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Sturzpech in F?rth
Sonntag, 1. Juli 2007
Bericht eines Teilnehmers der beim Jedermannrennen gestürzt ist

Sturzpech in F?rth6:30 Wecker klingelt. Aufstehen. 7:30 - Autobahn. Kurz nach neun - Startnummer holen. 11:30 Start. 12:30 Krankenhaus.

Meine Idee von diesem Renntag - das gebe ich zu - sieht um halb sieben morgens deutlich anders aus. Vor heimischen Publikum und auf bekanntem Terrain will ich in meinem Geburtsort Fürth ein schönes Rennen absolvieren. Mit großer Aufregung stehe ich nach einer strapaziösen Anreise und langem Aufwärmen endlich im Startblock. Um mich herum lauter Radmonster mit Waden von einer andern Welt.

Ich sorge mich, ob ich wohl den Schnitt packe, denn es weht ein leichter aber zehrender Wind. Ich bin aufgeregt, kenne niemanden mit dem ich erleichternde Witzchen reißen könnte. Dennoch genieße ich diese Gefühl, das Kribbeln vor dem Start, die Ungewissheit.

"Das Rennen beginnt"

Startschuss! Alle Gedanken sind, weg, meine Automatik greift. Da Feld jagt los. So schnell bin ich auf der Eben noch nie gefahren. Zeitweise im Flachen 54 KM/h. Ich wusste gar nicht, dass das geht.

Die Dynamik in einem Rennradrennen unterscheidet sich vom Triathlon. Zu Beginn muss man Gruppen suchen, das Peleton sortiert sich. Ich stürme nach vorne, versuche immer weiter Boden gut zu machen. Da reißt ein Loch, eine große Spitzengruppe bildet sich. Dranbleiben! Dranbleiben!

In meinem Windschatten hängt ein ganzes Team mit eigenen Trikots. Ich zwinge sie zur Mitarbeit. Wer glauben die, dass ich bin? Ihr persönlicher Wasserträger? Wir bleiben dran. Dann reißt innerhalb dieser Gruppe wieder ein Loch. Ich versuche erneut Anschluss herzustellen. Diesmal breche ich aber ab. Ich merke, dass ich nahe am Platzen bin.

Also ruhig. Diese Gruppe läuft auch gut und wir pendeln zwischen 38 und 44 KM/h. Wir achten aufeinander, geben Handzeichen, alle scheinen konzentriert.

Die Strecke ist flach und führt über eine gesperrte Stadtautobahn. Keine Hindernisse, keine Zuschauer, kein Gehsteig, keine schwierigen Kurven, nichts - Gott alleine weiß, warum der Fahrer vor uns in der zweiten Runde plötzlich stürzt. Die Gruppe lief gerade fantastisch.

Zu spät zum Bremsen, kein Platz zum Ausweichen; ich steige auch ab: kopfüber über den Lenker auf die rechte Seite. Instinktiv rolle ich mich zusammen wie ein Embryo, denn weitere Fahrer fallen auf mich. Irgendwann ist der Rest der Gruppe weg, wir kriechen zur Seite. Der Sturzverursacher murmelt ein “Sorry” und fährt weiter. Auch der Rest der etwa zehn Verunglückten macht sich wieder davon. Nur einer wartet. Sein Finger blutet.

Ich bleibe liegen. Mein Unterschenkel ist schon jetzt angeschwollen wie ein Ballon. Immerhin: Die anderen holen Hilfe und der Rettunsgwagen eilt herbei (Rotes Kreuz… Hilfe, ich bin doch Johanniter). Mein Rad sieht übel aus. Das erste Rennen für mein Specialized und dann DAS! Ich ärgere mich mehr, als dass ich Schmerzen spüre. Über den unvorsichtigen Fahrer, über mein Pech.

In der Notaufnahme

Das lange Warten beginnt. Ich liege in der Notaufnahme und das wird sich auch erstmal nicht ändern. Nach einiger Zeit kommen weitere Radfahrer dazu. Es ist nicht bei diesem Sturz geblieben. Die meisten sind übler dran als ich. Wir beginnen zu frotzeln. Zu einem Radfahrer im Rollstuhl murmel ich von meiner Trage herab: “Wenigstens hast Du ordentliche Laufräder dran!”

Wunden Säubern, Ultraschall, Röntgen - meinem Bein geht es gut bis auf eine fette Prellung und eine Wunde, die mit einigen Stichen geschlossen wird. Der Ellebogen ist lädiert aber ok. Der Arzt warnt mich vor der “Compartment”-Bildung. Bedeutet: Wenn sich Blut und Flüssigkeit im Gewebe ansammelt, kann das Druck ausüben und das Bein schädigen.

Mein Bruder Andreas holt mich ab, bringt mich zu meiner “roten Göttin” - wie er sie nennt. Guter Name, das behalte ich bei. Leider sieht das Rad gar nicht mehr nach Göttlichkeit aus, hat eher was von einem gefallenen Engel. Kette im Eimer, Schlag im Rad, Lenker demoliert. Harry hat einiges zutun.

18:30 Uhr - zwölf Stunden nach Aufstehen liege ich wieder. Der Tag war interessant, aber nicht, wie ich ihn mir vorstellte.

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