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Mit dem Rad nach Hause
Montag, 1. Oktober 2007
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1200 km von Kerpen nach Stare Kozle


Die Fahrt war schon für 2005 mit mehreren Kumpels geplant. Doch während der Trainingsphase plagten mich immer wieder Schmerzen in beiden Knien. Aus diesem Grund musste ich die Fahrt erst einmal verschieben. 2007 nahm ich die Planungen wieder auf. Nach ausgiebigen Untersuchungen und nach einer Vorbereitung mit Heinrich Hövel war ich gut trainiert und schmerzfrei!

Die zurückgelegte Strecke habe ich, bei Wind und Wetter, ohne Begleitung, nur mit dem Rennrad & einem kleinen Rucksack absolviert!

Nach Ankunft in meiner Heimatstadt gab es eine obligatorische Zieldurchfahrt. Die anschließende Willkommens-Party wurde durch meine Frau und Mama organisiert. Der Bürgermeister überreichte mir eine Urkunde mit kleinen Geschenken & Andenken an meine Fahrt. Doch bis es soweit war, stand mir noch eine anstrengende Fahrt bevor.

ImageManche meiner Kollegen sagen „Das wovon wir geträumt haben,  du hast es geschafft“ und darauf bin ich besonderes stolz. Schon vor ein paar Jahren spielte ich mit dem Gedanken, diese Tour zu absolvieren, aber es gab immer wieder neue Ausreden: Zu wenig Zeit für das entsprechende Training, neues Arbeitsgebiet in einer anderen Abteilung der Firma und letztendlich im Frühjahr 2005 höllische Schmerzen in beiden Knien, haben mir eine Zeitlang den Spaß am Radfahren genommen.

Nach langer Trainingpause habe ich noch mal meinen Orthopäden aufgesucht und machte erneut alle Untersuchungen mit der Hoffnung, irgendwann wieder schmerzfrei trainieren zu können. Und dieser Tag kam tatsächlich! Ich konnte wieder langsam mit dem Training beginnen. Nicht direkt mit der sehr starken Gruppe von Heinrich Hövel, mit denen ich vor meinen Beschwerden trainiert hatte, aber immerhin saß ich wieder sicher im Sattel.

Den Winter 2006/2007 hatte ich gut überstanden und dann kam die  Frage wieder: Soll ich, soll ich nicht? Lust hatte ich schon. Ich entschloss mich dieses Jahr die Tour durchzuziehen, egal was passiert und schloss ich mich wieder den „Profis aus Frechen“ an.

Wieder verletzt

Den Start zur Fahrradtour hatte ich für den 10 Juli geplant und obwohl alle wussten was ich vorhabe, war keiner bereit mit mir zu fahren. In der Hoffnung, nicht alleine fahren zu müssen, suchte ich im Internet nach passenden Begleitern, doch niemand fand sich. Na gut, dachte ich mir, wenn niemand außer mir dieses Abenteuer wagt, fahre ich halt alleine. Und so ist es auch geblieben. Meine Frau war davon nicht gerade begeistert, aber trotzdem hat sie mich während der gesamten Vorbereitung sehr stark unterstützt.

Zwei Wochen vor dem Start habe ich mir dann zu allem Übel den Fuß verstaucht und meine Tour stand wieder auf der Kippe. Am nächsten Tag bin ich direkt zum Arzt gerannt. Mein Fuß wurde immer dicker und dicker. Diagnose-Muskelfaserriss! O nee!!! Das war´s! Alles umsonst!

ImageMeinem Arzt habe ich von meinem Vorhaben nichts erzählt, der hätte mich wahrscheinlich für verrückt erklärt. Mir war es aber egal, Hauptsache nichts gebrochen. Nach paar Tagen ging’s mir wieder besser und ich konnte die letzten Trainingskilometer runterspulen. Zu meinen kleinen Gelenkschmerzen kam plötzlich noch schlechtes Wetter. Kalt, Nass und Grau, da ich aber eine Rolle zu hause habe, konnte ich immer weiter trainieren.

