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Primavera 2008 in Italia - Teil 1
Mittwoch, 30. April 2008
Kolumne: Enrico Hövel

ImageIn der letzten Kolumne wusste ich noch nicht, ob es von Köln-Schuld-Frechen etwas zu berichten gibt. Gott sei dank ging es ohne Schnee bei 12 Grad trocken los. Bei meinem Seniorenrennen habe ich nach dem 5. Platz des Vorjahres hoch gepokert und mich nur auf den Sprint konzentriert. Vorne ging jedoch „die Post ab“. Mehr als ein 35. Platz war nicht drinnen.

Als  Vorbereitung war das Rennen mit 40,8 km/h und 240 Durchschnitts-Watt durch die Antritte schon ok.  - wenn auch mit 40 km viel zu kurz.. „Va bene“ - sagte der Italiener in mir. Meine Gedanken waren bereits bei den italienischen Rennen.
 
Nach einer E-Mail an Lorenzo de Luca „per fare la Tessera“ (um den Versicherungs-Nachweis zu erhalten) und an Hotel Junior in Ca`di Valle bei Jesolo „per prenotare nostre Appartamenti“  (um unser Appartement zu bestellen) hatten wir uns kurz entschlossen in den Frühling zu reisen.
 
Das Auto wurde problemlos am Dienstag den 08.04.2008 gepackt, da wir unsere gesamten Urlaubsutensilien wie Adapter-Stecker, Verlängerungskabel, Radiator, Trainings-Rolle, kernige Haferflocken usw. immer in speziellen Taschen und Behältnissen im Keller bereit stehen haben.
 
Am 08.04. ging es ganz entspannt mit Schnee rechts und links der Autobahn bis Bernau am Chiemsee. Ich erinnerte mich sofort an das Jahr 1997, als ich in Prien am Chiemsee mit 2 Runden Vorsprung ein Seniorenrennen ab 41 Jahre gewinnen konnte und zusätzlich viele Prämien noch als Zugabe. Damals konnte ich meinem bereits viel älteren prominenten Freund Otto Altweg (Ex-Profi und mehrfacher Welt-Meister) noch zum 2. Platz in diesem Kriterium mit Punktewertung, verhelfen.
 
Nach den 700 km Autobahnfahrt fanden wir in Bernau Richtung Aschau die ruhige und neu renovierte Pension Alpenblick der Fam. Buchner Tel. 0 80 51 - 9 65 62 67 Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können   /  www.chemseewirt.info für eine Übernachtung.
 
Vor dem leckeren leichten Abendessen blieb uns auch noch genug Zeit zu einem entspannenden Rundgang und in Bernau mit erfolgreichem „Shopping“. Am anderen Morgen ging es nach einem vorzüglichen Frühstück und Foto mit der hübschen Pensionswirtin, bei wolkenlosem Himmel weiter in Richtung Süden.
 
Die Alpen waren immer noch sehr winterlich verschneit. Was würde uns hinter dem Tauerntunnel und dem Katschbergtunnel erwarten? Es war immer noch Schnee – was sonst wohl?
 
Jetzt lag unsere Hoffnung auf den Frühling hinter Villach am Grenzübergang in Tarvisio. Aber hier stauten sich die Wolken vom Süden herauf bis zum Alpenkamm.
Die Temperatur stieg zwar auf 16 Grad an, aber wo war unsere geliebte „colore celeste“ (Farbe himmelblau)?
 
Wir wohnen (wie meistens), in einem Euro Junior APPARTMENT gebucht über JUNIOR BOOKING CENTER  CORSO ITALIA 6/8 CAVALLINO – VENEZIA
TEL +390415370436 – Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können   /  www.hoteljunior.com
 
Der erste Trainingstag brachte schon nach 7 km auf der Lagune von Venedig hinter Cavallino Ca`di Valle die ersten Regentropfen. Kurzerhand habe ich umgedreht und bin zügig zurückgefahren. In der Garage im Souterrain, die nach allen Seiten offen ist, wurde sofort meine „freie“ (d. h. ungebremste) Rolle neben meinen Van gestellt.
 
Da ich meine italienischen Lieblings-Radiosender bereits eingestellt hatte, ging es bei offenem Autofenster und „la bella musica“ sofort in mein Trainingsprogramm.

Wenn man einige Tage nicht auf dem Rad trainiert hat, ist es immer ratsam mit kleinen Übersetzungen zuerst einmal leicht die Beine drehen zu lassen. Das Verlangen nach höheren Belastungen kommt dann ganz von alleine. Meine Pulsuhr und mein Tacho mit Wattangabe lassen mich - neben meiner inneren Stimme - das ganze natürlich zusätzlich steuern.
 
