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RAAM ? Zwischen Himmel und H?lle
Dienstag, 1. Juli 2008
ImageIn den vergangenen Monaten haben wir im Challenge-Magazin.com die Entwicklung des Swissteam RAAM begleitet. Für alle im Team war es die erste Teilnahme am Race across America. Ein 4.950 Kilometer langes Rennen nonstop von Oceanside in Kalifornien nach Annapolis im US Bundesstaat Maryland.

Man muss schon ziemlich verrückt sein, um am Race across America teilzunehmen. Die körperlichen Belastungen sind unglaublich hoch; allerdings entscheidet auch der Kopf über den Ausgang dieses Abenteuers. Der Körper befiehlt nach einigen Tagen, mit dem Irrsinn aufzuhören. Diesem Wunsch nicht nachzugeben bedarf es schon einer enormen Willensstärke. Und die haben alle Finisher des Race across America. Ein gutes Beispiel ist der Österreicher Franz Preihs, der in der Einzelwertung startete. Bei einem schweren Sturz nach der Hälfte des Rennens brach er sich das Schlüsselbein.

ImageDasselbe Schlüsselbein, das er sich bereits sechs Monate vorher brach. Im Krankenhaus wurde der Bruch eingerichtet und ein Stürzverband angelegt. Doch aufgeben wollte Franz Preihs nicht. „Richtet alles her, gebt mir was zu essen. In einer Stunde geht es weiter“ waren seine ersten Worte nach ärztlicher Versorgung. Er hatte noch fünf Tage vor sich. Das Ziel erreichte er als Vierter seiner Klasse, mehr gibt es dazu nicht zu schreiben.

Doch bleiben wir beim Swissteam RAAM, das auch nicht von Verletzungen verschont blieb. Zweieinhalb Jahre Vorbereitung für eine Woche Radrennen. Bei aller Bewunderung für die überragenden Leistungen der Fahrer/innen sollten die Teammitglieder im Hintergrund nicht vergessen werden. Aus 10 Leuten bestand die Begleitcrew der Fahrer in den USA. Weitere vier Teammitglieder sorgten im Schweizer Backoffice für alles Wichtige, das von der Heimat aus gesteuert werden konnte.

ImageAnfang 2006 begann das Abenteuer Swissteam RAAM. Den Stein ins Rollen brachte Projektleiter Johannes Kornacher, der sich neben der körperlichen Vorbereitung auch um Kontakte zu Sponsoren und Medien kümmerte. Einige Rückschläge waren im Laufe der einzelnen Projektphasen zu verdauen. So der Rückzug des Hauptsponsors Ende 2006 und die Auswahl des zweiten Fahrers neben Johannes Kornacher. Einige großartige Athleten nahmen das Abenteuer RAAM gemeinsam mit Johannes in Angriff. Erster Partner war Daniel Eigenmann. Allerdings gab es unterschiedliche Auffassungen über Ziele und Trainingsabläufe. Michael Dhom schien dann die perfekte Ergänzung zu sein.

ImageIm August 2007 wurden dann endgültig die Weichen für ein erfolgreiches Team gestellt. Allerdings mit einer traurigen Meldung. Michael Dhom musste das Projekt aus beruflichen Gründen leider abbrechen. Ein Schlag für das ganze Team. Dafür stieß dann Matthias Mend als Geschäftsführer zum Team. Auch die Fahrerfrage löste sich. Der Extrem-Radcrack und Ausdauerathlet Rainer Kiworra passte perfekt ins Profil des Swissteam.

Mit Rainer als Rennpartner, Matthias als Geschäftsführer, Christian Hoppe als beratendem Arzt, Tom Holwerda als Physiotherapeut Schweiz, Bjoern Bergner als Webmaster und Stefan Wilda als sportlichem Leiter hatte Johannes nun sein Dreamteam zusammen. "Topleute mit hochprofessioneller Einstellung, Begeisterung und menschlichen Qualitäten" nennt sie der 51-jährige Ustermer. "Endlich sind die Schlüsselpositionen besetzt. Jetzt geht es los. Oceanside, California: wir kommen!"

ImageBeim Riderman 2007 in Bad Dürrheim wurde das Projekt „Swissteam RAAM“ dann erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. So langsam wurde das Swissteam bekannt. Nach fast zwei Jahren Vorbereitung nahm das Team die letzten schwierigen Hürden. Dass ausgerechnet jetzt der Radsport in einer Krise steckte, machte es  Johannes Kornacher und Matthias Mend nicht einfacher. Nur mit großer Anstrengung konnten weitere Sponsoren gewonnen werden. Immerhin handelt es sich bei Johannes und Rainer um zwei Jedermänner, die nichts mit den Entwicklungen im Profibereich gemein haben. Der Dezember 2007 war ein weiterer Meilenstein im Projekt Swissteam. Jetzt spielte der Rechner die Hauptrolle. Wie sehen die Finanzen aus, ist das Race across America zu finanzieren? Die wohl wichtigste Entscheidung in diesem Jahr. Nach Auswertung aller Zahlen wurde Anfang Dezember das GO für die weiteren Projektphasen gegeben und das Startgeld überwiesen. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Im Frühjahr 2008 wurde es immer interessanter. Weitere Sponsoren stießen zum Team, Athlosoft stellte Swissteam seine bahnbrechende Software für Transparenz im Ausdauersport zur Verfügung, die Trikots werden vorgestellt, die Betreuung der Fahrer ist durch ein großes Wohnmobil gesichert und als im Mai dann die Räder für das Abenteuer RAAM übernommen wurden, stellte sich ein Glücksgefühl bei Fahrern und Geschäftsführung ein. Komplett finanziert war das Projekt allerdings immer noch nicht, alle Crewmitglieder arbeiteten nicht nur ehrenamtlich, sondern waren auch noch bereit, etwas in die gemeinsame Kasse zu zahlen. Das ist Hobbysport erster Klasse.

