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Boogie?s Extrem ? Extrem gut
Mittwoch, 1. Oktober 2008
ImageRadsportveranstaltungen in den Benelux-Ländern haben immer einen gewissen Kultcharakter. Die Tourversie, die Hobby-Veranstaltungen, der großen Frühjahrsklassiker sind immer sehr gut besucht, 10.000 bis 15.000 Teilnehmer/innen sind keine Seltenheit.

Neuere Veranstaltungen tragen fast immer den Namen eines ehemaligen oder aktiven Radsportlers.
Dazu passt natürlich auch die Premiere von  Boogie´s Extreme, einer Tour, bei der Michael Boogerd, der dreifache niederländische Straßenmeister, seine liebsten Streckenteile von Lüttich-Bastogne-Lüttich und Amstel Gold Race in eine Veranstaltung packte.

Das versprach eine harte Tour zu werden, denn Steigungen wie Côte de la Redoute und Keutenberg in einer Veranstaltung, die den Namen Boogie´s Extreme trägt, sorgten für Respekt. Doch der ehemalige Sieger des Amstel Gold Race plante keine extrem schwere, sondern eine extrem schöne Tour und die ist ihm wirklich gelungen.

ImageIm Ziel wurde Boogie´s Extreme von einigen Teilnehmern als (noch) kleine Veranstaltung eingestuft. Doch 2.600 Teilnehmer bei der Premiere, davon können deutsche Ausrichter nur träumen. Im kommenden Jahr dürfte die Anzahl der Starter deutlich höher liegen, Boogie´s Extreme ist durchaus auch eine Alternative für Hobby-Fahrer/innen aus dem Westen Deutschlands.

In den Niederlanden oder in Belgien gibt es keine Jedermann-Rennen, wie wir sie in Deutschland kennen. Es handelt sich in der Regel um RTF´s mit Zeitnahme. Allerdings brauchen die Radsportler in unseren Nachbarländern auch keine gesperrten Straßen, wie ich wieder einmal feststellen konnte. Probleme gab es nur am Gulperberg, doch dazu später mehr.

ImageWährend sich die Fahrer auf den längeren Distanzen schon früh mit Steigungen rumschlagen mussten, konnte man sich auf der 100 km Distanz noch etwas einrollen. Die ersten 42 Kilometer ging es recht sanft rauf und runter, ab Mecherberg waren dann wieder alle Strecken vereint, dort ähnelte dann das Streckenprofil wieder eher dem EKG eines sehr aufgeregten Patienten.

Alle Profile sind auf der Homepage des Veranstalters abrufbar. Zusätzlich können die Strecken als GPS-Datei runtergeladen werden. Wer eine andere Perspektive braucht, hat die Möglichkeit, sich Boogie´s Extreme auf Google Earth anzusehen. Die Website versorgt die Starter mit allen nötigen Informationen.

ImageDer Startort zu Boogie´s Extrem wurde gut gewählt. Start und Ziel befinden sich auf dem Cauberg in Valkenburg, wo Michael Boogerd 1999 das Amstel Gold Race gewinnen konnte. Im Zentrum von Valkenburg ist es morgens zwischen 6:00 Uhr und 7:00 Uhr noch sehr ruhig.

Noch keine Hinweise auf die Veranstaltung, keine Radfahrer, keine Absperrungen. Der Cauberg ist sehr gut ausgeschildert, wer in Richtung Casino fährt, kommt automatisch zum Start. Am Beginn der Schlusssteigung dann erste Hinweise, hier liegt die vorletzte Transpondermatte, außerdem wird die Straße wie beim Amstel Gold Race geteilt.

ImageDen Radsportlern gehört die linke Straßenseite, Autofahrer fahren auf der normalen rechten Spur den Cauberg hoch. Am Start und Ziel waren dann auch endlich Radfahrer zu sehen. Der Bungalowpark Landal Kasteeldomain auf dem Cauberg war ein perfekter Startort. Besonders für die Teilnehmer, die für das Wochenende einen Bungalow gemietet hatten und nach der Tour im eigenen Garten feierten. 

Allerdings könnte es bei einer höheren Startzahl dort etwas eng werden. Der Raum mit den Meldetischen ist recht klein, Schlangen gab es weder bei der Anmeldung, noch bei der Rückmeldung. Was mich erstaunte, waren jede Menge ausgebaute Laufräder, alle Fahrer schienen Probleme mit ihren Rädern zu haben. Der Transponder zur Zeitnahme wurde auf dem Schnellspanner des Vorderrads befestigt, das sah zuerst etwas merkwürdig aus, war aber sehr schnell erledigt.

