergeht die Zeit rasend schnell: Einchecken, durch die Sicherheits- und Gesichtskontrolle der Polizei durch, wandern zum richtigen Gate und dann dauerte es auch nicht mehr lange bis zum boarden. Der Flug von Frankfurt nach Chicago verläuft, außer des zu späten Losfliegens in Frankfurt, ereignislos. In Chicago wartet der zum Glück der Anschlussflug.

Trotzdem muss erst das Gepäck ausgecheckt und dann wieder eingecheckt werden - letzteres verläuft sehr unbürokratisch und ohne großes Nachfragen: Wegen der Verspätung sollen wir nur unsere Koffer und Räder abstellen - um den Rest kümmert sich die Bodencrew. So rennen wir auf einem der größten Flughäfen der Welt zum passenden Gate, wo der Flieger uns dann nach San Francisco bringt.

ImageWie sollte es anders sein: Auch dort fliegen wir mit Verspätung ab und sind froh, als wir mit dann insgesamt fast 5 Stunden Verspätung am Flughafen mit Leis und Ananas von unserem Reiseveranstalter abgeholt und zu unserem Appartement gebracht werden, müssen nur noch die Räder für die Streckenbesichtigung am kommenden Tag zusammengebaut werden. Nach 24 Stunden auf den Beinen liegen wir dann zu entsprechender Stunde endlich in den Betten.

Tag 6 Sonntag: Der Sonntag beginnt mit einer organisierten Radausfahrt von unserem Reiseveranstalter: Die Räder werden in Trucks verladen und wir besteigen einen Reisebus und wurden zum Wendepunkt der Radstrecke in Hawaii gefahren, um von dort aus die Radstrecke nach Kona zu fahren. Das ermöglicht einem, die Strecke durch die Lavafelder kennen zu lernen, zu schauen, ob die Räder den Flug gut überstanden haben, ohne die gesamte Strecke eine Woche vor dem Wettkampf fahren zu müssen.

ImageAls Belohnung gibt es nach der Tour einen Iced Café Latte im Lava Java. In diesem Café trifft man in der Woche vor dem Wettkampf jeden. Zum Abendessen hatten wir uns Freunde eingeladen und auch wenn das Abendessen dank der Saltin-Diät etwas einseitig ausfiel, war es ein schöner entspannter Abend.

Tag 5 Montag: Um nicht nur zwischen unserer Wohnung und Kona zu pendeln, sondern auch die Sehenswürdigkeiten der Insel zu sehen, machen wir uns am Montag zu einer langen Fahrt Richtung Volcano Park im Süden von Big Island auf. Auf der Strecke darf man mit dem Auto nie wirklich schnell fahren, obwohl es ein Highway ist, der aber direkt durch Ortschaften verläuft.

ImageAndererseits hat man dort dann auch Zeit, die tolle Landschaft sich anzuschauen und Zwischenstopps bei Macadamianuss- (Hawaii ist der weltweit größte Exporteur von Macadamianüssen) und Kaffeefarmen anzuhalten. Nach einem Plausch bei einer Kaffeefarmerin über die Art und Weise der Ernte, Röstung und Aufbereitung der berühmten Kona Kaffeebohnen erreichten wir am frühen Nachmittag endlich den Volcano Park.

Der Kilauea ist ein noch aktiver Vulkan und raucht gerade besonders stark. Die Macht der Naturgewalten wurde dann auf der anschließenden Fahrt entlang bereits erloschener Krater und der Durchquerung mittlerweile erkalteter Lavaströme deutlich.

Tag 4 Dienstag: Am Dienstag nutze ich die Kühle des frühen Morgens und gehe auf dem Alii Drive, der auch Teil der Laufstrecke ist, laufen. Während des Laufs fällt mir wieder auf, wie viel die Triathleten noch so kurz vor dem Wettkampf Laufen und Radfahren.

ImageTapering sieht anders aus... Nach dem Training machten wir uns auf den Weg zum King Kamehameha Hotel, in dem wie jedes Jahr, die Startunterlagen ausgegeben werden. In die lange Schlange stellen sich aber auch Profis wie Faris al-Sultan und werden wie jeder andere Athlet ganz normal behandelt.

Das absolute Highlight des Tages ist die Fahrt auf den 4200 Meter hohen Mauna Kea und der Blick auf den anschließenden Sonnenuntergang. Einfach atemberaubend!

