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(Love) Bike-Parade ? 10.000 beim ersten Velothon Berlin
Samstag, 31. Mai 2008
ImageWäre die Hauptstadt am Sonntagmorgen des 25. Mai komplett pink angemalt gewesen, der Anblick hätte kein bisschen weniger befremdlich sein können.

Allein die Situation am Fahrstuhl des Hotels hatte etwas von einem Sketch. Aus allen Fluren rollen sie ab sieben Uhr zusammen – Dutzende Rennräder erobern den Teppichboden der Nobelunterkunft. Und kaum geht mal die Fahrstuhltür auf, stehen schon drei Konkurrenten samt Drahtesel gequetscht in der Alubox: „Sorry Jungs, vielleicht ist im nächsten Platz!“

Die Halle vor dem Frühstücksraum gleicht einem Rennradmegamarkt, die Köchin am Buffet bleibt auf ihren Speckstreifen sitzen, heute sind Müsli, Brot und Obst angesagt. Das Fahrerfeld teilt sich schon beim Frühstück in zwei Hälften. Die einen kommen noch ganz entspannt in Zivil, schlendern behäbig um die riesige Auswahl, die anderen haben neben der Radhose auch schon das obligatorische Sportöl aufgelegt, der ganze Saal riecht frischer als jeder Pinienwald.

ImageAb 8:oo Uhr kehrt Stille ein im Hotel. Der Veranstalter upsolut, der sich mit radsportlichen Großveranstaltungen seit Cyclassics und Deutschlandtour ja auskennt, bat eine Stunde vor Start bereits in die Aufstellung. Je 500 Fahrer pferchten sich in die Blöcke entlang der Straße des 17. Juni. Gigantische Kulisse, vor allem, wenn man die Strecke am Tag zuvor samt Hauptstadtverkehr gesehen hat.

Die Polizei und Ordnungskräfte haben alles fest im Griff. Wer nicht den Luxus vom Hotel gleich neben seiner Box genießt, gibt schnell seinen Beutel ab, für übernervöse hat upsolut an die kleinen Plastikhäuschen gedacht. Durch die zeitversetzten Starts der Blöcke wird hinten noch getratscht, als vorne Box-Weltmeister Arthur Abraham den Startschuss gibt. Gierig stellt die Meute aus VIP’s und einigen C-Lizenzfahrern Bahnweltmeister Robert Bartko hinterher. Der wurde eigens eingeladen, um an der Spitze für ein interessantes Rennen zu sorgen. Es sei mal vorweg genommen, dass er seine Flucht als „Hase“ sozusagen überlebte und die 60 km der Herren für sich entschied.

ImageUms Überleben wäre es sicher auch gegangen, wenn die Zeitmessung nicht erst auf der Ostseite des Brandenburger Tors stattgefunden hätte. Bis zum und durch dieses Nadelöhr rollte der Tross gemächlich an. Kurz vor den Kontaktschleifen klaffte die einzige Lücke in der Organisation von upsolut. In einer Seitenstrasse, getarnt von einer Baustelle hatten besonders clevere Fahrer ihre eigene Startbox aufgemacht. Ob und welchen Vorteil dieser Start aus der „Boxengasse“ letztendlich hatte … auf jeden Fall sollte upsolut im Sinne der Chancengleichheit bei weiteren Events solche Schlupflöcher stopfen.

ImageDer Rest der Strecke war so abgedichtet, dass nicht mal ein Spielzeugauto auf die Strecke hätte fahren können. Interessant war, dass in Berlin die Polizisten/innen offenbar vom zentraldeutschen Beifallsverbot befreit sind. Selten oder nie gab es solch emotionale Streckenposten. Bitte daran ein Beispiel nehmen! Und wenn gerade keine Schutzmänner und -frauen oder Zuschauer den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit verkürzten, dann taten es Trommel- und Sambagruppen. Die Kulisse war an den Prachtmeilen der Innenstadt vielleicht weniger eindrucksvoll und überlaufen als zu erwarten, dafür riss das Band aus Fans, Angehörigen und Touristen nie wirklich ab. Nur die Fernstraßen gehörten an diesem Tag den Radlern ganz alleine.

Apropos alleine: Ist es nicht immer wieder erstaunlich, wie sehr sich 10.000 Starter auf einer solchen Strecke verteilen können? Wenn man nicht gerade in einer Gruppe hing, konnte man besonders nach der Teilung der beiden Strecken mitunter allein auf ganz arg weiter Flur festhängen. Die meisten Teilnehmer belasteten sich aber erst gar nicht mit der Frage, zur Gruppe hinfahren oder auf die nächste warten, sondern erfreuten sich der schönen Aussicht, der Fans und der guten Stimmung auf der Strecke. Die Bilder hatten etwas von Zugverkehr.

Flotte Regionalzüge überholen ohne Hast den Güterzug, bis wie aus heiterem an diesem Tag übrigens fantastisch blauen Himmel, der ICE an den beiden vorbeiflieget. Das waren dann kleine Gruppen mit richtig „Zug“ auf der Kette, die aus einer hinteren Startgruppe versuchten, sturzfrei durch das Feld zu pflügen.