ImageDrei Strecken wurden angeboten. Auf der 100 km langen Strecke mussten die Fahrer/innen 1.300 Höhenmeter bewältigen, auf 150 km waren es schon 2.100 Höhenmeter und wer die 230 km plante, konnte sich schon im Vorfeld mit satten 3.400 Höhenmetern anfreunden. Starten konnten alle nach Wahl zwischen 7:00 Uhr und 10:00 Uhr. Um 7:00 Uhr standen bei aufgehender Sonne nur Fahrer/innen der langen Strecke am Start. Kein Wunder, immerhin war es mit 6 Grad noch recht kühl.

Erst nach 10:00 Uhr wurde es langsam etwas wärmer, mehr als 15 Grad wurden es allerdings nicht. Ansonsten war das Wetter perfekt. Bei viel Sonne und wenig Wind war auch die Stimmung unter den Fahrer/innen sehr gut. Der Chef selber fuhr übrigens auch mit. Gemeinsam mit seinem Bruder Rini nahm Michael Boogerd die 150 km Distanz unter die Räder.

ImageEin großes Problem bei solchen Veranstaltungen sind die Begleitwagen. Viele Familien oder Vereinsangehörige wollen ihre Fahrer begleiten. Bei den Veranstaltungen mit 10.000 oder mehr Teilnehmern sind Begleitwagen auf den steilen, schmalen Steigungen nicht möglich. Es gibt jedoch bei allen Veranstaltungen Treffpunkte, die leicht zu erreichen sind, ohne die Fahrer zu gefährden.

Bei Boogie´s Extreme fahre ich die 100 km Strecke mit dem Wagen ab, vermeide aber die engen Steigungen, bis auf den recht kurzen Gulperberg, dort zwänge ich mich mit dem Auto hoch, bei anderen "Hügeln" lasse ich den Wagen vor der Steigung stehen und gehe zu Fuß hoch.

ImageBereits kurz nach dem Start merkt man den Unterschied zwischen Deutschland und den Niederlanden, was den Respekt der Verkehrsteilnehmer untereinander angeht. Wenn die Straße es erlaubt, fahren die Radler auch schon mal zu dritt oder viert nebeneinander. Doch kein Autofahrer regt sich auf, es wird gewartet, bis sich eine Gelegenheit ergibt, die Fahrer ohne Gefährdung zu überholen.

Auch die Radsportler fühlen sich nicht als Könige der Straße, wenn es längere Zeit für Autofahrer schwierig ist zu überholen, werden die Reihen automatisch schmaler, keiner flucht, keiner hupt – auf unseren Straßen undenkbar.
In Deutschland gelten Radfahrer auf der Straße als Hindernis, die Radler reagieren schnell gereizt und einige provozieren die Autofahrer mit voller Absicht.

ImageRespekt, der Schlüssel zum friedlichen Miteinander, ist in den Niederlanden kein Fremdwort. Wenn mal ein Radweg auftaucht, wird dieser auch benutzt, beim Zustand der Radwege in den Niederlanden ist das auch kein Problem. So geht es die ersten 40 km meist über ruhige Nebenstraßen, auch mal an typischen Windmühlen vorbei. Nach etwa 20 km wartet ein rund 400 Meter langes Stück voller Rollsplitt auf die Fahrer/innen.

Viele fahren hier platt, die nächsten 10 Kilometer stehen zahlreiche Fahrer an der Seite und ziehen neue Reifen auf. Alleine bleibt dabei keiner, meist sind es Gruppen zu vier bis sechs Personen, die sich anschließend auf die Jagt nach ihrer Gruppe machen, in der die schwächeren Fahrer weiterfahren. Überhaupt scheint es den wenigsten um eine möglichst schnelle Zeit zu gehen, die Gruppe steht im Vordergrund.

ImageNach 40 Kilometern frage ich mich, wann wohl der erste Verpflegungspunkt kommt und muss innerlich grinsen. In Deutschland ein absolutes No-Go, wenn dort nicht spätestens nach 25 km eine gut bestückte Kontrolle auftaucht, hagelt es Proteste der Teilnehmer/innen.

Nach 53 km können dann an der ersten Verzorgingspost Trinkflaschen und Nahrungsspeicher aufgefüllt werden. Wie am Start ist die Auswahl sehr groß. Obst, Waffeln, Energieriegel, Wasser und Energiedrinks. Auch Begleitwagen treffen ein. Einige Familien bauen an der Kontrolle ihre Klappstühle auf und warten auf ihre "Renners". Viele Autos sind mit Ersatzrädern bestückt – bei einer RTF!

