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GP-Schwarzwald und was alles dahinter steckt!
Sonntag, 1. Juli 2007
Aus der Sicht des Sportlichen Leiters

Triberg GP Schwarzwald…so, nun sitze ich nach einigen stressigen und ereignisreichen Tagen im Schwarzwald hier in meinem Büro und soll einen Bericht für das Challenge-Magazin aus Sicht des sportlichen Leiters über die Jedermann-Rennen im Rahmen des GP-Triberg-Schwarzwald 2007 schreiben!

Für mich eine eher ungewohnte journalistische Aufgabe, denn wenn ich auf Radsportveranstaltungen im Einsatz bin, dann schreibe ich meine Berichte entweder aus Sicht des Kommissärs für den BDR oder eben des Dienstleisters mit meiner Firma „Schultheiss Sportmanagement & Event-Consulting“ (www.schultheiss-consulting.com) für den Veranstalter.

Freitag, 8. Juni; 10:30 Uhr

Nach zwei Stunden Fahrt bin ich mit zwei meiner Mitarbeiter in Triberg angekommen. Schnell im Hotel eingecheckt und dann gleich weiter ins Rennbüro im Kurhaus Triberg. Dort erwarten uns schon die Gebrüder Kai und Rik Sauser zur Lagebesprechung. Die Themen sind unter anderem Startvorbereitungen für das Bergzeitfahren, Ablauf des Starts beim BZF sowie des Rennens am Samstag, Streckensicherheit, usw…
Allein zur Streckensicherheit lässt sich anmerken, dass wir am Samstag 55 Polizeibeamte, darunter acht Beamte auf Motorrädern, zusätzlich elf Motorräder unserer eigenen Streckensicherung sowie 75 Personen der freiwilligen Feuerwehr und rund 20 eigene Ordner im Einsatz hatten. Hinzu kamen rund 1.000 Meter Absperrgitter alleine im Start-/Zielbereich, um für die Sicherheit der Teilnehmer und Zuschauer zu sorgen.

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Da es kaum Nachmeldungen gab und das Starterfeld mit insgesamt 95 Meldungen recht überschaubar war, legten wir den ersten Start auf 19:30 Uhr und den Startintervall mit 30 Sekunden fest. Der Start musste auf dem Marktplatz erfolgen, da es nicht möglich war, die Bundesstrasse am Freitagabend zu sperren und zeitgleich auch noch die Vorbereitungen (u.a. Start-/Ziel-, und Tribünenaufbau) für das Straßenrennen liefen. Dort wurde dann auch die Startrampe aufgebaut, von der aus die Fahrer ins Rennen geschickt wurden. Gleich nachdem es von der Startrampe hinunter ging (was der einzig erholsame Teil der Strecke war) mussten die Renners  auf einem steilen Kopfsteinpflasterweg mit Serpentinen und durchschnittlich 15 Prozent Steigung alles geben, bevor es in die eigentliche Steigung zur Geutsche mit maximal 19 Prozent ging und sie nach 4,5 Kilometern 340 Höhenmeter bewältigt hatten.

Pünktlich um 19:00 Uhr gingen die letzten Vorbereitungen zum Start des Bergzeitfahrens los. Zunächst kontrollierten wir nochmals die Startrampe, damit es dort nicht zu unangenehmen Zwischenfällen wie Stürzen kommt. Um 19:15 Uhr begannen meine Mitarbeiter mit dem Startaufruf, damit die Teilnehmer nicht allzu lange an der Rampe warten mussten und so richtig warm gefahren in ihr Rennen starten konnten. In der Verantwortung hierfür mit Michael Meyer, einem Radsportroutinier, der schon bei diversen internationalen Zeitfahren dafür sorgte, dass die Rennfahrer pünktlich von der Rampe rollten. Ich kontrollierte zusätzlich an der Startrampe nochmals die Nummern mit meiner Startliste, so dass auch die richtige Startreihenfolge eingehalten wurde. Zwei weitere Helfer waren als Starter und als Starthelfer tätig und so wurden die Teilnehmer, richtig wie bei den Profis, einer hält den Fahrer, der andere zählt den Countdown „5“, „4“, „3“, „2“, „1“, „Go“ von der Rampe runter ins Rennen geschickt.

