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Interview Alexander Bauer - Toursieger 2007
Donnerstag, 1. November 2007
ImageNach einem spannenden Saisonverlauf endete die T-Mobile Cycling Tour, nach 20 Veranstaltungen, am 3. Oktober in Münster. In der Männerklasse wurde über den Nachfolger von Torsten Roell, dem Sieger der ersten T-Mobile Serie, erst beim Saisonfinale entschieden.

Alexander Bauer übernahm die Führung der Gesamtwertung beim Rennen „Rund um die Nürnberger Altstadt“ und gab sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Challenge-Magazin.com sprach drei Wochen nach Saisonende mit dem Sieger der diesjährigen T-Mobile Cycling Tour über seine Saison.

Challenge Magazin.com: Alexander Bauer, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Sieg nach 20 harten Renntagen. Wie fühlst du dich jetzt mit etwas Abstand zum Finale?

Alexander Bauer: Die Saison erzeugt immer noch einen Nachklang. Man erinnert sich immer mal wieder an einige Momente, ob im Rennen oder außerhalb, gute wie schlechte, wobei die positiven Erinnerungen tatsächlich überwiegen.

In der Rückbetrachtung und mit dem Abstand kann man einige „seltsame“ Verhaltensweisen von sich selber und anderen viel besser bewerten. Erst jetzt kann ich den Aufwand und persönlichen Einsatz sowohl von den Teammitgliedern, wie auch von mir selber richtig einschätzen.

Das war meine 21. Saison auf dem Rad und noch nie habe ich so eine Konzentration von April (Rund um Köln) bis Oktober (Münster) aufbringen müssen. Ein schlechtes Ergebnis in sechs Monaten und die Spitzenplatzierung wäre weg gewesen. Um die vordersten Plätze wurde richtig Radrennen gefahren, man durfte sich kein Formtief leisten. Es war wie eine Rundfahrt, alle Disziplinen des Straßensports waren zu bewältigen: Bergrennen, Sprintankünfte, Einzel- und Bergzeitfahren. Der kompletteste Fahrer über die Saison war am Ende vorne.

ImageCM: Wie empfindest du den Saisonverlauf? Besonders das Duell mit Michael Rademacher und Nino Ackermann war sehr spannend. Nach Nürnberg änderte sich deine Situation, statt Jäger warst du auf einmal der Gejagte. Was wurde dadurch anders?

AB: Schon im zweiten und dritten Rennen konnte Michael die Führung mit zwei Siegen in Göttingen und Frankfurt übernehmen. Von da an ging es bei uns beiden nur noch darum, wie komme ich vor dem anderen ins Ziel und noch mit möglichst großen Abstand. Nur so konnte man sein Punktekonto gegenüber dem anderen verbessern. Ich habe das ganze Jahr in Salamitaktik seinen Punktevorsprung abgeknabbert.

In Nürnberg hatte Michael zwei ganz blöde Defekte, erst Kettenschaden und dann in der Aufholjagd einen Platten. Durch meinen dritten Platz und seinen nur 104. Platz konnte ich die Gesamtführung übernehmen.

Bei den darauffolgenden Rennen war ich ganz schön nervös. Gerade ein Sturz oder ein größerer Defekt hätte mich wieder zurückgeworfen, aber alles ging gut. Nino verlor leider durch zwei Stürze und somit schlechten Platzierungen alle Chancen auf den Gesamtsieg und sicherte sich durch seine Etappenerfolge aber deutlich den dritten Platz.

ImageCM: Während der Saison gibt es neben vielen schönen Erlebnissen natürlich auch Situationen, die zu Spannungen zwischen Fahrern und Teams führen können. Wie siehst du das Verhältnis der Fahrer/innen untereinander?


AB: Wir sind sehr sportlich miteinander umgegangen. Als z.B. Michael bei Rad am Ring gestürzt ist, haben Nino und ich zwar nicht gewartet, aber auch nicht attackiert. Wir haben uns so lange passiv verhalten, bis Michael wieder in der Spitzengruppe zurück war. Dieses Verhalten war für uns sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz.

Es gab sportliche Wettkämpfe untereinander, man hat sich mit dem Anderen gefreut oder Niederlagen betrauert. Gehässigkeiten oder persönliche Anfeindungen gab es nicht. Ein wenig Neid bei Erfolg oder Material, aber das ist wohl menschlich.

CM: Beim Saisonfinale in Münster hast du dem Team Agapedia einen Scheck über 200,- Euro für die Agapedia-Stiftung überreicht. Was war der Grund dafür?

