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Interview mit Elin Amundsen
Samstag, 1. September 2007
ImageDie schnelle Dänin bringt internationalen Flair in die Deutsche Jedermannszene. Nur mitfahren ist ihr allerdings zu wenig. Seit Anfang der Saison steht sie bei fast jedem Rennen auf dem Treppchen. In Bochum gelang Elin Amundsen vor kurzem dann endlich der längst fällige Sieg. Challenge-Magazin.com sprach mit ihr nach den Cyclassics in Hamburg.

Vier Rennen der T-Mobile Wertung in einer Woche, mit drei Top-Ten Platzierungen bei den beiden letzten Rennen. Wie anstrengend war die Woche für dich?


Der August ist hart gewesen! Rennen an jedem Wochenende plus das Bergzeitfahren Dienstag in Sölden und das Zeitfahren am Freitag in Fürth. Um wirklich sicherzustellen, dass ich müde werde, nahm ich noch  am Alpenbrevet in Andermatt am 11. August teil. Kein richtiges  Rennen, sondern ein so genannter Radmarathon, aber selbstverständlich sind wir alle schnell gefahren. Es war ein großer Spaß, der einige nette Berge bot, obgleich ich bei den Abfahrten fast erfroren wäre. Sonst hat alles gepasst. Nur eine Frau beendete das Rennen vor mir.

Nach Hamburg war ich erschöpft. 155 km ist schon nah an meiner Grenze. Ich begann in Block M, da es mein erster Start dort war. Mir sprang die Kette ab und prompt verlor ich die erste Gruppe. Dann fand ich einen guten Fahrer mit dem ich die Tempoarbeit abwechselnd übernehmen konnte. Er beendete das Rennen hinter mir, also sparte ich mir eine herzliche Umarmung ;) vielleicht nächstes Mal!

Ich war sehr erfreut über den sechsten Gesamtplatz und ersten in meiner Alterswertung. In Fürth beim Zeitfahren war ich sehr erstaunt darüber, zu sehen, wie professionell die Leute waren.

Ich denke, dass ich die einzige unter den Top 200 war, die mit normaler Fahrradausstattung und mit einem normalen Fahrrad ohne spezielle Räder oder Lenkung fuhr. Es sah aus, als sei ich beim falschen Rennen an den Start gegangen.

Es war ein großer Spaß und eine Menge Kerle versuchten, mich zu überzeugen, dass es okay wäre. Ich musste mir für das nächste Zeitfahren wenigstens einen passenden Lenker besorgen.

Seit wann betreibst du Radsport und wie bist dazu gekommen, in Deutschland Rennen zu bestreiten?
 
Als ich in Dänemark war, habe ich Aerobic unterrichtet und eine Menge gemacht. Ein Freund von mir - Chris MacDonald – gründete ein Frauenteam und fragte mich ob ich Lust hätte mitzufahren.

Ich bin eine sehr positive Person und er suchte eine Fahrerin, die ihre positiven Vibes im Team verbreitet. Es war definitiv nicht weil ich etwa so gut Rad fahren konnte, da ich vorher nie auf einem Rennrad gesessen hatte. Es war ein großer Spaß. Ich mag es, mit dem Wind und der Geschwindigkeit draußen zu sein.

Ich musste damit aber wieder aufhören, da es bei den Mädels immer ernster wurde und ich meinen Master in Wirtschaft beenden musste. Als ich dann nach Frankfurt kam, um bei der ECB zu arbeiten, fing ich an wieder zu spinnen.

Vier Kerle betrieben das sehr ernst - Kris, Morten, Cyril und Lorenzo - sie machten Druck, damit ich mein Fahrrad wieder auspacke und mit ihnen fahre. Ich war selbstverständlich total nervös und dachte sie würden mir um die Ohren fahren, aber meine norwegischen Gene überzeugten mich, die Herausforderung anzunehmen!

Nach nur einer gemeinsamen Ausfahrt ließen sie mich zwei Tage später beim Henninger Turm starten - „Mach dir keine Sorgen, es sind nur 75 flache Kilometer“ sagten sie. Ich tat es und wurde Zweite! Da hatte mich der Ergeiz gepackt und ich musste natürlich weiter machen.

Wie viele Kilometer fährst du im Jahr?

 
Schwierige Frage. Ich habe keinen Anhaltspunkt, vermutlich um die 8000 km. Ich führe keine Statistik. Ich bin halt ein bisschen verrückt und fahre viel Fahrrad.  Ich fahre ungefähr fünf Tage pro Woche und versuche, das mit einer  45-50 Stundenwoche im Job unter einen Hut zu bekommen.

Ich fahre morgens bereits mit dem Rad zur Arbeit. Um fünf stehe ich auf. Anschließend gibt es ein großes Frühstück. Zwischen sechs und acht Uhr sitze ich dann auf dem Rad. Dann essen, duschen, zweites Frühstück und an die Arbeit machen. Wochenenden sind einfacher, dann fahre ich Samstag und Sonntag, wenn ich nicht laufe. Das hängt vom Programm ab. Ich habe einen fantastischen französischen Online-Trainer argumentative essay on industrial revolution , der mir wirklich hilft, mich zu motivieren.

Die anderen Fahrer/innen, die in der Gesamtwertung die vorderen Plätze belegen, fahren in Teams, du bist auf dich alleine gestellt. Ist es nicht ein großer sportlicher Nachteil, die Rennen ohne Unterstützung zu bestreiten und würdest du 2008 gerne in einem Team fahren?


