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Chiba Alpencup Extreme 2008 - Teil 1
Montag, 1. September 2008
ImageChiba Alpencup, das ist eine Serie vier sehr anspruchsvoller Strecken durch wunderschöne Landschaften. Eine Serie, die sich sehr gut entwickelt hat und die immer weiter verbessert wird. Bei den Teilnehmern/innen wird die Organisation immer wieder gelobt, und bei vielen Fahrern steht der Chiba Alpencup schon jetzt wieder fest in der Saisonplanung für 2009.

Noch 2004 gab es mit dem Amadé Radmarathon in Radstadt und dem Dreiländer Radgiro in Nauders lediglich zwei Veranstaltungen. 2005 wurde durch die Erweiterung mit dem Berchtesgadener Land Radmarathon in Bad Reichenhall eine richtige Serie daraus.

2006 ersetzte man den Radgiro in Nauders durch den Engadin Radmarathon in Zernez. Bei diesen Veranstaltungen wird bis heute der Chiba Alpencup ausgefahren.

2008 wurde die Serie um eine Variante erweitert. Wem drei Veranstaltungen für den Chiba Alpencup noch zu wenige sind, hat nun die Möglichkeit, zusätzlich am TirolWest Radmarathon mit Start in Landeck teilzunehmen. Diese vier Veranstaltungen bilden die Wettbewerbe für den neuen Chiba Alpencup Extreme. Allerdings muss man sich vor dem ersten Start für eine der beiden Serien entscheiden. Wer eine Veranstaltung der Serie auslässt oder nicht beendet, fällt aus der Gesamtwertung raus. Gewertet werden bei Männern und Frauen jeweils zwei Altersklassen auf einer längeren und einer kürzeren Strecke.

Annika Grüber vom Team Agapedia Münsterland sicherte sich 2006 und 2007 die T-Mobile Cycling Tour sowie die Deutschland-Tour. Für 2008 hatte sie sich neue Ziele gesetzt. Ein erster großer Erfolg war der Sieg in der Gesamtwertung der Viking-Tour in Norwegen. Doch auch beim Chiba Alpencup Extreme mischte sie von Beginn an mit. Wir verfolgen ihren Weg bei den vier harten Prüfungen in einer Zusammenfassung.

Amadé Radmarathon


Auftakt zum Chiba Alpencup war der 15. Amadé Radmarathon am 18. Mai. 950 Teilnehmer/innen erreichen das Ziel in Radstadt nach einer harten Runde durch alle acht Gemeinden der Salzburger Sportwelt. Die Ramsau, der schwierigste Anstieg, erwartet die Fahrer/innen schon sehr früh.

ImageMit 1.200 hm wurde dann aber auch schon der höchste Punkt der Strecke erreicht. 2.490 hm misst die 176 km Strecke und 1.400 hm die 98 km Strecke. Für die wunderschöne Streckenführung durch das Talbecken der Enns hatten die meisten Sportler allerdings ebenso wenig einen Blick übrig wie auf das phantastische Panorama mit Blick auf Dachstein, Bischofsmütze und Tauern.

Das Wetter hätte zum Auftakt etwas besser sein können, doch die gute Organisation machte diesen Makel wieder wett. Für Annika Grüber wurde der Amadé Radmarathon als Regentour zur ersten Bewährungsprobe.

ImageAm 18.05. um 07.30 Uhr fiel in Radstadt der Startschuss zum Auftaktrennen des CHIBA Alpencup…und der Regen in Strömen vom Himmel…so rollten wir, das heißt Joachim Wechner und ich, die vom Team AGAPEDIA Münsterland am Start waren, dann bereits durchnässt los auf die Rennstrecke und gleich nach 3 km in den ersten Anstieg.

Die Devise war, nicht zu schnell angehen, mit den Kräften haushalten, schließlich lag eine Marathonstrecke von 180 km vor uns. Während ich schnell mein Bergtempo aufnahm, ohne mich dabei völlig aus den Schuhen zu fahren, nahm Joachim Tempo raus, ließ mich ziehen, konnte mich so im Ernstfall von hinten absichern.

ImageOben angekommen stürzte ich mich gleich in eine rasante Abfahrt, das Regenwasser spritzte nur so, es war kaum was zu sehen, die Brille total verdreckt…und unten angekommen begann gleich der nächste Anstieg rauf nach Ramsau am Dachstein. Serpentine um Serpentine, das Wasser lief den Racern in Rinnsälen entgegen.

Auf dem Plateau der Ramsau angekommen erwischte ich eine kleine Gruppe, mit der es dann über die Ramsauer Hügel hinunter in die nächste rasante Abfahrt ging. Die Gruppe lief, wurde größer, das Wasser der Rennmaschinen spritzte, um mich herum nur dreckige Gestalten mit tiefschwarzen Gesichtern…

ImageNach rund 90 km hatte ich einen Vorsprung von rund 5 Minuten auf meine Konkurrentinnen herausgefahren und der Vorsprung sollte halten bis Kilometer 150. Leider verkleinerte sich unsere Gruppe an einer der Wellen, zu hoch war für die meisten das Tempo und schließlich kamen von hinten die schnellen Rolleure und Zeitfahrspezialisten angerauscht, die wir zuvor in den Anstiegen abgehängt hatten, die aber jetzt förmlich über die Wellen flogen.

Im Schlepptau hatten sie eine starke Schweizerin. Und auch Joachim rollte in dieser Gruppe mit und schloss somit wieder zu mir auf. Letzte Möglichkeit zu attackieren war ein kleiner, aber bissiger Anstieg 26 km vor dem Ziel. Ich fuhr flott in den Anstieg rein, wollte die Konkurrentin loswerden… aber die dachte sich dasselbe und konterte…und war am Ende die Stärkere, während mir die Puste ausging.

