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Permanentes Zeitfahren auf dem H?chsten
Donnerstag, 31. Januar 2008
„Wir wollen etwas für den Breitensport tun“...

Image...angestachelt von diesem Motto machte sich der RSV Seerose, ein kleiner Radsportverein aus der Bodenseestadt Friedrichshafen daran, Deutschlands erste und einzige permanente Bergzeitfahrstrecke für Radsportler zu realisieren. Auf dem landschaftlich reizvoll gelegenen „Höchsten“, 18 km nördlich der Bodenseemetropole, wird nun seit 2006 der Stoppomat betrieben.

Gratis dürfen sich hier Radsportler jeglicher Couleur eine Stempelkarte am Starthaus ziehen, beschriften und allein oder auch in einer Gruppe gegen die Uhr fahren. Am Bergstoppomat abgestempelt, kann die Karte eingeworfen werden oder auch zum persönlichen Andenken an sein eigenes Rennen „contre la montre“, wie unsere französischen Nachbarn zu sagen pflegen, mit nach Hause genommen werden.

Das Making Off „Alpe D’Huez v.B.“

Im Führjahrs-Camp 2005 auf Malle sitzen 2 Seerosista bei Cafe Leche (Milchkaffee) in der Nachmittagssonne von Alcudia und flachsen so herum, was denn alles so möglich sein könnte im heimischen Radsportgebiet, und was sie denn so machen wollen, in den kommenden Zeiten. Was die in den Alpen, an den berühmten Anstiegen können, müsste doch bei uns auch zu machen sein. Schwups, und schon ist die Idee vom Alpe d’Huez vom Bodensee geboren. Als dann im Führjahr 05 das erste Brainstorming zu Hause einsetzt, stößt die Idee von einer permanenten Bergzeitfahrstrecke an unserem geliebten Hausberg, dem Höchsten, dazu und rundet das Bild ab.

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Die Recherchen nach der technischen Durchführbarkeit benötigen nun nochmals 2 Monate. Im Sommer präsentiert es nun der Vorstand zuerst in den eigenen Reihen und anschließend unserem Mäzen, dem Bürgermeister vom Deggenhausertal, Knut Simon. Ganz angetan von der Vorstellung sein Berg könne das „Alpe d’Huez“ vom Bodensee werden, sagt dieser sehr unbürokratisch schnell zu, vereinigt Gemeinderat und Bürgerschaft hinter sich und uns. Im alten Jahr noch hopplahopp das Projekt durchzuziehen, scheint dann machbar aber wenig sinnvoll.

Unterstützung von allen Seiten


So beginnt die Sponsorensuche bei den im Deggenhausertal beheimateten Gewerbetrieben im Oktober 2005. Das Tal der Liebe macht im Winter 05/06 dann seinem Namen alle Ehre. Eine wahre Freude macht es dem Projektleiter, Roland Hecht, dort anzuklopfen, nie konnte er leichter Menschen für ein Projekt so freudig begeistern. Noch schöner sind seine Erinnerungen an die nicht vorhandenen bürokratischen Hemmnisse bei Verwaltung, Grundbesitzern und Bevölkerung.

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Eine Anekdote fällt ihm hierzu immer wieder beispielhaft ein: Schon mitten im Bau der Permanenten, das Durchfahrtshaus ist schon fertig in der heimischen Werkstatt, steht der Aushub des Fundaments an. Bei einer Sitzung mit einem Gremium im Deggenhausertal erkundigt sich der Bürgermeister, erstaunt über die Baufortschritte, nach der Lage und der Ausführung der Anlage. Roland Hecht erwidert: „ Ich habe bereits einen Platz auf Ihrem Grund abgesteckt, bin mit Ihren Nachbarn einig geworden. Ich glaube nicht, dass Sie einen Bauantrag wollen. Ich glaube wir beide machen das auf dem kurzen Dienstweg! Oder? ...“.

Freudig bemerkt Hecht ein zustimmendes Nicken. Auch das scheint es noch in Deutschland zu geben. Alle ziehen an einem Strang. Am 29.März ist es dann soweit, die Talstation wird fertiggestellt. Die Bergstation ist dann am 1.April kein Aprilscherz. Kleinigkeiten folgen. Der Strom, der von der T-Com gespendet wird, will noch angeschlossen sein, Stempelkarten müssen noch gedruckt werden, und schließlich folgt die Inbetriebnahme.
12 Monate sind nun vergangen, 5000 Euronen und rund 300 Arbeitsstunden  in das Projekt geflossen.

