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Race of Champions ? und ?Das liebe Geld?
Samstag, 31. Mai 2008
ImageEin Festtag für alle Hobby-Radsportler: die Besten ihrer Zunft fahren den Stärksten unter sich aus und das nicht nur vor der Kulisse eines angesehenen Lizenzrennens, sondern auch auf dem dafür üblichen ein Kilometer langen Rundkurs.



Ein Kilometer – drei Kurven – eine kleine Steigung, eine rasende Abfahrt durch Kanaldeckel und zwischen Fahrbahnschäden hindurch, Zielkurve im 80°-Winkel direkt auf ein Metallgitter zu – Verkehrsinseln links und rechts! Eckdaten einer Straßenschlacht über 35 Runden, die selbst erfahrenen Rennfahrern zumindest Respekt abverlangen, von den hitzigen Temperaturen mal ganz abgesehen. Beim Warmfahren auf dem Kurs präge ich mir die fiesen Stellen des Kurses ein, wie ich es aus meinen Amateurauftritten gewohnt bin. Ideallinie, Übersetzung, Gefahrenstellen, Gelegenheiten zum Trinken … an sich ganz einfach der Kurs, fragt sich nur, wie schnell oder langsam die Herren Jedermänner hier rund kommen.

Trotz der Premiere dieses Challenge-Events konnte ich mit meinen Chefs zufrieden sein. Die Sicherungsposten waren da, Gefahrstellen gepolstert, der Fahrer des Führungswagens schien nicht zum ersten Mal ein Feld zu eskortieren. Die Mitglieder des Komet-Delia Köln, des ausrichtenden Vereins, hatten alles gut im Griff. Auch wenn bei den Streckenposten Hilfe von vereinsfremden Helfern angenommen wurde musste. Einen Unterschied zu den routinierten Posten des Vereins gab es nicht.

ImageSo richtig bekannt waren mir die Gesichter oder besser die Waden meiner Konkurrenten noch nicht. Das Hinterrad von Alex Bauer (Sieger der letztjährigen T-Mobile Cycling Tour) hatte ich zu seiner Zeit als A-Lizenzfahrer schon mal zu halten versucht, ansonsten konnte ich die Power der Rennfahrer um mich nicht einschätzen. Ein wenig Sorge hatte ich um zwei Dinge: wie würden sich die Rundkursneulinge in den engen und schnellen Kurven schlagen und wie konnte ich das Challenge-Magazin.com würdig vertreten? Aktiv fahren, aber nicht in die Entscheidung eingreifen, als einziger lizenzierter Fahrer weder kuschen noch protzen.

Startschuss – 300 Meter – erste Kurve rechts – und ich war mitten in einem echten Rundstreckenrennen. Wenn auch die Antritte nach den Kurven nicht ganz so hart waren, die 35 Mann bauten schnell einen pfeilschnellen Zug auf, mit Nino Ackermann (im letzten Jahr immerhin vier Saisonsiege) als Lok und seinem Teamkapitän Alex Bauer als Tender. Kurz nach uns gingen die Mädels auf die Strecke. Hier schien die Dominanz des Teams LeXXi noch offensichtlicher.

ImageDurch den Vorstart der Männer wollten die Veranstalter eine möglichst späte Überrundung der Damen erzwingen. Ich hatte mir derweil einen anstrengenden Logenplatz an Position acht erkämpft, wollte ja mittendrin sein, nicht nur dabei. Runde vier lief wohl gerade, da trat das liebe Geld wieder einmal auf die Radsportbühne: es sollte Prämien geben, den Betrag hab ich nicht mal verstanden, aber sehr geil von hier aus auch noch einen Sprint sehen zu dürfen! Aber denkste!

ImageDie Ankündigung der Prämie zitterte noch zwischen den Hauswänden, da zogen sie an, die LeXXis an der Spitze. Kurzer Spurt bergan und die kompakte Einerreihe war eine löchrige Kette. Taktisch sehr clever, aber für das Rennen contraproduktiv.