Ich bin kein großer Kino Fan, aber in der letzten Woche vor dem Start habe ich mehr Filme auf DVD gesehen als im ganzen letzten Jahr und das nur Vormittags, am Nachmittag musste ich wieder arbeiten.   

Am Abend vor der großen Tour: letzter Fahrrad Check, Rucksack gepackt und versucht mich zu entspannen. Viele Gedanken gehen mir durch den Kopf: habe ich auch an alles gedacht, alles eingepackt und was fehlt noch... Die Route habe ich mir nur grob in Internet angeschaut, ohne Tagesziel und km Vorgabe. Mit meinem Navigationsgerät von Garmin fühlte ich mich gut gerüstet. Vor der Tour wird das Gerät an den Computer angeschlossen. Dann gibt man im Internet die gewünschte Strecke ein und schon wird diese Route an das Navigationsgerät übermittelt.

Fertig, habe ich jedenfalls gedacht. Jetzt  weiß ich, das war ein wenig blauäugig von mir (aber dazu später).  Zusätzlich kann die errechnete Route auch auf einer Karte ausgedruckt werden. Auf dieser Karte habe ich meine Fahrt an verschiedenen Punkten bestätigen lassen.

ImageDas Abenteuer beginnt

Am 10 Juli war es so weit. Die ganze Nacht habe ich mich im Bett gewälzt. Am Morgen aufgestanden, der erste Blick aus dem Fenster,  was für ein Wetter? Gott sei dank - trocken, habe ich gedacht. Ich wusste von Anfang an: das Wetter wird über meinen Erfolg oder Niederlage entscheiden. Um ca. 13 Uhr bin ich los gefahren. Noch ein kurzer Abschied von meiner Frau und den Nachbarn. Die Reise konnte beginnen!

Die ersten paar Kilometer bin ich wie irre losgefahren, ich wollte noch das schöne Wetter ausnutzen. Nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass ich das gerade tue, was ich auf gar keinen Fall machen wollte. Bei einem Puls von 150 habe ich das Tempo raus genommen. Nach ca. 3 Stunden fingen die Telefonate an, meine Frau, Kollegen, Chef usw. so wie ich mich am ersten Tag darüber gefreut habe, am nächsten war’s schon nervig. Nach dem zehnten Telefonat habe ich mir gedacht- jetzt gehst du nicht dran, fahr weiter! Und dann begann es zu regnen.

Noch in der Vorbereitungsphase habe ich mich auf das kalorienreiche Essen gefreut. Zum Mittag gab es einen riesen Fisch mit Kartoffeln und Salat. Da ich zum diesem Zeitpunkt bereits nass war, fiel es mir beim ersten Stop schwer vom Tisch aufzustehen um weiterzufahren. Der erste Tag verlief, wie fast alle Tage, ohne Probleme. Gegen 19 Uhr beschloss ich mir eine Unterkunft zu suchen. Nicht einfach, dachte ich, so wie ich ausgesehen habe, durchnässt, schmutzig und mit einem Rennrad als Gepäck. Dazu noch mein osteuropäischer Akzent, war ich nicht sicher, schon bei der ersten Pension einen Schlafplatz zu bekommen. Volltreffer!!!

Besser konnte es nicht laufen. Ich auf mein Zimmer, Radschuhe und nasse Klamotten ausgezogen. Herrlich, dachte ich mir. Schnell unter die warme Dusche und nach unten in das  Restaurant, etwas essen. Hurra, wieder essen! Eine Stunde später war ich im Bett. Zum Fernsehen hatte ich keine Kraft mehr (nur eine kurze Zusammenfassung der Tour de France gönnte ich mir noch).