Tag 3 Mittwoch: Den frühen Morgen nutzen wir, um am kleinen Dig me Beach, an dem auch der Start des Ironman am Samstag sein wird, schwimmen zu gehen. An diesem Strand treffen sich die Athleten die Woche vor dem Wettkampf am frühen Morgen um einerseits die Bedingungen im Salzwasser kenne zu lernen, andererseits spielt natürlich das Sehen und Gesehen werden eine große Rolle.

ImageIn diesem Jahr wartet auf dem ersten Drittel der Strecke das sog. Espresso-Boat: Man schwamm dort hin, bekam einen Espresso im Pappbecher wahlweise auch mit Milch und Zucker gereicht und konnte danach weiter schwimmen. Dass dabei eine Schule von Delfinen, von den Triathleten im Wasser völlig unbeeindruckt, an uns vorbei schwamm, sorgte natürlich für Gesprächsstoff für den Rest des Tages. Und natürlich muss es vor jedem Wettkampf noch zu einer kleinen Katastrophe kommen: Als Alex am frühen Abend noch einen schnellen 5km-Lauf macht, machen die Oberschenkel zu und nichts geht mehr.

Dieser Zwischenfall ist aber nicht so dramatisch, wie der Bienenstich am Sonntag bei Howard. Während der Radausfahrt stach in eine Biene in den Oberschenkel. Der Oberschenkel wurde leicht rot und verdoppelt sich im Laufe des Montags auf die doppelte Größe. Ein Besuch am späten Abend im Emergency Room des Krankenhauses von Kona endet mit einigen Antibiotika und dem Abschwellen des Oberschenkels im Laufe des nächsten Tages. Vorzeichen für den Wettkampf?

ImageTag 2 Donnerstag:
Am Donnerstagmorgen machten wir uns noch einmal zum Schwimmen auf. Nach einem kurzen Bad ziehen sich die Jungs um,  um an dem traditionellen Underpantsrun teilzunehmen. Dieser Lauf ist eine Reminiszenz an die Deutschen, die gerne, so will es die Geschichte, mit nackten Oberkörpern und in knappen Badehosen schwimmen gehen -letzteres macht ein Amerikaner nur wenn er Wettkampfmäßig schwimmt.

Ansonsten werden zum Schwimmen Shorts getragen. Dieser Lauf ist zwei Kilometer lang und eine Charity-Spaßveranstaltung. Die Jungs brechen trotz des niedrigen Tempos direkt ins Schwitzen aus - es ist schon am frühen Morgen sehr warm.

ImageUm auch die Schnäppchen und die Neuheiten auf dem Markt kennen zu lernen, besuchen wir anschließend die Ironman-Messe. Neben schönen und weniger schönen Rädern, gibt es dort offizielles Ironmanmüsli (eigentlich ist dort alles irgendwie Offizielles Ironman-sowieso), Schuhe, Drinks etc. Um nicht nur auf das auf der Rad- und Laufstrecke angebotene Gatorade zurückgreifen zu müssen, starten wir die Suche nach Powerbar Hydro.

Da Powerbar offizieller Sponsor ist, dachten wir, dass es keine große Schwierigkeit sein sollte, dieses Produkt zu finden. Weit gefehlt! Powerbar bietet auf der Messe nur sein neues Produkt Endurance an, die Suche in verschiedenen Radläden der Stadt bringt auch kein Ergebnis, so dass man letztendlich doch das neue Produkt kauft und hofft, dass es ähnlich gut verträglich ist.

ImageAm Abend steig die Pastaparty. Tickets für Nicht-Athleten können für günstige 48$ gekauft werden, aber außer einer netten Show und mittelmäßigem Essen passierte dort nichts. Auch die anschließende Wettkampfbesprechung bringt keine neuen Erkenntnisse zum Verlauf des Triathlons.

Tag 1 Freitag: Der Wettkampf rückt näher. Am Vormittag werden die Räder noch einmal überprüft, damit sie am Nachmittag offiziell eingecheckt werden können. Das Einchecken ist viel weniger formell als bei uns: Während bei In Deutschland bei Wettkämpfen der Helm, der Sitz des Helms und die Bremsen überprüft werden, wurde nur das Vorhandensein der Startnummer und die richtige Anzahl der Beutel für die unterschiedlichen Phasen des Wettkampfs überprüft. Abends machen wir unsere eigene Pastaparty und gehen früh schlafen. 

