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Kann man sich mit dem auch rasieren?
Mittwoch, 30. April 2008
ImageDem Himmel so nah – so ganz genau weiß man nie, wer oder was einem da durch den Verkehr leitet, aber Hauptsache der kleine Piepmatz am Lenker weiß es. Mobile Satelliten-Navigation ist mittlerweile ein alter Hut, zumindest die Variante, die motorisierte Vehikel durch Stadt, Land und manchmal auch in den Fluss lotst.

Am Fahrradlenker sorgt die digitale Karte auf dem Display an roten Ampeln noch für Gesprächsstoff. „Sie haben aber einen großen Tacho!“ – „Ne, is’ mein Navi!“

Dabei macht die Kombination aus Fahrrad und der „himmlischen Wegweisung“ eigentlich noch mehr Sinn. Fernstrassen, Städte und Autobahnen nicht zu finden, ist bei der heutigen Schilderflut fast eine Kunst. Aber wie oft endet die mühsam an der Karte geplante Radtour vor einem weißen Kreis mit rotem Rand und Cityrad im Zentrum.

„Durchfahrt für Fahrräder verboten!“ Und schon geht die Suche nach einer vertretbaren Alternativroute mittels Karte oder Glücksprinzip los. Vorteile hat das Rad je kleiner die Wege werden. Die sind aber ausschließlich auf Karten verzeichnet, die so groß und detailliert sind, dass man sie nur auf dem Tapeziertisch aufklappen kann.

ImageAlternativen: akribische Planung vor jeder Tour oder immer wieder die Hausrunde, die Hausrunde, die Hausrunde, und zur Abwechslung mal rückwärts!

Oh wie schön, wenn man sich ganz und gar in die Hände eines Navigationscomputers geben kann. Wobei der wiederum nicht besonders schön auf dem Rennlenker thront. Von weitem könnte man meinen, das edle Rennrad wurde mit einem günstigen Stecklicht verunstaltet, aber da wird es über kurz oder lang sicher integrierte Lösungen geben.

Was der eTrex Vista HCx von Garmin entgegen aller Optik dagegen kann ist beeindruckend. Die neue sensiblere Satellitenortung findet sogar im Reaktionsgebäude genug „Gesprächspartner“ unter dem Himmel, um die Position bis auf zwei Meter genau zu bestimmen. Garmin selbst verspricht, dass das Signal auch zwischen Hochhäusern oder in Wäldern nicht abreist.

In seinen Speichern beherbergt der Testcomputer eine so detailgetreue Karte, dass selbst die vom Training bekannten Schleichwege verzeichnet sind. Und das kleine Dreieck, das den Fahrer symbolisiert, rast in absoluter Echtzeit  über den abgebildeten Parcours.

Bei der Navigation kann der Fahrer wählen, ob er dem nach Meinung des Computers geschicktesten Weg folgen will, oder lediglich die Richtung zum Ziel gezeigt bekommen möchte. Diese Querfeldeinversion ist nicht nur für Mountainbiker sehr interessant, sondern auch um durch Städte zu finden, ohne den großen Hauptstrassen zu folgen, oder, wenn man Verkehrsregeln ehr als Anregungen sieht.

Wer doch den aus dem Pkw bekannten Modus vorzieht, wird nur Eins vermissen: die nette Stimme mit den Anweisungen. Das eTrex ist tatsächlich stumm wie ein Fisch. Zumindest piept es vor jeder erforderlichen Kurskorrektur und schaltet gleichzeitig die Displaybeleuchtung ein. Ein Text incl. Richtungsangabe lotst an Stelle der Stimme, Pfeile im Display helfen Lesemuffeln.

ImageCountdownfunktion vorm Abbiegen, eine sich selbst in Fahrtrichtung drehende Karte, Zeit bis zum Abbiegemanöver, Entfernung zum Ziel – das Topmodel der eTrex Serie kann noch viel mehr. Ein Klick im übersichtlichen Menü, und das Gerät listet alle im Umkreis befindlichen Krankenhäuser, Tankstellen, Hotels, Shops, Banken oder Sehenswürdigkeiten auf.

Kaum zu glauben, dass damit klassische Touri-Fragen überflüssig werden. Statt „Wo ist denn hier der Dom oder der nächste EC Automat?“ heißt es für die Besitzer eines Garmin nur noch: „Hoffentlich halten die Batterien!“ Aber keine Sorge, eine volle Ladung brachte das Testteam vom Challenge-Magazin von Köln bis Berlin und hielt auch noch den Folgetag.

Nach Berlin? Ja, das Fahrrad-Navi funktioniert auch hervorragend im Auto. Einfach im Routing-Menü die Fahrzeugart von Fahrrad auf Pkw umstellen, uns schon geleitet der eTrex den Fahrer sicher durch den Großstadtdschungel. Sogar Spurwechsel kündigt der Kleine an. Man muss sich halt nur überlegen, wohin damit, oder man ordert die Kfz Halterung gleich mit.

