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Trainingstipps: Ab in die Ecke!
Montag, 6. Oktober 2008
ImageDer geneigte Radprofi sehnt wahrscheinlich schon das Ende der langen langen Saison herbei. Nach WM, Deutschland-Tour  und Vuelta fährt der eine oder andere schon nur noch auf Reserve. Der durchschnittliche Berufsradfahrer spult im Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Kilometer ab, davon einen extrem großen Teil als Rennkilometer.

Die meisten verbringen wesentlich mehr Zeit mit ihrem Bike, als mit Frau und Kindern. Aber kaum ist die Saison zu Ende, fliegt das Rad erst mal in die Ecke. Für drei bis vier Wochen machen viele Radprofis nichts, was auch nur im Entferntesten an eine Tretbewegung erinnert.

Wobei: lustig wäre das schon, einen Boonen auf einem Tretboot zu sehen, im Schlepptau zwölf Wasserskiläufer.
Auch wenn man denken mag: das dauert doch ewig, den Trainingsrückstand wieder aufzuholen, die überdurchschnittlich lange Pause hat mehrere bedeutsame Konsequenzen. Zum Einen nehmen gerade die Rundfahrer wieder etwas an Gewicht und vor allem an Fett zu. Das ist in der Saison bis auf wenige Gramm zusammengeschmolzen, bei einigen sogar so weit, dass das sogenannte „braune“ Fettgewebe rund um das Herz schon dezimiert ist. Diese extrem energiehaltige Substanz ist quasi die letzte Abscherung des Körpers vor dem Hungertod.

ImageZum Anderen haben die vielen kleinen Entzündungen und Reizungen in Sehnen, Bändern, Knochenhäuten und rund um das Gesäß Zeit abzuklingen. Gibt man ihnen dazu nicht die Gelegenheit, kann im schlimmsten  Fall eine Herzmuskelentzündung die finale Konsequenz sein. Solche kleinen Wehwehchen sind Alltag eines Radprofis.
Dritter und letzter Nutzen ist psychologischer Art. Man stelle sich vor, man hat gerade einen riesigen Zaun gestrichen und kaum ist man fertig, fängt man vorne wieder mit der nächsten Schicht an. Genauso würden sich Profis fühlen, die nach der Saison gleich wieder ins relativ eintönige Grundlagentraining einsteigen. Nach vier Wochen ohne Rad freut sich manch einer sogar schon wieder auf den Start in die neue Radsaison.

Aber wie ist das mit Amateuren und Hobbyfahrern? Viele halten sich da an die berühmten Vorbilder und meinen, was für die gut ist, kann für einen selbst  nicht schlecht sein. Wirklich schaden tut auch eine mehrwöchige Pause nicht, aber der Effekt findet ausschließlich im Kopf statt. Sicher tut es gut, sich eine Zeit lang nicht mit Autos, Wetter, Pensum, Strecken und Mitstreitern beschäftigen zu müssen, aber im Allgemeinen kommt der Amateur- oder Hobbyfahrer nicht mal ansatzweise in den Erschöpfungszustand, den der Profikollege zu verkraften hat. Der Verlust an Ausdauer ist daher deutlich größer, als der Nutzen durch die lange Erholung. Selbst wer durchschnittlich ein Rennen pro Woche fährt, kommt nicht in globale Erschöpfungszustände, die gesundheitlich irgendwie bedenklich wären.

ImageSinnvoller sind in diesen Fällen Alternativtrainingspläne. Langlauf statt Radeln, Jogging, Gymnastik, vielleicht mit ein paar Radkollegen auf den Bolzplatz gehen (der durchschnittliche Radfahrer sollte sich nicht mit Ballsportlern messen, geht meistens in die Hose) …. Vorsicht bei allen Disziplinen mit Laufbelastung: Die Bremsbewegung, die der Muskel  beim Auftreten machen muss, ist dieser vom Radfahren nicht gewohnt. Folge sind kleinste Zerreißungen in der Muskelstruktur, auch bekannt als Muskelkater. Allerdings, wer lange nicht gelaufen ist, bekommt Kater der außerirdischen Art, also am kommenden Tag nichts Körperliches vornehmen. Das Rad also außen vor lassen, aber keine drei oder vier Wochen komplett schleifen lassen. Mit was man sich beschäftigt, ist an sich egal, es sollte nur Spaß machen, um Motivation für den etwas tristeren Radlerwinter zu sammeln. Wer die Lust am Treten nicht verliert, kann auch voll durch trainieren. Natürlich ist das Programm ein andres als im Sommer, aber die Grundlagenausdauer hat bei den Wettkämpfen eh gelitten. Warum also nicht gleich wieder nachlegen und Kilometer fressen?

Das CM rät allen nicht-Profis: Noch so lange fahren, bis das Wetter echt richtig schlecht ist, aber die harten Belastungen weglassen. Wenn der Winter sich durchsetzt, eine Woche ohne Training, danach eine Mischung aus Grundlagenfahrten und alternativen Trainings mit hohem Spaßfaktor.
Viel Erfolg schon jetzt für 2009. Und … lieber Winterspeck als Winterstress!
 
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