ImageVor dem Abflug in die USA wurde noch bekannt gegeben, dass sich das Swissteam RAAM für Not leidende Kinder einsetzten wird. „Unser Projekt lebt von Sympathie und Solidarität. Davon wollen wir etwas weitergeben an solche, die dringend Hilfe brauchen“, sagen Rainer Kiworra und Johannes Kornacher. Mit der Aktion "Grosse für Kleine" werben sie für Spenden für die Kindernothilfe Schweiz.

Am 1. Juni war es dann soweit. Der erste Teil des Teams flog in die USA, die restlichen Mitglieder folgten am 4. Juni. Noch 8 Tage bis zum Start, die Spannung stieg. Zweimal täglich erreichten uns nun Neuigkeiten vom Team. Die Vorbereitungen nahmen viel Zeit in Anspruch, es gab noch kleinere Probleme zu bewältigen, um die Vorbereitungen abzuschließen.

Einen ersten Eindruck vom Flair der Veranstaltung erhielt das Team zwei Tage vor dem Start, als die Solo-Fahrer auf die Reise geschickt wurden. So langsam stieg die Nervosität bei Fahrer und Crew, alle sind froh, als es endlich losgeht. Schon in der ersten Nacht fangen sich die Fahrer eine Zeitstrafe ein, weil sie aus Versehen die Strecke verlassen haben und auf der Autobahn gelandet sind. Das bedeutet 15 Minuten am Kontrollpunkt 53, kurz vor dem Ziel absitzen. Ein großes Problem war auch die schwache Netzabdeckung auf einigen Streckenteilen. Zuhause in der Schweiz wartete Matthias Mend dann natürlich besonders gespannt auf die neuesten Mitteilungen der Crew.

ImageVorstellen kann man sich die Belastung bei einem solchen Rennen nicht, man muss sie erleben. Immerhin ändert sich täglich die Landschaft und damit auch die Belastung für die Fahrer. Bereits am zweiten Tag durchqueren Johannes und Rainer das Death Valley, die heißeste Region der gesamten USA. Aus Colorado schickt Johannes am 14. Juni eine SMS an Matthias in der Schweiz. Inzwischen auf 2.000 Meter Höhe angekommen, beginnen bei Johannes die Sitzbeschwerden. Weiter geht es nach Kansas, der Wilde Westen ruft. In der Höhe über 2.500 Meter bekommen die Teilnehmer des RAAM nun Probleme mit der Sauerstoffversorgung.

Anschließend in Oklahoma ist es die trockene große Hitze, die Fahrer und Crew zu schaffen macht. Johannes hat inzwischen ein offenes Gesäß, das große Leiden beginnt. Dann folgt Kansas mit feuchtwarmem Wetter, das Immunsystem bekommt einiges zu tun. Erste Überlegungen über die mögliche Platzierung werden angestellt. Platz 1 scheint bereits außer Reichweite, Rang 2 ist aber noch möglich. Damit es nicht zu langweilig wird, ändert sich das Wetter am nächsten Tag ziemlich drastisch. Viel Regen hat Missouri bis zu 3 Meter überschwemmt. An den Zeitstationen erhalten sie Hinweise zur Umfahrung der Krisengebiete.

ImageNach Überquerung des Mississippi sind bereits  2/3 der Strecke geschafft. Alte Hasen sagen, dann geht das Rennen noch einmal von vorne los - die giftigen Steigungen der Apallachen müssen bezwungen werden. Inzwischen hat Johannes ein Steak auf dem Sattel, um die Sitzbeschwerden etwas zu lindern, die ihn stark behindern. Am vorletzten Tag, auf dem Abschnitt mit den steilsten Steigungen, belegt das Swissteam erstmals Platz 2. Allerdings wartet ja noch die Zeitstrafe am letzten Kontrollpunkt.

Nach einer dramatischen Schlussphase erreichen Johannes Kornacher und Rainer Kornacher das Ziel in einer Zeit von 7 Tagen, 9 Stunden und 42 Minuten. Das reicht am Ende zu Platz 3 in der Wertung der Zweierteams. Eine großartige Leistung!

ImageNatürlich sind diese Zeilen hier nur eine kurze Zusammenfassung eines faszinierenden Rennens. Jedem Leser sei empfohlen, die Internetseite des Swissteam RAAM aufzurufen, um sich ausführlich über das Rennen zu informieren.

Seit dem 21. Juni sind Fahrer und Crew wieder zurück. Nun erst wird ihnen so langsam bewusst, was sie in den letzten Wochen geleistet haben. Jetzt, zwölf Tage nach dem RAAM, hat der Alltag das Team wieder. So langsam lassen bei Johannes die Sitzbeschwerden nach, die meisten Teammitglieder gehen wieder ihrer gewohnten Arbeit nach. Matthias zieht eine erste Bilanz, und so langsam beginnen die Planungen für die nächsten Wochen und Monate. Die ersten Termine stehen bereits fest. Bei der VAUDE Trans Schwarzwald wird das Swissteam im August 2008 mit einer Demoshow einen exklusiven Einblick in das RAAM 2008 gewähren.

ImageEs war eine harte Zeit. Bei Johannes ist es sicher noch etwas früh, um zu fragen, ob er sich vorstellen könnte, noch einmal am RAAM teilzunehmen. Für Rainer ist die Sache jedoch klar: im kommenden Jahr wird er am Solo RAAM teilnehmen. Die Vorbereitungen beginnen in Kürze. (ws)

http://finosa.com/
 
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