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Im Tiefflug durchs Tiefdruckgebiet
Mittwoch, 8. Oktober 2008
ImageDas Zeitfahren in Bremen sollte nicht nur bei den Profis die Entscheidung in der Gesamtwertung bringen. Und dann fand das Rennen auch noch auf der gleichen Runde statt. Sogar die Startrampe der „Großen“ stand für die tapferen Jedermänner und –frauen bereit. Tapfer, weil die Bedingungen trotz guter Vorbereitung nicht optimal waren. Zeitfahren heißt Kampf gegen den Wind. Und von dem gab es reichlich.

Der 34,5 km lange Rundkurs führte zunächst in Windrichtung stadtauswärts. So konnten die schnellen Leute richtig Dampf machen, hatten dann aber Probleme mit dem teilweise verwinkelten Kurs. Wohl dem, der sich die Strecke vorher trotz Kälte und Regen angeschaut hatte. Die weniger schnellen Leute nutzen den Schiebewind weniger effektiv und wurden so schuldlos zu Pylonen für die Cracks.

ImageAlle 10 Sekunden wurde einer der gut 600 Starter von der Rampe gelassen. Nach Blöcken sortiert musste so keiner lange auf seinen Start warten. Dem Vernehmen nach mussten die Streckenmarshals des Öfteren eingreifen, da sich bei den engen Zeitabständen überall Gruppen gebildet hatten, die sich gegenseitig Windschatten spendeten. Von einem unfairen Event sprach aber kein einziger Fahrer.

ImageTeilweise war der Wind tatsächlich so stark, dass einige Starts ausgesetzt, also nach hinten geschoben werden mussten. Die Werbebanner an den Absperrgittern hatten diese in wahrhafte Segel verwandelt und sie kreuz und quer über die Strecke geschoben.

Dieser Effekt wurde im zweiten Streckenabschnitt auch den Fahrern mit Hinterradscheibe zum Verhängnis. Nur die wirklich erfahrenen Rennfahrer hatten keine Probleme, dem Wind eine solch große Angriffsfläche zu bieten, zumal der zweite Streckenteil entlang eines Deiches quer zur Windrichtung verlief. Es hieß also, kollektiv gegenlenken. Außerdem mussten die Fahrer oft die tiefe Position auf dem Trilenker verlassen, da die Strecke mit etlichen engen Kurven gespickt viele Bremsmanöver erforderte.

ImageUnd wie das mit Rundkursen so ist: man hat nie weniger Gegen- als Schiebewind, so klagten alle Fahrer über konstanten harten Gegenwind über die gesamte zweite Hälfte des Kurses. Landschaftlich dagegen muss der Kurs eine reine Wonne gewesen sein. Jeder, der zumindest ein halbes Auge dafür übrig hatte, lobte hinterher die abwechslungsreiche Führung anstelle der fast üblichen Wendekurse über eine Bundesstraße. Dafür war die Strecke wie erwähnt um so enger. Bei diesen Bedingungen ist die Zeit von Alexander Nikolopoulos um so höher einzuschätzen. Der Triathlet schaffte den Kurs mit einem durchschnittlichen Tempo von 45 km/h.

Damit hätte er selbst bei den später gestarteten Profis keinen schlechten Platz belegt, wobei man immer auch sehen muss, wer da voll gefahren ist, und wer die Beine mit Blick auf den Sonntag in Hamburg schon mal hoch genommen hat. Aber nichts desto trotz, das Lob des Moderators bei der Siegerehrung war mehr als verdient. In die Röhre guckten dagegen die Touristen, die wohl sonst in Scharen über die Dämme schlendern und es sich dort bei Kaffee und Kuchen gut gehen lassen. Lustige Fügung des Schicksals: Alex hatte den Startplatz bei der Verlosung des Challenge Magazins gewonnen. Sein nächster sportlicher Höhepunkt ist der Ironman auf Hawaii noch im Oktober.

ImageDas wird Martina Höllige zwar nicht, dafür hat sie mit dem dritten Sieg in Folge ihre Spitzenposition untermauert. Der Sieg war aber nicht ganz so souverän wie die ersten beiden. Nur wenige Sekunden trennten Nicole Markenbeck vom Überraschungserfolg. Das sollte den Frauen Hoffnung für die nächste Saison geben. Dass sich Erfahrung offenbar auszahlt, belegt auch, dass mit Julia Hanebuth erst auf Platz acht eine Fahrerin liegt, die nicht bei den Seniorinnen antritt.

Auch bei den Herren liegen unter den ersten Zwanzig nur zwei Athleten der Hauptklasse.
ImageBleibt der Blick auf die Gesamtwertung – die Sieger dieser an sich prestigeträchtigen Wertung wurden bei der Siegerehrung in Bremen nach Meinung des CM etwas unter Wert abgefertigt: Bei den Herren kamen nur 17 Fahrer bei allen drei Events ins Ziel, bei den Damen waren es deren nur drei. Vielleicht ist die geringe Anzahl an Meldungen insgesamt auch schon die Quittung dafür, dass im vergangenen Jahr die Siegerehrungen ein Megaflop waren, da keiner wusste, wann wer geehrt wird, am Ende fielen sie sogar ganz ins Wasser, da am späten Abend auch niemand mehr zu ehren da war.

Das Team Strassacker sicherte sich mit Martina Höllige und Marc Leischner beide Wertungen. Aber zumindest für ihre Einzelerfolge wurden sie gebührend gefeiert. Erwähnenswert auch das Team Georgsmarienhütte, das immerhin drei der siebzehn Fahrer im Männerfeld stellte.

Ausblick:
Veranstalter upsolut muss was tun – und sollte das im eigenen Interesse. Es ist an sich nicht nachzuvollziehen, warum bald jedes Jedermann-Rennen steigende Fahrerzahlen aufweist, die Leute nach Hamburg und Berlin strömen, als gäbe es dort Juwelen umsonst, aber bei der größten Radveranstaltung in Deutschland, und das ist eine Rundfahrt eben, kommen weniger Fahrer als zum Räumungsverkauf von Rudis Radparadis.

ImageDie Veranstaltung an sich ist gut, wenn man mal von kleinen Verfehlungen wie den Duschen in Hochfügen oder der Verpflegung absieht. Trotzdem behandeln die Hamburger diese Rennen eher mit der Liebe eines ungewollten Haustieres. Die Jedermannszene wird stets professioneller, besser organisiert, und das verspricht auch die Perspektive, dass mehr und mehr Leute den Aufwand betreiben, zu mehreren Events einer Serie zu fahren. Außerdem bietet die Nähe zu den Profis zusätzlichen Anreiz.

Also upsolut: Wir stehen in den Startlöchern, nächstes Jahr mal Vollgas, dann rennen wir euch die Bude ein. Eure Jedermänner.
 
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