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Kolumne: Enrico H?vel
Donnerstag, 31. Juli 2008
Sommertraining 2008

Nach dem erfolgreichen Jedermann Saisonauftakt in „la mia bella Italia“ und den ersten Rennen in Deutschland bei kühlem und nassem Wetter, kam der Sommer auch endlich im Juli zögerlich und sehr durchwachsen in „Germania“ an.

Womit sollte ich mich aber motivieren um meine Form weiterhin zu halten um auch bei Lizenz-Senioren-Rennen weiterhin vorne mitzuhalten? Mein guter Freund und treuer Trainingspartner Alexander Bauer – der Star und Sieger der „T-Mobile Cycling Tour 2007“ – schlug mir vor mit seinen „LeXXi-Chicks“, die überwiegend aus dem Jedermann Bereich kommen, zum Bundesliga-Rennen nach Görlitz zu fahren und bei der Gelegenheit bei der Deutschen Senioren-Meisterschaft zu starten. Eigentlich war das in meiner Planung nicht vorgesehen. Da „Alex“ meinen VAN steuern sollte und ich mich derweil entspannen konnte, willigte ich ein.

Weil ich 2001 den Titel bereits erringen konnte, hatte ich das Rennen in sehr guter Erinnerung. Nach 3 von 5 Runden habe ich das Rennen jedoch aufgegeben. Bei den Anstiegen lag mein Puls zwischen unangenehmen 164-169 (169 = mein max. Puls). Mein Gewicht von 84 kg (mit 9 % Fettanteil) war einfach zu hoch.

Der Sieger Vladimir Gottfried (jetzt mehrfacher Deutscher Meister und bereits mehrfacher Weltmeister bei den Masters) bringt max. 64 kg auf die Waage. Man rechnet ca. 3-6 Watt Leistung pro kg. Ich musste also bei gleicher Geschwindigkeit am Berg etwa 60-120 Watt (20 kg x 3-6 Watt) mehr leisten als “Vladi“. Um an „Vladi`s Hinterrad zu bleiben, musste ich immer wieder bis zu 560 Watt treten. Das war für mich einfach unmöglich.

Also habe ich das Rennen etwas enttäuscht - aber als vorhersehbar kalkuliert - einfach abgehakt, zudem ich bei meinem Titel-Gewinn 2001 (in der gleichen Klasse) auch noch 7 Jahre jünger war.

Jetzt bewunderte ich meinen Freund Jürgen Wenig, der erst seit kurzem ab und zu mit Lizenz startet - zu seiner enormen Leistung – das Rennen zu Ende zu fahren. Er als sehr erfolgreicher Jeder- und Marathon-Mann auf dem Rad, hat schon so viel erreicht und startete jetzt bei der DM, weil es ihn einfach reizt. Zurück zu liegen, machte ihm scheinbar nichts aus. Ich glaube, diese Herausforderung zählte mehr, als die Aussicht auf einen Erfolg.

Ihr Sprinter oder ihr Jederfrauen und Jedermänner mit hohem Gewicht - lasst den Kopf nicht hängen, wenn ihr am Berg mal „abgehängt“ werdet. Dafür geht es bergab, auf der Flachen und vor allem gegen den Wind umso besser.       

Nach 1.500 km Autofahrt - Görlitz und zurück – am Samstag und Sonntag mit Training und Rennen, hieß es jetzt zuerst einmal einen Tag entspannen. Für mich geht das am besten in einer Therme, wo das Wasser warm und vor allem salzig ist. Praktisch ist der Durchgang vom Parkhotel direkt in die Therme. Man kann gleich in Badebekleidung rein gehen und das lästige umziehen in der feuchten Luft entfällt.
 
Was für die alten Römer gut war, sollte für mich wohl auch gut sein. Von der Kristall-Therme hat man einen wunderbaren Blick auf den Rhein. Meine Frau blieb gleich fünf Tage in Bad Hönningen. Jetzt konnte ich „meine Einsamkeit genießen“ und noch gezielter meine Zeit bis zum geplanten Rennen in Titz-Rödingen-Höllen am Sonntag einsetzen.
 
In meinem langen „Rad-Leben“ hatte ich schon viel gemacht, aber noch nie war ich morgens und nachmittags in zwei langen Touren in die Eifel gefahren. Das wollte ich am Donnerstag einmal ausprobieren. Ich fuhr also zum Treff meines Freundes Martin Scheuer in Hürth-Gleuel am REWE-MARKT gegenüber Kaffee Gugelhupf (Dienstag und Donnerstag 10 Uhr). Pünktlich fuhr die große Gruppe der Jederfrauen/männer sowie der Alt-Internationalen Senioren-Rennfahrer mit dem Ex-Profi und mehrfachem Weltmeister und Welt-Cup-Sieger Willi Hochgeschurz, Rudi Wattler, Josef Vogt usw. los.

