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Interview mit Andreas G?tz
Montag, 31. Dezember 2007
ImageIn der heutigen Zeit zeigen immer weniger Fahrer/innen Interesse an Vereinen. Viele Vereinsvorstände  sind überaltert, der Nachwuchs in den Vorständen fehlt. Die Bereitschaft zur Mitarbeit an Veranstaltungen sinkt im Rennbereich ebenso wie bei RTF-Veranstaltungen.

Bei Jedermann-Rennen, meist in Verbindung mit großen Straßenrennen, steigen die Teilnehmerzahlen dagegen deutlich an. Ist der Erfolg der Jedermann-Rennen eine Möglichkeit, neue Mitglieder für die Vereine zu gewinnen? Wie wird es mit der T-Mobile Cycling Tour, der Jedermann-Serie des BDR, weitergehen?

Beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) ist Andreas Götz vom Referat Marketing und Kommunikation der Ansprechpartner bei Fragen zur Jedermann-Serie. Wolfgang Schaaf vom Challenge-Magazin.com sprach mit Andreas Götz in den Räumen des BDR.

Challenge-Magazin.com: Wer hatte die Idee zu einer Serie von Jedermann-Rennen, warum wurde die Serie so eingeführt, wie wir sie heute als T-Mobile Cycling Tour (TMCT) kennen?

Andreas Götz: Eine Serie für Jedermänner wurde von mehreren Seiten gleichzeitig angeregt. Bereits 2004 hat der BDR unter Führung des Breitensports die Rad Open im Kalender geführt, da noch ohne Gesamtwertung. Alexander Donike hat die Idee seines viel zu früh verstorbenen Bruders Manfred aufgegriffen und eine Serie mit mehreren Rennen, zum Beispiel  in Köln, Frankfurt, Nürburgring angeregt.

Treibende Kraft für die T-Mobile Cycling Tour, wie wir sie heute kennen, war der Präsident des BDR, Rudolf Scharping. Er hat die Serie ins Leben gerufen, um in erster Linie den ausrichtenden Vereinen die Möglichkeit zu bieten, neue Mitglieder zu gewinnen.

CM: Bereits für die kommende Saison wird es zahlreiche neue Jedermann-Rennen geben. Viele werden ein Interesse haben, in einer Serie gewertet zu werden.
Wer trifft die Auswahl der Rennen für diese Serie?

AG: 2006 und 2007 hat der BDR vorgeschlagen, welche Veranstaltungen an der T-Mobile Cycling Tour teilnehmen sollen. Diese wurden mit dem VDR (Verband Deutscher Radrennveranstalter e.V.) abgestimmt. Die Termine orientieren sich an der IDM, der Internationalen Deutschen Meisterschaft. Es ist der Wunsch des BDR, dass alle Ausrichter der IDM einen Lauf zur T-Mobile Cycling Tour durchführen. Für 2008 wählt ein neu geschaffenes Gremium aus VDR und BDR die Veranstaltungen aus. Ein Sponsor der Serie hat natürlich die Möglichkeit, in den Abstimmungsprozess einbezogen zu werden.

CM: Einige Veranstalter werben bereits jetzt mit der TMCT. Gibt es bereits einen festen Terminplan für die kommende Saison?


AG: Der Terminplan für 2008 steht zu 95 %. Die teilnehmenden Ausrichter sind darüber natürlich informiert. Daher können sie die Teilnahme bestätigen. Dazu muss man sagen, dass das Interesse seitens der Veranstalter sehr groß ist. Es können aber nicht alle berücksichtigt werden. Viele Jedermann-Rennen der vergangenen Saison werden auch 2008 ausgerichtet, allerdings werden nicht alle zur Serie gehören.

CM: Was liegt in der Verantwortung des BDR bei Hobby- und Jedermann-Rennen sowie bei der TMCT? In der vergangenen Saison wurde bei Problemen (Zeitnahme, Startblockeinteilung, Betrugsverdacht) immer der BDR angesprochen. Wie finanziert der BDR seine Arbeit für Jedermänner und Hobbyfahrer? Immerhin entstehen hier Kosten.

AG: Der BDR ist, gemeinsam mit dem VDR, verantwortlich für die Umsetzung des Konzepts. Von der Idee über die Planung bis zu den Sponsoren. Federführend ist der BDR, der VDR wird sich in der kommenden Saison stärker an der Umsetzung des Konzepts beteiligen.

Finanziert wird die Serie in der Hauptsache durch den Sponsor der Serie. Die Arbeitsleistung bringt bis jetzt die Geschäftsstelle des BDR. Die Ausrichter kommen uns bei der Umsetzung auch sehr entgegen, da arbeiten wir schon gut zusammen. Immerhin bringt die Serie allen einen guten Werbewert. Jeder Ausrichter eines Jedermann-Rennens kann mit höheren Teilnehmerzahlen rechnen, wenn er an der Serie teilnimmt.

CM: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der TMCT in den ersten beiden Jahren? Es gab auch Kritik von den Teilnehmern an einigen Rennen.