Öffentlichkeitsarbeit, Sponsorenpflege und Instandhaltung werden nun die Seerosista aus Malle und die anderen RSV Seerose e.V. – Mitglieder in den kommenden Jahren auf Trapp halten. Schließlich ist das hehre Ziel, mindestens noch 1000 „Stoppomat“-Benutzer im Jahr 2006 durchzuschleusen, auch noch eine Aufgabe.

Starter vom Profi bis zur Hausfrau


Unter den bislang 8.000 Teilnehmern befanden sich nebst illustren Gästen wie dem Telekom-Radprofi Steffen Wesemann, Jörg Ludewig, Stefan Löffler und Irina Kalentieva ebenso der ambitionierte Amateursportler wie auch die radelnde Hausfrau. Der Radsportverein RSV Seerose e.V. scheint mit dieser Breitensportaktion den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Unter einer Rubrik seiner Homepage www.stoppomat.de kann sich der Radfahrer in einem wöchentlich aktualisierten Ranking mit anderen messen und sich vergleichen, um sich bei den garantiert süchtig machenden Trainingsfahrten auf dieser 8,2 Kilometer langen schönen Strecke wieder zu finden.

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Zwar sind 360 Höhenmeter bei maximal 11% Steigung schnell gefahren kein Pappenstiel aber trotzdem für jedermann bezwingbar. Genau dies scheint auch den Reiz für die Fahrt auf den höchsten Berg am Bodensee-Nordufer auszumachen. Nach der obligatorischen Pause am Gipfel bietet der „Höchsten“ neben dem Stoppomat den schwäbisch-alemannischen Mundartweg und einen 360° Rundumblick auf das Schwäbische wie auch das Badische, denn der Teilnehmer startet in Schwaben, um in Baden zu enden. Aber Vorsicht: So manche dramatische Szene soll sich hier nach den Erzählungen der Verantwortlichen der Seerose abgespielt haben.

Manch ein Teilnehmer schien das Rennfieber so ereilt zu haben, dass rund um die Gipfelstation umher liegende Leiber von gemarterten Rennradlern ein bedenkliches Bild ergaben. „Da ist mancher gefahren, als ginge es um sein Leben...“ beschreibt Roland Hecht, der Macher der Strecke, die Szenerie. Umso mehr hat es ihn gefreut, dass auch Radler die Anlage benutzt haben, die es nicht ganz so ernst genommen haben und danach vielleicht den Abstecher in den nebenan liegenden Berggasthof Höchsten gefunden haben, um bei einem Glas Apfelschorle oder Weizenbier die Geselligkeit des Radelns zu zelebrieren. Denn es war nicht nur die Absicht vorhanden, den Radlern eine Strecke zu schenken, sondern einen Anziehungspunkt zu etablieren.

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Fährt man nun im Sommer nach getaner Arbeit auf der Bergstrecke dem Gipfel entgegen, können einem schon mal 30 Radler entgegen kommen. Dass dann Schorsch nicht mehr nur alleine Kilometer fressen muss, weil er zufällig Karle oben getroffen hat, war dann genau die Absicht des kleinen Vereines aus der Stadt Friedrichshafen am Rande des Bodensees.

Deutschlands größtes Bergzeitfahren

Nur einmal im Jahr, da wollen es die Macher des Stoppomaten dann doch wissen. Am letzten Juli-Wochenende wird dann zum dritten Mal das Lightweight stattfinden. Einige Male hatten wir schon mal Zweifel an der Korrektheit der ein oder anderen abgegebenen Stempelkarte. Dann können bei diesem für Profis, Amateure und Jedermänner offenen Bergzeitfahren mit elektronischer Transponderzeitnahme im Tausendstel gemessen alle Hitzköpfe ganz offiziell vor Publikum im Einzelstart von der Rampe ihre Zeit bestätigen und zum Bergkönig/königin küren lassen.

Über 560 Fahrer/innen in 2006 und 620 in 2007 machten das Lightweight Uphill auf Anhieb zu Deutschlands größtem Berzeitfahrwettbewerb. Zum 26.07.2008 darf Mann oder Frau sich unter www.Lightweight-uphill.de informieren und melden.

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Gespannt darf man von der geplanten Serie mit 5 weiteren Anlagen im ganzen Bundesgebiet sein. In enger Kooperation mit dem Förderverein Metropolregion Rhein-Neckar und weiteren ehrenamtlichen Radsportvereinen setzen die Macher des Stoppomat eine deutschlandweite einzigartige Serie um. Die Eröffnung der zweiten Generation ist für April 2008 geplant.    

Roland Hecht

www.stoppomat.de
 
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