Am nächsten Morgen wieder der erste Blick aus dem Fenster. ,,Ich habe es gewusst“ - Regen. Nach dem  Frühstück ging es weiter. Meine Radklamotten  waren noch nass von gestern, aber egal, es regnet sowieso. Nach ca. 30 Kilometern hatte ich erste Probleme mit der Orientierung. Das Navigationsgerät wollte mich auf die Schnellstraße B62 bei Marburg schicken. Ich bin die Auffahrt ein paar Mal hoch und runter gefahren, um zu sehen, ob ich irgendwo ein Schild übersehen hatte.

ImageJedes mal die gleichen Schilder und immer wieder hupende Autos. ,,Verdammt! Was mach ich jetzt?“ Ohne lange zu überlegen, habe ich meinen Kollegen Timo angerufen, und der sagte auch: „Du darfst nicht darauf“! Ich war stinksauer auf mich selbst. Anschließend habe ich die 112 angerufen, und die Aussage meines Kollegen hat sich bestätigt: „Sie dürfen nicht drauffahren“ war die Aussage des freundlichen Polizeibeamten. Na ja, ich musste also wieder zurück fahren und mir eine Straßenkarte besorgen. An der nächsten  Tankstelle kaufte ich mir eine Karte und traute meinen Augen nicht. Auf der Karte war die B62, dort wo ich laut Navigationsgerät hin fahren sollte, als Landstrasse angezeichnet. So bin ich auf dem Polizeirevier in Cölbe gelandet, um zu fragen, was mit der Strasse los sei. Nach kurzem Gespräch stellte sich heraus, dass die Strasse erst seit paar Monaten, eine Schnellstrasse ist.

Inzwischen war es bereits 11 Uhr und ich hatte gerade 30 km auf meinem Tacho. Zum Glück regnete es nicht. An einer Bushaltestelle habe mich breit gemacht und bin auf der Straßenkarte die Route noch mal durchgegangen. Etwa fünf Minuten später war ich wieder voll motiviert und bereit zu neuen Taten. Erst nach ca.110 km habe ich mir die erste Pause gegönnt.

In einer Pizzeria bestellte ich mir einen großen Teller Makkaroni mit Cola, das war mein Mittagessen. Nach ca. 45 Minuten saß ich wieder auf meinem Rad. Ab und an habe ich das Navi eingeschaltet, in der Hoffnung, dass es mir irgendwann den richtigen Weg zeigt, und so war es auch. Nach einiger Zeit war der einzige Wegbegleiter, mein Navi, wieder zu meinem besten Freund geworden. Die Strecke am zweiten Tag war vom Gefühl her leichter. Aber in die Pedale musste ich trotzdem treten. Die vielen Stunden, die ich alleine fuhr, habe ich an alles gedacht, wozu ich zu Hause keine Zeit habe z.B.: warum habe ich eigentlich Elektriker gelernt, vielleicht würde es mir als Bundeswehrsoldat besser gehen? Oder Thema Krankheit: wie würde uns die Schwerbehinderung in der Familie verändern? Lauter solche Dinge gingen mir durch Kopf. So fuhr ich Stunde um Stunde alleine weiter.

ImageGegen 19 Uhr musste ich mir wieder eine Unterkunft suchen. Ich radelte ja Richtung Osten, und dort wurde es früher dunkel. Wie am Tag davor, habe ich diesmal auch ohne Probleme ein Zimmer gefunden. Noch am gleichen Abend habe ich einige nette Leute kennen gelernt die gerade Erholungsurlaub machten und so haben wir mit 9 Mann an der Theke bis 23:30 gesessen. Danach bin ich eingeschlafen wie ein kleines Kind.

Um 6:45 hieß es aufstehen. Komischerweise ging’s mir sehr gut, ausgeschlafen und ohne Muskelkater. Ein kurzer Blick aus dem Fenster und meine gute Laune war wieder weg. Regen!!!

