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Lääve un lääve losse - Jedermann vs. Lizenz
Mittwoch, 6. September 2017

ImageErik Fischer kennt sich im Radsport aus. Seit seiner Jugend ist er erfolgreich dabei. Viele Jahre nur als Fahrer, aber längst auch mit ehrenamtlicher Vereinsarbeit. Die Nachwuchsarbeit seines Vereins ist seit Jahrzehnten sehr erfolgreich, die Kombination Lizenz- und Hobbysport funktioniert sehr gut. Doch Erik Fischer hat ein Problem. Er fährt Hobby- und Jedermannrennen und wird dafür sehr oft kritisiert. Wir werden uns in den nächsten Tagen auch ausführlicher mit dem Thema befassen, heute kommentiert Erik Fischer die Situation aus seiner Sicht.


Immer wieder höre ich, dass die Hobby- und Jedermannrennen den Lizenzsport kaputt machen. Dass es unsinnig ist, eine deutsche Meisterschaft für Jedermannfahrer auszurichten. Dass im Jedermann- und Hobbybereich viele Fahrer sind, die von der Leistung her auch Lizenzrennen fahren könnten. Dass man doch, wie in anderen Ländern auch, alle Amateurrennklassen zusammenlegen sollte.

Erfolge in Hobby- und Jedermannrennen sind nichts wert. Und dabei beschleicht mich einfach das Gefühl, dass jeder gegen jeden ist, anstatt dass alle Radsportler einfach mal zusammenhalten. Dass der Jedermann- und Hobbybereich und der Lizenzbereich wunderbar auch gemeinsam funktionieren können, beweist der RV Blitz Spich. Der Verein stellt das überaus erfolgreiche Elite-A Team Kern-Haus, sowie Nachwuchs-, Senioren-, Amateur- und eben auch Hobby- und Jedermannfahrer.

Gehen wir mal auf die einzelnen Ideen bzw. Kritikpunkte ein:

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Der Jedermannsport macht den Lizenzsport kaputt.


Warum? Geht man davon aus, dass, wenn man die Jedermann- und Hobbyrennen komplett einstampfen würde, diese Fahrer alle sich Vereinen anschließen, Lizenzen ziehen und Lizenzrennen fahren würden? Das halte ich für eine Fehleinschätzung. Sicherlich gibt es in jedem Hobby- und Jedermannrennen eine Handvoll Fahrer, die von der Leistung her dort nicht ganz richtig aufgehoben sind. Das sind aus eigener Erfahrung bei einem Rennen mit 40 – 50 Startern jedoch vielleicht 5 bis 10. Ich will nicht ausschließen, dass sich diese Fahrer nach dem Wegfall der Hobby- und Jedermannrennen eine Lizenz ziehen und einem Verein anschließen würden.

Und der Rest? Würde vermutlich ganz mit dem Radsport aufhören oder zumindest mit dem Radrennsport. Natürlich verstehe ich den Einwand, dass sich viele Hobby- und Jedermannfahrer die Rosinen rauspicken, sich keiner Vereinsverpflichtung unterwerfen aber trotzdem Radrennen fahren möchten. Stimmt. Aber wem ist denn geholfen, wenn wir diese Fahrer vergraulen? Als Ausrichter des Radrennens in Spich, der sowohl ein Hobby-, als auch ein Jedermannrennen ausrichtet, kann ich sagen: Niemanden. Die Hobby- und Jedermannfahrer bringen Einnahmen in Form von Startgeldern, essen und trinken an der Rennstrecke und sind nach dem eigenen Rennen oft noch weiter vor Ort und schauen sich die folgenden Rennen an, sind also mit Anhang auch willkommene Zuschauer. Und nicht wenige nutzen diese Rennklasse, um erste Erfahrungen zu sammeln um dann irgendwann in den Lizenzbereich zu wechseln.

Es sollte auch bei Hobby und Jedermannrennen eine Aufstiegsregelung geben.


Kann man drüber diskutieren. Aber warum fahren diese Fahrer in dieser Klasse? Eben damit sie nicht aufsteigen. Und nicht der Aufstieg in die C-Klasse wäre das Problem, sondern der Aufstieg in die KT/A/B Klasse. Jemand der ein C-Klasse Rennen gewinnt, weil er mal Glück hat oder gut sprinten kann, kann noch lange nicht bei einem KT/A/B Rennen vorne fahren. Oft nicht mal ankommen. Und was passiert, wenn man immer abgehangen wird? Genau, man hängt das Rad an den Nagel.