AB: Agapedia, der Namensgeber des Teams, ist eine Stiftung von Jürgen Klinsmann für in Not geratene Kinder. Das Team LeXXi hat sich überlegt, für jedes der 20 gefahrenen Rennen der TMCT je Fahrer 1 Euro zu spenden. Durchschnittlich waren wir mit 10 Fahrern am Start, also 200 Euro gesamt.

ImageCM: Es gibt immer wieder Diskussionen über Jedermänner. Einige Stimmen fordern das Verbot von Lizenzinhabern bei den Rennen, andere finden eine Serie für Hobbyfahrer nicht sinnvoll. Wie ist deine Meinung dazu? Immerhin finden immer weniger C-Klasse Rennen in Deutschland statt. Werden die Hobbyfahrer in Zukunft durch C-Fahrer Teams verdrängt, oder haben die Jedermann-Rennen in dieser Form eine Zukunft?

AB: Ich bin nun 39 Jahre alt und dankbar für diese Rennserie. Noch vor 10-15 Jahren hätte ich nach dem Ende der Amateurlaufbahn nur die Möglichkeiten gehabt, entweder Radtouristik zu fahren, Seniorenrennen zu bestreiten oder mit dem Radsport aufzuhören. Ich möchte mich aber immer noch sportlich in Wettkämpfen messen und meine Erfahrungen weitergeben.

In C-Klasse Rennen „Rund um den Block“ aber treten Nachwuchsrennfahrer an, die eine ganz andere Zielsetzung und Risikobereitschaft haben. Da möchte ich meine Gesundheit nicht gefährden. Leider gibt es Deutschland nur noch ganz, ganz wenige Straßenrennen für C-Fahrer, 95 % sind Rundstreckenrennen. Somit kann ein angehender Amateurfahrer gar nicht wirklich den „richtigen“ Radsport kennenlernen. Sollte er wirklich in die B- oder A-Klasse aufsteigen, muss er auf einmal 120 km Straßenrennen fahren. Auch sein Trainer hatte gar keine Möglichkeit, ihn darauf vorzubereiten.

Somit wird auch C-Fahrern mit den Jedermann-Rennen eine ideale Plattform geboten, den radsportlichen Horizont zu erweitern. Sowohl Veranstalter, wie auch der Fahrer selber können davon profitieren. Unabhängig von der sportlichen Wertigkeit kann man mit wenig Aufwand eine Menge Erfahrungen machen.

2003 bin ich beim Jedermann-Rennen HEW-Cyclassics (jetzt Vattenfall) in Hamburg Zweiter geworden, vor dem Deutschen Meister im Cross, Jens Schwedler. Nicht nur ich habe damals noch über die Jedermänner gelächelt, die Konkurrenz war übersichtlich und nicht sehr stark. An so einer Veranstaltung teilzunehmen war vergleichbar mit Modern Talking hören, 20.000 sind da, aber keiner will es gewesen sein.

Selbst heute werden die Jedermänner von den „Lizenzfahrern“ belächelt, aber nur so lange, bis diese abgehangen werden. Ich kann anhand meiner SRM Daten genau die Wattwerte ermitteln und sehe,  dass das Niveau der Jedermänner keinesfalls hinter denen der C- oder B-Klasse zurücksteht.

ImageCM: In diesem Jahr gab es  Probleme bei der Wertung einiger Veranstaltungen. Was würdest du persönlich im kommenden Jahr ändern, damit Organisatoren, Fahrer und Sponsoren mehr Freude an den Jedermann-Rennen haben?

AB: Die Teamleiter haben sich bereits nach dem ersten Rennen in Köln zusammensetzt und dem BDR als Veranstalter Vorschläge unterbreitet, wie das Reglement modifiziert werden kann.

Hauptkritikpunkte sind:

-    Keine Streichergebnisse
Es sollten auf alle Fälle nicht alle 20 Rennen in die Wertung einfließen. Viele Fahrer in der Gesamtwertung verloren alle Chancen aufgrund von Stürzen oder Krankheit und/oder wollten die hohen Reisekosten oder nötigen Urlaubstage nicht mehr aufbringen.

Für 13 km Bergzeitfahren nach Sölden fahren, oder für 55 km in den Breisgau.
Die besten Ergebnisse von 10, 12 oder 15 der 20 Rennen sollten in die Wertung einfließen.

Auch werden so die Veranstalter bestrebt sein, attraktive Rennen anzubieten. Sonst bleiben die Teilnehmer weg und nehmen an den besseren Veranstaltungen teil. Somit entsteht automatisch ein demokratischer Gradmesser für Events.

