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Chiba Alpencup Extreme 2008 - Teil 2
Montag, 1. September 2008
Engadin Radmarathon

Image1.175 Fahrer/innen erreichten das Ziel beim 3. Engadin Radmarathon, der als Regentour von Zernez in die Geschichte eingehen wird. Gestartet waren allerdings rund 2.000 Teilnehmer/innen. Zahlreiche Marathonis scheiterten an den Wetterverhältnissen.

Der Start erfolgte bei schönem Wetter, doch im Laufe des Rennens verdunkelte sich der Himmel immer mehr. Für alle Teilnehmer ging es zuerst über 97 km mit 1.325 hm. Wer die große Runde gebucht hatte, musste anschließend weitere 114 km mit 2.502 hm bewältigen.

Inzwischen hatte der Himmel seine Schleusen geöffnet und bei starken Regenfällen, verbunden mit enorm kalten Temperaturen, hatten die Fahrer/innen große Probleme. Besonders eiskalte Finger erschwerten das Bremsen auf den Abfahrten. Viele verzichteten daher auf die zusätzliche Runde.

ImageEin Opfer des Wetters wurde auch die Würzburgerin Katharina Reitmaier. Die Führende im Chiba Alpencup musste nach 130 km die Hoffnungen auf den Gesamtsieg im Chiba Alpencup begraben. Annika Grüber und Andreas Ortner konnten das Rennen beenden und ihre Führungen im Chiba Alpencup Extreme ausbauen.

Für die Teilnehmer am Chiba Alpencup Classic endete die Serie. Bei den Frauen konnte sich Carola Rosenwirth in die Siegerliste eintragen, bei den Männern fuhr Herbert Jähn die schnellste Gesamtzeit der drei Marathons.

Ein Radrennen, bei dem nichts fehlte - ist dies vielleicht die richtige Beschreibung oder ist es schon fast eine Umschreibung eines 7 Stunden und 46 Minuten dauernden Martyriums oder muss Radsport ganz einfach so hart sein, um seinen Helden gerecht zu werden?

Eins ist sicher, bei der dritten Etappe zum CHIBA Alpencup Extreme hat in dessen Drehbuch und der notwendigen Dramatik nichts gefehlt. Es war im Nachhinein ein Radrennen mit Superlativen, ein Radrennen mit grandiosem Abschluss.

Das Rennen in Zahlen:
211 Kilometer (letztlich waren es 218 km)
3.800 Höhenmeter
4 Alpenpässe (Forcola-, Bernina-, Fluela- und Albulapass)
12 Trinkflaschen, 4 Milchbrötchen, 14 Gels, 4 Bananen, 6 Riegel
 
ImageSo insgeheim hatte sich Joachim persönlich vorgenommen, nicht von Annika bei diesem Rennen abgehängt zu werden. Wusste aber auch um ihre Bergfahrerqualitäten, dass es in ihrer derzeitigen Form, nach überstandener Erkältung, die Annika bei den Deutschen Meisterschaften noch stark beeinflusste, schwer sein würde, für ihn als Rolleur an den schweren Bergen zu bestehen.

Mit einem Auge auf die Gesamtwertung des CHIBA Alpencups Extreme fahren war mein persönliches Ziel, deshalb auch taktisch klug und stets wachsam unterwegs sein. Trotzdem aber auch die Option auf einen möglichen Tagessieg nicht verschenken.
 
Chronologie der Ereignisse eines langen, harten Renntages
04:30 Uhr - Weckerklingeln
Die Nacht war gut - ausgeschlafen huschen Annika und Joachim aus den Betten.
 
05:00 Uhr - Das Frühstück
Es will heute so früh am Morgen sogar etwas rein - die Stimmung ist gelöst, das Material, die Taktik, die Vorbereitungen generalstabsmäßig abgeschlossen. Das Wetter draußen noch trocken, teilweise sogar blauer Himmel.
 
Image06:00 Uhr - Kris und Rebecca treffen am Hotel ein. Kris übernimmt die Verpflegungskoordination des langen Renntages. Seine Freundin Rebecca fährt die kurze Distanz.
 