Angesagt war eine wunderschöne Strecke bis zur Ahr. Es ging mit flottem Tempo Richtung Frauenberg. Von hinten überholte uns ein Traktor mit zwei großen leeren Anhängern. Das war für mich die Chance, ein kurzes kraftvolles „Motor-Training“ einzulegen. Meinem Antritt mit 560 Watt und bis 53 km/h schnell in der Steigung, konnte keiner folgen. Danach - immer noch leicht bergauf - mit 48 km/h einige Kilometer im Windschatten, war schon anspruchsvoll. 

Jetzt ging es in die ersten Eifelberge. Hinter Weiler am Berg, Satzvey, bog ich mit weiteren vier Fahrern nach Kommern ab, um den Heimweg anzutreten. Unter Führung meines immer gut gelaunten Freundes Frank Wolf (Ex-Body-Builder mit Spitznamen „PITBULL“) ging die Post ab. Frank liebt lange Führungen mit hoher Übersetzung. Deshalb ist er bei den Jedermann-Rennen immer gerne gesehen. Das Tempo kam nur selten unter 40 km/h.

Ich hielt mich „im Wind“ etwas zurück, um noch Kraft für den Nachmittag zu sparen. Frank kannte mein Ansinnen und gab mir seine Banane mit den Worten: „iss Du besser mein Affenstaek, damit Du gleich nicht vom Rad fällst – ich muss noch was Gewicht machen“.
Franks Ziel ist es nach krankheitsbedingter Trainings-Pause wieder unter die magische 100-kg-Grenze zu kommen. Zu Hause zeigte mein Tacho 121 km an.

Nachmittags ging es auf eine meiner „Heinrich-Runden“ über Nideggen, Heimbach. Mariawald, Zülpich nach Bachem. Beim „schnell fahren“ auf der 19,35-km-Strecke mit 52,8 km/h und unangenehmen Ostwind zuckten meine Beine in der Führung mit 53/11 schon etwas. Sie wollten mir wohl damit sagen, dass sie bereits 190 km getreten hatten. Nach 116 km kam ich vollkommen zufrieden in Bachem an.

Hier meine Vormittags-, Nachmittags- und Gesamt-Werte 26.06.2008:      
121 km  83,0 kg 12 % Fett     553 hm  Steigung max. 9 % 30,3 km/h 18-30 Grad Durchschnitt 120 max 560 WATT
116 km  82,2 kg 11 % Fett     783 hm  Steigung max. 9 % 30,6 km/h 30-20 Grad Durchschnitt 140 max 460 WATT
237 km  82,2 kg 11 % Fett  1.336 hm  Steigung max. 9 % 30,5 km/h 18-30 Grad Durchschnitt 130 max 560 WATT

Jetzt war ich auf das Rennen in Titz-Rödingen-Höllen am Sonntag gespannt. Zwei Tage lagen ja zwischen dieser großen Trainingsbelastung und dem Renntag. Im Rennen war ich vollkommen überrasch, dass meine Beine wieder schnell treten wollten. Mit Übersetzungen von 53x17/16 kurbelte ich – immer in vordersten Positionen – schon sehr flüssig.

Fast jeden Vorstoß ging ich mit. Die Führungsarbeit verweigerte ich natürlich mit Hinweis auf mein hohes Alter von 58 Jahren (und meinem hohen Puls wegen der Belastung) in dieser Klasse ab 40 Jahre. Die meisten Konkurrenten akzeptieren das auch. Einer antwortete mir jedoch beim verfolgen einer Spitzengruppe, dass mein Alter keine Rolle spielen würde. Ich habe ihn daraufhin gefragt, ob ich mit 70 Jahren für ihn auch noch die „Löcher“ zufahren solle. Die anderen „Renner“ in unserer Nähe konnten vor lachen kaum noch treten.

Nachdem ich zu meinem Freund und Trainingpartner Harald Epding, einem starken „Jung-Senior“ - der bei unserem „19-km-Schnellfahr-Training“ einer der eifrigsten ist und hier schon rundenlang alleine in Führung lag - vorgefahren war, mussten ich leider erkennen, dass der Wind zu stark war und die Konkurrenz uns nicht ließ. 
Kein Problem für uns, weil das Rennen noch lang war. Die letzten zehn Runden gab es laufend Angriffe.

