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Paris-Roubaix ? die H?lle des Nordens
Dienstag, 1. Juli 2008
ImageParis-Roubaix – kaum eine Veranstaltung spaltet die Radsportler so stark wie das Rennen durch die Hölle des Nordens. Es sind keine unüberwindliche Berge oder eine extrem hohe Anzahl berüchtigten belgischen Hügel. Der Höhenunterschied ist nicht der Rede wert, obwohl zum Schluss trotzdem 1200 Höhenmeter zusammen kommen. (!) Im ersten Teil der Strecke sind kurzfristig maximal 5% Steigung zu überwinden, danach ist es nur noch flach. Paris-Roubaix ist berüchtigt für die zahlreichen Kopfsteinpflasterpassagen (Pavés).

Wir wissen ja, dass Radsportler etwas verrückt sind,  während andere Leute am Wochenende ausspannen, schön gemütlich im Garten grillen oder alle Fenster und Türen verriegeln, weil mal wieder ein Unwetter tobt, sitzen sie auf den Rädern. Wie verrückt muss man erst sein, um Paris-Roubaix zu bewältigen, die Hölle des Nordens, ein Rennen, das viele Weltklasse-Profis meiden wie die Pest? Während die Profis im April unter Kälte, Wind und der Strecke leiden, findet die Hobby-Version alle zwei Jahre im Juni statt.

ImageAuch wenn es meist wärmer ist, einfacher wird die Fahrt dadurch nicht unbedingt. Bei sonnigem Wetter ist es im Juni oft sehr heiß, so wie bei der letzten Veranstaltung vor zwei Jahren als Staub und Hitze den Fahrer/innen zu schaffen machten. In anderen Jahren regnet es zum Teil recht heftig, dann ist es noch schwerer das Rad auf dem rutschigen Pflaster unter Kontrolle zu halten. Was für ein Wetter soll man sich da wünschen?

Am 8. Juni 2008 war es mal wieder soweit, die 30. Austragung stand auf dem Programm. 260 harte Kilometer warteten auf die Fahrer/innen, davon 50 Kilometer Kopfsteinpflaster wie es in Deutschland wohl nicht mehr zu finden ist. Mit 2.512 Teilnehmern aus 22 Ländern wurde bei der Jubiläumsveranstaltung die höchste Starterzahl der letzten 20 Jahre erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr wurde bei den Anmeldungen eine Steigerung von 11 Prozent verbucht. Auch das spricht für die Arbeit der Veranstalter.

ImageRund 1.000 Fahrer/innen mehr als noch vor 10 Jahren. Auch 87 Deutsche Fahrer hatten das große Ziel die Radrennbahn in Roubaix zu erreichen, um sich den berühmten Pflasterstein für die Finisher (den man sich für 10€ kaufen konnte) mit nach Hause zu nehmen. Am Start waren unter anderem vier Männer aus Bochum und Sprockhövel. Auf Challenge-Magazin.com berichten sie über ihre Erfahrungen in der Hölle des Nordens.

Wir, das sind vier junge und jung gebliebene Menschen, hatten das Ziel, das härteste Eintagesrennen im Profiradsport zu "erfahren". Am 08. Juni diesen Jahres startete die 30. Auflage des alle zwei Jahre stattfindenden Ereignisses für Radsportverrückte und wir waren dabei...

Vier, von ehemals sieben Männern und einer Frau, trafen sich am Vortag des großen Events  um sich auf den Weg nach Frankreich zu machen. Verstärkt wurden wir von unserer Betreuerin Britta, die die nicht minder schwere Aufgabe hatte, unseren Wagen in Frankreich zu den Kontrollstellen zu fahren. Denn ohne Begleitwagen wollte keiner von uns diese schwere Tortur in Angriff nehmen, weil Defekte dort an der Tagesordnung sind. Wir alle sind zwischen 18 und 41 Jahre alt.

