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Der ganz normale Wahnsinn!
Montag, 1. Oktober 2007
T-Mobile Bike Service by Drago

ImageAm vergangenen Wochenende war der Mechaniker Ralph (Drago) Draeger im Auftrag des T-Mobile Bike Service als Mechaniker für die Jedermänner und Frauen unterwegs. Für Challenge-Magazin.com berichtet er exklusiv in dieser Ausgabe.

Hallo Jedermänner und Frauen, hier einmal ein kleiner Eindruck von  einem ganz normalen Rennwochenende mit euch. Den Einsatztermin hatte ich, wie immer, vor ca. 1,5 Wochen erhalten. Meine Ansprechpartner, Rufnummern, Standorte, Hotels etc. - Alles was man halt so braucht.

Somit war klar, ich bin dabei. Als ehemaliger Radamateur und Schrauber aus Leidenschaft ging es nun an meine Einsatzplanung sowie Material- und Fahrzeugübernahme. Junge, Junge, T-Mobile engagiert sich hier mal wieder richtig für das Rennen.

Glaubt mir, ab dem „go“ für die Planung war ich so nervös wie ihr am Renntag und ich früher vor meinen Rennen. Freitag, heiße Phase, die Koffer waren gepackt, Werkzeug, Material und die Verpflegung ebenfalls und der T-Mobile Pick-up vollgetankt. Ich war bereit.

Der Freitag begann für mich als ganz normaler Arbeitstag. Im normalen Leben bin ich Automobilkaufmann bei Audi. Nach knapp 10 Stunden hatte ich dann Feierabend. Ab nach Hause, duschen, umziehen, essen und auf die Autobahn. Eben schnell noch ein kurzer Anruf im Hotel, es wird eine späte Anreise in Tübingen werden. Es liegen noch über 400 km vor mir und meiner Begleitung.

ImageZu jedem Rennen begleitet mich meine Freundin Heidi, eine große Hilfe und Unterstützung. Beim Rennen wird sie mir wieder prima helfen können. Flaschen anreichen, Verpflegung bereithalten, etc. schön das sie dabei ist, wir reden übers Rennen, sind gespannt was auf uns zukommt.

Die Fahrt verläuft gut, Ankunft 23.30 Uhr in Tübingen. Hotel ist ok, ist aber auch eigentlich egal, die Nacht wird kurz. 6 Uhr, der Wecker schmeißt uns raus. Schnell frühstücken und ab Richtung Start und Ziel.

Heute ist Zeitfahren angesagt. Telefoniere kurz mit dem Veranstalter, man kennt sich, kurze Absprache wo ich meinen Service aufbauen soll. Prima, ich bekomme einen Platz direkt bei Start und Ziel. Wir bauen den Stand auf. Keine 20 Minuten später dann mein erster Jedermann. Mantel geplatzt - kein Thema - Conti hat uns gut ausgestattet. Ratz fatz baue ich das Rad aus, Reifen runter, Felgenband, Schlauch und Mantel neu drauf, Rad wieder rein. Sicher ist sicher.

Der nächste Renner, sein Transponder will einfach nicht halten. Kein Problem, Kabelbinder aus der Tasche und fertig.

ImageHier noch was Luft, da noch eben eine Schaltung einstellen... Alles easy.
Es geht Schlag auf Schlag, je näher die Startzeit rückt, desto nervöser sind meine „Kunden“. Klar ich verstehe euch, gebe mein Bestes, habe nur 2 Hände... aber die packen das.

Oh Mann, da ist einem ein Rad umgefallen, mitten auf die Schaltung, Schaltauge krumm, kein Gang geht mehr rein. „Komm her...“. Das schaffe ich. Also Schaltung runter, die Richtlehre ins ausfallende und gaaaanz vorsichtig. Wenn ich jetzt Mist baue, dann war es das für den Kollegen hier... Höre nur wie er sagt: „Ich hatte so eine weite Anreise und jetzt das “. Er hält sein Rad und ich merke wie er vor Aufregung zittert. Noch ein  Stück, das muss es gewesen sein. Schaltung angeschraubt und ausprobieren... Alles klar, alles ok, die Gänge laufen wie eine Eins.

Ein gutes Gefühl den Glanz in den Augen meines Jedermanns zu sehen. Kurzer Händedruck mit meinen ölverschmierten Händen und er rollt davon.

Bäng, der nächste Kandidat... eine Jederfrau, zuviel Power beim Start auf der Rampe, eine Speiche löst sich, es folgt ein riesen Schlag im Rad. Ich höre schon den Streckensprecher wie er ihr zuruft: „Fahr zum T-mobile Bike Service... Da geht noch was und du darfst wenn es klappt gleich noch mal starten.“

Passenden Schlüssel raus, das Rad mal eben im Rahmen zentriert, Bremse ausgerichtet.
Klappt, klar, aber unter dem Zeitdruck nicht immer einfach für mich...

Das sind nur einige Beispiele an diesem Tag, ca. 35 Einsätzen von „ mal eben schnell Reparaturen“.

ImageAlle befinden sich wieder auf der Strecke, mein Job ist durch, so langsam freue ich mich auf ein kleines Bier. Die ersten Profis rollen an, ich gehe zu meinen T-Mobiles, ich bin auch Fan und bekomme nach 25 Jahren Radsport noch glänzende Augen. Linus, Gerald, Marcus und Marco, alle da und hautnah. Ich bekomme eine Gänsehaut. Man, cool, Eule ist auch da. Der Papst unter den Masseuren und Betreuern, eine Legende! Da muss ich mir noch eben ein Autogramm holen.

