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Kette recht(s)?
Freitag, 1. August 2008
Recht unscheinbar zieht sie ihre Runden, gehört nicht gerade zu den Tuningteilen Nummer eins und wird eher mal vernachlässigt. Dabei kann eine schlecht gewartete Kette das Gespann aus Rad und Fahrer bis zu 30 Watt Leistung kosten. Ein Unterschied, für den man umgekehrt sicher zwei Jahre trainieren müsste. Deshalb widmet sich das CM im Technik Teil der Kette.

Bis zu einer Tonne Zug bringt ein guter Sprinter auf die Kette. Mit ihr steht und fällt der Schaltkomfort und wenn sie reißt, hat das meist katastrophale Folgen. Wahrscheinlich aus diesem Grund gehen die Hersteller kein Risiko ein und empfehlen, die rund 114 Glieder alle 1.500 Kilometer auszutauschen.

Wahnsinn, wenn man bedenkt, dass ein engagierter Fahrer gut und gerne 15.000 Kilometer im Jahr runterspult. Profis sogar mehr als das Doppelte. Bei einem Preis von über 40,- Euro für ein Record Kette treibt das die Betriebskosten steil nach oben. Problem: Kette und Ritzelpaket sind wie ein altes Ehepaar, sie schleifen sich gegenseitig aufeinander ein.

ImageTauscht man die Kette tatsächlich sehr frühzeitig, kann die wesentlich teurere Kassette drauf bleiben. Laufen Kette und Ritzel länger als etwa 3.000 bis 4.000 Kilometer, wird die neue Kette auf den alten Zahnrädern hin und her springen. Es müssen beide gewechselt werden. CM empfiehlt: Bei Topgruppen (bis Chorus, Ultegra und Force) trotz guter Wartung die Kette frühzeitig nach ca. 2.500 Kilometern wechseln. Bei den einfacheren Gruppen Augen zu und durch, bis die Gangwechsel nicht mehr sauber einzustellen sind. In einem Extremfall hielt die Ultegra-105-Kombi fast 9.000 Kilometer, ehe der gesamte Antrieb gewechselt werden musste.

Das setzt allerdings eine gute Wartung voraus. Bitte Hände weg von Kettenreinigungs-Maschinen, bei denen der Strang durch ein Bad gezogen wird. Durch dieses „Einweichen“ geht auch die Schmierung zwischen den Laschen verloren, Wasser dringt ein und die Kette wird zusehends steifer. Ideal ist ein mit Kettenreiniger getränkter Lappen zur äußerlichen Reinigung, sollte sich Sand in den Gliedern gesammelt haben, muss das gute alte Ohrenstäbchen her. Eine Bürste mit wenig Reiniger getränkt putzt die Zwischenräume schneller, macht aber eine Riesensauerei, also Rad vorher nicht putzen.

Ist die Kette sauber, muss wieder ein Schmierfilm drauf. Bitte Opas Kettenfließfett in der Truhe lassen, moderne Schmiermittel mit kleinsten Wachs- oder Teflonpartikeln minimieren die Reibung, ohne einen klebrigen Film zu hinterlassen, der jedes Staubkorn, jede Polle und jedes Sandkorn einsammelt, und aus dem Fett eine 1a Schleifpaste macht.

ImageVernachlässigt wird die Kette auch gerne bei der Abfahrkontrolle: Reifendruck und Bremsenabnutzung sind wichtig, aber ein kurzer Blick über die Nieten der Kette kann genauso einen heftigen Unfall verhindern. Es ist darauf zu achten (besonders nach Reparaturen oder Neumontage der Kette) dass alle Nieten bündig und gleichmäßig sitzen. Im Zweifelsfall den Teil der Kette mit einem unregelmäßigen Niet mit Kraft seitlich hin und her biegen. Springt keine Niete raus, ist auch bei der Fahrt nicht damit zu rechnen.

Weiterer Knackpunkt ist die Kettenlänge: viele Händler lassen lieber zwei Glieder zu viel drin. Die ideale Länge ergibt sich aus der Stellung des Schaltwerks, wenn jeweils das größte Zahnrad aufgelegt ist. Die untere Schaltwerksrolle sollte dann deutlich vor der oberen laufen. Der Spannarm kann dann ruhig ordentlich gespannt sein, diese starke Überkreuzung sollte man eh nicht fahren.

Der diagonale Lauf, vor allem unter Zug, ist neben Schmutz Hauptverschleißgrund. Die Reibung bzw. der Kraftverlust der Kette ist im Übrigen geringer, je weniger Umläufe sie pro Kilometer oder Stunde macht. Der Unterschied ist aber so marginal, dass niemand deshalb den „Ullrich-Stil“ mit einem stets riesigen Gang übernehmen sollte.

ImageDie Kette ist zusätzlich eines der Teile am Rad, wo Tuningfreunde gerne Gewicht verschenken. Wippermann- oder Konnex-Ketten in der entsprechenden Länge sparen gegenüber den Originalen schnell an die 10 Gramm, ohne die Funktion irgendwie zu verschlechtern. Im Gegenteil: Die Connex Gold lief in einem Test sogar mit Dura Ace Kurbel und Campa Ritzeln einwandfrei.

Wer selbst seine Kette montiert und im Umgang mit dem Nietendrücker noch nicht wirklich geübt ist, sollte an einer alten Kette oder dem Teil der Neuen üben, der sowieso zu viel ist. Einfacher haben es die Besitzer von besagten Connex oder Wippenmann-Ketten. Sie werden durch ein wiederverschließbares Schloss zusammengefügt. (td)
 
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