Wir legen jeder mindestens 15.000km auf dem Rennrad zurück. Trainieren bei Wind und Wetter, egal, ob draußen -5°C auf dem Thermometer frösteln oder die Sonne erbarmungslos den Asphalt unter unseren Reifen aufweicht. Alle von uns fahren Wochenende für Wochenende Radrennen in ganz NRW und über dessen Grenzen hinaus. Wir haben zusammen schon erfolgreich das 24h Rennen auf der Nordschleife bestritten, sei es als 4er Team oder sogar als Einzelstarter. Nach dieser Grenzerfahrung, sich über 24h hinweg bei Tag und bei Nacht auf der aus dem Automobilsport bekannten bergigen Eifel Rennstrecke zu quälen, wollten wir nun die berühmten Pflaster des französischen Nordens unter unsere Reifen nehmen. Was für die Automobilfans die "Grüne Hölle" ist, ist die für die Radsportfans Paris Roubaix, die Königin der Klassiker, die "Hölle des Nordens"
 
ImageStaub, Sand und Zentimeter breite Fugen machen die runden Pflastersteine zur Herausforderung für jeden Fahrer und sein Material. Gefordert sind höchste Konzentration und perfekte Radbeherrschung. Dazu genügend Ausdauer und Biss, um die lange Distanz von 260km, wovon 50km über die bis zu 3700m langen Abschnitten mit Kopfsteinpflaster (Pavés) führen, zu meistern. Vorraussetzungen, die selbst die größten Fahrer der Geschichte veranlassten, diese Rennen auszulassen, für andere wiederum reine Passion.  Nun wollten auch wir erfahren, was diese Rennfahrer an diesen Rennen reizt und den Mythos von Paris Roubaix ausmacht. Gesagt, getan! Begeisterte Mitstreiter waren schnell gefunden. Welche der drei zur Wahl stehenden Strecken wir fahren wollten auch: Die Längste natürlich :-)

Ein Fahrzeug wurde besorgt, eine Fahrerin organisiert und die Anreise geplant. Eifrig wurde am Material gebastelt, um es auf die "Hölle des Nordens" vorzubereiten und dem Fahrer oder auf dem Pavé, besser Reiter, die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das war nicht einfach, immerhin wurden auf den legendären Pavés das Holz der Umgebung durch Elefanten in das Kohlerevier Roubaix geschleppt und wenn man bedenkt, dass die Pavés zum Teil unter Denkmalschutz stehen, wird sich daran auch in Zukunft nichts dran ändern.

ImageStunden über Stunden verbrachte jeder einzelne von uns Tag für Tag im Sattel. Immer das Ziel im Kopf....... "Wir meistern die "Hölle des Nordens" und fahren ins Velodrom in Roubaix"

Erstes Hindernis war die frühe Startzeit. Bereits um 6:45Uhr morgens ging es für uns los. Es war auch möglich schon ab 4:00 zu starten! Der Letzte wurde um 7:00 auf die Strecke gelassen.  Also ein ziemlich großes Startfenster und kein Massenstart, wie man es vielleicht von anderen Events kennt. Der Start hat also eher RTF-Charakter.

Eine Zeit also, wo andere Leute gerade erst nach Hause kommen, vernünftige Menschen aber auf jeden Fall noch einige Stunden schlafen.

ImageDa wir schon einen Tag vorher angereist waren und unsere Zelte im unmittelbaren Bereich der Anmeldung aufstellen konnten, gestaltete sich der Morgen eigentlich ganz entspannt. In einem Gemeindehaus war es möglich sich zu waschen und Toiletten gab es natürlich auch. Für das leibliche Wohl wurde auch gesorgt. Ein kleines Frühstück und Kaffee wurde angeboten.

Die Anmeldung war auch schon einen Tag früher von 17:00- 19:00 möglich. So konnten wir dem Durcheinander am diesem frühen Morgen aus dem Weg gehen. Wir hatten uns ohne Schwierigkeiten nachmelden können. Alles war sehr gut organisiert und es gab keine langen Wartezeiten bei der Anmeldung. Im Startpaket war eine Startnummer für den Rahmen und eine für den Rücken enthalten. Eine Stempelkarte mit Wegbeschreibung und den Angaben aller Paves. Auf eine Voranmeldung im Internet hatten wir verzichtet, weil uns die angegebene Überweisungsmöglichkeit ziemlich unsicher schien.

