Tour Trans Austria 2008
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Am 18. Dezember 2007 wurde bekannt gegeben, dass die Event-Familie aus dem Delius Klasing Verlag um ein weiteres Mitglied erweitert wird. Genau neun Monate später war es dann soweit. Ein neues Highlight im Bereich der Jedermann-Etappenfahrten wurde geboren. Die Tour Trans Austria feierte Premiere.

Es war eine schwierige Geburt, das Wetter machte zu Beginn einen dicken Strich durch die gewissenhaften Planungen der Organisatoren. Dennoch wurde die erste Tour Trans Austria zu einem großen Erfolg, nicht zuletzt durch die Teilnehmer/innen, die Wetter und Bergen trotzten und damit den Grundstein legten für eine erfolgreiche Fortsetzung der Etappenfahrt. Zur Belohnung wurde das Wetter im Laufe der Etappenfahrt immer besser......


Während des Rennens hatten die Fahrer/innen nur selten einen Blick für das atemberaubende Panorama der Österreichischen Alpen, zum Glück gibt es auf der Internetseite des Veranstalters neben ausführlichen Berichten zu den durchfahrenen Landschaften wunderschöne Bilder von Landschaft und Teilnehmern zu sehen. Unter den rund 300 Teilnehmern aus 20 Nationen waren auch Norbert Seewald und Daniel Wiebel, die für das Team Radon bei der Tour Trans Austria unterwegs waren. In seinem Tagebuch berichtet Norbert Seewald von einer aufregenden Woche.

13.08.2008 – Ankunft in Kirchberg
Nach langer Autofahrt auf dem Rücksitz von Daniels Alhambra zusammen mit einer Hundemaus bei weniger gutem Wetter in Kirchberg/Tirol angekommen. Hundemaus fand es die letzten 3 Stunden eher langweilig und sie konnte nicht schlafen. Beim Briefing auf bevorstehenden Wintereinbruch am Montag/Dienstag hingewiesen worden, aber wir können Glück haben, so die Organisatoren: Vielleicht kriegen wir euch zumindest noch im Trockenen auf die Strecke.

Für morgen schon mehrere Überschuhe, Jacken etc. rausgelegt, Rad fertig gemacht, Startnummer passt kaum ans Ergomo dran, gleich noch ein Bierchen – und dann kanns losgehen. Der diesmalige Gegenstand meines Vergessens: Schutzbleche. Und ich hätte welche gehabt.

ImageImage14.08.2008 – Etappe 1 - Kirchberg-Neukirchen


Streckenlänge:     121,91 km
Höhenmeter:     2434      
Pässe:         Wildschönau, Kerschbaumer Sattel, Gerlospass


Von Start bis Ziel in einem durch Regen, Regen, Regen. 15 km neutralisiert, dann freie Fahrt. Drei Pässe, dazwischen flach. Dreimal haben Daniel und ich uns recht lieb gehabt und waren zueinander hingezogen – aber außer einem Schrecken und 50 Schläge Pulsanstieg (und Schuldgefühle meinerseits) nichts passiert. Die Abfahrten von Pass Nr. 2 und Nr. 3 waren fast vollständig im Nebel. Beim Briefing wurde angekündigt, dass die Tour morgen auf den Großglockner ersatzlos ausfällt wegen Schnee. Schade, denn die Beine sind noch gut. Aber der Regen heut, der war schon irgendwie mies.
   
ImageImage15.08.2008 – Etappe 2 - Neukirchen-Lienz war mit folgenden Daten geplant

Streckenlänge:     131,94 km
Höhenmeter:     2539 hm
Pässe:         Großglockner, Iselsberg


Heut war Ruhetag, Etappe ausgefallen. Es gab Eis und Riesenschnitzel, und danach kurz aufs Rad ein bisschen rollen. Leider musste sich der Hund mehrfach übergeben. Ich habe die Vermutung, dass das irgendwie mit der ausgefallenen Etappe zusammenhängt.

16.08.2008 – Etappe 3 - Lienz-Hermagor

Streckenlänge:     114,52 km
Höhenmeter:     2445 hm      
Pässe:         Pustertaler Höhenstraße, Kartitscher Sattel


Heut wars schön! Mit vollem Bauch an den Start, dann noch schön einen Cappuccino und den Leuten zugeschaut, und dann ging es los. Hoch und runter und das Ganze immer wieder, bis irgendwann in der Kurve bei Tempo 50 auf schlechter Straße ein LKW kam, sich gleichzeitig der Ergomo löste, von den Speichen zunächst in zwei, dann in unzählige Teile vom LKW zerteilt wurde.

Mit drei Italienern die letzten 30 km einen schönen Express aufgemacht – Grüße nach Verona! Nach einer schönen Massage fühle ich mich super und freu mich auf morgen. Und am Abend erfahre ich bei einem Bier, dass die Schleifspuren an den Schnallen von Daniels Schuhen vom Aufsetzen in den Serpentinen sind. Was ist eigentlich mit der Schallmauer?

