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Meine 1. Europameisterschaft
Donnerstag, 1. November 2007
ImageUnser Redakteur Jan Eric Schwarzer, amtierender Deutscher Stehermeister 2007, suchte die nächst höhere sportliche Herausforderung und machte sich auf ins holländische Alkmaar, erstmalig EM-Luft zu schnuppern. Hier sein Bericht:

Der Gewinn des Deutschen Meistertitels im Juli bedeutete gleichzeitig auch die Qualifikation für die Europameisterschaft der Steher. Diese fand am 19.10.2007 im holländischen Alkmaar statt. Völlig ohne Vorstellung, wie es bei internationalen Titelkämpfen zugeht, reiste ich einen Tag vor der Meisterschaft mit meinem Schrittmacher Christian Dippel an. Sofort merkte ich, dass eine ganz besondere Stimmung herrscht. Untypisch für eine Meisterschaft im Stehersport war, dass sie im Rahmen der Europameisterschaft Bahn ausgetragen wurde.

Leider steht der Stehersport sonst sehr im Abseits, und die Titelkämpfe finden als gesonderte Veranstaltung statt. Durch die Eingliederung in das Programm der Bahn- Europameisterschaft wird das Interesse an diesem beeindruckenden Sport hoffentlich wieder gesteigert. Es ist die Formel Eins des Bahnradsportes (Motor) mit dem kleinen entscheidenden Unterschied, dass die Steher keine Knautschzone besitzen.

Am Donnerstag war ein freies Training angesetzt, das ich nutzte, um mich gemeinsam mit meinem Schrittmacher an die Bahn zu gewöhnen. Schnell merkte ich, dass ich mit dem gewählten Gang nicht zurecht kam. Die Bahn in Alkmaar ist nicht sehr steil in den Kurven, sodass sie mit viel Kraft gefahren werden muss. Für den Vorlauf am kommenden Tag entschied ich mich dann für eine kleinere Übersetzung.

Die Vorläufe waren am Freitag für 14.00 Uhr angesetzt. Die Auslosung spülte mich in den zweiten Vorlauf, der um 15.15 Uhr gestartet wurde. Das Ziel war ganz klar, in den Endlauf zu kommen. Die jeweils vier Ersten qualifizierten sich für den Endlauf am Abend um 21.00 Uhr. Durch die besondere Situation, dass der Vorlauf und das Finale am gleichen Tag ausgetragen wurden, galt es, den Vorlauf so Kraft sparend wie möglich zu gestalten. Dies gelang und als Vierter des Vorlaufes war ich im Finale.

Die Zeit bis zum Finale verbrachte ich mit Essen und Relaxen im Hotel. Außerdem gab es noch eine Teamsitzung, in der Bundestrainer Rainer Podlesch eine Teamtaktik ausgab. Wir waren in der guten Position, alle drei Fahrer aus der deutschen Mannschaft im Finale zu haben.

Um 19.45 Uhr war ich dann wieder in der Halle und konnte mir beim Warmfahren auf der Rolle das kleine Finale um die Plätze 9 - 16 anschauen. Es blieb auch noch kurz Zeit, meinen Fanblock, der extra aus Bielefeld angereist war, zu begrüßen. Einige Vereinskollegen hatten die weite Reise nicht gescheut und unterstützten mich laut- stark. Sogar ein Banner hatten sie dabei.

Die Auslosung der Startplätze für das Finale viel für mich persönlich ungünstig aus, für die Mannschaft aber durchaus positiv. Mit den Startplätzen Zwei und Drei für meine Mannschaftskollegen und meiner Position ganz hinten im Starterfeld hatten wir viele taktische Möglichkeiten.

Um 21.20 Uhr viel dann mit etwas Verzögerung der Startschuss. Wie nicht anders zu erwarten, wurde das Tempo von den vorne Startenden direkt hoch geschraubt. Es dauerte nicht sehr lange, bis ich die Spitze im Nacken hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits etwas nach vorn auf den sechsten Platz gearbeitet.

Zu dem genauen Rennverlauf kann ich nur wenig sagen, da ich mit mir und meinen schweren Beinen zu kämpfen hatte. Es lief nicht so flüssig wie gewohnt und irgendwie war der Wurm drin an diesem Tag. Im Nachhinein stellte sich die Wahl der etwas kleineren Übersetzung sicher als Fehler dar. Um das sehr hohe Grundtempo mitgehen zu können, braucht man diesen einen Zahn mehr.

Während also vorne der Kampf um die Medaillen tobte, kämpfte ich ums Überleben, denn das Kampfgericht war gnadenlos. Alle Fahrer, die einen Rundenrückstand von fünf Runden bekamen, wurden rausgewunken.

ImageNach einer Fahrzeit von ca. 50 Minuten hörte ich einen Knall und darauf einen laut aufheulenden Motor. Sekunden später wusste ich dann, was passiert war - wir fuhren in der Zieleingangskurve an dem gestürzten Stehergespann aus Holland vorbei. Zuerst wusste ich nicht, wer dort lag, doch dann war klar, es ist Reinier Honig.

Das, was ich von der Bahn aus erkennen konnte, sah nicht gut aus und ich versuchte, mich weiter auf mein Rennen zu konzentrieren, doch dies fiel mir sehr schwer. Mit Reinier bin ich befreundet, und wir teilen bei den Sechstagerennen stets das Zimmer. Zum Glück hatte ich noch nie zuvor einen Sturz beim Steherrennen gesehen, nur die meist sehr schweren Folgen sind mir bekannt. Das Rennen wurde dann nach fünf Minuten, gefühlte 20 Minuten, abgebrochen.

Das Ergebnis stand jetzt fest: ein toller Erfolg für die deutsche Mannschaft mit dem Titel durch Timo Scholz und dem zweiten Platz durch Mario Vonhof. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch an die Beiden.

Sehr unpassend war, dass während der Siegerehrung und der Nationalhymne Reinier Honig von den Sanitätern aus der Halle getragen wurde.

Leider habe ich an diesem Abend nicht mehr erfahren können, wie es ihm geht und wie schwer seine Verletzungen sind. Am Samstag habe ich dann kurz per SMS mit ihm korrespondiert. Es ist zum großen Glück nichts gebrochen. Allerdings hat er Gesichtsverletzungen, die genäht werden mussten und außerdem große Schmerzen von den schweren Prellungen und Schürfwunden. Die Ärzte waren am Freitag und am Samstag damit beschäftigt, Splitter von der Holzbahn aus seinem Körper zu entfernen.

Für mich wird diese EM sicherlich immer in Verbindung mit dem schweren Sturz von Reinier im Gedächtnis bleiben. Trotz der deutlich gewordenen Gefahr werde ich weiter am Stehersport, diesem rasanten und sehr spannenden Sport, festhalten - auch ohne Knautschzone.

Am Donnerstag den 01.11.2007 geht die Rundenjagd beim Dortmunder Sechstagerennen los. Mein Ziel ist es, dort beim großen Steher-Championat wieder zu meiner alten Leistungsstärke zurück zu finden. (es)

Anmerkung der Red.: 5. Platz, na-ja , es kann nur besser werden!
 
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