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Interview mit Ursula Hubl
Freitag, 29. Februar 2008
ImageUrsula Hubl ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur die ganz jungen  Frauen erfolgreich Jedermann-Rennen bestreiten können. Die 55-jährige bestritt 2007 gemeinsam  mit ihrem Mann Erich sehr erfolgreich die komplette T-Mobile Cycling Tour. Durch beständiges Punktesammeln erreichte sie im  Trikot des Team Radon Cyclepower, neben einem klaren Sieg in ihrer Alterklasse,  noch einen hervorragenden 6. Platz in der Frauen-Gesamtwertung der Serie.  Eine großartige Leistung bei sehr starker Konkurrenz.

Challenge-Magazin.com:  Frau Hubl, wer Ihre Leistungen des vergangenen  Jahres betrachtet, erwartet eine Frau, die seit vielen Jahren mit dem Rennrad  unterwegs ist. Seit wann betreiben Sie Radsport?
 
Ursula Hubl: Früher bin ich sehr viel gelaufen, habe an Volks- und  Marathonläufen teilgenommen. Im Herbst 2006 dann die  Diagnose von meinem Orthopäden: Arthrose in den Leisten.  Das bedeutete Schluss mit Laufen. Für mich brach eine Welt  zusammen, was sollte ich jetzt für einen Sport ausüben, ohne meine Gelenke zu belasten. Nur auf der Couch liegen, nee danke.

Rad fahren war für mich bis dahin der Horror schlechthin, ja ich habe es sogar gehasst. Zusehen und meinen Mann anfeuern ja - aber selber dabei sein und in einem Affentempo über die Straßen jagen und das auch noch im Pulk, für mich bis dahin unvorstellbar. Aber schnell erkannte ich, dass ich eigentlich keine Alternative hatte. Da mein Mann Cycletrainer ist, riet er mir, mich mit Spinning im Fitness-Studio fit zu halten.

Im Januar 2007 saß ich dann zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Trainingsrad meines Mannes. Der 15 Jahre alte Drahtesel hat noch eine Rahmenschaltung, was die Sache für mich nicht gerade leichter machte. Aber siehe da, es machte plötzlich Spaß. So beschloss ich, mir ein eigenes Rad zu kaufen.

Gesagt, getan. Eine Woche später besaß ich mein eigenes Radon-Rennrad. Durch den harten und nassen Winter konnte ich jedoch erst Mitte Februar auf die Straße und mit meinem Training beginnen. Bis dahin hielt ich mich mit Spinning im Fitness-Studio fit. Es gibt wohl kaum ein besseres und effizienteres Wintertraining an kalten und nassen Tagen für Hobby- und ambitionierte Jedermann-Fahrer/innen. Besonders dann, wenn das nötige Kleingeld für ein Trainingslager fehlt. 

CM: Was war der Auslöser für Sie, an der kompletten Serie teilzunehmen?

UH: Mein Mann hatte sich für 2007 vorgenommen, die gesamte T-Mobile Cycling Tour zu bestreiten. Nachdem er 2006 mit nur 5 Rennen den 269 Platz belegte, hatte er sich das wahnwitzige Ziel gesetzt unter die besten 15 zu fahren (leider wurde es nur Platz 17). Da kam mir der Gedanke ‚versuche es doch auch mal, was der schafft, das schaffst du auch’.

So mussten sich meine Teamkollegen für die neue Saison einen anderen Wasserträger und Anfeuerer suchen. Also sprang ich, wie man so schön sagt, ins kalte Wasser und entschloss mich, mit "Rund um  Köln" mein erstes Rennen zu bestreiten. Es lag ja quasi vor meiner Haustür. An die komplette Tour dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Für mich war bei diesem Rennen nur eins wichtig - ankommen und das ohne Sturz. Man darf nicht vergessen, bis dahin hatte ich nur ein paar Kilometer auf meinem Rennrad trainiert. Oh Gott, dachte ich, du musst verrückt sein, gleich an so einem Rennen teilzunehmen. Natürlich ging es neben meinem eigenen Ego auch darum, allen anderen zu beweisen, dass ich das packe.

Sie können sich ja vorstellen, was Freunde und Verwandte von mir dachten: die ist reif für die Klapse in dem Alter. Zu Ihrer Frage, wie es dazu kam, die gesamte Serie zu fahren? Nun, wir standen alle vom Team bei der Siegerehrung, als plötzlich mein Name aufgerufen wurde.

Ich bin richtig erschrocken und dachte, das kann doch nicht sein. Ich hatte in meiner Altersklasse den 2. Platz belegt. Da trainieren mein Mann und seine Teamkollegen jahrelang in der Eifel, spulen Kilometer für Kilometer herunter, um vielleicht einmal ganz oben zu stehen. Da kommt eine Anfängerin im reifen Alter und zeigt ihnen, wie es geht. Es war ein unbeschreiblich tolles Gefühl, dort oben zu stehen, es geschafft zu haben. Ich brauchte mich nicht vor den anderen zu schämen. Da stand für mich fest, die gesamte Serie mit meinem Mann zu fahren.  
     
CM: Wie haben Sie Ihr erstes Rennen erlebt, was hat sich für Sie im Laufe  der Saison geändert?
 
UH: Vor dem ersten Rennen hatte ich große Angst und war sehr nervös. Alleine zu trainieren oder in einem Pulk hautnah mit anderen Fahrern zu fahren ist ein großer Unterschied. Mein Hauptziel war eigentlich, in der vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit und heil anzukommen, ohne vom Besenwagen aufgenommen zu werden. Als ich am Rheinufer auf der Zielgeraden war und die vielen Zuschauer uns zujubelten, fühlte ich mich fast wie ein kleiner Profi.