Vier Runden vor Schluss konnte mich nach einem harten Antritt, niemand mehr halten. Im Sprint hätte ich eine gute Chance auf einen vorderen Platz. Mein Traum war aber, noch einmal ein Rennen im Alleingang zu gewinnen.
Meine Leute an der Strecke schrieen wie von Sinnen, um mich zum Sieg zu peitschen. Die Kilometer zogen sich endlos lang. Erst 500 Meter vor dem Ziel zerplatzte mein Traum. Das Feld schoss vorbei. Schade – aber ohne Reue – rollte ich ins Ziel.

Ich wollte sicher gewinnen. Ein alter Rennfahrerspruch sagt ja schon: „besser von vorne sterben, als hinten nichts erben“. Viele Zuschauer sprachen klare Worte der Anerkennung zu meiner Leistung. Das war ein Balsam für die Seele. Auch über die eingehenden Mails der kommenden Tage habe ich mich sehr gefreut.
Hier meine Werte:

51 km 40,0 km/h max. 57,7 km/h 23-31 Grad 260 Watt 400 max. Watt

Weil meine „Doppeltraining“ mir so gut getan hatte und mir vor allem auch so gut gefällt, habe ich das jetzt vorerst dauerhaft für Dienstag oder Donnerstag in meine Trainingsplanung eingebaut. Mit der neuen Trainings-Moral vergingen die nächsten zwei Wochen im Fluge.

Ich wollte zum ersten Mal an der Bad Krozinger Rothaus-Radsportwoche für Senioren vom 13.-19.07.2008, die zum siebten Mal veranstaltet wurde, teilnehmen.

Mit meinen mehr als 11.000 Trainings- und Renn-Kilometern, sowie meinen Erfolgen - besonders in Italien - brauchte ich keine Angst vor den flachen  Etappen zu haben. Wie würde ich aber mit meinem Gewicht in den Weinbergen und beim Bergzeitfahren zum Geiernest im Hochschwarzwald aussehen?

Bei dieser Rennserie starten alle mit UCI-LIZENZ, aber viele starke Leute kommen als Quereinsteiger aus der Jedermann-Szene. Ich kann nur sagen „Alle Achtung“ vor deren Leistung.

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Der Auftakt in Tunsel mit 10 Runden und gleichzeitig 10 Mal den Rebberg hinauf mit 8 % Steigung stellte schon eine große Herausforderung  dar. Immer wiederkehrende Regengüsse bei 17 Grad machten die schmalen Straßen sehr glitschig. Bei der Hälfte konnte ich mich nach einer Abfahrt vom Feld lösen. Unerklärliche  Schaltungsprobleme ließen mich nach vier Kilometern den Vorstoß beenden.

In der letzten Runde konnte ich die Bergfahrer nicht halten. Als 10. kam ich mit 560 Watt und Maximal-Puls von 167 über die Kuppe. Trotzdem kam mein Antritt in die gefährliche Abfahrt sehr gut. Als zweiter mit ca. 10 Metern Rückstand auf den stärksten Fahrer und späteren Gesamt-Sieger Gerhard Hinz vom RSC Gundelfingen, kam ich aus der Abfahrt auf die letzten 1.500 Meter. Gerhard trat an den letzten Wellen dermaßen an, dass wir beide immer mehr an Vorsprung gewannen. 

Ich musste Gerhard leider die ganze Führungsarbeit überlassen, da ich beim runterschalten auf den 15er-Zahnkranz nur Kettenspringen zu spüren bekam. Also schaltete ich zurück auf den 16er. Mein vollkommen fairer Gegner zog ohne Murren kraftvoll durch.

Hinter der Zielkurve kam das Feld herangeflogen. Ich versuchte es wieder mit „Schalten“ – es krachte, wie auf dem Schrottplatz – mit springendem 14er würgte ich mich zum Sieg. Verdient hatte ihn natürlich das sehnige Kraftpaket Gerhard Hinz. Ihm blieb leider der undankbare vierte Platz. Aber hätte ich ihn nicht übersprintet, hätte keiner von uns beiden gewonnen. Beim gemütlichen „Radlerhock“ (gemeinsamen Abendessen mit anschließender Siegerehrung) des Sponsors „Hotel Fallerhof Hausen“ haben wir darüber gesprochen, damit mein Verhalten erklärt war.

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Die zweite Etappe ist schnell erzählt. In Biengen konnten wir vom Balkon unserer Ferienwohnung „Haus Rosi“ - der Fam. Stein mit Hallenbad www.ferienhaus-stein.de - auf die Zielgerade schauen. Die 12%-ige Steigung des Rebweges – mit bis zu 600 Watt auf meiner Tacho-Anzeige - war wieder zu schwierig für mich. Gerhard Hinz überrundete mich, und übernahm damit die Führung der Gesamtwertung, da ich hier „nur“ den neunten Platz belegte. Meine Durchschnitts-Watt-Belastung lag wie schon in Tunsel bei 240 Watt.