Und es hat nun mal nicht jeder die Zeit oder auch die Lust, im Jahr 15.000 und mehr KM zu fahren. Nein, auch Fahrer die zweimal die Woche abends 2,5 Stunden trainieren, wollen sich irgendwo messen. Und in der C-Klasse kurz vor dem Ziel zu bremsen um nicht aufzusteigen, wie es ja oft genug gesehen wird, kann doch nicht die Lösung sein. Und damit ist auch der Punkt der Zusammenlegung aller Amateurklassen inbegriffen. Wer fährt denn da noch mit? Die A Fahrer, der Rest wird auf Dauer auf der Strecke bleiben. Oder wie viele C-Fahrer kommen bei ABC Rennen vorne mit an? Genau, die wenigsten.

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Mir wird oft vorgeworfen, ich wäre zu gut für die Hobby- und Jedermannklasse und gehöre da nicht hin.


Weil ich in diesem Jahr 3 von 16 Rennen gewonnen habe und oft auf dem Podium stehe? Sicher sind bei Hobby- und Jedermannrennen auch Fahrer, die in Lizenzrennen vorne fahren könnten. Gehört denn ein Seniorenfahrer der 20 Rennen im Jahr gewinnt in die Seniorenklasse? Oder sollte er zwangsweise KT/A/B Rennen fahren? Und viele A-Fahrer sollten zwangsweise Profis werden weil sie mehr als 5 Rennen im Jahr gewinnen?

Das macht doch auch keinen Sinn. Interessanterweise, beschweren sich mehr Lizenzfahrer über starke Hobbyfahrer als Hobbyfahrer selber. Warum? Das ist wie ein Autofahrer der mir auf der anderen Fahrbahn entgegenkommt und hupt, weil ich nicht auf dem Radweg fahre, obwohl er mit meiner Fahrspur überhaupt nichts zu tun hat.

Eine deutsche Meisterschaft für Jedermann macht keinen Sinn habe ich letztens bei FB gelesen.


Es gibt ja auch keine Volkslauf DM. Stimmt, aber was spricht dagegen? Welchem Lizenzfahrer tut man weh, wenn man eine DM für Jedermänner ausrichtet? Keiner wird gezwungen daran teilzunehmen und keinem Lizenzfahrer nimmt man damit etwas weg. Es wird moniert, wenn es Jedermann heißt, sollte auch Jedermann daran teilnehmen dürfen. Ok stimmt, vielleicht sollte man an der Bezeichnung arbeiten und es Rennen ohne Lizenz nennen. Das wäre dann eindeutiger.

Die GCC Rennen wie Rund um Köln, Hamburg, Dresden etc. sind schlecht für den Lizenzsport?


Nein das glaube ich nicht. Ich glaube, dass diese großen Rennen dazu geführt haben, dass sich viele tausende Menschen mehr aufs Rad setzen als früher um an solchen Events teilzunehmen. Und das sind alles Menschen, die vielleicht im Auto sitzend mehr Verständnis für Radfahrer auf der Straße haben und sie nicht umfahren.

Erfolge in der Hobby- und Jedermannklasse sind doch nichts wert, da fahren doch nur Luschen.


Mag früher so gewesen sein, inzwischen wird dort schon recht ambitioniert gefahren, nicht viel langsamer als in der C-Klasse, dafür etwas kürzer. Und Erfolg liegt immer im Auge des Betrachters. Ein Sieg bei einem KT/A/B Rennen mag für einen Tour Sieger auch luschig wirken. Jemand der berufsbedingt nicht viel trainieren kann, sieht das sicher anders.

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Dennoch glaube ich, dass man Sachen verbessern kann.


Was spricht dagegen, im Rahmen von Rund um Köln oder Hamburg etc. auch ein KT/A/B Rennen auszurichten, damit auf der ohnehin abgesperrten Strecke auch die Elite Fahrer große Rennen bekommen? Da kann man doch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Warum versuchen Vereine nicht, so wie der RV Blitz Spich, Hobby- und Jedermannfahrer zu werben anstatt sie zu verteufeln? Und vor allem, warum kann man nicht, wie man es in Köln so schön sagt, einfach lääve un lääve losse (leben und leben lassen). Beide Seiten, Lizenzfahrer und Nichtlizenzfahrer könnten sich wunderbar ergänzen.

Keiner tut dem anderen weh, keine Jedermann DM nimmt einem Lizenzfahrer etwas weg, kein Hobbyrennen führt zum Wegfall eines Lizenzrennens. Hobby- und Jedermannfahrer, die in Vereinen integriert sind, sind wichtige Mitglieder und Helfer bei selbst ausgerichteten Radrennen, ohne die wir in Spich Probleme gehabt hätten. Aber so ist es halt oft,

Autofahrer gegen Radfahrer, Lizenzfahrer gegen Hobbyfahrer, Touristikfahrer gegen Rennfahrer, E-Bike Fahrer gegen Muskelkraftfahrer usw. - Also Leute, geht aufeinander zu und erarbeitet Lösungen wie es miteinander klappt und nicht immer nur gegeneinander.
Erik Fischer


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