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N?rburgring 24 Stunden Rennen
Montag, 1. September 2008
ImageRad am Ring, das bedeutet volles Programm, alle Arten von Radsportlern kommen hier zu ihrem Recht. Über 500 Höhenmeter auf rund 22 Kilometer müssen die Teilnehmer jede Runde bewältigen. 72 Kurven auf der Nordschleife, dazu noch der enge Weg durch das Fahrerlager. Langeweile kommt da keine auf.

Auch nicht beim Kernrennen an diesem Wochenende, dem 24 Stunden Rennen auf der Straße. Marco Kautz war mit drei Freunden im  Team Voreifel 2 unterwegs, am Ende erreichten sie einen sehr guten 58. Platz unter 465 Mannschaften. Marco Kautz führt eine sehr informative Website, wo unter anderem auch seine Leistungsdaten von Rad am Ring 2008 nachzulesen sind. Der Link dahin steht am Ende des Berichts.

Freitag 22. August 2008

Es regnet in Strömen!! 15 Liter pro Quadratmeter sind gemeldet worden. Hoffentlich regnet sich das aus bis Samstagmittag. Es muss nur trocken bleiben!!! BITTE!! ------ Gott sei dank! Der Regen hat etwas nachgelassen! Etwas stressig ist es wohl für Johannes. Er macht sich jetzt auf den Weg zu mir. Mittlerweile ist es 17 Uhr 30. Eigentlich wollten wir schon um fünf fahren.

ImageIrgendwie hab ich jetzt schon wieder so ein Kribbeln im Bauch, ich freue mich auf jeden Fall auf Rad am Ring, egal ob mit oder ohne Regen.

Gegen 19 Uhr 30 sind wir im Fahrerlager und bauen den Pavillon auf. Kein schönes Bild was sich hier am Nürburgring auftut: Nebel, Nieselregen und Temperaturen um die 10 Grad verheißen nichts Gutes. Immer noch heißt die Parole: Bis Sonntagmittag um 13 Uhr muss es trocken sein.

ImageGegen halb 12 sind wir dann schlafen gegangen. Die Nacht war schrecklich, immer wieder bin ich wach geworden, was nicht zuletzt auch an diesem verrückten Wetter gelegen hat. Die Nacht war unheimlich stürmisch und regnerisch was man gut in unserem Transport Bus hören konnte. Meinen Schlafplatz hatte ich dort nämlich aufgebaut. Gegen 7 Uhr war allerdings schon die Nacht vorbei.

Unsere Parzelle D13 war, wenn ja auch leider unfreiwillig gewählt, mit die beste Position an der Rennstrecke die man hätte haben können. Dies hatte wohl auch damit zu tun das unsere Parzelle eigentlich ziemlich genau vor der Mercedes Arena hätte sein müssen, aber scheinbar mussten die Parzellen Plätze kurzfristig verschoben werden weil wohl nicht genug Platz vorhanden war. Mit diesem günstigen Platz an der Rennstrecke konnte man sehr vorteilhaft den Transponderwechsel durchführen.

ImageDieses Jahr haben wir uns den Transponder nämlich um eine 0,5 Liter Fahrradflasche herumgebunden und mit Isolierband fixiert. So konnten wir uns im fliegenden Wechsel die Flasche während der Fahrt reichen, in den hinteren Trinkflaschenhalter einstecken, und gleich weiterradeln ohne anhalten zu müssen!

Samstag 23. August 2008


Der nächste Morgen, eiskalt und ungemütlich, beginnt zwar Sonnig aber schon bald schieben sich dicke Wolken vor die Sonne. Bis zum Mittag hält sich das Wetter. Um 13 Uhr 10 ist Start für das 24 H Rennrad Rennen. Johannes fährt die Einführungsrunde die er mit 43 Minuten und seinem Persönlichen Rekord beendet! Gleich darauf geht Udo auf die Strecke und ist ebenfalls mit 43 Minuten genauso schnell wie Johannes. Allerdings wurde Udo auf seiner Runde noch mit Regen konfrontiert.

ImageGegen 14 Uhr beginnt es zu regnen. Um 14 Uhr 33 kommt Udo von seiner Runde wieder. Der Regen wird stärker und ich mache mich bereit für meine Runde. Zuvor bewaffne ich mich mit Regenjacke und Schuhüberziehern. Da es sicher kalt ist durch den Regen ziehe ich noch meine Arm und Beinlinge über. Auch baute ich meine mobilen Schutzbleche ans Rennrad um nicht ganz so nass zu werden.

