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Der Sieger von K?ln und M?nster!
Donnerstag, 1. November 2007
Meine Jedermann-Saison 2007
Von Nico Wernicke


ImageNachdem ich nach zweijähriger Radpause im September 2006 das Nürnberger Altstadtrennen überraschend gewann, schloss ich mich im Winter dem "Team Strassacker" an. Im Winter und im März auf Mallorca hab ich mich gut auf das Eröffnungsrennen "Rund um Köln" vorbereitet. Somit stand ich dann ohne großen Erfolgsdruck, aber jeder Menge Aufregung in Köln am Start.

Davor  hatte ich noch die "Jedermann-Szene" ein wenig belächelt... war selbst damals erfolgreicher A-Fahrer und bin sogar ein Jahr als Profi mit den "Großen des Radsport" Rennen gefahren.

Und jetzt "Jedermann"...Was ist das?!?

Hobbyradler, die zweimal in der Woche 50 – 60 km ohne richtige Trainingsstruktur Rad fahren und sich ab und zu mal im Jahr treffen, um gemeinsam durch die Gegend zu radeln.

ABER WEIT GEFEHLT...denn alleine in meinem Team sah ich, wie systematisch traininert, sich ernährt und auf Wettkämpfe vorbereitet wird.

Die Fahrer, die bei den "großen Jedermannrennen" unter die ersten 30 kommen, würden auch bei B/C Lizenzrennen bestehen. Manche von denen würden sogar ganz weit vorne die Lizenzrennen beenden.

ImageSo, wieder zu Köln...
Ich hab mich im Rennen sehr gut gefühlt, bin die Hügel locker hochgefahren und wußte, dass ich im Zielsprint gute Karten habe.

Meine jahrelange Rennerfahrung macht sich natürlich bezahlt, was Verhalten im Rennen und im Endkampf angeht. Viele Rennfahrer sind sehr stark, verschießen aber "viele Körner" einfach so im Rennen, weil das Wissen über das kraftschonende Rennverhalten fehlt.

300 m vor dem Zielstrich hatte ich freie Bahn und 53x11 gekettet und gewann das Rennen. Durch meine Arbeit und Familie hatte ich nicht die Möglichkeit, die ganze "Cycling Tour 2007" zu fahren. Es ist auch zusätzlich ein nicht gerade geringer finanzieller Aufwand, wenn man die komplette Serie fährt.

Somit war mein nächstes Rennen..."Neuseen Classics". Das Wetter war zwar nicht so toll, aber das ist ja für alle gleich. Einen Tag zuvor bekam ich mein neues Rennrad. Die Sitzposition hab ich nicht zu 100% über Nacht hinbekommen, aber ich hatte trotzdem ein gutes Fahrgefühl. Die Leipziger Gegend ist meine frühere Heimat. Also war es ein Heimrennen für mich. Mein Team hat über das ganze Jahr niemals Druck auf mich ausgeübt, was Erfolge angeht.

Aber das muss es auch nicht, denn den Erfolgdruck hab ich mir nach Köln selber gemacht. Es kam wieder zu einem Massenspurt. 500 m vor dem Ziel war ich noch eingebaut, so dass ich die entscheidende Attacke nicht mitgehen konnte. Dadurch konnte ich erst viel zu spät meinen Sprint eröffnen und kam "nur" als Dritter ins Ziel. Es wäre mehr drin gewesen, aber ich war trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis.

Im Sommer bin ich dann mit Frau und Kind in den Urlaub geflogen. Ich mache ja viel für den Radsport, aber auf Urlaub verzichten... nein. Dort bin ich wieder voll und ganz Papa und Ehemann. Sie müssen schon durch mein "Hobby" auf vieles verzichten.

In dieser Phase bin ich vier Wochen kein Rad gefahren. Diese sportfreie Zeit hat mir und meiner Familie richtig gut getan.