Trotz des großzügigen Startfensters fanden sich aber schnell Gruppen auf der Strecke zusammen, die auf den ersten Kilometern dann zu großen Fahrerfeldern wuchsen. Anfangs war die Strecke wellig, viele kleine Anstiege, höchstens ein paar hundert Meter lang sorgten auf den ersten hundert Kilometern für Abwechslung. Wir fuhren durch die Landschaft der Picardie, die fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt wird. Grüne Felder, aufgelockert durch wenige Bäume und gelbe Rapsfelder. Auf Richtungspfeile verzichtet der Veranstalter. Aufgemalte Pfeile auf der Strasse kündigen die Richtungswechsel an.

Nach 87 Kilometer erreichten wir die erste Kontrollstelle an der man seine Startkarte das erste Mal abstempeln lassen muss. Hier gab es ausreichend und abwechslungsreiche Verpflegung. Die reichlich gedeckten Tische erinnerten an den Ötztaler Radmarathon.

ImageNach knapp 100 Kilometern ging es dann so richtig los. Der erste von 24 Pavés lag vor uns. Durch starke Regenfälle am Vortag waren die Pavés nass und teilweise voller Schlamm, das machte die Strecke ziemlich rutschig. Ein Fahren war fast unmöglich und teilweise mussten wir immer wieder aus den Pedalen. Wir verringerten den Reifenluftdruck noch weiter und hofften, dass es dadurch etwas besser gehen würde. So langsam stellte sich auch der angekündigte Nordwind ein, was die Sache nicht einfacher machte.

Die ersten Pannen, platte Reifen, Speichenbrüche, lockere Vorbauten. Mehr und mehr defekte Reifen und aus der Halterung gerüttelte Trinkflaschen säumten den Weg ins Ziel. Da wir noch gut in der Zeit lagen, dürfte sich nach der Durchfahrt aller Teilnehmer so einiges am Straßenrand angesammelt haben.

Inzwischen war keiner der Fahrer mehr so richtig sauber, jeder wusste, dass es noch weit bis zum Ziel war. Da treffen einen die Defekte natürlich ziemlich hart. Hoffentlich hält das Rad, hoffentlich halte ich durch.
Obwohl wir alle auf 25er Reifen umgerüstet hatten (Luca fuhr sogar Crossreifen) erwischt es Zwei von uns und sie bekamen einen platten Reifen. Einen Ersatzschlauch hatte natürlich jeder dabei und der Schaden war schnell behoben. Mit der Minipumpe wurde provisorisch aufgepumpt und auf den nächsten Kilometern würde sich bestimmt schnell eines von den vielen Begleitwagen und nette Helfer finden, die eine Standpumpe verleihen würden. Nur Tim Allen hatte keinen Ersatz für seinen Schlauchreifen und ließ sich von einem freundlichen Spanier im Begleitwagen zur nächsten Kontrolle fahren, um dort auf unseren Bus zu warten.

ImageEigene Begleitwagen waren auf den Paves aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Für die Begleitfahrzeuge war eine alternative Wegbeschreibung ausgewiesen, die bei der Anmeldung für die Betreuer ausgegeben wurde. Wir waren auf jeden Fall froh, uns und unsere Räder gut auf die Hölle vorbereitet zu haben. Doppeltes Lenkerband, breitere Reifen, Stahlgabel, mit allen Tricks wurde gearbeitet. Auf der Strecke sah man aber trotzdem Vollkarbon und Systemlaufräder. Doch auf dieses kostspielige Risiko wollte sich von uns keiner einlassen, denn mit Radfahren hatten diese Passagen nämlich nicht viel zu tun. Das war Abenteuer pur!

Nach 108 Kilometern wurde uns langsam klar, worauf wir uns eingelassen hatten, auf  5.500 Meter in zwei Sektoren kurz hintereinander wurden wir durchgerüttelt. Mittlerweise ähnelten sich Trikots und Räder der Teilnehmer vom Aussehen her. Matschbraun war heute die Farbe des Tages. Aber so langsam trockneten die weiteren Paves ab und man konnte Vollgas darüberfahren. Die Pavé-Sektoren lagen natürlich abseits der Hauptstraßen. Dadurch waren viele Streckenteile unbewohnt. Dennoch standen hier und da Zuschauer am Streckenrand und feuerten uns an.

