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Charly Wegelius – Domestik
Sonntag, 26. Juli 2015
Das wahre Leben eines ganz normalen Radsportlers

ImageHeute endet die Tour de France in Paris. Wir haben spannende Etappen erlebt. Jubel, Dramen, perfekte Unterhaltung vor dem Fernseher oder an der Strecke. Hin und wieder registrieren wir sogar die Domestiken, die unentbehrlichen Helfer der Stars. So ein Domestik war auch der Brite Charly Wegelius. Ein Profivertrag klang für ihn wie ein Märchen, die Teilnahme an einer großen Landesrundfahrt ein Traum. Doch fast alle Märchen stecken voller Brutalität, aus einem Traum wird schnell ein Albtraum. Es fällt schwer "Domestik" aus der Hand zu legen wenn man begonnen hat es zu lesen. Das wahre Leben eines Radprofis ist härter als alles was wir im TV sehen oder in den Tageszeitungen lesen.


Charly Wegelius wurde 2000 Radprofi, ein Jahr in dem ein Brite als Exot im Fahrerfeld galt, im eigenen Land als Profi keine Entwicklungsmöglichkeiten hatte und so seinen Weg im Ausland machen musste. "Als ich in Frankreich im Trainingslager von Vendée U eintraf, …war ich überzeugt: Mich würde nichts aufhalten."

Im Laufe seiner Karriere findet Wegelius ganz andere Worte. Aber damit stellt er nur klar dass es sich bei "Radprofi" um einen Beruf handelt, mit guten und schlechten Tagen. Es gibt unter den Kollegen wenige Freunde, einige Zweckgemeinschaften, aber noch mehr Neider. Auch bei den Arbeitgebern gibt es große Unterschiede. Das Leben eines Helfers ist knallhart und wird selten vernünftig bezahlt.

Domestik ist kein Buch wenn man auf der Suche nach den neuesten Doping-Enthüllungen ist und dafür gab es hier und da auch Kritik. Doch Wegelius beschreibt hier lieber die Alltagsprobleme die man sonst nirgends zu lesen bekommt. "Ich musste Scheiße fressen. Um zum Giro zu dürfen, musste ich mich mehr als jeder Italiener bewähren und ich konnte mir keinen Fehltritt leisen. Wenn meine italienischen Kollegen entbehrlich waren, dann bin ich es erst recht. Oder auch " …bei De Nardi  (und vielen anderen Profiteams) stand stets ein Betreuer mit am Tisch und passte auf, allzeit bereit, dem Directeur Sportiv sofort mitzuteilen, falls jemand das Falsche oder noch schlimmer, zu viel aß…EPO hin , EPO her, ich hätte sehr viel schneller fahren können, hätte man mich nur anständig gefüttert."

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Nun, wenn das alles so unfair ist, warum hat Charly Wegelius nicht schon viel früher das Handtuch geworfen, warum musste er sich 11 Jahre als Profi antun? Ganz einfach, weil er den Radsport liebt und dafür Bedingungen in Kauf genommen hat, die niemand mit einem vernünftigen Bürojob verstehen kann. Darum ist er auch heute noch im Radsport tätig, als Sportdirektor beim Team Cannondale-Garmin.

Dass dieses Buch so fasziniert, liegt nicht nur an der der Geschichte von Charly Wegelius, sondern auch daran wie es geschrieben wurde. Co-Autor Tom Southam weiß als ehemaliger Radrennfahrer auf internationalem Niveau ebenfalls genau, wovon er schreibt. Er fuhr drei Jahre als Profi in Italien und bestritt zwei Mal die Straßen-WM an der Seite von Charly Wegelius. Inzwischen arbeitet er als Journalist für eine Reihe der bedeutendsten britischen und internationalen Radsportmagazine.

Meine Empfehlung - Domestik kaufen, ein ehrliches Buch das einen fesselt. Es würde mich nicht wundern wenn danach bei vielen Lesern der Respekt vor der Arbeit eines Domestiken deutlich ansteigt.
Wolfgang Schaaf

Erhältlich ist Domestik im http://fastessaylb.com/outline-for-writing-a-book/
Domestik von Charly Wegelius
16,80 Euro inkl. 7% MwSt.
Broschur, 304 Seiten
ISBN 978-3-95726-005-5

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag http://www.covadonga.de
 
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