ImageSchnell zur Stelle war in diesem Moment mein Edelhelfer Joachim, redete mir aufmunternd zu, reichte mir Speis und Trank, verzichtete auf eine mögliche bessere Platzierung und geleitete mich über die letzten 20 km ins Ziel.

So kam ich schließlich nach rund 5 Stunden und 34 Minuten, 180 Kilometern und 2.500 Höhenmetern total k.o., verdreckt, durchnässt, aber glücklich als Zweitplatzierte hinter der Schweizerin Ylenia Polti im Ziel in Radstadt an.


Berchtesgadener Land Radmarathon

Weiter ging es mit dem Berchtesgadener Land Radmarathon in Bad Reichenhall am Sonntag, den 15. Juni. "Bloß nie wieder dahin fahren. Könnte nämlich sein, dass man nimmer weg will", lautet die Meinung eines Teilnehmers in http://blog.gratnellstrade.co.uk/ , wo es übrigens die schönsten Bilder aller Veranstaltungen zu sehen gibt. Es ging über Deutschlands höchstgelegene Passstraße, dem Rossfeld, sowie vorbei am Königssee und Watzmann.

ImageWährend der Lokalmatador Andreas Ortner mit seinem zweiten Sieg die Gesamtwertung des Chiba Alpencup Extreme bei den Männern ausbaute, sicherte sich die schwedische Nationalmannschaft der Biathleten, die am Marathon als Trainingsmaßnahme teilnahm, den Sieg in der Mannschaftswertung über 201 km mit 3840 hm. Die kürzere Strecke führte über 107 km, hier mussten immer noch 2000 hm überwunden werden.

Bei traumhaftem Marathonwetter waren Getränke für die 1211 Finisher besonders wichtig. Über 12.000 Liter wurden an die Fahrer/innen verteilt. Für eine weitere Deutsche lief es rund um Bad Reichenhall hervorragend. Katharina Reitmaier vom Team FXsports belegte Rang drei und verteidigte damit die Führung im Chiba Alpencup. Für Annika Grüber ging es darum, den guten Platz in der Gesamtwertung in der Extreme-Wertung zu verteidigen oder sogar zu verbessern.

ImageGut 8 Minuten betrug mein Rückstand in der Gesamtwertung des CHIBA Alpencup auf die führende Schweizerin Ylenia Polti nach dem ersten Rennen, dem Amadé in Radstadt. Im 2. Rennen wollte ich diesen Rückstand anknabbern…. Gemeinsam mit Kris van de Velde  und Achim Hebel startete ich am Sonntagfrüh in Bad Reichenhall in das Rennen. Die Konkurrentin hatte ich im Startblock in der ersten Reihe ausfindig gemacht und nach dem neutralisierten Start beobachtet, dass sie ein wenig nach hinten fiel.

Als es dann nach ca. 7 km in den ersten steilen Anstieg rauf nach Wachterl ging, hatte ich sie zwischen all’ den Herren bald aus den Augen verloren und wusste nicht, ob sie vor oder hinter mir war. Bei mir lief’s gleich rund – ich kam mit den Schnellen den Anstieg rauf, Kris im Nacken. Achim hingegen stiefelte sein eigenes ruhigeres Tempo hinauf nach Wachterl.

ImageNach einer rasanten, kurzen und extrem kurvigen Abfahrt startete dann bei Kilometer 39 der lange Anstieg rauf nach Roßfeld über die Panoramastraße, die mit Steigungen bis zu 15% aufwartete. Schnell fand ich meinen Rhythmus und erfuhr bald von den anfeuernden Zuschauern am Streckenrand, dass ich die erste Frau war. Das motivierte mich dermaßen, dass ich nicht nur im Duett mit Kris Serpentine um Serpentine, Rampe um Rampe nach Roßfeld raufkletterte, sondern auch super durch die kurvigen, teilweise sehr gefährlichen und holprigen Abfahrten wieder runter spurtete und so den Anschluss an unser Grüppchen nicht verlor.

Bei Kilometer 150 bekam ich nochmals Angst – reichte die Kraft oder kam der Einbruch wie in Amadé? Wie weit war Ylenia Polti wohl hinter mir? Würde mein Vorsprung auch reichen, wenn ich noch einbrechen sollte?
Aber ich brach nicht ein. Auch nicht, als Kris sich irgendwann von mir verabschieden musste, hatte er doch ein hartes Rennen vom Vortag in den Beinen.

ImageIn einem kleinen Grüppchen ging es Richtung Ziel – keiner fuhr den anderen aus den Schuhen, alle wussten, wie wichtig es war, auf den stark mit Gegenwind versehenen Straßen zusammen zu bleiben und sich in der Führung abzuwechseln. Überglücklich fuhr ich nach 06.25h, 201 km und 3.800 hm ins Ziel in Bad Reichenhall ein, wurde empfangen von Kris’ jubelnder Freundin Rebecca, die mich gleich mit Getränken versorgte.

ImageJetzt begann das Warten auf Ylenia Polti…wie viel Zeit hatte ich gut gemacht…sie kam und kam nicht…erst nach knapp 15 Minuten.

ImageDas bedeutete am Ende nicht nur den Tagessieg sondern auch die Übernahme der Gesamtwertung des CHIBA Alpencups Extreme mit einem kleinen Polster. Ein grandioser Tag!


Fotos: Erwin Haiden, nyx.at
 
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