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Jedermann vor dem Saisonstart
Freitag, 29. Februar 2008
Challenge-Kolumne: Enrico Hövel

ImageBeim letzten Mal ging es um das Jedermann-Winter-Training. Gemäß Kalender ist zwar immer noch Winter, aber die Saison 2008 kommt mit Riesenschritten näher. Im Januar habe ich mit unserer immer größer werdenden Gruppe 1.930 km mit 13.000 hm zu 80 % im Grundlagenbereich und 20 % im Aufbaubereich trainiert.

Aufgrund des guten Wetters konnte fast an jedem Dienstag und Donnerstag mit ca. 6-14 Leuten sowie Samstag und Sonntag mit bis zu 30 Leuten um 9.30 Uhr (ab dem Treffpunkt bei mir zu Hause in Bachem) gestartet werden.

Der Treffpunkt bei mir hat den großen Vorteil, dass Defekte besser behoben werden können, eine Waschgelegenheit, eine Toilette und Wasser zum Auffüllen der Flaschen da ist. Falls etwas vergessen wurde, steht in der Regel Ersatz zur Verfügung.  Mit meinem Kompressor im Auto wird bei Bedarf auch blitzschnell für den richtigen Luftdruck gesorgt. Im Übrigen koordiniert meine Frau Gisela auch die eingehenden Telefonate und Informationen bezüglich der Teilnehmer, der Strecke und des Wetters.

Der Februar – anfangs immer noch sehr mild – war  sehr förderlich für unseren Formaufbau für die ersten Saisonstarts. Vom 01.-19.02. haben wir schon wieder 1.405 km mit über 13.000 hm in der Eifel gemacht.

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Damit es nicht zu leicht wird, weil jeder die Strecke kennt, habe ich in der Eifel immer wieder andere Varianten mit teilweise sehr unangenehmen Steigungen mit Pflaster und bis zu 14 % eingebaut.

Sicher ist aber immer die gleiche Anfahrt bis Nörvenich und die Rückfahrt über die Tankstelle Willi Küpper in Heimbach mit Verpflegungskontrolle, danach über Kloster Mariawald (auch „Maria-Wellness“ wegen der ca. 10 km langen angenehmen Steigung genannt – ich sage immer: „der einzige Berg in der Eifel, der gut rollt“).

Wegen der einzigartigen Aussicht auf Heimbach und den unteren Rurstausee, fühlt man sich hier wirklich wie im Urlaub und wird für die Schinderei am Berg entschädigt.

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Oben, hinter Wolfgarten angekommen, fahren wir immer ab der Abzweigung auf die Bundesstraße 265 nach links 19,35 km mit 1,6 % Durchschnitts-Gefälle „schnell“ bis zur Brücke links neben Zülpich. Von da aus geht es weiter geradeaus bis Erftstadt-Lechenich. Dann geht es nach links über Konradsheim und Berrenrath nach Bachem.

Die Anfahrt und Abfahrt muss immer gleich sein, damit man uns immer findet, ohne groß herum zu telefonieren. Wir sind immer pünktlich - außer bei Defekten – da wird natürlich gewartet.

Die Fahrer, die wegen Schichtarbeiten oder weil sie länger schlafen müssen, um ihr Immunsystem zu stärken, entgegenkommen, haben so immer noch die Chance in das „Training life“ der Rückfahrt, das sehr rennähnlichen Charakter hat, einzusteigen.

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Genug der allgemeinen Erläuterungen, die aber wichtig sind, damit der Leser die Hintergründe des Trainings zu den von mir seit 1980 bis zu fünfmal in der Woche geleiteten Gruppenfahrten versteht.

Um die ernste Phase vor dem Saisonstart einzuläuten, bedarf es eines außergewöhnlichen Trainings, das den Charakter eines Klassikers besitzt.

Kaum habe ich über meine Trainingsmail mit riesigem Verteiler die Strecke über Schevenhütte – Lammersdorf – Rollesbroich (dem Scharfrichter bei Rund um Düren mit 14 % Steigung) – Schmidt – Heimbach – Mariawald – usw. - bekannt gemacht, kommen schon die Zusagen der Anwärter für die frühen Saisonsiege herein.

Wegen eines Unfalles meiner Frau stehen für mich zwei Varianten der ersten Saisonziele im Raum, was die Vorbereitung für mich erschwert. Falls Gisela weiterhin Probleme hat und wir zu Hause bleiben müssen, ist natürlich das „kölsche Mailand-San-Remo = Köln-Schuld-Frechen“ mein erster Höhepunkt.

Das Rennen habe ich bereits zweimal als Sieger beendet. Das war 1980 im Alleingang  in der C-Klasse bei 335 Startern. Noch heute scherzt man darüber: „Der Fahrer war bei der Doping-Kontrolle negativ – aber volltrunken“. Ich hatte bei 4 Grad 1/3 Kaffee, um wach zu sein + 1/3 Milch mit Ovomaltine wegen der langen Zuckerketten des Malzes + 1/3 Cognac, um meinen vor dem Rennen angekündigten Sieg zu begießen, in der „Borraccia“ (Rennflasche).

Ein weiteres Mal siegte ich 1987 im Sprint einer Zwölfergruppe bei den Masters. Beide Rennen wurden  jedoch als Fernfahrt ausgetragen.

Jetzt heißt es aber Antritt-Training und Sprint-Training wegen des kurzen Rennens bei den Masters von ca. 38 km auf dem Rundkurs. Im Vorjahr konnte ich den fünften Platz belegen. Mit 56 Jahren in der Klasse ab 40 Jahre war das m. E. nicht schlecht.