AG: Die Serie wurde 2006 sehr kurzfristig auf die Beine gestellt. Drei Wochen vor dem ersten Rennen in Köln wurde der Vertrag mit T-Mobile geschlossen. 2007 wurde das Reglement nach den Erfahrungen aus dem Premierenjahr verfeinert. Natürlich läuft nicht alles sofort glatt, es braucht Jahre, um so eine Serie aufzubauen. Im Vergleich zu anderen Serien wie der IDM, wo man die ganze Saison mit einem festen Stamm an Teams und Fahrern planen kann, ändert sich zudem der Großteil der Teilnehmer bei jeder Veranstaltung. Wir nehmen nach wie vor gerne jede konstruktive Kritik an und sind jetzt, am Ende der Saison, mit den Planungen und Änderungen des Reglements für die kommende Saison weit fortgeschritten. Wir kommen den Wünschen der Teilnehmer soweit es geht entgegen und haben das Gespräch mit einigen in Münster gesucht. In diesem Jahr wurden zu Beginn auch einige Dinge aus dem Fahrerfeld gefordert, die einfach nicht umsetzbar sind. Ich denke, das wurde in dem Gespräch auch eingesehen. Ein optimistisch stimmendes Zeichen sind die steigenden Teilnehmerzahlen bei allen Veranstaltungen der Serie, die verdeutlichen, dass sie von den Radsportlern sehr gut angenommen wurde.

CM: In der November-Ausgabe des Challenge-Magazin.com sieht Alexander Bauer (Sieger TMCT 07) für Elite C-Fahrer die Möglichkeit, im Rahmen von Jedermann-Rennen Strecken und Distanzen zu fahren, die in der heutigen Zeit nur noch wenige Veranstalter anbieten (können). Benötigen gute Junioren und Elite-Fahrer in Zukunft die Jedermann-Rennen, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln? 


AG
: Wir wissen, dass es immer schwieriger wird, ein Straßenrennen auszurichten. Für den BDR sind die Vereine und Mitglieder sehr wichtig. Struktur und Basis im BDR müssen  erhalten bleiben, sonst hat unser Nachwuchs keine Möglichkeiten, sich zu entwickeln. Es hilft dem deutschen Radsport nicht, wenn die Vereine mehr Jedermann-Rennen ausrichten, dem Nachwuchs und den Elite-Fahrern aber keine Startmöglichkeiten mehr bieten. Wir beobachten diese Entwicklung mit einem wachsamen Auge.

CM
: Wenn die Rennen für Lizenzfahrer und RTF-Veranstaltungen immer weniger werden, die Jedermann-Rennen allerdings zunehmen, verliert der BDR langfristig nicht weitere Mitglieder? Sollten nicht gemeinsam mit den Veranstaltern oder örtlichen Vereinen Aktionen zur Mitgliedergewinnung gestartet werden?

AG: Mit den Jedermann-Rennen sollen die gleichzeitig ausgetragenen Elite-Rennen gestärkt werden. Für die ausrichtenden Vereine bieten die Jedermann-Rennen eine Riesenchance, sich Radsportlern vorzustellen, die nicht in Vereinen organisiert sind. Auch bei Veranstaltungen, die von Agenturen durchgeführt werden, sollen sich Vereine aus der Umgebung mit den Ausrichtern in Verbindung setzen, um sich zu präsentieren. Hier lohnt es sich für die Vereine, Zeit und Arbeit zu investieren. Wo sonst bietet sich die Möglichkeit, seinen Verein einer großen Zahl Radsportlern und dem radsportinteressierten Publikum zu präsentieren?

CM
: Wird es eventuell eine neue Leistungsklasse geben, eingestuft zwischen Elite C und RTF-Fahrer, um die rennorientierten Fahrer vom Rest zu trennen?

AG: In dieser Richtung gibt es bisher keine Überlegungen. Die bestehenden Strukturen sollen im Sinne der Radsportvereine gestärkt und nicht aufgebrochen werden.

CM
: Wie sehen Sie Änderungswünsche am Reglement der TMCT? Besonders Streichergebnisse scheinen gefragt zu sein. Viele der Serienfahrer waren zum Ende der Saison körperlich ausgelaugt, einige sind trotz Krankheit gefahren. Auch die Kosten für Fahrt und Übernachtung sind enorm, gerade in Anbetracht der steigenden Treibstoffpreise. Natürlich ist die Teilnahme kein Zwang, doch würde es dem Hobbyfahrer-Gedanken nicht eher entsprechen, wenn nur 15 von 20 Veranstaltungen gefahren werden müssen?

AG: Die Änderungswünsche der Fahrer sind bei uns angekommen, wir befassen uns sehr intensiv mit dem Thema. Wir wollen den Fahrer/innen entgegenkommen, daher wird es Änderungen geben. Die Planungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

CM: Sicherheit war in diesem Jahr auch ein Thema. Bei einigen Jedermann-Rennen wurde auf Strecken gefahren, die von einem Wettkampfausschuss, selbst bei Rundstrecken-Rennen, so nicht freigegeben würden. Bestes Beispiel war hier Wiesbaden mit einer ungesicherten Baustelle mitten in einer 90 Grad Zielausgangskurve. Und das ohne jeden Hinweis auf die Gefahrenstelle.


AG: Wir sind an einem einheitlichen Sicherheitsstandard interessiert, hier gilt für alle Veranstaltungen die Sportordnung des BDR. Wir arbeiten zudem auf eine einheitliche Abwicklung der Veranstaltungen hin. Der VDR als Vertreter der Ausrichter wird sich im kommenden Jahr stärker an der Umsetzung der Regeln beteiligen. Aber auch diese Änderungen brauchen ihre Zeit. Einige Dinge sind eben leichter umzusetzen als andere. Die Ausrichter eines Rennens müssen viele Hindernisse bewältigen, um eine Veranstaltung durchführen zu können. Das meiste passiert im Hintergrund und wird von Teilnehmern und Zuschauern nicht bemerkt. Mit den Jahren wird sich die Serie immer weiter verbessern.


Bund Deutscher Radfahrer - when writing an essay should i write out numbers
Verband Deutscher Radrennveranstalter - http://www.chato.nl/
 
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