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?Hop Schwiz? oder ? Aus alt mach Neu?
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Die Auferstehung der Züri Metzgete

ImageAus einer Not eine Tugend machten im Jahr 1910 ein paar pfiffige „Velofahrer“ eines Züricher Radfahrvereins. Bei der Anschaffung neuer Vereinsbekleidung hatten sie sich finanziell übernommen und organisierten zur Kompensation der hohen Ausgaben kurzerhand die Erstauflage der Züri Metzgete.

Wie sich diese Veranstaltung in den letzten 98 Jahren entwickelt hat, wollten sich zwei Fahrer des Teams Agapedia (Kris Van de Velde & Rebecca Schwantes) und zwei befreundete „Ortsansässige“ vom Velo Culture Racing Team (Harry Nussbaumer & Jacqueline Kees) direkt vor Ort betrachten.

Doch vorerst noch ein paar Worte zu den Höhen und Tiefen fast eines Jahrhunderts Renngeschichte.
Ab dem Jahr 1917 wurde das Rennen regelmäßig als Schweizer Meisterschaft durchgeführt und schaffte es bis Mitte der 60er Jahre in den elitären Kreis der wichtigsten Eintagesklassiker zusammen mit namhaften Veranstaltungen wie Lüttich-Bastogne-Lüttich oder Paris Roubaix, des so genannten Coup du Monde, Vorläuferin der Pro Tour.

ImageDoch es blieb nicht immer so angenehm für das einzige Schweizer Weltcuprennen. Mit dem Prestige stieg auch der Aufwand und somit die Kosten. Ein kompetentes Team um Tour de Suisse Direktor Sepp Voegeli nahm von 1977 bis 1992 das Zepter in die Hand und brachte 15 Jahre lang einen reibungslosen Ablauf. Zu dieser Zeit führte die Strecke auf 48 km durch das Züricher Umland und über den Regensberger, der auch heute wieder im Streckenplan ist.

Doch Herr Voegeli starb und mit ihm fast das Rennen. Sein Nachfolger wollte unbedingt eine Veranstaltung, die von A nach B führt und so fuhren die Teilnehmer bis 1998 von Basel nach Zürich. 3 Weitere Veranstalter-Wechsel folgten zwischen 1999 und 2006 und mit ihnen wechselte auch wieder die Rennstrecke ihren Standort.

Der letzte dieser Veranstalter war Upsolut, unter anderem auch für die Durchführung der Hamburg Cyclassics und Deutschland Tour bekannt. Unter dieser Obhut wurde erstmals eine Jedermann-Version der Züri Metztgete gestartet. 

Von 1999 bis 2006 startete man in Utoquai am Zürichsee und hatte den legendären Anstieg des Pfannenstiel als Haupthindernis unter den Rädern.

Image2007 dann der absolute Tiefpunkt. Mangels Sponsoren konnte das Rennen nicht stattfinden! 2008 ging die Verantwortung wieder an den ursprünglichen Gründungsverein RVZ zurück.

Dieser lässt mit einem attraktiven und zuschauerfreundlichen Kurs die besten Damen in einem UCI Weltcuprennen antreten, sowie U23/Amateure und zur großen Freude des Breitensports die Jedermänner in einer eigenen Volksmetztgete über eine (52km) oder zwei Runden.

Und wie war nun die Neuauflage der Züri Metztgete?
Ein Erfolg auf der ganzen Linie!

Trotz des katastrophalen Regenwetters am Vormittag fanden sich über 1000 Teilnehmer am Start ein. Die Organisation war bis ins kleinste Detail durchdacht, durchweg professionell umgesetzt und der Starterbeutel bis oben hin voll mit nützlichen Kleinigkeiten. Die Startgebühr von 50 Euro war zwar eher am oberen Ende der Schmerzgrenze angesiedelt, aber das mitgelieferte Trikot zum Rennen ist ausnahmsweise wirklich geschmackvoll gestaltet und von guter Qualität.

Der Startschuss zur Volksmetztgete war um 08.00 Uhr in strömendem Regen und für die 4 „Tester“ allesamt aus dem Startblock „A“. Die Zeitnahme war allerdings für alle Teilnehmer Netto-Zeit basiert, so dass ein Platz ganz vorne im Block nicht unbedingt eine ebenso gute Platzierung bedeuten musste.

Die ersten 25 km waren flach bis wellig und gut geeignet, um kalte Radfahrerbeine zu wärmen. Spätestens am Siglisdörfer, dem ersten Anstieg mit 18% Steigung war der Puls dann aber oben. Der Hügel zeigte sich hart aber kurz und trennte zum ersten Mal die Spreu vom Weizen.

ImageDanach folgten wieder ein paar Wellen und Flachstücke. An diesem Tag erwiesen sich allerdings die Abfahrten schwieriger als die Anstiege.  Aquaplaning und reißende Sturzbäche machten die Kurven zu einer Rutschpartie. Die letzte Hürde auf dem Rundkurs war der Regensberger, ein schöner gleichmäßig steiler Anstieg zum Ort Regensberg. Eine malerische Aussicht vereinfachte die Strapaze und viele Zuschauer mit Regenschirmen machten den „Velofahrern“ lautstark Mut.

Danach war man auch schon fast wieder im Ziel und konnte sich schon mal überlegen, ob man noch eine Runde fahren, oder doch lieber heiß Duschen wollte.

Jacqueline und Rebecca hatten sich schon vorab auf eine Runde geeinigt und Kris entschied sich kurzfristig aufgrund der schlechten Bedingungen für die kurze Strecke.

Harry blieb eisern auf seinem Kurs und gewann den Sprint seiner dezimierten Gruppe, nachdem er auf der zweiten Runde das Tempo am Regensberger regelrecht forciert hatte. Leider bleib ihm in der Ergebnisliste ein verdienter Top 10 Platz auf Grund der Netto-Zeit Regelung verwehrt. Aber über Sinn und Unsinn dieser Zeitnahme soll jeder selber entscheiden.

Das Rennen über 104 km gewann bei den Herren Michael Themann, ein Amateur aus Brütten und bei den Damen Marcia Eicher aus Allschwil. Über 52 km triumphierten Roger Loeliger und Anette Michel, beide aus Zürich.

Zum Schluss noch die Antwort auf eine Frage, die sich sicher schon viele gestellt haben: Was bedeutet eigentlich das „Metztgete“ in Züri Metzgete?

Die Antwort bleibt geheimnisvoll und  umstritten, aber hier trotzdem ein Erklärungsversuch:
In früheren Zeiten wurde die Züricher Meisterschaft größtenteils auf unbefestigten Straßen gefahren.  Da deshalb auch viele Stürze passierten, erinnerte das Rennen so manchen an ein „Gemetzel“ oder zu Schweizer Deutsch „Metzgete“.

Heutzutage sieht das natürlich anders aus und die Straßen sind nicht nur befestigt, sondern auch perfekt geteert und für den Straßenverkehr komplett gesperrt.

Es bleibt also nur noch der Appell an die Freunde des Straßensports: „Auf zur Züri Metzgete am 06.09.2009!“
Rebecca Schwantes

www.zueri-metzgete.ch
www.team-agapedia.de
 
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