06:45 Uhr - Nur 200 m sind es bis in die Startaufstellung. Stresslos geht es in den 1. Block.
 
07:00 Uhr - Start bei super Renntemperaturen und trockenem Wetter. 218 km und 3.800 Höhenmeter warten. Noch zeigen unsere ergomo Radcomputer auf allen Anzeigen die Null.
 
08:55 Uhr - Kilometer 50
Annika und Joachim erreichen gemeinsam in einer schnellen Gruppe den Berninapass, 2.328 m, kurz vorher wurde schon der Forcolapass, 2.315 m, überquert. Kris verpflegt die beiden mit frischen Getränken und Verpflegung. Sofort geht es in die rasante Abfahrt nach Pontresina. Spitzengeschwindigkeiten von über 90 km/h werden erreicht. Das Wetter ist immer noch gut bei angenehmen Renntemperaturen. Die Gewitterfront ist schon dunkelschwarz in der Nähe zu erkennen.
 
09:50 Uhr - Kilometer 97
Zernez wird erreicht. Ziel der kurzen Distanz. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der vergangenen Rennstunde betrug über 50 km/h. Dadurch war keine Erholung in den Flachpassagen nach Zernez möglich. Annika und Joachim zweigen ab auf die 120 km Schleife der langen Strecke. Nach fast der Hälfte der Renndistanz immer noch trocken und angenehm.
 
Image11:00 Uhr - Kilometer 116
Nach weiteren 1.000 Höhenmetern erreichen Annika und Joachim den Fluelapass, 2.383 m. Es hat begonnen, leicht zu regnen. Markus (Bruder von Katharina Reitmaier) und dessen Freundin Frauke verpflegen die beiden. Es gibt die nächsten vollen Trinkflaschen, Riegel, Gels, Bananen, Milchbrötchen und jetzt auch die Regenjacken. Joachim entscheidet sich für seine Regenweste - ein fataler Fehler. Bereits in der Abfahrt nach Davos beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Die Temperaturen bleiben noch im erträglichen Bereich.
 
12:09 Uhr - Kilometer 164
Alvaneu, das Ende der langen Abfahrt vom Fluelapass ist erreicht, es ist hier unten deutlich wärmer. Der Regen wird zum Gewitter, es blitzt und donnert. Über 20 Kilometer und 1.200 Höhenmeter Anstieg warten auf das noch 6 Fahrer/in starke Grüppchen hinauf zum Albulapass, 2.315m. Joachim fühlt sich super - ist bekanntlich ja sein Wetter und übernimmt die Führungsarbeit in dieser Gruppe. Es hört auf zu regnen, zwischenzeitlich kommt kurzzeitig etwas die Sonne. Annika und Joachim entledigen sich ihrer Regenjacken. Ob der Tempoarbeit von Joachim fliegt das Grüppchen auseinander - Annika kann mit Mühe folgen.
 
13:56 Uhr - Kilometer 186
Der Albulapass ist erreicht, das Unwetter hat nun seinen vollen Lauf genommen. Es blitzt, donnert und regnet in ungeahnten Ausmaßen. Eine gefährliche und kalte Abfahrt nach La Punt steht bevor. Die Abfahrt ist kaum fahrbar, die Sicht durch die Gischt nahezu null. Annika und Joachim fahren auf Sicherheit. Der einzige Gegner im Moment ist das eigene Ich. Die Körper sind ausgezehrt ob der langen und harten Renndistanz, dadurch kann der Kälte nichts mehr entgegengesetzt werden. Die letzten 20 Kilometer werden ein Durchbeißer. Zuweilen kann die Schaltung nicht mehr betätigt werden, zu klamm sind die Finger. Annika und Joachim fahren die Wellen in ein und demselben Gang. Die beiden schlottern derart, dass die Räder unter ihnen flattern. Sie kämpfen sich durch.
 
Image14:46 Uhr - Kilometer 218
Zieleinlauf in Zernez. "Hier kommt die Siegerin des Engadin Radmarathons 2008" schallt es aus dem Lautsprecher.
Ein paar Freudentränen kullern. Kris und Rebecca empfangen die beiden Gladiatoren. Nur Sekunden verharren Annika und Joachim im Zielbereich - Gott sei Dank sind es nur 200 m zur heißen Dusche - 200 nicht endend wollende Meter, wie Joachim hinterher feststellt.


