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ARLBERG Giro-Top Favoritin Daniela Pintarelli über ihre Leidenschaft für das Rennrad
Samstag, 25. Juli 2015
ImageLandeck - In einer Woche ist es soweit und in St. Anton am Arlberg fällt der Startschuss zur mittlerweile fünften Auflage des ARLBERG Giros. Insgesamt 1.500 Rennradler aus 18 Nationen erwarten 148 kräftezehrende Kilometer und ein spektakuläres Bergpanorama. Das internationale Teilnehmerfeld setzt sich dabei immer noch aus überwiegend männlichen Sportlern zusammen. ofp.kommunikation hat mit einer der schnellsten Frauen der österreichischen Rennradszene und Top-Favoritinnen des ARLBERG Giros, Daniela Pintarelli, kurz vor dem Rennen gesprochen.

Daniela, welchen Stellenwert hat Sport in deinem Leben?


Daniela: Sport hat in meinem Leben einen sehr großen Stellenwert. Meine Eltern haben meinen Bruder und mich von Anfang an immer dazu bewogen, aktiv zu sein. Jede freie Minute waren wir in der freien Natur – irgendwo im Wald, beim Schifahren oder Schwimmen und auch beim Radfahren. Ich habe schon sehr früh eine positive Einstellung zum Sport bekommen und diese auch immer mit viel Spaß gleichgesetzt. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Mit 16 startete ich mit dem Rennradfahren und betrieb diese Aktivität von Jahr zu Jahr immer intensiver. Ein Leben ohne Sport könnte ich mir nicht vorstellen.

Was war ausschlaggebend dafür, dass du das Rennrad für dich entdeckt hast?

Daniela: Ich war vorher viel mit dem Mountainbike unterwegs. Wir hatten damals Bekannte aus Innsbruck, die einem Rennradteam angehörten. Sie haben mir den Tipp gegeben, das Rennradfahren mal auszuprobieren. Ab der ersten Ausfahrt war mir klar, dass ich die richtige Sportart für mich entdeckt habe. Für mich war es immer wichtig, in der Natur zu sein. Beim Radfahren kann man aus eigener Kraft sehr lange Strecken bewältigen. Es ist nie langweilig und es gibt immer etwas Neues zu sehen. Das Gefühl, nach einer kräftezehrenden Auffahrt einer Passstraße, den Gipfel aus eigener Kraft erreicht zu haben, ist unbeschreiblich. Das ist für mich eine besondere Lebensqualität.

Den Titel „Die schnellste Dame“ hörst du des Öfteren.  Wie kommst du in dieser männerdominierten Szene zurecht und mit welchen Vorurteilen musst du dich auseinandersetzen?


Daniela: Ich bekomme von meinem Umfeld ein sehr positives Feedback. Wir haben einige Trainingskollegen, mit denen ich immer wieder gemeinsame Ausfahrten mache oder mit denen ich gemeinsam zu den Trainingslagern fahre. Sie respektieren es voll und ganz, dass ich als Frau bei den Rennen mitfahre. Ich habe in dieser Hinsicht eigentlich ganz wenige negative Erfahrungen gemacht. Denjenigen, die Vorurteile haben, antworte ich sportlich. Dann hören sie auch gleich damit auf (lacht).

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Die Muskelkraft der Männer ist für die Frauenwelt kaum erreichbar. Du behauptest dich vor allem mit einer hervorragenden Technik. Was ist es für ein Gefühl, wenn man sich in einem Rennen gegen das männliche Geschlecht durchsetzen kann beziehungsweise mithalten kann?


Daniela: Grundsätzlich sehe ich die Männer gar nicht so sehr als Gegner. Aber natürlich ist es cool, wenn man den einen oder anderen überholt. Hin und wieder werden diese Kandidaten sich dann schon auch Gedanken darüber machen, dass eine Frau schneller ist als sie selbst. Aber mir geht es in erster Linie darum, dass ich meine eigenen Ziele erreiche und dass mir der Sport Spaß macht. Und was andere denken, darüber mache ich mir keine Gedanken.

Du hast viele Termine in deinem Rennradkalender stehen. Regionale Rennen vor der Haustüre sind dabei sicherlich schwer unterzubringen. Welche Motivation treibt dich nach St. Anton am Arlberg zum ARLBERG Giro?

Daniela: St. Anton am Arlberg ist schon sehr lange ein Sponsor von unserem Team MooserWirt Ridley. Deswegen ist es für uns auch sehr wichtig, hier am Start zu sein. Dass wir auf unserer Trainingsstrecke ein Rennen fahren, ist eine ganz besondere Herausforderung. Gerade die Silvretta-Runde - hoch zum Stausee – ist auch landschaftlich ein besonderes Erlebnis und diese Strecke einmal mit Renntempo zu fahren ist eine super Sache.

Was macht für dich den ARLBERG Giro aus und gibt es auf der Strecke eine besondere Herausforderung?

