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Zehn Fragen zum Jahresende
Freitag, 28. Dezember 2007

Veranstalter Bernd Moos-Achenbach im Wechselbad der Gefühle:
"Rund um den Henninger-Turm kommt mir vor wie eine Kneippkur"

ImageEin turbulentes Radsportjahr mit zahlreichen Ereignissen neigt sich dem Ende zu. Bernd Moos-Achenbach, der Veranstalter des Radklassikers "Rund um den Henninger-Turm", hat die erheblichen Folgen aus diesen Aufregungen zu tragen.

 

Betrachten Sie die Ereignisse dieses Jahres als positiv oder negativ für die Zukunft des Radsports?

"Ich sehe die Entwicklung positiv. Der Radsport kann sich neu sortieren. Doping ist ein altes Problem, das man ernst nehmen muss. Mein Vater Hermann, mit seinem Bruder Erwin der Begründer von Rund um den Henninger-Turm, hat schon vor 30 Jahren gesagt, in allen Sportarten würde gedopt.

Jetzt müssen die alten Zöpfe abgeschnitten und die Jugend muss ins Boot geholt werden. Sie gilt es aufzuklären. Um die Prävention beim Nachwuchs müssen wir uns kümmern. Bisher gab es doch nur Halbheiten. Es wird Zeit, dass die Schwierigkeiten richtig angepackt werden."

Wie beurteilen Sie das Verhalten der Profis, Teams und Verbände?

"Schlimm finde ich, dass Profis wie Sinkewitz und Jaksche kein Ende finden und tröpfchenweise Neues an die Öffentlichkeit dringt. Die betroffenen Profis sollten eine Gesamtaussage machen und dann Ruhe halten. Das würde schon helfen. Die Teams stehen erst am Anfang ihrer Arbeit. Sicherlich ist es der richtige Weg, wenn sie auf die Jugend setzen. Bei den jugendlichen Spitzensportlern muss die erste Devise die Aufklärung über die Gefahren des Dopings sein. Wenn dann noch jemand dopt, heißt es durchzugreifen.

Was die Verbände betrifft, bin ich der Meinung, dass sich nur etwas ändert, wenn alle Sportverbände gemeinsam agieren, sonst erreicht man nie das gewünschte Ergebnis. Der Bund Deutscher Radfahrer allein ist überfordert, denn schon die Basis ist weltweit in fast allen Sportarten verseucht. Da braucht man nur in den Sportstudios nachschauen, dann weiß man über die Dimension des Geschehens Bescheid."

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Wie können Sie als Veranstalter in Zukunft gegen Doping vorgehen?

"Das, was der Weltverband UCI und der Bund Deutscher Radfahrer vorschreiben, setzen wir in Frankfurt zu hundert Prozent um. Mehr kann man kaum machen, denn uns obliegt die Hoheit über diesen Bereich im Grunde nicht.

Wir wollen 2008 in unseren Verträgen mit den Profiteams aber zum Beispiel einen Passus einbauen, der es uns ermöglicht, schon bei Dopingverdacht von einem Kontrakt zurückzutreten."

Nach dem Bekanntwerden einiger Doping-Fälle sträubte sich das Fernsehen, den Radsport live zu übertragen. Wird "Rund um den Henninger-Turm" wie in den vergangenen Jahren vom Hessischen Rundfunk und der ARD direkt gezeigt?

"Im Grunde wissen wir nicht, ob der Hessische Rundfunk und das Erste übertragen. Wir sind mit den Vertretern der Rundfunkanstalten aber immer im Gespräch und haben von keiner Änderung erfahren. Im Moment gehen wir davon aus, dass ‚Rund um den Henninger-Turm' wieder komplett live im deutschen Fernsehen zu verfolgen ist."

Meinen Sie, dass die Öffentlichkeit alle Sportarten im Hinblick auf die Dopingproblematik gleich behandelt?

"Ich verstehe nicht, warum der Radsport allein so heftig attackiert wird, da jeder weiß, dass auch in anderen Sportarten flächendeckend gedopt wird. Im übrigen handelt es sich beim Doping um ein gesamtgesellschaftliches Problem, das es nicht allein im Sport gibt.

Wenn die TV-Verantwortlichen konsequent wären, würden sie auch keine Hollywood-Filme mehr zeigen, denn es ist ja bekannt und wird zum großen Teil von den Künstlern zugegeben, wie sehr Alkohol und Drogen in der Filmszene verbreitet sind. Und in Deutschland ist die Alkohol- und Drogensituation auch beängstigend."

T-Mobile hat sich als Großsponsor aus dem Profi-Radsport zurückgezogen. Auch der Frankfurter Radklassiker kann nur noch ein Jahr auf seinen langjährigen Titelsponsor Henninger bauen. Wie sieht es mit der Akquise aus?

"Schlecht. Ich hoffe, dass wir noch für die 47. Auflage von ‚Rund um den Henninger-Turm' 2008 eine Firma finden, der wir dieses schöne Sportereignis mit vier Jedermannrennen, neun Schüler-, Jugend- und Frauenwettbewerben, einem Weltklasserennen sowie zwei Skater-Wettkämpfen zeigen und als Titelsponsor für 2009 gewinnen können.

Wir sind zum Glück in der Lage, alles zu bieten, was für einen Sponsor interessant ist: ein breites Medienaufgebot von 300 Journalisten, weit über eine Million Zuschauer, Tradition und spannenden Sport. Ich hoffe auf die Hilfe von Wirtschaft und Politik. Der zukünftige Sponsor kann übrigens das Ziel und den neuen Namen des Frankfurter Radklassikers bestimmen."

Glauben Sie, dass es "Rund um den Henninger-Turm" auch im Jahr 2009 gibt?

"Wer mich kennt, weiß, dass ich den Kopf erst in den Sand stecke, wenn es wirklich nicht anders geht. Irgendwie schaffen wir das. Ob wir allerdings noch die Vielfalt von 16 Rennen an einem Tag, was weltweit einmalig ist, bieten können, bezweifle ich.

Auch bisher klappte das nur, weil die Sportstadt Frankfurt und die Taunusregion mit den Gemeinden Sulzbach, Oberursel, Schwalbach, Bad Soden, Hofheim, Königstein, Eschborn, Hattersheim, Eppstein und Kriftel uns tatkräftig unterstützt haben. Bei ‚Rund um den Henninger-Turm' bilden Frankfurt und die Region Rhein-Main wirklich eine gelebte Einheit."

Neben dem Profi-Rennen organisieren Sie am 1. Mai noch andere Wettbewerbe. Denken Sie, dass aufgrund der Vorfälle die Zahl der Teilnehmer im nächsten Jahr sinken wird?

"Ganz im Gegenteil. Unser Weihnachtsangebot für die VeloTour mit Startplatz und Radtrikot oder Skatetrikot ist in diesem Jahr so oft gebucht worden, dass wir dreimal nachordern mussten."

Was wünschen Sie sich für die Radsportszene und insbesondere für "Rund um den Henninger-Turm"?

"Einen Titelsponsor, der auf Sicht an einer guten, soliden Zusammenarbeit interessiert ist und dass der Radsport den richtigen Weg aus seinem Dilemma findet und zur Ruhe kommt."

Für Sie ist die Organisation von "Rund um den Henninger-Turm" ein Hobby. Haben Sie schon einmal die Lust verloren?

"Ja. Für mich ist Radsport wie eine Kneippkur, mal warm, mal kalt. Zurzeit befinde ich mich in einer heißen Phase."

www.henninger-rennen.de

 
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