TirolWest Radmarathon


1027 Finisher bei der Premiere eines Marathons sind eine gute Zahl. Die Fahrer/innen wurden zum Finale der Extreme-Wertung mit der beeindruckenenden Bergwelt der Ferienregion TirolWest und auch mit wunderschönem Wetter belohnt. Die Teilnehmer/innen der kurzen Strecke mussten 157 km mit 2.900 HM bewältigen. Die lange Distanz beim letzten Marathon des Chiba Alpencup Extreme schildert Joachim Wechner.  

Die Zahlen des Renntages

220 Kilometer Renndistanz
4.490 Höhenmeter
Siegerzeit Frauen - 7 Stunden 16 Minuten
Siegerschnitt Frauen - 30,8 km/h
Verpflegung pro Fahrer - 7 Trinkflaschen, 7 Gels, 5 Waffeln, 3 Bananen, 3 Riegel
3 Verpflegungsstellen durch unseren Betreuer Christian

ImageDie Zahl 3 als Spielerei
Aberglaube, Zufall oder einfach nur Rechnerei - das Ergebnis beim finalen Rennen zum CHIBA Alpencup Extreme in Landeck-Tirol lässt Spielraum für Spekulationen offen.

Die DREI als Primzahl auch die Glückszahl der DREI Athleten. Denn DREI Team AGAPEDIA Münsterland Teammitglieder traten die Reise zu diesem Rennen durch die Tiroler Berge an. DREI, die sich gut verstehen und DREI, die als Team funktionieren werden, wie wir später hier zu lesen bekommen. Für Joachim ist es der DRITTE Einsatz beim diesjährigen CHIBA Alpencup Extreme, für Annika soll es der DRITTE Tageserfolg bei diesem Etappenrennen werden. Der DRITTE Tag im August ist das Renndatum, es geht über DREI Alpenpässe. Heraus kommen sollten DREI Erfolge....
 
...Gesamtsieg im CHIBA Alpencup Extreme durch unsere Annika
...Tagessieg bei der Tirol West Trophy durch unsere Annika
...Teamsieg bei der Tirol West Trophy durch Annika, Achim, Joachim
 
ImageDer Showdown der Frauen
Immer wieder wurde es erwartet, das Aufeinandertreffen "der Giganten" im Frauen-Radsport der offenen Klasse. Endlich war es soweit, unsere Annika trifft auf Anna Corona, den italienischen Star in der Gran Fondo und Radmarathon Szene. Viermal konnte die kleine italienische Kletterspezialistin den prestigeträchtigen Ötztal Radmarathon für sich entscheiden. Schon der Sprecher bei Start und Ziel heizte die Stimmung für diesen Schlagabtausch an. Annika nach holprigem Saisonstart mit einigen Erkältungen und Verletzung zur rechten Zeit in Hochform - wir alle waren gespannt - was wird auf den folgenden 220 Kilometern passieren?
Die Spannung sollte bald raus sein, denn schon am ersten von den drei Alpenpässen stellte Annika alles klar.
 
Das Heimrennen von Joachim
Lange gewartet und sich darauf gefreut hat sich unser Joachim - auf sein Heimrennen - denn genau in Landeck, dem Start- und Zielort dieses Rennens, ist Joachim groß geworden, hier ging er zur Schule, hier verbrachte er seine Jugend, hier lebte er 30 Jahre seines Lebens, hier lebt immer noch der Großteil seiner Familie, Freunde, Bekannte und, wie wir merkten, auch Fans. Hier erlernte Joachim auch das Rennradfahren. Einmal auf dem Podium in seiner Heimatstadt - ein Kindertraum des Wahlwestfalen - ein Traum, der wahr werden sollte. Gleich Platz eins und damit das oberste Treppchen durch den Sieg in der Teamwertung, bei diesem großen, langen und schweren Rennen!

Ein ganz besonderer Moment für Joachim.
 