Ich habe einen Kleidungssponsor (http://espacioparalelo.com/ ), doch Kleidung hilft dir nicht, wenn du den Anschluss an die Gruppe verlierst. Radsport ist ein Mannschaftssport und sehr taktisch. Ich versuche, immer alles zu geben, doch wenn ich zum Beispiel stürze, bin ich verloren.

Ich bin eine Kämpferin aber manchmal auch etwas übereifrig. Ich habe auch schon Rennen wegen schlechten Materials verloren. Ich denke, ich mag diesen Sport sehr und es wäre toll, in einem Team zu fahren. Nicht nur in den Rennen, sondern auch in der übrigen Zeit. Ab und zu versuchen meine ECB-Kollegen, mit mir raus zu fahren, doch sie haben Familien und andere Verpflichtungen, die ihre Freizeit in Anspruch nimmt. Ich fühle mich bei Rennen niemals alleine.

Die anderen Fahrer aus den Teams sind meist sehr freundlich. In einem Team zu fahren, wäre wirklich toll. Es wäre schön zu wissen, dass da noch jemand mitfährt, der dir mal sein Hinterrad hinhält, wenn es mal gerade nicht so läuft. Ich hatte das mal bei einem Rennen. Einer von den ECB-Jungs blieb bei mir und es war vor allem psychologisch eine tolle Sache.

Ich bin noch nicht sicher, ob ich beim nächsten Mal in Frankfurt dabei bin, da mein Arbeitsvertrag im Dezember ausläuft. Doch wenn ich in Deutschland bleibe, werde ich auf jeden Fall starten, denn ich liebe dieses Rennen. Vielleicht versuche ich dann auch, Anschluss an ein Team zu finden.

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Die Kosten, um bei einer solchen Serie vorne mitzufahren, sind sehr groß. Wirst du von Sponsoren gefördert, oder musst du alle Kosten selber tragen?

Wie ich bereits sagte, ich habe lediglich einen Kleidersponsor. Für den Rest muss ich selbst aufkommen, aber ich betrachte es als eine Art Ferien.

Bei welcher Veranstaltung fährst du am liebsten? (Es muss keine T-Mobile Veranstaltung sein), und woran hast du in diesem Jahr schlechte Erinnerungen?

Mein bestes Rennen in diesem Jahr ist das, was ich gewonnen habe – Bochum. Aber auch Göttingen war toll und Andermatt hatte schöne Steigungen. Leider muss ich sagen, dass Fürth für mich überhaupt nicht schön war. Ich wurde dort disqualifiziert. Alles lief super und ich war unter den Mädels weit vorne, als kurz vor der Ziellinie vor mir eine Gruppe von Jungs zu Fall kam.

Ich musste auf den Bürgersteig ausweichen und kam wegen der Absperrungen nicht auf die Straße zurück. So fuhr ich ca. einen Meter zu weit rechts über die Ziellinie, um gewertet zu werden. Ich denke, ich hätte besser auf der Strecke warten sollen und dann mein Rad über das Ziel schieben sollen, aber ich war wirklich frustriert über diesen Sturz und hoffte, sie würden mich irgendwie schon in die Wertung mit rein nehmen.

Die Disqualifikation machte meine Chance zunichte, in der Gesamtwertung  der T-Mobile Cycling-Tour unter die Top 3 zu kommen, und das Zeitfahren am vergangenen Freitag gegen die Halbprofis zerstörte ein wenig mein Selbstvertrauen. Aber ich gebe niemals auf und versuche statt dessen, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Was ist für dich bei einer Veranstaltung besonders wichtig? (Organisation, Strecke)

Es ist sehr wichtig, dass die Straßen sicher sind, was hier in Deutschland immer gewährleistet ist. Manchmal könnten die letzten Kilometer weniger gefährlich sein, d.h. weniger Kurven, das verursacht manchmal eine Menge Stürze. Insgesamt denke ich, dass die T-Mobile Rennen sehr gut organisiert worden sind. Bei einigen Ausgaben gab es Probleme mit der Zeitmessung, das war etwas ärgerlich.

Dass die Zeiten falsch waren oder erst sehr spät veröffentlicht wurden. Dann gab es hier und da Ungewissheit über netto/brutto Zeit. Beim diesjährigen Henninger Turm gewann ich den Sprint um den 3. Platz und wurde als 4. gewertet. Insgesamt bin ich aber mit der Organisation der Rennen dieses Jahr sehr glücklich.

Wo siehst du deine Stärken und Schwächen? (Sprint, Bergfahren, Zeitfahren)
  
Ich schätze, dass ich auf flachen Strecken mit kleinen Anstiegen am besten zurrecht komme. Ich bin in Dänemark aufgewachsen und dort ist es immer regnerisch, windig und flach! Ich bin keine herausragende Sprinterin. Anstiege bis Maximum 8% liegen mir. Ich mag die Berge, obgleich mir in den Anstiegen Annika Grüber immer um die Ohren fährt.

15 von 20 Rennen der T-Mobile Serie sind jetzt vorbei. Was für Ziele und Wünsche hast du für den Rest der Saison?

Mein Ziel war in diesem Jahr eine Top 3 Platzierung in der Gesamtwertung. Es sieht aber nach der Disqualifikation in Fürth nicht gut aus. Ich werde trotzdem noch alles versuchen, doch bei dem Punktesystem wird es schwer. Ich werde die Serie aber nicht vorzeitig beenden oder aufgeben, denn bei Chris habe ich, als ich noch in Dänemark fuhr, gelernt: Gib niemals auf, der Schmerz hört immer auf. Vielleicht ein guter Grund, noch eine weitere Saison dranzuhängen.

Elin Amundsen, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir viel Erfolg und Gesundheit für den Rest der Saison.


Mit Elin Amundsen sprach Wolfgang Schaaf

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