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit ,,neuen Freuden“ (die sind extra wegen mir früher aufgestanden) ging es feucht weiter. Nach einigen Stunden Fahrt im strömenden Regen, war ich verzweifelt. Der ständige Regen ging mir auf die Nerven. Brennende Oberschenkel, steifer Nacken, Kälte an Oberkörper, Fingern und im Gesicht. Da kamen mir Gedanken wie: ,,warum tust du dir das an, mach’ Schluss für heute", ,,morgen ist auch noch ein Tag",  ,,du musst keinem was beweisen“, aber in diesem Moment war mein Willen stärker. Von Stadt zu Stadt bin ich immer weiter gefahren, bis nach ca. 7 Stunden andauernder Dusche der Regen aufhörte.

ImageDann passierte es. Von Regen in die Traufe. Bergab, auf rutschigem Kopfsteinpflaster habe ich mich verbremst und bin gestürzt. Gott sei Dank, ist mir nichts passiert. Einige Autofahrer steigen aus ihren Autos, um nach mir zu sehen. Wie peinlich.

Ich habe nicht mal meine Schuhe aus den Pedalen rausbekommen, so schnell ging das. Alles zusammen gesammelt und mit dem Schrecken davongekommen fuhr ich weiter. Ab und an habe ich kurz angehalten, um etwas zu essen .Über den ganzen Tag habe ich nur 0,5 Liter Wasser getrunken. Am diesem Tag habe ich mich besonderes auf die heiße Dusche gefreut. Plötzlich kam die Sonne raus und wurde so warm, dass ich sogar meine Beinlinge ausziehen konnte.

Super!!! So kann ich fahren, dachte ich mir. Nun machte das Radfahren auf einmal richtig Spaß. So bin ich bis späten Abend weiter geradelt, und zum ersten Mal hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten einen Übernachtungsplatz zu finden. Dann wurde es so schnell dunkel, dass ich sogar bei vorbei fahrenden Autos absteigen musste, weil ich kein Licht am Rad hatte. An diesem Abend war ich schon auf alles vorbereitet, einfach draußen schlafen.

Nach langem suchen habe ich endlich, gegen 21:30 ein Zimmer gefunden. Es ist alles noch einmal gut gegangen. Die dritte und letzte Übernachtung in Deutschland war perfekt. In der Pension war die Küche schon geschlossen, also bin ich noch schnell zum Italiener, ein paar Nudeln holen, der Abend war gerettet. Dann noch einige Anrufe und wieder schlafen. Ich habe mich auf den nächsten Tag gefreut. Laut Wetterdienst sollte es bis zum Ende der Woche keinen Regen mehr geben.

ImageAm nächsten Morgen bin ich aufgestanden und habe wie an den beiden Vortagen vorsichtig aus dem Fenster geblickt. Hurra! Weihnachten und Ostern zusammen, es war trocken. Ich freute mich so sehr, dass ich ohne etwas zu essen sofort losgefahren bin. Das Frühstück habe ich dann später vor einer Bäckerei, draußen in der Sonne genossen. Das war das längste Frühstück in den letzten 3 Tagen. Herrlich.

Nach einem ausgiebigen Frühstück, mit vollen Magen und mit einem Lächeln im Gesicht, fuhr ich los. Ab jetzt konnte ich entspannt die schönen Landschaften bewundern. Dichte Wälder und schmale bis zum Horizont laufende Straßen habe ich einfach nur genossen.

Auf einer breiten, gut ausgebauten Strasse, wunderte ich mich über Schilder mit der Warnung vor Auffahrunfällen. Für mich waren diese Schilder vollkommen unnötig, denn die Gegend war sehr übersichtlich. Plötzlich hörte ich einen lauten Knall, tatsächlich ein Auffahrunfall. Was war geschehen? In der Gegend gab es einen Flughafen. Der vordere Wagen verlangsamte seine Geschwindigkeit und der hintere beobachtete ein startendes Flugzeug und rammte seinen Vordermann. Nun wusste ich, warum hier gewarnt wurde.