ImageAn den Kontrollen können sich die Fahrer bei technischen Problemen an den Mechaniker von Shimano wenden, schnell wird die Panne behoben und es geht weiter.

Jetzt kommen die Fahrer/innen der 100 km Strecke zum schwierigsten Teilstück. Ein Hügel nach dem anderen muss überwunden werden, nach 67 km erreichen sie den Gulperberg, die erste typische schmale Steigung. Hier passen keine zwei Autos nebeneinander, das Überholen der Radfahrer wäre zu gefährlich. Zum Glück ist der Gulperberg nur einige 100 Meter lang.

ImageEs ist schon eine Zeit her, seit ich die letzten Fahrer überholt habe, also blockiere ich keine schnellen Fahrer, wenn ich mich dem Tempo der Radler anpasse. Erste Fahrer steigen vom Rad, andere kommen nur noch in Schlangenlinien die Steigung hoch.

Also erster Gang rein und schön hinter der Gruppe bleiben. Oben auf dem Gulperberg angekommen bietet sich ein traumhaftes Panorama, um die Teilnehmer/innen zu fotografieren. Hier stehen zahlreiche  Fans, mehrere Begleitwagen treffen ein, kaum ein Auto nimmt den Weg der Sportler, sondern fährt den Hügel von der Ausweichstrecke her an.

ImageJetzt kommen ständig größere Gruppen an Radsportlern und mittendrin eine Gruppe von Oldtimern. Ein tolles Bild für die Zuschauer, die Hölle allerdings für die Radfahrer. Denn jetzt kommen einige Autos aus der anderen Richtung und als ein Oldtimer von seinem Fahrer abgewürgt wird, ist das Chaos perfekt. Die Autos kommen nicht mehr weiter, für die Radfahrer bleibt nur eine ganz schmale Gasse.

Viele Fahrer/innen müssen absteigen und ihre Räder über die Autos heben. Fast 30 Minuten dauert es, bis der Oldtimer wieder anspringt und sich langsam alles entzerrt. Ein großes Chaos, obwohl Radfahrer und Autofahrer besonnen reagierten. Streit oder Beschimpfungen gab es keine, nur leises Fluchen war hier und da seitens der Sportler zu hören.

ImageWährend die größeren Strecken mit der Côte de la Redoute und ähnlichen Steigungen schon einige schwierige Hindernisse überwältigen mussten, geht es jetzt auch auf der 100 km Strecke Schlag auf Schlag. Kruisberg, Eyserbosweg, Fromberg und dann der Keutenberg, wo die Anzahl der Fußgänger deutlich zunimmt.

Doch die Stimmung bleibt gut und oben auf dem Keutenberg sind die Hobbyfahrer wieder mit den Cracks vereint. Man kann vor der Leistung der Fahrer nur den Hut ziehen, sind es doch nicht nur Rennradfahrer, die scheinbar mühelos diese harte Steigung bezwingen. Auch zahlreiche Tourenräder und MTBler sieht man hier.

ImageNun geht es erst einmal 7 km bergab bis zum Schlussanstieg. Der Cauberg geht enorm in die Beine, besonders nach so einem Ritt, doch oben wartet das Ziel. Die letzten Reserven werden mobilisiert und wer es alleine nicht schafft, findet Unterstützung bei den Mitfahrern. Die Zuschauer feuern die Fahrer/innen lautstark an und treiben sie so die letzen Meter bis zum Ziel.

Im Bungalowpark Landal Kasteeldomain dann wieder das Bild zahlreicher ausgebauter Laufräder. Nach der Abgabe der Transponder erhält jeder Teilnehmer ein T-Shirt mit dem Logo der Veranstaltung und dem Schriftzug "Nekkie Eraf", einem Spuch, den Michael Boogerd sehr oft zum Besten gab, wenn er völlig erschöpft das Ziel eines Rennens erreicht hatte.

ImageDie Party im Bungalowpark dauerte noch Stunden. Bei Boogie´s Extreme stimmte einfach alles, natürlich war  bei der ersten Veranstaltung trockenes Wetter sehr wichtig. Ich kann diese Veranstaltung nur empfehlen, hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten.

Wer noch einen besseren Eindruck bekommen möchte kann sich auf der Seite des Veranstalters informieren oder/und in unserer i am joaquin essay zahlreiche weitere Bilder ansehen. ws

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