Doch schon bald sollte ich meine Bekleidungstaktik bereuen. Ich sehe Udo anrollen, er gibt mir die Transponder Flasche und ich mache mich auf den Weg. (Diese Runde war noch ohne fliegenden Wechsel) Man kann sich gar nicht vorstellen mit welcher Wut im Bauch ich meine erste Runde angetreten bin.

ImageWarum nur? Warum muss es jetzt Regnen? Wieso können wir im August keinen Sommer haben? Warum muss ich mich auf dem Rennrad im August anziehen wie im Herbst?? Nun lange konnte ich darüber nicht nachdenken, denn schon bald musste ich einfach lernen damit zu leben und das Beste draus zu machen. Denn die Strecke verlangt einem in diesen Witterungsbedingungen einiges ab.

Ich kenne die Nordschleife nur im schönen Wetter, und das war mein größtes Problem. Ich wusste nicht wie schnell ich in nassen Kurven fahren kann, wo im trockenen mit der richtigen Fahrtechnik durchaus 50-60 Km/h möglich sind. Also musste ich mich quasi "rantasten" und schauen was möglich war. Auf keinen Fall wollte ich stürzen oder mich verletzen oder auch nur ansatzweise irgendwie Zeit verlieren.

ImageAber schon bald merkte ich dass ich noch ein ganz anderes Problem hatte. Erstmal bereute ich ab dem Teilstück "Bergwerk" das ich so viele Klamotten angezogen hatte, mir war auf einmal so elend heiß! Bloß jetzt während der Fahrt die Sachen ausziehen?? Nein! Das musste so jetzt klappen.

ImageMein anderes Problem war das ich schon beim Aufstieg zur "Steilstrecke" merkte das mit mir irgendwas nicht in Ordnung war. Die Geschwindigkeit war dieses Jahr geringer als ich es gewohnt war. Eigentlich fahre ich von "Bergwerk" bis "Steilstrecke" immer so mit 12-14 km/h. Ich war froh dass ich auf 11 km/h kam.

Ich merkte schon meine Wadenmuskulatur, wie sie anfing sich zu spannen, als würde gleich ein Krampf losbrechen. Immer wieder versuchte ich meine Ferse durchzustrecken beim durchtreten. So konnte ich das schlimmste verhindern. Ich musste andauernd mit dem Kopf schütteln weil ich nicht verstehen konnte was hier vor sich geht. Ich bin in meiner ersten Runde in der ich schon mit Wadenkrämpfen zu kämpfen habe?? Ne das kann nicht sein! Schon wieder wurde ich wütend und versuchte mit dem Adrenalin meinen Körper eine Zündung zu verpassen.....

Image....aber es passierte nichts! Nach "Steilstrecke" folgt die "Hohe Acht" das steilste Stück mit ca 17%. Ich hab wirklich gedacht ich schaffe diese 17 % nicht! Ich konnte es nicht verstehen, war total von den Socken warum das dieses Jahr nicht funktioniert. Immer wieder gingen mir die Bilder vom letzten Jahr durch den Kopf, mit welcher Leichtigkeit ich hier über diese Kuppe pedaliert bin.

Und jetzt?? Mit 9 Km/h schleiche ich hier hoch, da hätte ich auch Rennen können....Es zündet einfach nicht, leer.... der Akku war leer! Keine Kraft in den Beinen. Verständnislos rolle ich an der Verpflegungsstelle vorbei die oben an der Hohen Acht aufgebaut ist. Ich versuche erst gar nicht dran zu denken hier anzuhalten, obwohl ich es mir sehnlichst gewünscht hätte.

ImageNoch ein weiteres Problem waren meine Schutzbleche. Noch im Fahrerlager montiert, dachte ich sie sitzen gut, ohne am Reifen zu schleifen. Aber da war Pustekuchen denn in der "Fuchsröhre" haben sie sich durch rütteln und dem starken Fahrtwind leicht verschoben. Eigentlich konnte ich mir das denken bei 72 Km/h aber das Geräusch nervte mich nachher unheimlich. Auch nützte es mir nichts während der Fahrt an den haltern die Bleche zu richten. Das Geräusch verschwand nicht.

Erleichtert aber unglücklich fahre ich die letzten 11 Km. Da es ab hier hauptsächlich abwärts geht ist auch hier wieder Vorsicht geboten da die Strecke immer noch sehr nass ist. Zeitweise regnet es stärker, an manchen Streckenabschnitten hat es kaum geregnet.