ImageAm Nachmittag, kurz vor dem Grenzübergang in Görlitz habe ich mich noch in ein Eiscafé gesetzt. Letzte Anrufe getätigt, meine Frau, Arbeitskollegen und Freunde über den Verlauf der Tour informiert. ,,So, dann bin ich mal weg“ habe ich gesagt. Schon mehr als die Hälfte der Strecke hatte ich hinter mir. Auch an der Grenze gab es keine Probleme. Eine kleine Kontrolle, ob ich kein Schmuggler bin, aber das war es dann auch.

In Polen ist vieles anders

,,Jetzt erst beginnt das Abenteuer“ habe mir gedacht. Zuerst habe ich mir eine aktuelle Straßenkarte gekauft (Erfahrung macht schlau). Von Anfang an, hatte ich mit dem Straßenbelag zu kämpfen. Das Wetter war angenehmen warm, mit Rückenwind. So bin ich bis Abends geradelt.

Die erste Nacht in Polen war schlimm. Das Hotelzimmer war dreckig, roch nach Zigaretten und die Farbe an den Wänden kennt noch Kommunismuszeiten. ,,Gut“ dachte ich, ich muss das nehmen, die nächste Schlafmöglichkeit wäre ca. 30 km weiter gewesen. Um noch eine Stunde weiter zu fahren war es schon zu spät, also bin ich da geblieben. Um 4 Uhr morgens war ich wieder munter und wollte losfahren. Allerdings hatte ich noch nicht bezahlt und wo sollte ich den Schlüssel abgeben? An der Rezeption war um diese Uhrzeit noch niemand. Also Fahrrad unter die Arme und wieder auf mein Zimmer.

ImageGegen 7 Uhr konnte ich endlich starten. Die Sonne strahlte früh am Morgen. So gegen 9 Uhr habe ich bei einer Bäckerei Stop gemacht, um was zu essen. Die Dorfbewohner schüttelten bei unserer Unterhaltung ihre Köpfe als ich von meinem Abenteuer erzählte. Manche glaubten mir nicht, dass ich bereits 1000 km hinter mir hatte. Auf dem Dorfplatz war es so nett, dass ich vollkommen die Zeit vergessen hatte, und so war es inzwischen 10:30 Uhr als ich wieder im Sattel saß.

Nach 10 Min Fahrt ist mir eine Biene in den Helm geflogen und hat mich ohne Vorwarnung über meinem linken Auge gestochen. Ich spürte wie meine Stirn und mein Auge immer dicker wurden. Was mache ich jetzt? Zurück in das Dorf  wollte ich nicht, das nächste war auch noch ein Stück entfernt. Da habe ich zuerst meine Mutter angerufen, um mir Rat zu holen.

„Lege eine Zwiebel auf  den Bienenstich“ riet sie mir. Nachdem ich eine halbe Stunde richtig in die Pedale getreten hatte, kam ich zu einem Gemüsegeschäft. Zwiebelscheibe auf die Stirn und so bin ich paar Minuten gefahren bis der Schmerz nachgelassen hat. Am Nachmittag wurde es immer heißer. Am Abend hatte ich an den Oberarmen einen starken Sonnenbrand. Zum Glück fand ich dieses mal wieder problemlos eine Unterkunft.

ImageVon Radarfallen und einer Wette mit Polizisten

Ich war eigentlich nur einen Katzensprung von Zuhause entfernt. Das Hotel war zwar teuerer als die Unterkunft vom Vortag, aber dafür eine ganze Ecke besser. Die letzte Nacht vor dem Finale der Reise. Ich freute mich schon auf den nächsten Tag.