Mich hatte längst der Ehrgeiz gepackt, Zurückhaltung war bei der Stärke der anderen Fahrer auch nicht angebracht. Ich lass den dicken Gang bergan stehen und geh mit. Dann fing es an, das Massensterben. Einer nach dem anderen vor und wahrscheinlich auch hinter mir explodierte, das Tempo war an der Steigung schon hoch, aber als die beiden Führenden nach dem Minigipfel den Druck auch in die Abfahrt hinein zogen, realisierten fast alle Verfolger: „die zwei meinen es ernst.“ Und ich sah mich in der misslichen Lage, dass da, wo zuvor noch sechs Mann den Wind für mich teilten, jetzt keiner mehr war. Freie Sicht auf die Spitze! Und die drei oder vier Mann gaben Gas.

Image Schneller Blick zurück, da war auch nur noch das verzogene Gesicht von Rainer Forster zu sehen. Und für einen Moment überlegte ich ernsthaft, wie ich mir und meiner Redaktion erklären konnte, dass ich aus dem Rennen ausgestiegen war. Aber mit der Führungshilfe meines neuen Gefährten kam auch die Lust aufs Rennen wieder.

Unser Duo lief super. Ab Runde acht fuhren wir sogar die Fahrer auf, die sich zuvor am Favoriten-Duo hatten festbeißen können. Also Platz drei und vier, hinter Rainer Forster und mir hingen noch zwei Siemens Trikots.
Unweigerlich kam dann das, was auf einem kurzen Rundkurs keine Seltenheit ist, aber für die Jedermänner wohl ein Novum darstellte. Ein Hupen kündigte es an, gleich würde das Führungsfahrzeug uns als Vorhut der Überrundung passieren. Ohne klaffende Lücke waren ich und mein Verfolgerteam dann auch in der Lage, mit den heranstürmenden LeXXis mitzugehen.

ImageJeglichen Gedanken an eine Attacke unsererseits und eine mögliche Zurückrundung vereitelten die potentiellen Sieger mit anhaltender Tempoarbeit. Besonders Nino Ackermann spannte sich immer wieder vor den Zug. Alle Versuche meinerseits, durch die Führung zu gehen, wurde dankend abgelehnt. Es war mittlerweile eine reine Demonstration. Vor lauter Respekt kam ich mir direkt lasch vor. Weder mit Fahrtechnik noch mit ordentlichem Druck war den beiden beizukommen.

Meinen Mitstreitern war die relative Fremdheit der Disziplin Rundstrecke nicht anzumerken. In die Abfahrt rein wie ein Habicht, Zielkurve unter Todesverachtung, sich bis in die Regenrinne aus der Kurve tragen lassen, Antreten und vor der nächsten Kurve erst ganz spät zudrehen – das gleitet mir am Ende noch aus den Händen, war meine kleine Sorge. Da kam mir das liebe Geld zu Hilfe. Kurz vor Schluss, das Rennen an sich entschieden, legte Challenge-Magazin.com-Herausgeber Günther Ganter noch mal Bargeld auf den Tisch.

ImageUnd diesmal würde ich ohne jeden Hochmut und wirklich ernsthaft reinhalten. Vielleicht hatte mein lieber Chef auch genau das provozieren wollen. Also an der Steigung auf Platz drei vor – Anfahrt zur Zielkurve Innenbahn wählen – beim Bremsen breit machen – Unterlenker – aggressive Linie und sofort aus dem Sattel. Den Tigersprung hätte ich mir sparen können. Keiner ging mit. Voll peinlich! Alle hielten sich zurück, um den fast ununterbrochen Führenden die Prämie zu schenken. Im Prinzip hatte ich damit gegen uralte Radrennmaxime verstoßen, meine Scham verdrängte ich mit der Tatsache, dass das Duo mit seiner ersten Prämie für einen unerwartet unspektakulären Rennverlauf gesorgt hatte und in Kürze einen riesigen Pokal und das TaHIRO-Siegertrikot als Trost erhalten würde.