ImageGehegt und verpflegt durch die Familie von Christian
Während die DREI AGAPEDIA Racer sich voll und ganz auf das Rennen und die Rennvorbereitung konzentrieren konnten, bereitete die Familie um Joachim's Bruder Christian den Weg für den Erfolg der DREI. Beginnend beim kostenlosen Nachtlager über die sportlergerechte Verpflegung vor dem Rennen bis hin zum Schweinebraten,
Speckbohnen und Knödeln nach dem Rennen. Aufopferungsvoll verpflegte und begleitete Christian die DREI durch das Rennen, reichte die Getränke und Verpflegung an den Pässen Silvretta, Flexen und Hahntennjoch und erlag fast einem Herzinfarkt bei der Ankunft der AGAPEDIA Gladiatoren in Landeck.

Vielen Dank an Christian, Dagmar, Johanna und Marcel, Mama Karla und Vreni aus der Schweiz.
 
Das Rennen
Die Teamtaktik - Annika absichern und helfen, wenn es brennt. Der Ablauf - viel ist schon vorweg genommen, trotzdem hier noch zum Abschluss die Highlights der längsten und schwersten CHIBA Alpencup Extreme Etappe. Start um 06:30 Uhr in Landeck bei  tollen äußeren Bedingungen, 15 Grad Lufttemperatur und die Aussicht auf einen sonnigen, warmen Tag. Nach der 7 Kilometer langen neutralisierten Phase war Schluss mit lustig. Joachim als "Local", der hier jede Kurve und Kuppe kennt, sprang bei der ersten Tempoverschärfung in die Spitzengruppe. Somit war taktisch ein AGAPEDIA Fahrer vorne platziert, der nur mitfahren musste, um sich später kräftesparend zurückfallen zu lassen - der Plan ging auf.

Annika klebte an ihren Konkurrentinnen und beobachtete sie derweil, immer abgesichert von Achim, ihrem lebenden Begleitfahrzeug.

Beim Anstieg zur Silvretta Höhe nach 50 Kilometern testete Annika durch einen kurzen Antritt einmal an, was denn Anna Corona und Ylenia Polti, die stärksten Widersacherinnen an diesem Tag, in den Beinen hatten. Die Überraschung war groß, sofort verloren vorgenannte den Anschluss und dies gleich für den gesamten Rennverlauf.  Ab Kilometer 90 war das Team dann wieder vereint, Joachim hatte sich zurückfallen lassen, um in den flachen Passagen den AGAPEDIA Train zu entfalten und damit zurückliegenden Gruppen keine Chance zu bereiten, zurückzukommen - der zweite Schachzug, der gelang.

ImageAm zweiten Pass, dem Flexen, musste Achim dann leider reißen lassen. Wie schon ein paar Wochen vorher in der Schweiz übernahm Joachim am letzten Pass, dem Hahntennjoch die Führungsarbeit in seiner Gruppe, damit blieb für Annika, die auch in dieser Gruppe saß, das Tempo weiterhin hoch - die letzten steilen Kilometer bis zur Passhöhe forderten dann von Joachim für seine Arbeit Tribut, er musste auch reißen lassen, während Annika gewohnt ruhig weiterkletterte.

In der Abfahrt schloss Joachim wieder zu Annikas Grüppchen auf. Von nun an war es eine Triumphfahrt - 20 Kilometer fehlten noch von Imst nach Landeck. Für diese 20 flachen Kilometer stand hinterher ein Schnitt von über 40 km/h auf dem Tacho, so ein Speed nach 200 Kilometern in den Beinen ist schon fantastisch! Dann standen sie da, jubelnd, schreiend, hüpfend - unsere Verwandten, Bekannten und Fans im Ziel in Landeck bei 35 °C und strahlendem Sonnenschein.


ImageEin Erfolg auf der ganzen Linie für das Team Agapedia Münsterland, für das viele Fahrer/innen das ganze Jahr bei Jedermann-Rennen und Marathons unterwegs sind. Mehr über das Team lesen Sie auf der Interseite der Mannschaft unter: read this
Alle Sieger und Platzieren können Sie auf der Seite des Veranstalters nachlesen. Hier gibt es auch alle Informationen zum Chiba Alpencup: harvard dissertation
 
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