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"Heinrich H?vel (Enrico Hovel) in la mia bella Italia" - Teil 1
Freitag, 30. November 2007
ImageDen Stammlesern des Challenge-Magazin.com ist Heinrich Hövel noch in bester Erinnerung. Sein Video-Interview in der Juli-Ausgabe begeisterte die Leser und auch an seinem Bericht über die Jedermannrennen in Italien werden alle ihre Freude haben. Er hatte die Teilnahme an mehreren Jedermannrennen im Herbst 2007 angekündigt und unser Radsport-Original hielt Wort. Heinrich Hövel schreibt über Preise, Organisation und natürlich über seine Erfolge. Nebenbei vermittelt er uns noch ein Basiswissen "Italienisch für Jedermänner“.

Am  12. September 2007 war es wieder soweit - Urlaub bis 05.11. - zum Saison-Ende hochmotiviert nach Venezia. Meinen Versicherungs-Nachweis für die Jedermannrennen der Federation UDACE hatte mir mein Freund und Sponsor Signore  LORENZO DE LUCA (Consigliere provinciale Regione Veneto) schon zum Welt-Cup, den ich  2006 in seinem Trikot geholt hatte, im August nach St. Johann in Tirol mitgebracht. In den acht Wochen habe ich fast jeden Samstag und Sonntag sowie am 01.11. an Rennen teilgenommen.
 
ImageNach einigen Tagen Erholung und Regeneration mit Bergwandern und Schwimmen in Südtirol ging es weiter an die Adria. Gleich beim ersten Rennen in S. ALBERTO DI ZERO BRANCO (Treviso) konnte ich 2 x una Cassetta di Verdura (2 Kisten mit Salat, Paprika usw.) als Traguardo Volante (Prämie) erspurten. Als Preis für den 8. Platz gab es noch eine Borsa Alimentari (große Plastik-Tasche mit Lebensmitteln).
 
Meine Frau Gisela freute sich natürlich sehr, weil viele Köstlichkeiten der Region, sowie Espresso-Kaffee, Wein, 1 kg Käse usw. die Haushaltslage für die Ferienwohnung - Vista sul Mare (mit Meerblick) - verbesserten.  Der Sieger erhält meistens noch 1 Medaglia d`Oro (Gold-Medaille mit 18 Karat ). Die ersten 10 erhalten die gleiche Borsa. Das stärkt den Mannschaftsgeist, weil es keinen Neid wegen ein paar Euro gibt. Für den Sieg in der Mannschaftswertung wird der Sponsor auch reichlich belohnt.

ImageNach den meisten Rennen gibt es italienische Spezialitäten wie Spaghetti, Schinken, Käse und Salami sowie Vino Rosso, Vino Bianco und natürlich Prosecco bis zum Abwinken für die Platzierten und Gente importante (VIP`s). 
 
Die Tiffosi (italienischen Fans) verstehen es halt, aus jeder Veranstaltung una Festa grande zu machen. Laufend lernt man neue nette Leute kennen. Als EX-CAMPIONE DEL MONDO  usw. stehen mir natürlich  alle Türen weit offen. Immer wieder wurden wir von gastfreundlichen Radsportfreunden nach den Rennen eingeladen und mit Wein usw. beschenkt.   
 
ImageIm Radsportland Nr. 1 wird immer kurzfristig improvisiert. Über eine Stunde vor dem Start anzureisen ist nicht ratsam. Das Arrivo (Ziel) und die Strecke sind kaum zu finden. In der Regel wird im Centro an der Kirche gestartet. Kurz vor dem Start wird blitzschnell alles aufgebaut. Videokamera im Führungs-Fahrzeug und auf dem Ziel-Wagen garantieren ein korrektes Ergebnis.
 
Sollte sich mal ein Fahrer unkorrekt verhalten, kann ihm passieren, dass der  Vereins-Präsident kurzerhand  la  Tessera (den Versicherungs-Nachweis) nach dem Rennen zerreißt.  Dann ist die Saison für den Fahrer beendet. Da die Fahrer untereinander Ansprüche stellen können und Probleme  mit der Krankenkasse bekommen, sind  Stürze übrigens äußerst selten. 
 
Durch die großen Runden ist die Zielgerade meist viel länger als 1.000 m. Der Kampf um die Zielkurve entfällt vollkommen. Mannschaftsweise wird ein Treno (Zug) aufgebaut und die Velocista (Sprinter) optimal in Position gebracht. 
  