ImageImage17.08.2008 – Etappe 4 - Hermagor-St.Michael


Streckenlänge:     141,62 km
Höhenmeter:     3664 hm      
Pässe:           Windische Höhe, Nockalmstraße


Königsetappe – und die war in der Tat nicht ganz ohne. Die Italiener vom letzten Mal hatten Radprobleme, aber mit den Agapedia-Leuten war es schön. Das Mädel hat aber anscheinend noch nichts von Schwerkraft gehört, wir hätten ihr davon erzählen sollen. Insgesamt vier Pässe standen auf dem Programm und alle mit ständigen Rampen, und so waren die ca. 140 Kilometer gut gefüllt.

In der letzten Abfahrt wurde mir dann eine Kontaktlinse aus dem Auge geweht, und bei -8 Dioptrien musste ich dann einäugig weiterfahren. Am Ende haben wir dann doch noch ein Grüppchen kurz vor dem Ziel eingeholt – und welche Zeit war? Die zum Kaputtfahren! Die virtuelle Trophäe zum Spruch des Tages möchte ich aber einem Einzelstarter überreichen, der uns folgendes erzählte: „Ich war im Kopf schon bereit und wollte am zweiten Pass aufhören. Aber ich kam nicht aus dem Klick raus, und da hab ich gedacht: Scheiße, dann musst Du weiterfahren.“

ImageImage18.08.2008 – Etappe 5 - St. Michael-Ramsau am Dachstein
     
Streckenlänge:     81,42 km
Höhenmeter:     1432 hm            
Pässe:         Radstädter Tauern, Ramsau am Dachstein


Der Erholungstag von der gestrigen Tour war in der Tat einer. Ein ganz leichter Pass, flach und stetig, gefolgt von einer schnellen Abfahrt, auf der ich merkwürdigerweise arge Probleme hatte. Aber was solls, danach kam etwas, was ich richtig gern mag: Eigentlich fast eine Ebene, aber hügelig und irgendwie ständig leicht hoch.

Nachdem ich mit unserer Gruppe arg unzufrieden war – kurze Absprache mit dem Team Intersport, in der Herren-Wertung genau einen Platz vor uns. Etwas weniger als 10 km vor dem Ziel haben wir uns dann auf- und davongemacht und ungewöhnlich früh waren wir im Ziel. So langsam merkt man, dass es zu Ende geht. Schade, denn gerade fang ich an, mich richtig wohl zu fühlen.

19.08.2008 – Etappe 6 - Ramsau am Dachstein-Murau
     
Streckenlänge:     76,83 km
Höhenmeter:     1362 hm
Pässe:         Ramsau am Dachstein, Sölkpass


Heute wieder eine sehr leichte Etappe, allerdings zuerst 25 Kilometer neutralisiert, davon fast 300 Höhenmeter bergab – habe ich gefroren. Dann endlich über den Sölkpass auf kleinen Straßen und in die Abfahrt, auf der Daniel die 100 km/h um ein Haar hätte knacken können.

Eine Kuh lag seelenruhig kauend am Straßenrand, und niemand konnte sie scheinbar dort wegbekommen, deshalb stand davor ein Helfer mit einer Warnflagge. In der Ebene wieder schön Druck gemacht und wie immer macht niemand mit, aber schön war es trotzdem. Morgen letzter Tag...

ImageImage20.08.2008 – Etappe 7 - Murau-Velden am Wörthersee
     
Streckenlänge:     95,55 km
Höhenmeter:     1598 hm      
Pässe:         Flattnitz, Ossiacher Tauern


Ein klasse Finale: Ein leichter Pass mit schneller Abfahrt, auf der allerdings direkt vor mir ein Fahrer in die Leitplanke fuhr und sich mehrmals überschlug. Und dann hat die Gruppe einschließlich der zwei schon genannten Italiener auch kennen lernen dürfen, was ein deutscher Express ist – und was der macht.

Der letzte Berg sollte nur gut 300 Höhenmeter haben, war aber ganz ordentlich fies: Geschottert, ständige Rampen und kein Ende in Sicht. Danke an das Begleitfahrzeug vom Intersport-Team: „Noch a paar Schnapperl noch“. „A paar“ bedeutete aber gefühlt unendliche Schnapperl. Nach einer schnellen Abfahrt die ersten Häuser, ein Kreisverkehr, ein paar Absperrungen – und schon war die Rundfahrt vorbei, so schnell, wie sie angefangen hatte. Nach allgemeinem Händeschütteln saßen wir dann am Wörthersee, an dem ich friedlich einschlummerte, der Bauch voll von Kuchen, Tee und allem, was es so gab.

ImageImageBei der Siegerehrung schöne Trikots bekommen, noch mal alle gesehen – vielleicht bis zum Wiedersehen 2009. Am nächsten Tag sollte ich dann ordentliche Kopfschmerzen haben, aber das konnte ich an diesem schönen Abend noch nicht wissen.

ImageImageAch ja... in der Gesamtwertung belegten wir mit einem Rückstand von 2 Stunden und 55 Minuten Platz 8. Mit einem Eintrag unter den Top-Ten sind wir natürlich sehr zufrieden.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich den 17. November merken. Punkt 12:00 Uhr beginnt an diesem Datum nämlich die Online-Anmeldung für 2009. Vom 13. bis zum 19. September geht es dann ein weiteres Mal über die wunderschönen Pässe der Alpen durch Österreich.

Norbert Seewald
http://enllumenat.cat/people-who-can-write-college-essays/
www.team-radon.de
 
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