Meine Mangerin, Kamera- und Ehefrau Gisela entschied kurz, dass ich nicht wie geplant auf die Zeitfahren verzichten sollte, sondern - angesichts meines zweiten Platzes in der Gesamtwertung – jetzt doch alle Etappen fahren sollte.

Das Zeitfahren in Tunsel brachte ohne Zeitfahrmaschine usw. Platz 20 für mich.

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Im Rennen von Schlatt mit dem 7 %-igen Lazariterberg, wurde ich mal wieder vom überragenden Gerhard Hinz überrundet. Mit meinem siebten Platz war ich aber durchaus zufrieden. Durch den Rundenverlust fiel meine Gesamt-Watt-Belastung von 240 auf 200 runter. Ich erhoffte mir auch eine Kraftersparnis für die kommende
Flachetappe.

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Die Etappe in Hausen - ohne jede Steigung - konnte ich mit dem alten Trick - im Sprint auf die Zielkurve überraschend und frühzeitig mit der verhältnismäßig kleinen Übersetzung von 53/14 einen kleinen Vorsprung herauszufahren – leicht für mich entscheiden.

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Das Bergzeitfahren zum Geiernest zeigte mir wieder, dass mein Gewicht und der Berg mit bis zu 12 % Steigung, keine Freunde werden würden. Mit 280 Watt und 152 Puls im Durchschnitt konnte ich aber noch den 12. Platz belegen. Ein wenig Schonung für das abschließende Kriterium war auch noch drinnen. Meine Frau konnte sich nach ihrer Anfeuerungsrufe im Ziel den Satz: „Jaaaa - 86 kg sind gelandet“ – nicht verkneifen. Ich war wohl der einzige, der noch einen echten Sprint ins Ziel fuhr.

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Die letzte Etappe in Bad Krozingen mit Punkte-Wertung alle paar Runden und doppelter Punktezahl in der letzten Runde, wurde mir quasi vom überragend fahrenden Gesamtführenden zum Geschenk gemacht. Gerhard zog nach einigen Runden unwiderstehlich an. Ich ließ ihm einen Vorsprung und sprintete alleine – ohne jemanden mit zu bringen – zu ihm nach vorne. Großzügig überließ er mir alle Wertungspunkte für den ersten Platz der Wertungen. Gerhard kam mir vor, wie der Fahrer bei der Tour de France, der „in das gelbe Trikot fährt“ und mit einer großen Geste dem schwächeren Fahrer den Etappen-Sieg überlässt.

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Gerhards hübsche Frau „Trixi“ – die normal bei den drei Seniorinnen in der Serie erfolgreich mitfuhr, hier aber aus privaten Gründen auf den Start verzichtet – hielt uns immer über den Punktestand der Konkurrenten auf dem Laufenden. Nach zwei Drittel des Rennens vollzogen wir die Überrundung. Im Ziel konnte ich als Tages-Sieger (Gesamt-Dritter) und Gerhard Hinz als großartiger Gesamt-Sieger die Arme in die Höhe recken.

Klasse war auch die Leistung der Jederfrau Renate Bitter aus der Schweiz, die erst in diesem Jahr eine Lizenz gezogen hat und gleich drei Etappensiege  und den Gesamtsieg erringen konnte.

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Mein Fazit ist, dass der Unterschied zwischen Jedermann-Rennen und Lizenz-Rennen vom Leistungs-Niveau – besonders am Berg und in den Zeitfahren – kaum noch vorhanden ist. Lediglich in der Fahr-Technik, der Renn-Taktik und im Sprint sind die „alten Rennfahrer“ haushoch überlegen. Auf die hier teilweise übertriebene Härte - z. B. im Rennen von Hausen - die dem Fahrer Willi Karle eine Verwarnung wegen unsportlichem Verhalten einbrachte, weil sie zu zwei Schlüsselbeinbrüchen führte, hätten alle Fahrer sicher gerne verzichtet. In Italien hätte man seine Lizenz kurzerhand zerrissen und die Saison wäre damit ohne ihn zu Ende gegangen.

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Die Veranstaltung ist in meinen Augen, genau wie die meisten Jedermannveranstaltungen, hervorragend von der Kur und Bäder GmbH Bad Krozingen durchgeführt worden. Die große Siegerehrung im Kurpark mit „dem begleitenden Tanz der Cheer-Leader“ und anschließendem Lichterfest bleibt - genau wie der kostenlose Besuch der Therme aufgrund der Gutscheine für die Renn-Teilnehmer -  unvergesslich in Erinnerung.
 
Ciao – Euer Enrico
 
http://cheapessaysbe.com/   essay editing and proofreading

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