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Race Across America - Fahrer Tagebuch
Mittwoch, 30. April 2008
Von Johannes Kornacher

ImageNach zwei Jahren Vorbereitung ist es im kommenden Monat so weit. Das Swissteam RAAM startet beim Race Across America. Einem 4.950 km-Radrennen das als härtestes Radrennen der Welt gilt. Immerhin fahren die Athleten nonstop durch die USA vom Pazifik zum Atlantik.

Mit 40.000 km Trainingskilometern in den Beinen werden Johannes Kornacher und Rainer Kiworra alles daran setzen das sportliche Ziel, 4.950 km in 7,2 Tagen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h, zu erreichen.

Wie sieht es mit der Form der Teilnehmer wenige Wochen vor dem Rennen aus?

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Johannes Kornacher gibt den Lesern des Challenge-Magazin.com einen Einblick in sein Tagebuch. Wer mehr über die Fahrer und die 8köpfige Crew erfahren möchte sollte sich auf der Internetseite des Teams informieren und in den nächsten Wochen aufmerksam Challenge-Magazin.com lesen.

Eins nach dem anderen    2008-03-22

Training im Tessin. Wieder stundenlang alleine unterwegs. Radcomputer defekt, keine Speedanzeige, keine Trittfrequenz, nur Puls. Wind. Schon nach 2 Stunden Schmerzen. Oh Mann, was ist los? So macht das keinen Spaß. Fühle mich müde und langsam und weiß überhaupt nicht, wo ich stehe. Und in elf Wochen will ich am RAAM starten...
 
ImageAuf der Rückfahrt durch das Städtchen Intra kommt mir ein Velofahrer entgegen. Komisch, den kenn’ ich doch. Das war doch .... Dani Wyss! (Anm. der Red. RAAM-Sieger 2006).

Umdrehen und im Zeitfahrtempo hinterher. Hey Dani! Hey Johannes! Wir strampeln nebeneinander und plaudern, wie zwei Einheimische. Sein Telefon klingelt. „Was? Gewonnen? Solo? Super. Danke, ciao.“ Zu mir: „Cancellara hat Mailand-Sanremo gewonnen.“ Wir freuen uns beide. „Bist du fit?“, will Dani wissen.

Image„Nein, noch nicht. Dafür ein bisschen nervös.“ Das kommt schon, sagt Dani. „Nur Geduld. Nur immer eins nach dem anderen.“ Er sei gerade um den Lago Maggiore gefahren. Er fühle sich stärker als vor einem Jahr (als er später Vierter am RAAM wurde). Als er mir seine Zeit für die Seeumrundung (164 km) sagt, wird mir bange. Hey, denke ich, da komme ich nie hin. Bin so lahm derzeit ...

Beinahe-Crash und Finger in der Nase    2008-03-24

Ostermontag: Um den Lago Maggiore. Hammerwind, 13 Grad, viel Verkehr. In Luino Scharmützel mit zwei italienischen Brüdern, von denen mir einer die Vorfahrt genommen hat. Ich hab zwar rechts überholt, aber ist das ein Grund, mich umzubringen? Also elegantes Bremsmanöver, die Faust aufs Autofenster und ein Tritt an die Autotüre, dazu böse Sprüche in bestem Italienisch.

Image„Che cazo ...“. Der eine springt aus dem Auto, direkt an meine Gurgel, ich habe immer noch 154 Puls und drücke ihm meine Finger in die Nase. Zwei Polizisten sind schon da und ein Haufen Papierkrieg. Man könnte meinen, ich hätte Kokain in meinem Bidon geschmuggelt. Nach 20 Minuten und einem unterschriebenen Protokoll kann ich endlich weiterfahren.
 
Daheim dann die freudige Überraschung: Meine Zeit im Vergleich zu Dani kann sich, sagen wir mal, sehr gut sehen lassen, sorry Dani. Nicht dass ich mich mit einem 14 Jahre jüngeren RAAM-Champion messen möchte. Aber gut tut’s doch...

Erkenntnisse nach dem Trainingslager    2008-04-04

ImageDie Woche im Tessin war hart. Wetter, Revier, Material – nichts war optimal. Dazu war ich eigentlich nur müde. Hätte mich dringend erholen müssen. Keine Frage, dass ich jeden Tag fahre, aber ich musste doch immer den inneren Schweinehund klein machen. „Hier, an die Kette, und jetzt ab in die Hütte!“
 
Für’s Auge war’s eh nix, enge Täler, schroffe Berge. Dazu Kälte und viel Verkehr. Am letzten Tag wusste ich nicht so recht, wohin ich fahren sollte. Fuhr mal Richtung Bellinzona und entschied dann: rauf zum Gotthardportal, Airolo und zurück. Das sind etwa 50 Kilometer Anstieg, etwa 1300 Höhenmeter, insgesamt ein 170er.

ImageObwohl: da oben liegt noch Schnee, und ich habe keine warme Jacke dabei. Und Talwind, also wieder gegen den Wind nach Hause. Vielleicht sollte ich doch nicht … Jetzt geht’s schon wieder los. Schluss damit! Ich musste mich mal richtig zusammenstauchen und mir klar machen, was das Ziel und wer der Herr im Haus ist. Kein Meckern, jetzt wird gefahren und zwar avanti!
 
Es war eine perfekte Trainingswoche. Nicht schön, aber fürs RAAM genau das Richtige. Hat selten Spaß gemacht, musste mich täglich überwinden, aus dem Komfortbereich herausgehen, der Kälte und dem Wind trotzen und auch sonst mit widrigen Umständen umgehen. Die Ziele hoch halten, jeden Tag fertig fahren, und am Ende jeder Tour noch die 285 Höhenmeter hinauf nach Locarno-Monti.
 
Jetzt bin ich wieder zu Hause, und bin bedeutend besser drauf. Komme langsam in den Speedbereich und Anstiege werden einfach überfahren. Spürbar im Training, wenn ich spontan den Berg zweimal hintereinander hochfahre, und der Schweinehund knurrt nicht einmal. Rauf, runter, immer gut Druck und trotzdem rund. Und der Puls ist flexibel wie ein Teraband. Cool!

 
http://www.swissteamraam.ch/
 
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