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Sollte es meiner Managerin besser gehen, starte ich natürlich in „la mia bella Italia“. Bei den vielen Rennen der „Primavera“ (Frühling). Die Jederfrauen und –männer meiner italienischen Mannschaft von De Luca der Federation UDACE haben schon etliche Siege in 2008 hereingefahren und brauchen mich als „Velocista“ (Sprinter).

Hierfür ist natürlich zuerst einmal Durchhaltevermögen für die Strecken von ca. 75 km und Tempohärte für 42 – 46 km/h mit abschließendem „Volata“ (Endpurt) aus dem für mich fahrenden „Treno“ (Zug) - wie bei MILRAM für PETACCHI – erforderlich. Diesen „Spago“ (Spagat) zwischen den unterschiedlichen Anforderungen machen zu müssen, spornt mich natürlich zusätzlich an.

Zurück zu unserem Klassiker-Training. Nicht weniger als 30 Leute haben sich hierzu eingefunden. Mit Profi Christian Lademann des Team SPARKASSE,  Exweltmeister in der Verfolgung und gerade als Dritter beim Berliner Sechtagerennen erfolgreich, hatten wir sogar einen internationalen Radstar am Start. Klasse, wie so ein Mann hier bei mir auf dem Hof innerhalb von wenigen Minuten mal eben die Position an seinem neuen Straßenrad, unter den staunenden Blicken der Gruppe, einstellt. Ich fragte Christian, erkennst Du den Unterschied zwischen unseren Rädern? Nach kurzem Blick „berlinerte“ er überrascht los: „ach deins hat ja Flaschen dran“. Kein Problem – Gisela hat ihm sofort eine Flasche „gemacht“.

Die Hinfahrt in die Eifel wurde auch überwiegend unter der Führung von „Lade“ und der starken „Maggie“ Gerhardt (Jederfrau-Siegerin auf dem Nürburg-Ring) gefahren.

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Die Auffahrt nach Schevenhütte war noch komplett mit Zweierreihe möglich. Nach dem ersten Tankstopp teilte sich die Gruppe auf der langen Lammersdorfer Steigung in zwei Gruppen. Die Lövenicher Jedermänner machten ihrem Ruf als starke Bergfahrer alle Ehre. Exlandesmeister der Elite, Stefan Schwarz machte das Tempo nach seiner gerade überstandenen Erkältung. Immer den Puls zwischen 150 und max. 160 Schlägen halten und nur kein gesundheitlicher Rückfall war sein Ziel.

Nach der Abfahrt mit 78,4 km/h kam „Rollesbroich“, der Angstberg von „Rund um Düren“. Christian Löffel, Ex-Bundesligafahrer LV Berlin, ereilt bei den 14 % Steigung ein Krampf. Sofort führt er Mineralien zu und tritt weiter durch. Ich bleibe bei ihm und telefoniere mit der 2. Gruppe. Alles klar - oben wird gewendet und bis zu dieser Gruppe zurückgefahren. Jetzt mit Freude in rasender Fahrt zum zweiten Tank-Stopp nach Heimbach. Alle haben sich ihr Essen und Trinken redlich verdient. Die Euphorie - schon jetzt etwas Besonderes geschafft zu haben - kommt unaufhaltsam auf. Leute, die sich vorher nicht kannten, sind bereits zu Freunden geworden.

Letzter Anstieg Maria-Wald, d. h. gleichmäßig mit gemäßigtem Tempo rauffahren, die Landschaft, frische Luft und Sonne geniessen. Oben angekommen kommen die 19,35 km Schnellfahr-Strecke – die Stunde der Wahrheit –  kein Verstecken - der Formtest – volle Konzentration.

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„Lade“ fährt an -  Klasse - Südwind – von 6 Grad am Morgen stieg das Thermometer auf jetzt 16 Grad an - der schnelle Axel von Wolff arbeitet hart mit – mein Gewicht verschafft mir bergab Vorteile – mit nur drei Leuten läuft „il Treno“  –  Lade macht die meiste Arbeit bei seinen langen Führungen – wir beide fahren nur vorbei, wenn er das Zeichen mit dem Ellbogen gibt – ich schaue auf den Tacho – die Zeit ist super – über die Wellen geben wir alles – Lade fährt auch noch den Sprint an – eine große Geste für uns – er zieht auf dem „ultimo kilometro“ bis auf 68 km/h hoch – ganz knapp kommt Axel mit 70,0 km/h vor mir und Lade ins Ziel – der Tacho zeigt auf die 19,35 km den Wert von 51,6 km/h an – das ist für den 15.02. und bei vorher gefahrenen 100 km mit 1.387 hm ein toller Schnitt – da kommen die Renngefühle bei mir voll durch – dieses Spezial-Training entspricht echt dem „finale di gara“ (Finale des Radrennens) in Oberitalien – das brauchen wir, um in der Spitze zu fahren.

Hier noch MEINE Trainings-Werte: 
      
156 km  1.387 hm  Steigung in % Durchschnitt rauf/runter 5/5 max. 14/16
19,35 km = 51,6  erste 106 km = 26,1 km/h WATT Durchschnitt/max. 200/340
Gesamt 28,6 km/h max. 78,4 km/h WIND S 6-16 GRAD  WATT Durchschnitt/max. 140/460  Strecke: BACHEM - KREUZAU - SCHEVENHÜTTE - LAMMERSDORF - ROLLESBROICH - SCHMIDT - HEIMBACH - MARIAWALD - BACHEM

Ziel erreicht - das gefällt mir – ich bin zufrieden. Große Freude haben mir auch die positiven Bewertungen unserer Teilnehmer gemacht. Die Saison kann kommen.

PS: Die Bilder haben Alex Bauer (TMCT-Sieger 2007) und ich am 16.02. auf der Runde über Leversbach, Berg, Nideggen, der „Schweine-Welle von Hausen“ und Heimbach geschossen

Ciao – Euer Enrico
 
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