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Der Aufmacher – Verkauf ist alles
Sonntag, 8. Oktober 2017
Kommentar zum Titelbild der Auto BILD

ImageEs ist wohl der Aufreger der Woche für Fahrradfahrer. „Die Radfahrer spinnen“ titelt die Auto BILD in riesigen Buchstaben und legt in einer Art und Weise nach, die zeigt, dass sich seit den Zeiten als „der Mann, der bei BILD Hans Esser war“ noch bei der Konzernmutter tätig war, bis heute nicht geändert haben. Eine verpasste Chance, denn die Zeitschrift könnte stattdessen dazu beitragen Spannungen zwischen Fahrradfahrern und Autofahren zu mindern. Doch damit steigert man die Verkaufszahlen nicht.

„DIE RADFAHRER SPINNEN – Sie treten, spucken, pöbeln. Sie rasen ohne Helm und Licht. Sie klauen uns die Straße. Sind Radfahrer wichtiger als wir Autofahrer?“

Aus Sicht der Auto Bild-Redaktion sicher klug gesetzt. Die Zeitschrift kaufen sich nur ein Bruchteil der Autofahrer, die diese Schlagzeile lesen, am Kiosk, im Supermarkt, in der Buchhandlung. Wenige Worte eindrucksvoll verpackt, so dass sie sich jeder Autofahrer merken kann und die einem wieder in den Sinn, wenn man auf der Straße dem nächsten Radfahrer begegnet.

Die Titelseite und der Artikel dazu erhitzen auf Facebook die Gemüter, seitdem Claude Walter, besser bekannt als CyclingClaude - der Blog für Kettenhelden , seinem Unmut Luft gemacht hat. In der Facebook Gruppe Rennrad wird seine Meinung heftig diskutiert. Auch auf Twitter, zum Beispiel bei der Critical Mass Altona , ist der Artikel ein Thema.

Im Gegensatz zu Claude Walter habe ich mir den Artikel selber erst gar nicht angetan. Dazu hätte ich die Auto Bild kaufen oder mir zumindest ein gelesenes Exemplar besorgen müssen. Beides möglich, aber das wollte ich mir dann doch nicht antun. Auch mir reichen die Titelseite mit der Schlagseite zur Meinungsbildung, wenn auch nicht so wie vom Autor gewünscht.

Gut, die Auto Bild ist eine Auto-Zeitschrift und hetzt daher nicht zum ersten Mal die gegen Fahrradfahrer. Ich erinnere mich an „Die Fahrrad-Rambos. Ohne Licht und gegen alle Regeln“. Dabei wird dem Radfahrer schon mal gerne ein schwarzer Balken über die Augen gelegt, das erinnert schon an einen Verbrecher. Aus Sicht dieser Redaktion bedeuten die Radfahrer natürlich eine Gefahr. Der Chefredakteur Tom Drechsler beschreibt es so: „, Wenn uns die Fahrverbote nicht aus den Innenstädten vertreiben, dann die Radfahrer, die uns langsam aber sicher die Straße klauen…“. Eine interessante Ansicht.

Fangen wir hier nicht an wer sich im Straßenverkehr schlimmer verhält, Autofahrer oder Radfahrer. Auf beiden Seiten gibt es Idioten, das wissen wir doch. Meiner Meinung nach ist der fehlende Respekt voreinander in Deutschland ein großes Problem, auch im Straßenverkehr. In vielen anderen Ländern um uns herum sieht das anders aus. Sobald man über die Grenze nach Belgien oder den Niederlanden fährt, kommen Radfahrer und Autofahrer deutlich besser miteinander aus. Es geht also.

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CyclingClaude - der Blog für Kettenhelden ärgert sich zu recht über Titel und Artikel in der Auto BILD.


Die Auto BILD und ihr Schwesterblatt, die Bike BILD könnten durch entsprechende Artikel auf ihre Leser einwirken und so gemeinsam sogar Spannungen abbauen, doch damit steigert man nicht die Auflage. Wenn man dagegen hin und wieder gegen Radfahrer hetzt, sieht das anders aus. Man will ja nur sein Eigentum schützen, wie wir oben gelernt haben. Seitdem die Autofahrer die Straßen mühevoll von den Kutschen erobert haben, muss das eigene Revier vor fremden Fahrzeugen verteidigt werden. Das ist nicht einfach.

Nicht einfach hat es hier auch Mathias Müller, der Redaktionsleiter bei Bike BILD. Selbst wenn er wollte, er kann hier nicht aller Kraft gegen die Kollegen arbeiten. Daher kommentiert Müller das Ganze auf Facebook auch eher halbherzig.

Anders würde man das in der Zentrale des Springer Konzerns sicher nicht gerne sehen. Bei der Auto BILD scheint es nur eine Art Schlagzeile zu geben, die man nicht wieder lesen möchte. So wie im August 2015 als viel darüber berichtet wurde, dass sich der Springer Verlag von der Fotoredaktion der Auto BILD trennte. Die Arbeit mussten die Redakteure übernehmen. Damit auch nicht deren Job auf dem Spiel steht, muss man eben schon mal auf den Putz hauen, egal wem man damit schadet.

Ich werde daran denken, wenn ich das nächste Mal ein weißes Fahrrad sehe, das an einen tödlich verunglückten Radfahrer, bzw. an eine Radfahrerin erinnert. Dabei ist mir klar, die wirklichen Rowdys trifft es dabei fast nie. Meist sind es unschuldige Männer, Frauen und Kinder, die mit ihrem Fahrrad unterwegs sind. Die Reaktion von CyclingClaude kann ich daher sehr gut verstehen.

Machen wir es anders. Zeigen wir etwas mehr Respekt vor unseren Mitmenschen, egal ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder womit auch immer unterwegs sind. Und weigern wir uns Zeitschriften zu kaufen, die aus Verkaufsgründen die Menschen gegeneinander aufhetzten.
Wolfgang Schaaf

http://essaytop.technology/
 
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