Fährt man Ziele oder Punkte regelmäßig an, kann man dort eine virtuelle Markierung in den Boden rammen und benennen. Das erspart das erneute eingeben des Ziels. Die Kommunikation mit dem Gerät via kleinen Joystick ist etwas aufwändiger als die Touchscreen-Methode aktueller Auto-Navis, gerade während der Fahrt wird aus dem Bestätigen durch Druck auf den Joystick gerne mal ein „rauf“ oder „runter“. Aber aus Sicherheitsgründen sollte man das sowieso nicht tun.

Weiterer Sicherheitsaspekt: Wie für alle maschinell geführten Routen sollte man nicht jeder Anweisung 100%ig vertrauen. In zwei Fällen schlug das Garmin dem Tester vor, zur Streckenoptimierung doch die Autobahn zu nutzen, obwohl alle Einstellungen korrekt waren.

Aber im Gegensatz zum eingangs beschrieben Fall fuhr der Tester einfach an der Auffahrt vorbei, sofort berechnete die Software einen neuen Kurs, der dann einwandfrei zum Ziel führte. Tipp: Stellen Sie die Routenführung auf die „kürzeste“ und nicht auf die „schnellste“ Strecke ein!

ImageDie Berechnung der Strecke dauert im Fahrradmodus mit dieser Option zwar etwas länger, aber bedenkt man die Unmengen an Nebenstrassen, und Radwegen, die es für eine Fahrradroute zu berechnen gibt, sei das dem Gerät verziehen. Fahrradwege sind ein gutes Stichwort: Das Garmin zeigt in der Karte auch dann Strassen als Fahrwege an, wenn parallel ein guter Radweg verläuft.

Wenn man darauf wechselt, stört das die Führung aber überhaupt nicht, selbst wenn dazwischen ein paar Meter liegen. Auch den Parallelflug auf der gegenüberliegenden Seite der Strasse erkennt das Garmin nicht als Fehler und gibt deshalb auch keine unnötigen Wendemanöver vor.

Der absolute Hit für Radfahrer sind allerdings nicht selbst programmierte Ziele oder am Computer vorgemalte Routen, sondern professionell angelegte Tracks. So heißen Strecken, die bei einer vorherigen Fahrt aufgezeichnet wurden. So kann man bei Eventkoordinator upsolut die Strecke des anstehenden Berliner Velothon als Datenpaket bekommen.

Einfach mit dem PC downloaden, mittels USB (dient auch zum laden) ans Garmin überspielen und dann der eingeblendeten Linie der Straßenkarte folgen. Wo die Challenge-Tester vor einem Jahr noch mit Karte auf dem Lenker und suchendem Blick nach dem richtigen Straßenschild unterwegs gewesen wären, hieß es im Navi-Zeitalter: Satelliten gelenkter Formationsflug durch die Hauptstadt – absolut stressfrei.

Und das betonen auch die Macher von Garmin immer wieder auf ihrer Homepage. Das Gerät soll den Planungsstress abbauen und ein entspanntes Genuß-Fahren ermöglichen. Und das tut das Gerät tatsächlich. Es gab nicht einen Abriss des Signals im Test, nicht einmal in den Häuserreihen Berlins oder im Wald des Bergischen Landes.

Bis auf die erwähnten Autobahn-Fehler machte das Garmin eTrex HCx in jedem Fall aus Blinden Sehende bzw. aus Ortunkundigen Streckenexperten. Das hätte sicher auch funktioniert, hätten die Challenge-Tester die Fallschirm- Nautik- oder Geocachefunktion (Schatzsuche) ausprobiert, leider fehlten dazu Zeit, Mittel und Freiwillige.

ImageAlle Funktionen des Outdoorcomputers aufzulisten, könnte leicht den Server sprengen. Für Biker interessant ist noch der präzise barometrischen Höhenmesser und die Radcomputerfunktionen mit Geschwindigkeit und Strecke. Dazu ist das Gerät erwarteter Weise absolut wasserdicht!

Und trotz der vielen Funktionen findet man sich im Menü zumindest in den Standartfunktionen schnell zurecht. Etwas enttäusch waren die Tester von der mitgelieferten Software. Die dient eher der Kommunikation zwischen Garmin eTrex und dem PC, die Karte ist selbst in größter Detaillierungsstufe mehr Skizze als Karte.

Das Anlegen von eigenen Tracks scheiterte hin und wieder daran, dass die Software gewünschte Adressen gar nicht kannte. Das tat dem Spaß mit dem Gerät jedoch keinen Abbruch. Und über kurz oder lang wird es auch hier verbesserte Updates zum Herunterladen geben.

In zehn Jahren wird wahrscheinlich an jedem zweiten Lenker ein Navi prangen. Wer zu den letzten Pionieren auf diesem Sektor gehören will, muss für das eTrex Vista HCx 399,- Euro auf den Tisch legen. Wer auf die ultragenaue Höhenmessung verzichten kann, spart 50,- Euro mit dem Legend HCx. Wer einen Oversizelenker besitzt, eine passende Klemmung gibt es im Zubehör, genauso wie Erweiterungskarten, diverse Halterungen, Speicherchips und und und…

Die Redaktion hatte du hat viel Freude mit dem Gerät, im Moment laufen Planungen, die nächsten Streckentest gleich mit dem Garmin aufzuzeichnen, und unseren Lesern so die Teststrecken als GPS-Tracks zum download anzubieten. (TD)
 
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