Nach gut 150 km erreichten wir den Wald von Arenberg. Hier fiel sehr oft die Vorentscheidung bei den Profis. Jetzt wussten wir auch warum. Auch wenn ein Teil des Pflasters 2005 aufwendig restauriert wurde, neben den  Pavéabschnitten von Mons-en-Pévèle und Le Carrefour de l'arbre war das Pflaster im Wald von Arenberg der schwierigste Sektor.

ImageSo musste es sich anfühlen mit einen schweren Presslufthammer zu arbeiten. Das Rennrad und die Knochen in den Armen machten abwechselnd seltsame Geräusche.

Inzwischen schmerzten Hände und Schultern von den zahlreichen Schlägen, die vom Rad an den Fahrer weitergegeben wurden. Klar, wer sein Rad zwang, so etwas mitzumachen, gehörte bestraft. Auch die Zuschauer kannten natürlich die interessantesten Stellen entlang der Strecke. Daher standen hier besonders viele und unterstützen alle Fahrer/innen. Noch warteten 17 Sektoren mit Längen bis zu 3.700 Metern auf uns.

Inzwischen wurde das Wetter richtig sonnig, allerdings nahm der Wind an Stärke zu und da wir Richtung Norden fuhren, blies er die ganze Zeit von vorne. Es wurde von Stunde zu Stunde härter. Wir hatten uns vorgenommen die gesamte Strecke zusammen zu fahren. Aber schon auf den ersten Paves wurde uns schnell klar, dass das nicht möglich ist.

Jeder hatte nun mit sich selbst genug zu tun, jeder musste seinen eigenen Rhythmus finden und gegen die Steine kämpfen. Schnell war man durch langsamere Fahrer ausgebremst, wenn sich auf dem schlimmen Pflaster nicht sofort eine Überholmöglichkeit bot. Wir waren aber alle durch Handys miteinander verbunden und bei schlimmeren Stürzen oder Defekten konnte man sich schnell absprechen.

ImageDie Pavés waren übrigens in Klassen eingeteilt. Die Schwierigsten hatten die Klasse 5, die Einfachsten wurden mit einer 1 gekennzeichnet. Nur war diese Einteilung für uns nicht immer Nachvollziehbar. Manchmal hatte man den Eindruck die Schwierigkeit würde innerhalb eines Abschnitts variieren. Nur die Kategorie 5 war eindeutig zu erkennen! Diese Art von Strasse konnte man nicht beschreiben. Die wenigen Abschnitte mit einer 1 oder 2 hätten wir in Deutschland verflucht, bei Paris-Roubaix waren sie so etwas wie Erholung. Aber zum Schluss war für uns Kategorie 1 auch wie gefühlte Kategorie 5.

Die Sektoren mit den Pavés waren nummeriert und zwar in absteigender Zählweise. Je näher wir dem Ziel kamen, desto kleiner wurde die Anzahl der Pflasterstücke, bei den letzten fünf stellte sich langsam ein kleines Glücksgefühl ein.

Als Belohnung deuteten wir den letzten Pavéabschnitt, die Avenue Charles Crupelandt, mit 300 Metern. Es war nicht nur sehr kurz, sondern auch recht human. Ein Pflaster wie in Deutschland. Dazu kam noch die Gewissheit, es geschafft zu haben. Einen Kilometer vor dem Ziel ging es rechts ab Richtung Ziel, noch eine Links-Rechts Kombination und man bog auf die Radrennbahn ein.

ImageWeil uns das brutale Kopfsteinpflaster dazu gezwungen hatte uns zu trennen, gab es bei uns wie beim Profiradrennen Zeitabstände im Zieleinlauf. So hatte jeder von uns sein ganz persönliches Erlebnis als er auf die Radrennbahn bog.

Es war einfach unbeschreiblich…

Wer diese Härte auf dem Rad überlebt hatte,war einfach nur noch froh, erleichtert, glücklich und stolz.
Axel Noll
   

 HYPERLINK: http://www.centaure-metrix.com/
 
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