-    Nettozeit-Wertung
Man hat leider ein Wertungssystem von anderen Sportarten adaptiert, aber außer Acht gelassen, dass sich die Strukturen der Wettbewerbe unterscheiden.

Beim Marathon läuft keiner fünf Minuten auf die Spitze zu und gewinnt somit das Rennen. Beim MTB fährt auch kein hinten gestarteter Fahrer fünf Minuten bis zur Spitze und gewinnt. Beim Straßenradsport jedoch ist das möglich. Sogar mit nur wenig mehr Leistung kann man aus einem hinteren Startblock durch Windschattenfahren fünf Minuten bis zur Spitze auffahren. Hier braucht man nur noch ins Ziel zu rollen und hat, nach Nettozeit, gewonnen.

ImageDas ist für die Zuschauer völlig unübersichtlich, der Erste an der Linie ist nicht Erster. Und für die Fahrer ist das vollkommener Blödsinn. Man kommt als Erster ins Ziel und ist doch nur Zwölfter, weil welche aus dem zweiten oder dritten Startblock nach vorne vorgefahren sind.

Nach Köln hat man diesen Nonsens erkannt und ab dem zweiten Rennen in Göttingen gab es die Regelung, die ersten 15 Fahrer nach Zieleinlauf, ab dem 16. Platz die Nettozeit zu werten. Somit gab es mit dem Ersten an der Linie den Sieger und den Zeitschnellsten ab Platz 16.

Leider wurden aufgrund des kurzfristig umgestellten Reglements nicht alle Veranstaltungen nach diesem Systems gewertet, bzw. einige Veranstalter haben eigene Reglements aufgestellt.

Eine Welle von E-Mails mit Einsprüchen und Korrekturen brandeten somit jeden Wochenanfang auf die Verantwortlichen des BDR ein.

-    Strecken
Größtenteils führten die Strecken über die Originalstrecken der Profirennen. Manche Strecke war jedoch mit so wenig Sachverstand ausgewählt, dass es zu schweren Stürzen bei den Jedermännern kam.

In Wiesbaden gab es direkt nach einer Kurve eine Baustelle und 20 m dahinter die Verpflegungsstelle. Unfälle gab es hier in jeder Runde.

In Dresden gab es 3 km vor dem Ziel 500 m Bahnschienen in Fahrtrichtung. So viele Verletzte und Bandagierte habe ich noch nie im Ziel gesehen. Selbst in der Spitzengruppe der Profis sind vier von fünf(!) Fahrern gestürzt.

Interviews, in denen Profis von „lebensgefährlichen Strecken“ und von Veranstaltern sprechen, die das Leben der Fahrer aufs Spiel setzen, bekommen hier eine ganz andere Sichtweise. So wirbt keine Veranstaltung um neue Kunden.

Es geht auch anders: In Leipzig gab es 600 m vor dem Ziel einen Kreisel, der wurde einfach in der Mitte asphaltiert und somit eine gerade Fahrlinie erreicht und ein Unfallschwerpunkt eliminiert. Im restlichen Jahr stehen dort Pfosten, sodass der Kreisel seinen verkehrsregulierenden Zweck erfüllt.

Image-    Siegerehrung
Viele Veranstalter ehrten vorbildlich die Sieger, Zweit- und Drittplatzierten, manche sogar noch die Altersklassen. Aber einige hielten es nicht mal für notwendig, den Zweiten und Dritten aufs Podium zu holen.

Hier zeigt sich die ganze Gespaltenheit der Szene:
Jedermänner unterstützen mit dem hohen Startgeld zu einem großen Teil das Budget des Profirennens. Eine beiderseitige Befruchtung ist somit gewollt und erreicht.

Hobbyfahrer im Allgemeinen sind aber sehr dankbar für schon die kleinsten Anerkennungen ihrer sportlichen Leistung, sie fahren nicht für die Sachpreise. Da sollte eine Podiumsvorstellung und Namensnennung doch locker möglich sein.

Wenn eine Ehrung, wie in Wiesbaden bei der Deutschen Meisterschaft, verwehrt wird, ist die Enttäuschung verständlicherweise groß. Mit der blöden Ausrede, es wäre keine Zeit mehr gewesen und später noch, der Sprecher wäre krank geworden, kommt man sich als Teilnehmer verarscht vor, nachdem man drei Stunden gewartet hat.

Mehr als einmal sieht man sich in der Rolle der Kuh, die mit hohen Startgeldern gemolken werden kann, aber hinterher gefälligst den Mund zu halten hat. Solche Veranstaltungen müssen in Zukunft gemieden werden,  vielleicht findet dann ein Umdenken statt.