Im Ziel war ich total happy aber auch vollkommen platt. Ich hatte alle Reserven aus mir rausholen müssen, denn ich hatte mir das Rennen leichter vorgestellt. Mit jedem weiteren Rennen wurde ich sicherer. Ich konnte mein Leistungsvermögen besser einschätzen, sei es bei Steigungen oder in den Abfahrten. Ich wurde immer mutiger. Nur das Windschattenfahren liegt mir noch nicht so.

Es kostet mich schon viel Überwindung, im Pulk bei hoher Geschwindigkeit ganz dicht hinter einem Vordermann zu fahren, den man nicht kennt und nicht sicher bin, wie er reagiert. Das war auch bei vielen Rennen ein großer Nachteil für mich, ich musste weite Strecken kraftraubend alleine fahren.

Ein zusätzlicher Nachteil waren für mich die Pedalhaken. In der vergangenen Saison bin ich noch nicht  mit Klickpedalen gefahren, aber daran arbeite ich. 
     
CM: BDR und VDR haben beschlossen, durch Regeländerungen wie Streichergebnissen, Reduzierung der Veranstaltungen und Bevorzugung bei der Startblockeinteilung, die Belastung der Serienfahrer/innen deutlich zu mindern. Sie waren sicher erfreuen, von diesen Änderungen zu hören.
 
UH: Das Reglement der neuen Serie finde ich ganz gut, sicher könnte man das eine oder andere noch verbessern, z.B. bei der unterschiedlichen Streckenwahl, da bleibt immer noch viel Möglichkeit des Taktierens, was den wahren und fairen Leistungsvergleich schwer macht. Was die Reduzierung und Streichergebnisse betrifft, bin ich sehr erfreut, denn die letzte Saison hat viel Geld gekostet (Startgebühren, Benzingeld, Unterkunft und Verpflegung), das wären locker 2 Wochen Karibik auf der Aida für mich und meinen Mann gewesen.

CM: Welche Veranstaltung hat Ihnen 2007 am besten gefallen?

UH: Eigentlich gibt es viele Rennen, an die ich mich gerne erinnere. Jedes hatte seine besonderen Reize, was die Streckenführung und die Anforderungen betrafen. Auch die Organisation und Durchführung der meisten Rennen war recht gut, bis auf einige Siegerehrungen. Sie wurden manchmal sehr lieblos oder gar nicht durchgeführt.

Einmal abgesehen von Wiesbaden und Hannover. Was dort nach der Zieldurchfahrt ablief, war schlechthin eine Beleidigung für uns Jedermänner und -frauen. So nach dem Motto „Danke für dein Startgeld, mach dich weg vom Acker“. Solche Rennen sollte man in Zukunft boykottieren.

Wenn ich jedoch eine Veranstaltung hervorheben kann, dann ist es Hamburg. Was für eine riesige Startkulisse. Auch wenn ich als Erststarterin aus einem der letzten Startblöcke starten musste und tausende von Fahrern und Fahrerinnen vor mir hatte, so hat es doch riesigen Spaß gemacht. Vielleicht auch gerade deswegen, weil ich mich von ganz hinten durch das Feld nach vorne kämpfen musste und immerhin noch einen 73. Platz erreichte und das auf der 155 km Strecke. 
 
CM: Genießen Sie nach dem anstrengenden letzten Jahr noch die Winterpause, oder warten Sie schon ungeduldig auf den Startschuss zur neuen Saison?

UH: Nach der doch langen, teilweise sehr stressigen und zeitraubenden Saison habe ich bis Ende des Jahres erst einmal etwas kürzer getreten und mich mit Spinning fit gehalten. Denn neben dem Zeitaufwand für die An- und Abreise für die Rennen (Sölden, Fürth, Hannover und Hamburg) ging alleine  schon eine Woche drauf.

Man darf ja auch die vielen Trainingsstunden nicht vergessen, um bei einem Jedermann-Rennen erfolgreich sein zu können. Seit Anfang des Jahres habe ich mein Trainingspensum wieder angehoben und war auch trotz der Kälte schon einige Male auf der Straße unterwegs. Was die neue Saison betrifft, haben mein Mann und ich noch keine Entscheidung getroffen, ob und wo wir an den Start gehen.

Das hängt auch davon ab, ob wir in den nächsten Tagen, d.h. bis zum Saisonstart in Köln, ein Team finden, in dem wir finanzielle Unterstützung bekommen können. Wenn nicht, dann werden wir wohl nur an der einen oder anderen RTF-Veranstaltung in unserer Umgebung teilnehmen. Die machen zwar nicht so viel Spaß, da fehlt der Adrenalinschub, aber sie sind preiswerter und man kann sich zumindest ein wenig fit halten.  
 
CM: Was sind Ihre Ziele und Wünsche für 2008?

UH: Wie vorweg schon erwähnt, würden wir auch 2008 gerne den neuen German-Cycling-Cup und das eine oder andere Jedermann-Rennen mitfahren (heiß und fit, um wieder vorne mit zu fahren, sind wir), aber ohne Teamunterstützung wird das in diesem Jahr aus Kostengründen für uns als Einzelstarter nicht möglich sein.

Wir wünschen aber trotzdem allen Freunden, Fahrern und Fahrerinnen, die wir letztes Jahr auf den Veranstaltungen kennen gelernt haben, eine erfolgreiche und sturzfreie Saison. Auch unserem alten Team wünschen wir viel Erfolg.  
 
CM: Frau Hubl, ich bedanke mich für das Interview und wünsche Ihnen und Ihrem Mann eine gesunde und erfolgreiche Saison 2008.

Mit Ursula Hubl sprach Wolfgang Schaaf
 
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