Blick auf die Uhr, was, schon so spät? Wir müssen weiter, den Stand abbauen und zum nächsten Einsatz nach Bad Dürrheim. Auf geht’s. Beim Rausfahren aus Tübingen sehe ich ein Straßencafé: „Hey, da sitzen die lexxis.“

Noch mal eben halten, begrüßen und noch einen Latte Macchiato mit dem Team trinken. Jetzt muss ich aber wirklich los, Bad Dürrheim wartet. Man haben wir heute ein Glück mit dem Wetter, morgen soll es auch so werden... Wir freuen uns...

Ankunft in Bad Dürrheim nach knapp 100 km, Hotel suchen und beziehen. Es ist 22 Uhr, Heidi und ich haben Hunger. Die Hotelküche hat bereits zu, aber wenige Minuten vom Hotel entdecken wir ein Chinesisches Restaurant. Lecker wars und wir sind müde. Zurück ins Hotel. Beim fernsehen schlafen wir ein, egal, schön war es heute....

Um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Ab ins Bad, duschen, Zähne putzen, usw. Wir sind noch müde. Frühstück? Fehlanzeige, zu früh für die Küchenfee. Egal wir müssen los. Meine Jedermänner warten.

ImageEs folgt das Übliche, Stand aufbauen nahe Start und Ziel. Vor Ort treffe ich den Veranstalter, wir diskutieren... Ich möchte gerne auf die Strecke, bei euch sein. Nach kurzem hin und her erhalte ich die Erlaubnis! Gleich nach dem Start von Block A und B darf ich hinterher fahren. Schnell bilden sich die ersten Gruppen.

Wo soll ich fahren? Die Sicherheit der Teilnehmer ist das wichtigste. Also fahre ich ganz langsam durch das Feld, mal vorne mal in der Mitte mal hinten. Wo die Defekthexe zuschlägt??? Ich weiß es nicht, überall kann ich nicht sein...

Der erste Anruf vom Veranstalter: Kapitaler Reifenschaden bei einem Teilnehmer, ca. 8 km vor mir. Vorsichtig fahre ich durch das Feld, ah, da steht der Kollege. Er hat schon sein Hinterrad in der Hand und winkt damit. Auto parken, sichern und los geht es. Ruck zuck habe ich einen neuen Mantel und Schlauch montiert. Der Teilnehmer rollt nach knapp 2 Minuten wieder weiter...

Schlag auf Schlag kommen nun die Einsätze. Mal sehe ich sie vor mir und mal kommt ein Anruf... Super organisiert vom Veranstalter und der Polizei, eine gute Kommunikation. Am Berg steht ein Teilnehmer mit gebrochener Tretlagerachse... Sorry, aber hier kann auch ich nichts tun außer Rad einladen und den Renner dazu. 50 m weiter steht schon der Nächste. Kette gerissen, Werkzeug raus und schnell mal die Enden miteinander verbinden, anschieben und weiter geht es auch für diesen Fahrer.

Einer gibt auf, kann nicht mehr. Dich lade ich auch noch auf. 12 km bis zum Ziel, das wäre zu weit. Unterwegs noch eben angehalten. Eine Fahrerin hat das Vorderrad defekt. Speiche nach Sturz raus Mantel aufgeplatzt, eben schnell mal notdürftig mit einer Speiche zu wenig zentriert, so das es läuft, Reifen und Schlauch gewechselt und auch für sie kann es weiter gehen. Noch 2 Energie Gel mitgeben, mehr kann ich nicht machen.

Zurück bei Start und Ziel lade ich meine Jungs ab und es geht ab auf die nächste Runde... Flaschen und Riegel angeben, alles bei ca. 40 –50 km/h, es wird immer wärmer und der eine oder andere hat seine Vorräte aufgebraucht. Ihr habt es drauf und ich auch, ein wenig wie bei der Tour de France... Wir sind ein Team und ich bin ein Jedermann. Insgesamt bleiben ca. 45 Schläuche, 25 Mäntel, 40 Trinkflaschen, 70 Riegel und 90 Gels an diesem Wochenende auf der Strecke. Alles von T-Mobile für uns, die Jedermänner und Frauen.

ImageMir hat es unendlich Spaß gemacht und ich freue mich schon auf Münster. Die letzte Runde fahre ich hinter der Spitze, hier passiert zum Glück nichts wo ich gebraucht werde, so kann ich das ganze Finale von hinten anschauen. Großartig, wie zu meinen besten Zeiten wird da gefahren, taktiert und gefightet. Eine Augenweide euch dabei zuzusehen und es kribbelt mir arg in den Füßen...

Das Rennen ist vorbei, hat einen würdigen Sieger und starke Platzierte. Ich baue meinen Stand ab und schaue mir noch das Finale der Profis an, ihr habt ihnen in nichts nachgestanden.

Jetzt muss ich aber auch los, die Heimfahrt ruft, ca. 460 km nach Köln und morgen klingelt der Wecker wieder um 6 Uhr. Dann geht es wieder zum richtigen Job, meine Audi Kunden warten auf mich.

Danke wieder einmal für ein super Rennwochenende mit euch, danke an den Veranstalter für die super Organisation, danke an T-Mobile für den spannenden Einsatz.

Euer T-Mobile Drago (Ralph Draeger)
 
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