ImageNach Sölden bin ich nicht gefahren. Ich muss ehrlich sagen...Ich sitze nicht sechs Stunden im Auto, um dann 13 km den Berg hoch zu fahren. Zumal ich eh nicht der Bergfloh bin. So bin ich erst zum Zeitfahren in Fürth zu meinem Team gestoßen. Das nötige Material, um schnell im Zeitfahren auszusehen, hab ich nicht. Für zwei Zeitfahren im Jahr soviel Geld auszugeben...für mich zu viel Luxus.

Dort war ich zwar nicht so erfolgreich, aber Zeitfahren unter Wettkampfbedingungen macht mir unheimlich viel Spaß. Ich hatte im Rennen schon ein gutes Gefühl, aber ich bin halt kein Zeitfahrer mit dem nötigen Tempogefühl im Kampf gegen die Uhr. Ich zähle mich mehr zu einem "Tom Boonen-Typ". Die kurzen, knackigen Anstiege, aber auch Anstiege bis 5,6 % komme ich sehr gut hoch. Zusätzlich bin ich im Sprint recht schnell und verfüge über ausreichend Rennhärte.

Am selben Tag ging es dann nach Hannover. Dort habe ich mir fürs Rennen schon ein bisschen was ausgerechnet.

Zweimal mussten wir den Anstieg zur Burg bewältigen. Der ließ sich aber gut fahren, somit hatte ich keine Probleme, vorne mit über die Kuppe zu fahren und dadurch immer Anschluss zur Spitze zu haben.

Es kam also wieder zu einer Sprintentscheidung. Diesmal habe ich recht früh schon die Nase in den Wind gesteckt und den Sprint eröffnet. Auf den letzten Metern wurden dann die Beine recht schwer und zwei Fahrer kamen immer näher. Mit einem Tigersprung konnte ich mir aber noch den Sieg sichern. Für das Team Strassacker war die Deutschland-Tour eine sehr zufrieden stellende Veranstaltung. Wir stellten den Gesamtsieger Günther Höllige und mich als Etappensieger von Hannover.

Die Problematik der Siegerehrung in Hannover habt Ihr ja schon erläutert. Das war ein nicht schöner Beigeschmack.

Danach bin ich zwei Rundstreckenrennen bei uns in der Umgebung gefahren. Diese konnte ich auch gewinnen.

Beim Nürnberger Altstadtrennen wollte ich meinen Sieg vom Vorjahr wiederholen. Meine Frau und mein Sohnemann Niklas waren auch dabei. An Motivation fehlte es also nicht und mit dem Druck, den ich mir selber mache, kann ich sehr gut umgehen. Ich bin das Hauptrennen über 100 km gefahren. Beim Start gab es einige Schwierigkeiten seitens der Organisation.

ImageAber nach der Hälfte der ersten Runde hatte sich die dadurch auftretende Aufregung gelegt.
Es konnte sich keine Gruppe entscheidend an der leichten Steigung, die jede Runde zu absolvieren war, absetzen.

Im Zielsprint hatte ich wohl nicht die schnellsten Beine an diesem Tag, aber ein zweiter Platz war auch ein super Ergebnis für mich. Zabel, Boonen und Co. gewinnen auch nicht jedes Rennen.

Dann ging es nach Tübingen zum Einzelzeitfahren. Dort ging es den Berg hoch, dann wenden und denselben, aber nun abschüssigen Weg zurück. Dem späteren Sieger Alexander Bauer nahm ich bis zur Wende einige Hundert Meter ab und kam recht dicht auf ihn auf. Er startete nämlich unmittelbar vor mir und war somit ein sehr guter Gradmesser.

Nach der Wende verlor ich Meter für Meter und er machte über 30 Sek. wieder gut. Sein Rad, aber auch seine Beine, liefen unheimlich schnell bergab. Es gab dann einige Probleme mit der Zeitnahme. Aber das ist ja nicht die Schuld der Sportler.

Ich wurde auf Platz Zwei geführt und nahm es auch so hin. Nach der Siegerehrung ging es gleich nach Bad Dürrheim zum Riderman.