ImageTag 0 Samstag: Endlich! DER Tag, auf den man die vergangenen Wochen und Monate drauf hingearbeitet hat. Morgens um halb vier klingelt der Wecker! Dann beginnt die Routine: kurzes Frühstück mit Müsli und Brötchen, Kaffee und dann noch einmal mit Sonnencreme eincremen und dann geht es mit dem ersten Shuttlebus an den Pier, wo schon Trubel herrscht. Als erstes geht es zum Bodymarking, bei dem die Startnummer auf beide Oberarme des Athleten gestempelt wird.

Um dort raus zu kommen, wird die Matte für die Zeitmessung überschritten und der Chip "scharf" gemacht. Dann hin zum Rad, noch einmal die letzten Vorbereitungen, Flaschen auffüllen, Riegel am Oberrohr befestigen (in den wildesten Konstruktionen möglich) und dann noch einmal die 50er Sonnencreme aufgetragen. 

ImageDie Sonne geht gerade hinter dem Mauna Loa auf, als der Startschuss für die Profis, die eine Viertelstunde vor den Altersklassenathleten starten, fällt. Und dann starten die anderen. Der Pazifik gleicht in diesem Moment einem Becken voll hungriger Piranhas. Das Meer ist welliger als in den Tagen vorher, aber Howard und Alex kommen beide gut durch. Und dann rauf aufs Rad.

Die Wechsel sind routiniert und dann geht es auf die Radstrecke. Bis Hawi weht ein leichter Rückenwind, der sich natürlich an dem Wendepunkt in Gegenwind verwandelt und der im Laufe des Rennens mehr wurde. Bei den heftigen Böen von der Seite muss man aufpassen, dass man nicht vom Rad geweht wird. Alex bekommt während der Fahrt Krämpfe und muss sogar absteigen, um sie zu lockern. Und das neue Powerbarprodukt verträgt der Magen nicht. Folge sind auch noch Magenkrämpfe.

ImageAber die Uhr tickt und schon ist er wieder in Kona. Der nächste Wechsel: neue Socken und die Laufschuhe an und dann geht es mal wieder die Palani Road hoch. Die ersten 5 Meilen geht es Richtung Süden, dann wird gewendet, bis man wieder auf der Palani Road ist und diese noch ein Stück weiter bis zum Kuakini Highway rauf und dann Richtung Norden läuft. Zum Glück geht dort noch ein bisschen Wind. Das Stück bis zum Wendepunkt im Energy Lab zieht sich, im Energy Lab selbst steht die Hitze aber schon ist der zweite Wendepunkt erreicht und es geht wieder zurück.

Wieder geht es vor dem Ziel die Palani Road hinunter, ich gebe Alex die griechische Fahne und er läuft noch einmal um den Block und genießt die letzten Meter auf dem Alii Drive. Alex erfüllt sich einen Traum und legt bei seinem ersten Ironman auf Hawaii gleich ein Daylightfinish mit der Zeit von 9:46 hin. Howard kommt ein wenig später - bei ihm bleibt die Zeit bei 11:47 stehen.

ImageIm Ziel gibt es leckere Zielverpflegung: Pizza, Kuchen, Hühnersuppe und Gatorade. Die Freunde und Familien dürfen mit in den Zielbereich und bei Anbruch der Dunkelheit machen wir uns auf Richtung Ziellinie, um dem großen Finish bis Mitternacht beizuwohnen.

ImageDort sieht man, was diesen Sport ausmacht: Die letzten werden auf der Ziellinie ebenso frenetisch gefeiert wie die ersten, Mike Riley begrüßt jeden Spätankommer noch mit dem Satz, der den Ritterschlag ausmacht: "You are an Ironman!" Am Ende eines langen Tages machen wir uns auf den Heimweg und auch, wenn Alex vorher immer gesagt hat, dass er das Rennen nur einmal machen wollte, kann ich sagen: Kona und der Ironman sind immer wieder eine Reise wert!

Julia Hild


Alexanders Blog
Seite des IronMan Hawaii
Alexanders Bericht vom Rennen auf der Seite des Team Agapedia Münsterland
 
< zurück   weiter >

Anzeige
Advertisement
Advertisement
Advertisement
Advertisement

Facebook


blank

Advertisement