Am letzten Tag meiner Tour war das beste Wetter der ganzen Woche. Angenehm, warm aber nicht heiß. In Oppeln, rund 60 km vor dem Ziel fuhr ich an einer Radarkontrolle vorbei und wunderte mich, dass ich gar nicht beachtet wurde. Bisher sorgte mein Rad in Polen immer für erstaunte Blicke. Wenige hundert Meter hinter der Kontrolle, erinnerte ich mich an meinen Streckenplan und wollte auch von den beiden Polizisten einen Stempel für meine Unterlagen haben.

Die beiden hatte jedoch keine Lust, zur Wache zu fahren um den Stempel zu holen. Da schlug ich ihnen eine Wette vor. Wenn ich es schaffen würde, mit über 50 km/h durch die Radarkontrolle zu fahren, würden sie meinen Zettel abstempeln. Ich schaffte 54 km/h.

Die Polizisten hielten ihr Versprechen und stempelten meinen Zettel ab. Allerdings nicht ohne vorher mein Rad zu testen. So eine Gelegenheit haben sie nicht oft.

Ich war sehr gut in der Zeit, konnte 2-3 Stunden früher ankommen und meine Familie überraschen. Wollte ich aber nicht, da meine Frau und meine Mutter vorhatten eine kleine Willkommens- Party zu organisieren. ,,Nichts Großes“ hieß es. Ich war gezwungen noch am Vormittag  zwei Pausen zu machen um im Zeitfenster zu bleiben. Meine Ankunft war für  15 Uhr geplant.

ImageMeine Frau mit meiner Schwester und Cousin sind mir ca. 5 km vor zuhause mit dem Auto entgegen gekommen, um paar Bilder aus dem Auto zu schießen. Dann kurz beim Ortschild angehalten, Foto gemacht und schnell weiter. Meine Gefühle fuhren mit mir Achterbahn. Kaputt von der Fahrt, überglücklich, dass ich das geschafft hatte,  von dem viele nur träumen.

Einige hundert Meter vor dem Ziel, an Straßenrand standen schon Nachbarn. Sie klatschen und jubelten mir zu. Von der ganzen Atmosphäre habe ich nicht viel mitbekommen, so  aufgeregt war ich. Da sah ich schon das Haus meiner Mutter. Menschen ohne Ende, Familie, Nachbarn, alte Schulkameraden und Freunde, die ich mehrere Jahre nicht gesehen habe.

Die Überraschung war gelungen. In der Einfahrt zum Grundstück hing ein großes Banner. Eine Zielschleife, ein geschmückter Zaun und die jubelnde Masse machten den tollen Empfang perfekt. Für diesen Augenblick hat sich die ganze Anstrengung gelohnt. Auch wenn  inzwischen drei Monate vergangen sind, wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich noch heute eine Gänsehaut.

Dann wurden mir Blumen, Geschenke, eine Medaille und Andenken übereicht. Der Bürgermeister meines Heimatortes überreichte mir noch ein handsigniertes Buch zur Geschichte meiner Heimat. Als Erinnerung an meine Polentour habe ich ja auch noch den abgestempelten und unterschriebenen Ausdruck meiner Reiseroute. Auch die vielen Bilder werden mich noch lange an mein Abenteuer erinnern.
 
ImageAn diese Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Frau, meiner Mama, meiner Schwester, der ganzen Familie, sowie bei allen Freunden, Verwandten und Bekanten bedanken. Ganz besonders bedanke ich mich bei meiner Tante Ursula, die bei der Vorbereitung  der Willkommens- Party entscheidend mitgewirkt hat.
Das ist die Geschichte eines Mannes, der alleine, nur mit kleinem Rucksack 1200 km in 5 Tagen von Kerpen-Sindorf nach Stare Kozle gefahren ist.

Bericht: Christoph Klimkiewicz

Eckdaten:
* Start: Kerpen-Sindorf
* Ziel: Stare Kozle (O. Schlesien, Polen)
* zurückgelegte Strecke: ca. 1200 KM  
* Fahrzeit: 5 Tage (120 Stunden)
 

 
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