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Wanted: Der Titel von Flandrien
Mittwoch, 30. April 2008
Mit 17.000 quer durch Flandern bei Regen und Wind

ImageSchon seit einigen Jahren ist die Flandern Rundfahrt die erste große Verabredung für die internationale Cyclo-Gemeinde. Es war letztes Wochenende trotz des schlechten Wetters nicht anders mit mehr als 17.000 Teilnehmern aus über 30 Ländern. Wir waren mit fünf Frankfurter Fahrern auch dabei.

Ungefähr 3.000 Radfahrer wagten sich so früh in der Saison schon an die offizielle Totaldistanz von 260 km mit Start in Brügge und Ziel in Meerbeke-Ninove. Die Flandern Rundfahrt ist wesentlich ein RTF und kein Rennen, aber die Strecke mit 17 kurzen aber steilen hellingen und viel Kopfsteinpflaster hat es in sich.

Es ist immer wieder eine Herausforderung für jeden so früh in der Saison. Als gebürtiger Belgier aus Flandern hatte ich schon 9-mal die kürzere Distanz von 140 km gefahren, aber jetzt wollte ich bei meiner zehnten Teilnahme die große Runde schaffen, auch wenn die letzten Vorbereitungen nicht ganz so gut liefen.

Rund um Köln war annuliert wegen Schnee und insgesamt gab es wenige Trainingsstunden über Ostern, und letzte Woche in der E3 Velotour in Harelbeke (eine Art mini-Flandern Rundfahrt), waren meine Batterien schon nach 95 km leer.

ImageUnser Standort in Flandern für das Wochenende war Oudenaarde, eine historische Stadt in der Nähe von Gent und das sogenannte Zentrum der Vlaamse Ardennen, wie man das Gebiet mit den vielen Hügeln, wie Oude Kwaremont, Paterberg und Koppenberg, nennt.

In der Vergangenheit war das Ziel des Profi-Rennens auch hier, ein Grund warum sich das Museum der Flandern Rundfahrt in Oudenaarde befindet. Heute wird auch das Profi-Rennen der Damen hier gestartet (Judith Arndt hat in diesem Jahr gewonnen). Für Bier-Liebhaber gibt es hier auch vieles zu genießen.

Minus-Punkt für einen Aufenthalt in Oudenaarde ist, dass man früh aufstehen muss. Der Shuttle-Bus Richtung Start in Brügge fährt um 05:30 Uhr in Ninove los, circa 30 km entfernt von Oudenaarde. Glücklicherweise kann man doch noch ein wenig schlafen während der Fahrt von einer Stunde.

Alles ist gut organisiert und in Brügge kann man sich ganz ohne Stress zum Startplatz begeben am Grossen Marktplatz. Mal kurz den Podest rauf und runter und los geht’s.

Kraft schonen war angesagt, und zu diesem Zweck entschieden Morten und ich nach circa 30 km, uns einer Celebrity-Gruppe anzuschließen, die nicht zu schnell unterwegs war aber dank Auto- und Polizei-Begleitung auf der Straße statt Fahrradweg fahren durfte.

In dieser Gruppe befanden sich viele Altmeister des belgischen Radsports wie Johan Museeuw, Eric Vanderaerden, Nico Mattan, Peter Van Petegem, Jo Planckaert, Ludo Dierckssens usw. Neben dem Spaß sollten diese Ex-Profis auch die Finalisten von Miss Sports Belgium begleiten auf dem Weg nach Meerbeke. Es gab übrigens auch viele Italiener in der Gruppe, sogar Teamgefährten von Negrini und Rumsas, die zwei Stars des italienischen Granfondo circuits.

ImageEine Stunde später fing es an zu regnen, und wie.  Die Temperatur sank unter 4 Grad, der Wind blies, und hier und da gab es sogar Schneeregen. Jetzt war es vorbei mit dem Spaß. Die nächsten 50-60 km waren eigentlich nur überleben und hoffen, dass es wenigstens aufhört zu regnen.

Ich war froh, als wir endlich den ersten Hügel erreichten, den Kluisberg in Ronse. Wenn man bergauf fährt wird es einem nämlich wärmer. Ich ließ die Gruppe hier auch hinter mich und fing an ein schnelleres Tempo zu fahren. Nach dem Nokereberg gab es das erste (sehr) schwierige Kopfsteinplaster von Doorn.

Etwas länger als anderthalb Kilometer, und die Steine waren in schlechtem Zustand. Der Regen hat sie außerdem in eine Rutschbahn verwandelt. Mit 23“ Reifen braucht man manchmal viel Glück…

Erfreulicherweise ließ der Regen ein wenig nach und unsere Moral stieg wieder. Mit dem Killer-Trio Kwaremont-Paterberg-Koppenberg zunächst auf dem Programm war das auch nötig. Diese drei Anstiege sind legendär: sehr steil (bis 22%), schmal und Kopfsteine und alles innerhalb zehn Kilometer.

Wer hier stirbt, kommt nie ans Ziel. Es freute alle Teilnehmer, dass es hier auch Publikum zur Unterstützung gab. Manche brauchen es sehr, weil ein Großteil vor allem auf dem Pater und Koppenberg vom Rad absteigen muss. Leider sorgt das auch für Stau, und dann kommen andere einfach nicht durch.

ImageDer Koppenberg ist sogar ein Problem für viele Profis und jedes Jahr gibt es Diskussionen, ob man diesen Berg nicht sein lassen soll. Letztes Jahr war er nicht dabei, jetzt ist er aber wieder drin.

Der Kwaremont lief wunderbar, aber dann öffneten sich die Wolken wieder ganz schön, und das führte zum Chaos auf den zwei anderen Anstiegen. Sturz vor mir, kein Ausweg, Fuß am Boden und schimpfen natürlich…

Ich hatte immer noch ein starkes Gefühl in den Beinen und auf den vielen weiteren Anstiegen, wie z.B. Taaienberg, Steenbeekdries and Berendries konnte mir keiner folgen. Es wurde mir wieder mal deutlich, dass man nicht unbedingt 200 Kilometer trainieren muss, um einmal 260 zu fahren.

Dosierung der Kräfte, nur hierauf soll man achten. Auf der Muur van Geraardsbergen, 18 Kilometer vor dem Ziel und  Angriffspunkt für die Profis, konnte ich den Zuschauern noch mal etwas zeigen. Ein Japaner zu Fuß hatte die Entschuldigung des Tages: er wollte ein Bild machen… Weiter zum Bosberg und trotz neuer Regenfälle keine Schwierigkeiten; es war geschafft!

ImageEs war ein langer und wegen des Wetters manchmal schmerzhafter Tag, aber den Titel vom „Offizielle Flandrien“ kann uns keiner mehr abnehmen!

K. Van de Velde
Team Agapedia-Münsterland

Links:

Flandern Rundfahrt: http://www.rvv.be/
Zentrum des Rondes in Oudenaarde: http://www.rvv.be/de/zentrum
Agapedia-Münsterland: http://www.team-agapedia.de/
Frankfurt International Cycling Club: http://ficc.blogspot.com
 
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