Ein großes Kompliment muss man hier den Rennfahrern aussprechen, die alle pünktlich zu ihrem Start erschienen und so zu einem reibungslosen Ablauf mit beitrugen. Von den 95 gemeldeten Fahrern wurden im Ziel 75 gewertet, darunter fünf Frauen. Die Differenz zwischen Meldung und Ergebnis lässt sich so erklären, dass einige der Rennfahrer kurzfristig krank wurden oder angesichts der schweren Strecke vor bzw. während des Rennen auf ihren Körper Rücksicht nahmen, diesen nicht überforderten und entweder nicht gestartet sind oder das Rennen rechtzeitig aufgaben, so dass unsere Rennärzte am Freitag nicht zum Einsatz kamen und einen ruhigen Abend verbringen konnten.

Samstag, 9. Juni; 8 Uhr

Es ist 8 Uhr und alle Mitarbeiter des Orga-Teams sind da. Manche, je nach Aufgabengebiet, auch schon ab etwa 6 Uhr. Die Vorbereitungen für das Profirennen laufen auf Hochtouren und manch skeptischer Blick richtet sich gen Himmel mit der Frage „Kommen wir heute trocken durch?“ Die Ordner packen ihre Verpflegung und begeben sich auf ihre Posten entlang der Strecke. Auch die Motorradsicherheits-Staffel ist inzwischen eingetroffen, bekommt ihre letzten Anweisungen und richtet sich nach einem letzten Blick Richtung Himmel auf ein paar Regenrunden ein. Inzwischen kommen auch die ersten Jedermänner und fragen nach der zu erwartenden Startzeit. Aber da das Rennen der Profis noch nicht gestartet ist und wir nicht wissen, wie schnell, oder je nach Wetter langsam, es die Jungs angehen lassen, bleibt mir vorerst mal nur die weitgefasste Aussage: „Nach der Einfahrt in die letzte Runde, irgendwann zwischen 14 und 15 Uhr.“

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11 Uhr
Die Polizei kommt von der Kontrollrunde zurück und gibt die Strecke frei.
Die Start-/Zielgerade füllt sich mit den Fahrzeugen der Organisation, der Teams, der Offiziellen und der UCI. Jeder, vom Fahrer bis zum Helfer, ist jetzt voll konzentriert und sich seiner Aufgabe und Verantwortung während der nächsten Stunden bewusst.

11:30 Uhr - Start!
Die Profis werden auf die Runde geschickt und es kehrt für ein paar Minuten so etwas wie Ruhe ein. Doch kaum sind die Profis gestartet, beginnt es wie erwartet zu regnen. Dies veranlasst natürlich die Profis dazu, es etwas gemächlicher anzugehen. Wir beginnen erneut mit Hochrechnungen, ob unsere veranschlagte Startzeit noch zu halten ist. Vor allem die Tatsache, dass das Profifeld inzwischen sehr weit auseinander gezogen ist und vom ersten Fahrer bis zum Besenwagen zeitweise über 15 Minuten Abstand sind, bereitet uns etwas Kopfzerbrechen. Schließlich haben wir ja als Startintervall zwischen den drei Gruppen jeweils drei Minuten eingeplant und so laufen wir Gefahr, dass die letzte Gruppe möglicherweise noch am Start steht, während die Spitzengruppe der Profis nach einer schnellen Finalrunde sich auf den Zielsprint vorbereitet. Aber da es inzwischen aufgehört hat zu regnen, zieht sich das Feld nicht noch weiter in die Länge und wir können wie geplant unsere Startplanung einhalten.

Ab 14:15 Uhr beginnen wir mit der Startaufstellung der verschiedenen Gruppen in den Seitenstraßen rund um den Marktplatz. Matthias Müller ist diesmal hierfür verantwortlich und erledigt dies in gewohnt souveräner Art und Weise. Was ja auch kein Wunder ist, denn schließlich ist er seit einigen Jahren selbst BDR-Kommissär und war mit mir schon auf vielen großen internationalen Radrennen und Rundfahrten. Direkt nach der Durch- bzw. Einfahrt des Besenwagens in die letzte Runde bekomme ich die erste Gruppe zum Start geschickt. Als erstes geht die Gruppe über drei Runden auf ihre beschwerliche Reise mit über 1611 Höhenmetern auf nur 69,6 Kilometern. Sofort nach deren Start kommt die Zwei-Runden-Gruppe die Startgerade hochgerollt. Nach drei Minuten vom Start der ersten Gruppe gerechnet geht nun diese in ihr Abenteuer. Weitere drei Minuten später folgt die Gruppe, die sich nur eine Runde auf dem schönen Schwarzwald-Kurs gönnt.