ImageWas dann folgte, war dann weitaus unschöner, als meine „ungentle“ Aktion. Unter wildesten Beschimpfungen von Bauer und Ackermann gliederte ich mich wieder ins Feld ein. Einer der beiden Aufgebrachten verpasste mir auch noch eine schöne Welle in Richtung Absperrung. Und das mit dem sicheren Sieg in der Trikottasche. Drei weitere Runden hatte ich also die Schmach zu ertragen, bis sich Nino Ackermann dann würdevoll zurück fallen ließ und seinem Kapitän den Titel kampflos überließ.

Wir anderen hingegen hatten noch einen dritten Platz auszuhandeln. Als es zum letzten Mal die 200 Meter lange Barbarastraße hinauf ging, legten die beiden Siemensleute Thorsten Roell (Sieger der Cycling Tour 2006) und Michael Rademacher (hinter Bauer Zweiter der Serie 2007) erst mal die Karten auf den Tisch. Mit Bedauern stellte ich fest, dass mein Leidensgenosse aus der ersten Rennhälfte, Rainer, sein Pulver verschossen hatte. Also ich gegen zwei Siemens. Und gerade als ich dachte, die werden doch nicht am Ende noch teamtaktisch fahren, zog der eher drahtige Roell an mir vorbei.

Auf der Kuppe war ich sozusagen im grün-weißen Sandwich. Ist mir recht, spurten kann ich ja. Bis heute leugnet Roell das folgende Manöver. Bergab – 150 Meter vor der letzten Ecke des Rennens geht er rechts raus, lässt mich zwischen sich und dem Gitter in Führung, aber ich ziehe nicht konsequent genug an und bleibe neben ihm. Genau in dem Moment startet der spurtstärkere Rademacher auf der rechten Seite.

ImageIch kriege sein Hinterrad nicht, bin sogar ein wenig eingebaut, werde Vierter. Trotz dieses Prestigeverlustes muss ich zugeben, ein richtig gutes Manöver, mehr hätten die beiden als Team nicht rausholen können. Zumindest ersparte mir das eine letzte halsbrecherische Zielanfahrt. Danke übrigens noch an den Streckensprecher Henning Tonn, der zumindest mutmaßte, dass ich als Redaktionsmitglied absichtlich das Treppchen verpasst habe. Mitnichten! Alex und Nino waren auf diesem Terrain wirklich stärker!

Um einen kurzen Vergleich zu geben, beim Elite BC-Rennen auf dem gleichen Kurs rund drei Stunden später, wurde ich als einer der letzten im Feld verbliebenen C-Fahrer erst nach knapp 30 Runden von der Spitze gestellt. Der Vergleich hinkt zwar, aber zeigt auf, dass zumindest die ins Ziel gekommenen elf Jedermänner die Rundstrecke nicht so deutlich weniger beherrschen, wie ihre lizenzierten Kollegen. Trotzdem wetteiferte an diesem Tag eine Dreiklassengesellschaft um den Champions-Titel!

ImageDas Rennen der Damen konnte ich leider kaum verfolgen, bemerke an dieser Stelle aber, dass nur zwei der Frauen nicht ins Ziel gekommen sind, während bei den Herren nicht mal die Hälfte das Rennen beendeten. Sollte das Rennen im kommenden Jahr wieder auf dem gleichen Kurs stattfinden, beantrage ich die Einebnung der Strecke. Ich war trotz der kurzen Distanz schon froh, dass die Veranstaltung vom Hersteller eines Energydrinks gesponsert wurde. Die eiskalte Dose TaHIRO aus den Händen meines Chefredakteurs war mir in dem Moment fast lieber als Platz drei. Im nächsten Jahr dann wieder!

(td)

Ergebnisse Frauen:
1. Mechthild Gerhard - LeXXi Teamtrikot24.de
2. Manuela Haverkamp-Roisch - LeXXi Teamtrikot24.de
3. Mareike Walkenhorst - LeXXi Teamtrikot24.de

Ergebnisse Herren:
1. Alexander Bauer - LeXXi Teamtrikot24.de
2. Nino Ackermann - LeXXi Teamtrikot24.de
3. Michael Rademacher – Team Siemens

 
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