Es ist mir  vor zwei Jahren passiert, dass meine Mannschaft auf den letzten 5 km mit seitlichem Rückenwind das Tempo zwischen 55 und  60 km/h hochhielt und mein letzter Sprintanzieher, Francesco Lorenzon (Welt-Cup-Sieger 2007) mir bei Tempo 70 km/h mit dem rechten Ellenbogen das Zeichen zum Vorbeifahren auf den letzten 100 m gab. Als dann bei meinem Antritt neben ihm mein 11er explodierte, schrie ich: vai tu (fahr du) - zog er wie selbstverständlich durch und siegte vor mir. Glück für uns, dass die Mannschaft von PINARELLO neben uns vollkommen weggebrochen war. Glück für mich, dass der Sponsor des Rennens für die Klassensieger sowie auch für die Zweiten die gleiche Medaglia d`Oro gestiftet hatte. Dieser unscheinbar wirkende alte Mann sagte mir, dass gerade die Zweiten ihm immer so Leid täten und er natürlich jetzt auch deren Augen leuchten sah.    
    
ImageIn Italien gibt es eben eine andere Mentalität. Der Erste der Jugendklasse bekommt genau die gleiche Medaglia d`Oro wie der Amateur oder Seniorenfahrer. Alleine die Leistung zählt - nicht die Klasse oder das Alter. Genauso läuft es auch bei Anwesenheit der Televisione. Die Kleinen geben die Interviews wie die Professionista. Ich danke meiner Mannschaft ... Es gibt auch einen speziellen Radsport-Kanal. Für unsere deutschen Verhältnisse wohl eher undenkbar. Die Rennstrecken sind in der Regel 12-30 km lang. Die Gesamtdistanz beträgt zwischen 45 und 130 km. Im Durchschnitt habe ich in diesem Jahr pro Rennen 60 km  gefahren. 

In 2006 hatte meine Mannschaft bei jedem Rennen fast ausschließlich für mich, im Welt-Cup-Sieger-Trikot fahrend, gearbeitet. Daraus resultierten 5 Siege mit dem Etappensieg und Gesamtsieg von Alto Adriatico. In diesem Jahr war es Zeit meinen Kollegen etwas zurückzugeben. In den ersten Rennen habe ich mich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Für mich gab es deshalb "nur" 2 x den 4. und je 1 x den 8. 9. + 10. Platz.
 
Bei fast allen Rennen haben wir die Mannschafts-Wertung gewonnen. Bis zum 1. November stehen alleine in 2007 nicht weniger als 118 Einzel-Siege für DE LUCA zu Buche. 

ImageDie letzten 5 Rennen hieß es wieder: oggi per Enrico (heute für Heinrich). Das Ergebnis war dreimal der 2. Platz und zwei Siege. Der 1. Sieg wurde in BUSCO (TREVISO) bei einem Höllenrennen mit starkem Herbstwind und ca. 200 Startern hart erkämpft.

Als Vorjahres-Sieger hatte ich natürlich alle ambitionierten Fahrer am Hinterrad kleben. Einer meiner stärksten Männer fuhr bereits nach 10 km mit einem Zeitfahrer einer anderen Gruppo Sportivo auf und davon. Nach mehreren Attacken der Konkurrenz konnte ich alleine zu den beiden Spitzenfahrern aufschließen. Im Laufe der nächsten Kilometer schafften das noch weitere vier Fahrer.

So ging es in die letzte entscheidende 5 km-Runde. Klasse - zwei Fahrer des DE LUCA – Teams gegen fünf Einzelfahrer. Das Pokern begann leider zu früh. An der 4.000 m-Marke warnte mich meine Frau in reinstem Kölsch, dass 25 Fahrer gleich aufschließen würden und ich sofort beim Zusammenschluss einen Hammer-Antritt machen müsste, um zu gewinnen (auf Kölsch - damit die Konkurrenz non capisco niente).
 
War der Zusammenschluss angesichts der starken Mannschaften nicht mehr aufzuhalten? Es sah nicht gut für uns aus. Doch 40 km Schwerstarbeit in der Spitzengruppe sollten nicht umsonst gewesen sein. Meine Mannschaft konnte und wollte ich nicht enttäuschen.
 
ImageAn der 3.000 m-Marke war es soweit. Ich gab dem Zeitfahrer ein Zeichen und trat an, dass mein Carbon-Rad knisterte. Die Übersetzung von 53 x 13 brachten im Rückenwind sofort 55 km/h. Der Zeitfahrer übernahm und zog weiter an. Auf den letzten 2.000 m schafften es tatsächlich noch zwei Fahrer, uns zu erreichen. Für Spielchen zu spät - das Feld auf 50 m – ich fuhr als Zweiter in die Zielkurve - der Zeitfahrer zieht lang an - jetzt zählt nur noch die Kraft - ich bin am Hinterrad - immer den Blick nach hinten - meine Frau, mein Sponsor, meine Freunde höre ich schon von Ferne schreien - dai Enrico - die Kette knallt auf das 11er-Ritzel - der Antritt kommt mit 440 Watt - jetzt nur noch vorbei fahren - ein Arm kurz hochgereckt - für meine Gegner ist der Seitenwind einfach zu stark -  dann kommt wie die Erlösung mein Siegesschrei: vinto io.  

Teil 2 erscheint in der Januar - Ausgabe
 
http://fastessaylb.com/   http://www.biot-tourisme.com/write-expository-essay/

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