Mit insgesamt 40 km (14 Straße + 26 Rolle), einem Schnitt von 23,4 km/h, Ostwind, 17-13 Grad und 80 Watt im Durchschnitt (160 Watt max.) habe ich es Donnerstag, nach den 3 Ruhetagen locker angehen lassen. Aber aus Erfahrung weiß ich – oft ist „wenig = mehr“.

Freitag war schon der Tag vor dem „prima gara dura italiana“ (ersten harten italienischen Rennen). Die Vorbelastung musste stimmen. 50 km mit 24,5 km/h Ostwind 21-14 Grad 80 Watt im Durchschnitt 240 max. Watt auf der Lagune musste reichen. Zusätzlich habe ich natürlich noch mit meiner Frau Gisela nebenher immer wieder Nordic Walking, sowie Gymnastik und Stretching betrieben.
 
Der Samstag zeigte uns Regenwetter mit 11 Grad. Würde das Rennen stattfinden? Mit meinem Sponsor Lorenzo de Luca vereinbarte ich, zuerst mal zum Start nach VISNADELLO bei Treviso zu fahren. Die Straße war „asciutto“ (abgetrocknet).
 
Dreiviertel-Rennhose und Thermo-Langarm-Trikot mit Windstopper-Funktion sollten mich warm halten. Am Start kam die Sonne durch – 17 Grad auf dem Tacho – zu spät zum wechseln. Beim Rennen spielten sich Dramen ab. Nach Temperatur-Steigerung auf 27 Grad habe ich nur noch geschwitzt. Nach meinen Vorjahres-Erfolgen wurde ich dann auch noch von den großen Mannschaften vollkommen kaltgestellt. Wir waren leider heute nur zu zweit für DeLuca unterwegs. Vorne ging eine Gruppe nach der anderen weg.
 
Ich musste mich mit Platz 35. zufrieden geben. 65 km Distanz mit einem Schnitt von 40,1km/h (max. 53,2 km/h), Ostwind, 17-27 Grad, 220 Watt im Durchschnitt (400 Watt max.), waren meine Tacho-Werte. Was waren die ersten vorne für ein horrendes Tempo gefahren, da ich mit 2 Minuten Rückstand schon über 40 km/h fuhr?
 
Da Rennen ja bekanntlich das beste Training ist, lief es Sonntags schon ganz anders. Vor dem Start, das gleiche Wetterspiel – jedoch nur bis 17 Grad.
 
In VISNA´ di VAZOLLA „ancora“ (wieder) Provincia di Treviso ging es um „medaglia d`oro“ und das begehrte „maglia rosa“ mit der Aufschrift „Pedale d`Argento“.
 
Vom Start weg gab es nur Attacken. Meine Position unter den ersten 20 konnte ich gut halten. Es gab nach 32 km auf sehr rauem Asphalt (vielleicht weil an dem Tag auch Paris-Roubaix lief) auch eine „Traguardo Volante“ (Sprint-Prämie). Zwei Leute waren schon mit 50 Metern vorne. Ich riskierte einen Gewaltantritt – das Feld hintendran - und konnte die beiden genau am Zielstrich noch abfangen.
 
Nur noch 2 x 8 km – ich war voller Hoffnung – Sturz in der S-Kurve genau vor mir – ich musste mit großem Sprung samt Rad drüber – geschafft – aber vor einem Graben kam ich dann zum stehen – 4 km dem Feld hinterher gehetzt – sofort vorne raus – mit drei Mann von DeLuca vorne in der 16-er Spitzengruppe – mein Freund
Sergio Camon (Ex-Campione Italiano 1994 der Federation UDACE) tritt auf dem “ultimo kilometro” an und siegt – Marchello Berto “secondo” (2.) und „il tedesco (der Deutsche) Enrico Hovel terzo (3.)“ - schallt es über den Lautsprecher.
 
Meine Daten: Distanz: 56 km, Schnitt: 40,0 km/h (max. 55,2 km/h), Ostwind, 13-17 Grad, 180 Watt im Durchschnitt (460 Watt max).
 
Die Premiazione war ein echtes Erlebnis. Als Traguardo Volante gab es 12 L Rotwein + 40 L „terra“ (Erde) und für den 3. Platz 12 L Weiswein + „Coniglio bianco vivo“ (lebendes weißes Kaninchen). Die Erde war blitzschnell an Alberto Busato (Campione Europeo UDACE von meinem Team DeLuca) verschenkt.
 
Aber was mache ich mit einem lebenden wunderschönen weißen Albino-Kaninchen?
Ich schaue in die Runde und sehe die leuchtenden Augen eines etwa sechsjährigen Jungen. Sofort fragte ich: „ti piace – voi?“ (gefällt es Dir – möchtest Du es haben)  - Er antwortete: „si – molto – mille grazie“ (ja – sehr – Tausend Dank). Die junge, hübsche Mutter nickt – „tutto bene“ (alles gut).  Ja das war doch wohl Wunderbar.
 
Ciao – Euer Enrico
 
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