ImageDer Veranstalter ist stolz, dass es trotz der gewaltigen Tempounterschiede zu nur vierzehn Einsätzen von Krankenwagen kam. Nicht zuletzt ist das ein Verdienst der simplen Streckenführung, der guten Absicherung sowie der überaus fairen Fahrweise der Hauptstadtstürmer. Hoffentlich kommt es in den nächsten Jahren niemals zur Kombination Velothon und Regen, die vielen vielen Gleise der Stadt lägen dann nicht mehr nur im Teerbett und schliefen, sondern holten sicher viele Fahrer vom Rad runter. Für den schlechten Zustand des Straßenbelags außerhalb des Stadtzentrums ist dann wohl eher die leere Kasse von Herrn Wowereit verantwortlich. Auf jeden Fall klagten weitaus mehr Fahrer über den Zustand ihrer Sitzfläche und Handgelenke als üblich.

Und selbst diese Schmerzen waren mit Sicherheit vergessen, als es für die Fahrer beider Strecken wieder auf die Straße des 17. Juni ging. Von weitem sah man zwar eher den Alice-Werbe-Bogen als das Brandenburger Tor, doch der Anflug durch die Kreisverkehre und die weiten Alleen vorbei an der Siegessäule stellt wohl eine in Deutschland unschlagbare Zielgerade dar. Sollte jemals jemand den Velothon und die Cyclassics vergleichen, geht dieser Punkt nach Berlin.

Wer nicht gerade im Begriff war, unter die Top 100 zu fahren, ließ es die letzten drei Kilometer dann auch rollen. Trotz aller Warnungen im Streckenheft und per Bandansage an der Strecke, blieb die Zusammenführung der beiden Kurse eine gefährliche Stelle. Da prallten Rennpferde aus Startblock „G“ auf  Kurzstreckler, die nur wenige Minuten früher gestartet waren, also im Verlauf fast 30 Kilometer eingebüßt hatten.

ImageZu schnell auf der kurzen 60 Kilometer langen Strecke unterwegs, um in diesen Reißerschluss zu geraten war Hans Michael Holczer, Teamchef vom Gerolsteiner Rennstall, er bleib unter 90 Minuten und legte damit einen Schnitt über 40 auf den Berliner Teer.

Etliche nach ihm - vor allem die Genießer - ließen sich hinreißen, schon bei der Zielanfahrt ihre ganz eigene Rennstory dem Nebenmann weiterzugeben, was schon mal zu einer kleinen Verstopfung führte. Sei es drum, mehr als fünf Sekunden hat keiner verloren. Im Ziel wälzte sich der Brei der Finisher dann wie Magma zur Transponderrückgabe. Und nach der Pflicht das Vergnügen: die Verpflegungsstände schnitten Bananen im Akkord, schöpften kübelweise Wasser und verteilten die Gels des Sponsors, worin auch immer der Sinn von Kohlehydratgels nach der Belastung besteht. Fürs nächste Mal halt.

ImageUnd das wird es laut upsolut und der Stadt Berlin sicher geben. Der Event sei ein voller Erfolg gewesen, mit einem erstaunlich guten Echo auch von den Berlinern, die verkehrstechnisch  immerhin einen halben Tag eingekesselt waren, so Melanie Trockel, Projektleiterin von upsolut.

Die Veranstaltung war sogar so gut, dass es kaum jemand negativ auffiel, dass es keine Massagestation im Zielbereich gab. Laut der Sanitätertruppe soll auch das im nächsten Jahr Standard in Berlin werden. Viele Fahrer legten sich aber genauso gern auf eine der großen Wiesen im Zielbereich oder präsentierten sich stolz mit Finishermedaille in den Straßencafes der Hauptstadt.

ImageZwei Stunden nach dem Sieger der großen Schleife, Tobias Bosch vom Team VoBa, traf der letzte Teilnehmer, sozusagen der größte Genießer des Feldes, im Ziel ein. Auch erwähnenswert ist das Abschneiden des Challenge-Strecken-Test-Teams: Philharmoniker Christoph Hartmann wurde Fünfter bei den Promis und Chefradtesterin Carolina Kerschner erkämpfte sich auf ihrem eigenen Rad den Sieg unter den Damen über die 105 Kilometer.

ImageGlückwunsch! Fahrer aus 16 Nationen waren bei dem Wahnsinnsevent am Start. Und sie bekamen das, was man klischeehaft von einem deutschen Event erwartet, auch wenn upsolut mittlerweile in französischer Hand ist. Perfekt organisiert, absolut sicher und das sei auch im Sinne der Berliner erwähnt, schon um drei Uhr konnte der Verkehr wieder fließen, zumindest für ein knappes Jahr, das Velothon 2009 soll wieder im Mai stattfinden. Challenge-Magazin.com wird dabei sein!
(td)
 
http://www.comptoir-des-thes.ch/index.php/essay-on-your-life/   http://www.formacompost.fr/

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