ImageBald erreiche ich das letzte Stück, die "Döttinger Höhe" und "Tiergarten". Ich weiß nicht was ich gefühlt habe als ich die erste Runde über die Ziellinie gefahren bin. Es war gemischt aus: "Am liebsten würde ich jetzt heim fahren" und "wie soll ich bloß die nächsten Runden überstehen?"

ImageVöllig ausgelaugt komme ich im Fahrerlager nach 53 Minuten an, total entnervt, sehr enttäuscht und wütend. Johannes und Sabrina versuchen mich zu beruhigen, da ich schimpfe wie ein Rohrspatz! Leider beruhigt mich das in diesem Moment nur wenig. Johannes nimmt mir mein Rad ab und setzt es in einen Radständer mit den Worten: "Komm jetzt setz dich auf den Spinner, du musst dich erstmal ausfahren!" Mit hochrotem Kopf sitze ich auf dem Spinner und rolle locker meine Muskulatur aus.

ImageIch bin froh dass meine Freundin dabei war, denn ohne sie hätte ich ganz allein mit meinem Elend fertig werden müssen. Sabrina massierte mir dann mit Franzbrandwein meine Oberschenkel und Wadenmuskulatur. Das tat gut, aber warum es jetzt schon so wehtat, konnte und wollte ich einfach nicht verstehen.

Wenn ich nur 4000 km im Jahr fahren würde hätte ich nichts gesagt aber bei 11000 muss einfach mehr rausspringen. Ich musste mich einfach damit abfinden das ich eben eine schlechte Zeit für ein Rennen erwischt habe. Man kann nicht immer fit sein und rumspringen wie ein Gummiball. Und das lag nicht am Training was mir da heute passiert ist.

ImageGespräche mit Hans Peter ergaben auch das er nicht verwundert über die Reaktion meines Körpers ist. Schließlich hatte ich vor einer Woche eine Magendarm Infektion die einem jedes Quäntchen Energie aus dem Körper saugt. Und das schafft man nicht innerhalb einer Woche wieder in die Reihe zu bekommen, dass der Körper wieder genügend Energie zur Verfügung stellen kann. Nun das war zwar die plausible Erklärung dafür allerdings war ich immer noch verärgert darüber, warum mir das ausgerechnet vor DIESEM Rennen passieren musste. Sonst bin ich das ganze Jahr über nicht Krank...

ImageMeine 2. Runde dann um 17:47Uhr fühlte sich deutlich besser an, und war somithin auch meine Schnellste mit 49 Minuten. Die darauf folgenden Runden lagen immer so zwischen 52 und 53 Minuten. Die Nacht lies sich auch recht gut fahren trotz Temperaturen um die 7 Grad.

ImageVom Gefühl her war meine letzte Runde die beste da sich die "Hohe Acht" nicht so hart anfühlte. Mit fast 51 Minuten legte ich für meine heutigen Verhältnisse und im anbetracht auf die letzte Runde noch mal eine gute Zeit hin. Ich hätte heulen können als ich über die Ziellinie der letzten Runde gefahren bin. Noch mal versuchte ich das letzte Stück bis zu unserem Fahrerlager Gas zu geben und beschleunigte noch mal auf 35 Km/h. Udo und Johannes warteten schon bereits und ich übergab Udo die Transponderflasche.

ImageBeide wollen die letzte Runde gemeinsam antreten um noch mal das bestmöglichste aus dieser Runde rauszuholen. Mit 47 Minuten gelang ihnen dann noch mal eine Superzeit, welche Johannes in Alleinfahrt aufgrund des starken Windes vielleicht nicht mehr ganz geschafft hätte. Vielleicht hätte er es schon geschafft aber das hätte dann sicher Schmerzen verursacht.

ImageNoch mal vielen Dank an alle! Für die Unterstützung, für das Sonntags Frühstück im Fahrerlager das von Udos Frau gespendet wurde, die netten Leihgaben aus Hapes und Johannes unersättlichem Arsenal, allen Beteiligten und meiner Freundin Sabrina, die es geschafft hat gänzlich ohne Schlaf in dieser Saukälte mit mir zusammen diese 24h zu überstehen (und eigentlich ja noch viel länger) !

Entschuldigt bitte das ich dieses Jahr nicht so gut vorbereitet war in jeglicher Hinsicht, ich hoffe es wird nächstes Jahr besser.

ImageDie Leistungsdaten zum 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring findet ihr hier
Marco Kautz
www.radsport-fan.de
 
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