Wir wollten die Teamwertung über die 100 km Distanz gewinnen. Also hieß es auch für mich an den Tag...100 km.

Der Anstieg auf der Runde war richtig schwer, aber für mich noch gerade machbar. Auf der Schlussrunde setzten sich zwei Fahrer am Anstieg ab. Ich ergriff nicht die Initiative und versuchte die Lücke zu schließen. Ich verpockerte mich damit aber.

Somit ging es für mich "nur noch" um Platz drei. Diesen sicherte ich mir aber im Schluss-Sprint.

Eigentlich hatte ich früher Motivationsprobleme, mich bis Oktober fit zu halten und fleißig zu trainieren.

In diesem Jahr hatte ich aber keine Probleme damit. Die Lust zum Rad fahren war da und das letzte Rennen konnte kommen.

Ich wollte die Saison mit einem guten Ergebnis beenden. Mit der Einstellung ging ich auch in Münster an den Start.

Mitte des Rennens ging es dann hoch und runter. An den Anstiegen gibt es aber immer wieder welche, die so hochrasen, dass man denken könnte, oben ist Zieleinlauf. Ich bin Kraft schonend über die Wellen drüber gekommen. Also kam es wieder zum Massensprint.

ImageAlexander Bauer, der bis dahin Führende, wollte sich aus all den Gefahren, die eine Feldankunft hat, heraushalten und somit seinen Gesamtsieg sichern. Er eröffnete 400 m vor dem Ziel den Sprint und ich folgte ihm. 250 m vor dem Ziel bin ich dann aus seinem Windschatten raus und habe das Rennen gewonnen.

Die Probleme, was Organisation, Durchführung und Umgang mit uns Jedermänner angeht, sind ja bekannt und ich hoffe, im nächsten Jahr geht es ein großes Stück in die richtige Richtung.

Für mich war es ein recht erfolgreiches Jahr 2007. Bis Januar halte ich mich ausschließlich mit Laufen fit. Dann steige ich erst wieder aufs Rad.

Was das Erfreulichste über das ganze Jahr war... Ich war nie in einen Sturz verwickelt. Toi, toi, toi...

Bauer, Rademacher, Ackermann und die anderen Fahrer, die in der "Cycling Tour Wertung 2007" vor mir platziert sind... vor denen habe ich sehr viel Respekt. Auch wenn ich nur die Hälfte der Wertungsrennen gefahren bin, weiß ich, wieviel Zeit, Geld und Stress die Fahrer investieren mussten, um da zu stehen, wo sie jetzt stehen. Meine persönliche Meinung ist auch die, dass diese Fahrer zu wenig Anerkennung in Form von Preisen für die Gesamtwertung bekommen. Ein Kurztrainingslager mit den Fahrern des Reservekaders von T-Mobile, die sich kaum mit den Gewinnern beschäftigen, bringt nicht viel. Da gibt es viel sinnvollere Sachen.

Ich ziehe eigentlich vor Allen den Hut, die bei den Rennen am Start stehen, egal ob sie in der ersten Gruppe oder 20 Minuten später ins Ziel kommen. Sie stellen sich der Herausforderung und haben Spaß am Rad fahren - und das zählt.

ImageWir kennen sie doch alle... die Trainingsweltmeister, Sprücheklopfer („...ich würde und könnte“), aber sich nicht bei den Jedermann-Rennen an den Start stellen. Im Training einen 58jährigen Schichtarbeiter, der nur ein-/ zweimal die Woche trainiert, abzuhängen, ist keine Kunst. Aber den Mut zu haben, sich bei den Rennen an den Start zu stellen, haben sie nicht. Da würden sie nämlich ganz schnell aus ihrer "Scheinwelt" herausgerissen.
Ich freue mich schon wieder aufs nächste Jahr. Auch wenn ich im Rennen viele Gegner hatte, so wurden es im Laufe des Jahres Radsportler, die man achtet und schätzt und sich gefreut hat, sie bei den nächsten Rennen wieder zu sehen.

Ciao Nico
 
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