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Kurz nach dem Start der letzten Gruppe sah man aber auch schon das Führungsfahrzeug der Polizei auf die Zielgerade biegen, was bedeutet, dass das Finale unmittelbar bevorsteht. Dies hat natürlich bei uns Organisatoren immer einen erhöhten Adrenalinausstoß zur Folge; denn es kann sich immer ein Sturz ereignen, so dass gegebenenfalls der Notarzt auf der Strecke steht und diese zum Teil blockiert, ebenso wollen schließlich die Medien-Vertreter direkt nach der Zielankunft die ersten Interviews mit dem Sieger führen und bleiben hierzu für gewöhnlich im Zielauslauf stehen. Ebenso warten dort die Pfleger der Teams auf ihre erschöpften Fahrer. Und zu allem Überfluss fahren dann ja auch noch die offiziellen Fahrzeuge wie Jury, Rennarzt, neutrale Materialwagen, Besenwagen durchs Ziel und parken ebenfalls im Zielauslauf. Normalerweise ist das ja alles kein Problem. Aber wenn eben kurz darauf ein weiterer Zieleinlauf geplant ist und noch zwei weitere Gruppen auf ihre letzte bzw. vorletzte Runde gehen, dann kann das schon ziemlich eng und hektisch werden.

Jedoch waren alle Beteiligten im Vorfeld soweit informiert und die Zusammenarbeit zwischen Ordnern, Teams und Medien-Vertretern funktionierte gut, so dass es zu keinen größeren Zwischenfällen bei der Zielpassage der Jedermänner kam.

Was jedoch etwas problematisch war, war die Tatsache, dass die meisten Teams direkt nach Rennende mit ihren Team-Bussen und Lkws schnellstmöglich die Reise in die Schweiz antreten mussten, da dort am nächsten Morgen ja schon der GP des Kanton Aargau anstand. Dies hatte für manchen Teilnehmer natürlich zur Folge, dass er sich den ganzen Tour-Tross aus der Nähe anschauen durfte – allerdings während seines Rennens, so dass er nicht wirklich etwas davon hatte.

Als dann alle Jedermänner sicher im Ziel waren und ich bei der Zeitmessfirma im Zielwagen vorbeischaute, bemerkte ich sofort die angespannten Mienen aller beim Rennen beteiligten Personen. Auf meine Nachfrage erklärte man mir, dass manche Transponder aufgrund bisher unbekannter technischer Probleme und/oder unkorrekter Montage bei der Zieldurchfahrt nicht auslösten und der dazugehörige Fahrer zunächst sozusagen „verloren“ ging. Als problematisch stellte sich zudem heraus, dass bei der T-Mobile-Rennserie im Gegensatz zu normalen Radrennen nur eine Startnummer ausgegeben wird, die am Lenker angebracht ist. Ansonsten hätten wir mit der Zielfilmkamera vom Profirennen sofort ein Ergebnis erstellen können. Natürlich gab es anschließend, und nicht nur am Samstag sondern auch Tage später, noch lange Diskussionen, wie so etwas passieren kann und wie wir dieses Problem beheben können.

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Inzwischen haben wir die Einlauflisten des Jedermannrennens in Eigenregie nachbearbeitet. Hierzu nun folgender Hinweis: Möglicherweise wurden einige Transponder im Ziel nicht richtig erfasst - hier bitten wir um Rückmeldung von Euch und eine kurze Info zu Eurem Outfit und zur ungefähren Einlaufzeit - dann können wir dies im Zielfilm kontrollieren und gegebenenfalls korrigieren: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

So, das war es mal aus der Sicht des sportlichen Leiters beim GP-Triberg-Schwarzwald! Ich denke, dass es trotz der kleinen Probleme im Ganzen beobachtet eine gelungene Veranstaltung war, die nicht nur den Aktiven, sondern auch dem ganzen Orga-Stab viel Spaß bereitet hat.

Euer Björn Schultheiss
 
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