Daniela: Herausforderungen gibt es genug auf der Strecke (lacht). Dieses Jahr ist sicherlich auch der Start um 6 Uhr eine Schwierigkeit. Zur frühen Morgenstunde haben wir gleich als erstes den Arlbergpass vor uns – ich würde das als Kaltstart bezeichnen. Für die Silvretta Pass-Straße werden wir dann vermutlich schon gut genug aufgewärmt sein. Eine spezielle Herausforderung ist auch der Teil von Pians zurück nach St. Anton am Arlberg, denn da erwarten uns auch noch einmal 500 Höhenmeter, die zu bewältigen sind. Da muss man sich die Kräfte schon gut einteilen, damit man zum Schluss noch Energie übrig hat um gut ins Ziel zu kommen.  

Viele männliche Rennradler würden sich durchaus mehr Frauen auf dem Rennrad wünschen. Fakt aber ist, dass bei den Usern von Rennrädern die Frauenquote eher klein ist. Welche Tipps hast du auf Lager, die das weibliche Geschlecht für diesen Sport motivieren könnten?


Daniela: Für all jene, die gerne in der Natur sind und auch Fitness machen, ist das Radfahren die ideale Sportart. Es gibt keine andere Ausdauersportart, bei der man so viele Kilometer und Höhenmeter in der Natur fahren kann. Ich würde allen Frauen raten, diesen Sport mal auszuprobieren und nach den ersten Trainingseinheiten bin ich mir sicher, dass die Begeisterung für diesen Sport da ist.

Die Leidenschaft für diese Sportart teilst du ja auch mit deinen Lebensgefährten Andy Traxl. Frage an euch beide: Wie viel „Rennradliebe“ verträgt eine Beziehung? Welche Rolle spielt der Sport in eurem Alltag?

Andy Traxl: Wir haben uns durch den Radsport kennen gelernt. Wir kennen uns bereits viele Jahre und ich glaube, diese enge Freundschaft aus dem Radsport hat uns dann beide immer mehr zu einander geführt. Irgendwann hat es im Trainingslager dann „Bang“ gemacht (lacht). Wir wissen aber auch, dass wir nicht nur den Radsport als gemeinsames Interesse haben. Wir machen auch sonst sehr viele Aktivitäten. Daniela hat mich beispielsweise auf den Geschmack des Berggehens gebracht. Ich bin noch nicht vollständig gipfelfähig, weil ich nicht ganz schwindelfrei bin (lacht). Aber Daniela und ich haben viele Gemeinsamkeiten entdeckt und wenn wir nach Hause kommen, dann wird das Rad auch mal in die Garage gestellt und unsere anderen Interessen treten in den Vordergrund. Ich kann mit der Daniela 24 Stunden am Stück zusammen sein und sie geht mir einfach nicht auf die Nerven und ich hoffe, das das umgekehrt auch so ist (lacht).

Daniela: Ich bin mit Andy zweimal die Tour Transalp gefahren. Das heißt, sieben Tage am Stück im Rennteam – ich glaube, es gibt keinen besseren Beziehungstest, als so eine Herausforderung, bei der man alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchsteht und wir hatten da niemals einen Streit. Ich glaube, das war eine wichtige Prüfung für alles weitere (lacht).

Wie hältst du dich in der kalten Jahreszeit fit, in der dein Drahtesel sozusagen Winterschlaf hält? Oder gibt es keine Rennradpause in deinem Jahresplan?

Daniela: Wir legen ganz bewusst von circa Ende September bis Anfang Oktober eine Rennradpause ein. In dieser Zeit gehen wir wandern, laufen oder fahren mit dem Mountainbike. Der Winter ist bei uns ja doch sehr lang und intensiv und wir nutzen die kalte Jahreszeit, für das Schifahren und Langlaufen. So hat man im Frühjahr wieder Lust und Energie, um sich den ganzen Sommer auf das Rennrad zu konzentrieren.  

Daniela, wie gehst du mit Sieg und Niederlagen um?


Daniela: Die gehören zum Sport dazu. Jeder Sportler nimmt an einem Wettkampf teil, um zu gewinnen oder diesen zumindest bestmöglich zu absolvieren. Aber ich finde, dass auch die Niederlagen ganz wichtig sind. Eigentlich machen einem die Niederlagen sogar stärker als die Siege. Wenn immer alles so läuft, wie man es will, dann wird es irgendwann selbstverständlich. Aber so selbstverständlich ist das gar nicht. Ich sage oft zu Andy, wenn ein Rennen nicht so gut gelaufen ist, in 2 oder 3 Tagen denkt kein Mensch mehr daran und man hat das nächste Ziel wieder vor Augen.

Andy Traxl: Und die Kugel dreht sich gleich schnell weiter (lacht)

Und was liegt dir, Daniela, rund um das Thema „Rennrad“ sonst noch am Herzen?

Daniela: Ja also mich würde es sehr freuen, wenn beim ARLBERG Giro ganz viele Frauen am Start stehen. Sie können ruhig den Mut für dieses Rennen haben. Der ARLBERG Giro ist  das ideale Rennen für eine Frau, um so etwas mal auszuprobieren. Viele haben ja doch Respekt im Feld zu fahren. Aber hier ist man eigentlich bis zum Schluss in der Gruppe und die bleibt dann auch zusammen. Da hat man nicht viel Risiko. Wäre cool, wenn wir viele Mädels am Start sehen.

http://www.carolespiersgroup.co.uk/Foto:: ofp kommunikation 
 
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