CM: Welche Veranstaltung ist dir in besonders guter Erinnerung, wo warst du eher enttäuscht? (müssen keine T-Mobile Veranstaltungen sein)

AB: Sportlich am meisten musste ich mich bei Rad am Ring auf dem Nürburgring schinden. Das halbe Rennen hatte ich solche Krämpfe und es stand früheren Elite-Rennen in keinem Moment nach. Bis ins Ziel war es ein brutales Ausscheidungsfahren, die „grüne Hölle“ hat ganz zu Recht diesen Namen.

Froh, wieder im Auto auf dem Nachhauseweg zu sein, war ich nach Fürth und Bochum. Lächerlich einfache, flache Strecken und somit permanent Massenstürze und Verletzte. Allein sechs Fahrer aus unserem direkten Umfeld mussten schwer verletzt behandelt werden, und die Räder waren Schrott. Mit Streichergebnis stehen diese Rennen auf meiner roten Liste ganz oben!

Am stolzesten war ich auf meine Freundin Judith bei der Master WM in St. Johann. Sie ist wirklich ein intelligentes und sportlich anspruchsvolles Rennen gefahren. Gegen Ex-Weltmeisterinnen, italienische und australische Meisterinnen den Sprint zu gewinnen, hat mich sehr für sie gefreut.

ImageCM: Wie schätzt du die Entwicklung der Jedermann-Rennen in den kommenden Jahren ein?

AB: In Zukunft werden viele ehemalige Renners die Möglichkeit nutzen und an den Jedermann-Rennen teilnehmen. Das Niveau wird weiter ansteigen, und die Rennen werden noch schneller und im Finale härter gefahren werden - in der Spitze!

Schon dieses Jahr zeigte es sich, dass ganz vorne nur ca. 25 Fahrer und 10 Fahrerinnen um den Sieg stritten. Den 3.000 Startern dahinter geht es hauptsächlich um persönliche Bestzeiten oder die Teilnahme. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Vorne aber werden immer mehr Schnellere mitmischen, die Leistungsdichte wird schon im kommenden Jahr erheblich ansteigen.

Thorsten Roell konnte 2006 die Serie gewinnen - mit 14 Teilnahmen von 16 Rennen und nur drei Platzierungen, davon ein bester vierter Platz in Dresden. Der Zweite, Markus Kunde, hatte sogar nur 12 von 16 Rennen gefahren.

2007 hatte Nino Ackermann vier Siege, acht Platzierungen und 20 von 20 Rennen gefahren und ist „nur“ Dritter geworden. Dieser Leistungsanstieg ist bezeichnend für die Ernsthaftigkeit der Fahrer in Vorbereitung, Teilnahme und Investition. Das wird sich im kommenden Jahr noch mal nach oben bewegen und es wird noch schwieriger werden, sich vorne zu behaupten

CM:
Laufen bereits Planungen für die kommende Saison oder ist es jetzt noch zu früh dafür?
Nimmst du das Projekt „Titelverteidigung“ in Angriff oder stehen neue Ziele auf deiner Liste?


AB: 2008 ist schon voll in der Planung, jedoch werden wir das Programm erweitern und umstellen. Wir werden mit dem Team mehr Rundfahrten und Gran Fondos (Jedermann-Rennen in Italien) fahren. Nach dem Trainingslager im März auf Mallorca z.B. die Sizilienrundfahrt im April, Trondheim-Oslo im Juni, die Transalp mit vier Teams im Juli, den Giro Dolomiti Ende Juli, die Master WM in St. Johann Ende August und Anfang September die Master EM in Schweden.

Dazwischen packen wir die TMCT, in der Hoffnung, dass nur die Ergebnisse von 10-12 Rennen in die Gesamtwertung einfließen und wir nicht wieder alle Rennen fahren müssen. Den Gesamtsieg würde ich gerne verteidigen, es wäre aber noch schöner, wenn ich einem anderen aus unserer Mannschaft helfen kann, den Sieg zu holen. Eine Herausforderung wäre auch, den Gesamtsieg bei den Frauen in unser Team zu holen, um die Sache rund zu machen.

Und der wichtigste Termin wird unsere Hochzeit sein!
Vor der Deutschlandtour in Sölden habe ich Judith einen Heiratsantrag oben auf dem Timmelsjoch gemacht. Und da meine Wurzeln in Österreich liegen, werden wir uns Anfang August im schönen Lavantal in Kärnten das Ja-Wort geben. In eine kleine Bergkapelle dürfen uns unsere Familien und engsten Freunde begleiten.

Mit Alexander Bauer sprach Wolfgang Schaaf.
 
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