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Rendezvous mit der Gr?nen H?lle
Samstag, 1. September 2007
ImageViele der großen Jedermann-Rennen in Deutschland werden im Rahmen eines Profi-Rennens durchgeführt. Eine der wenigen Ausnahmen ist Rad am Ring. Zwei Tage lang gehörte die grüne Hölle, wie der Eifel-Kurs auch genannt wird, wenn es über die Nordschleife geht, den Radsportlern.

Mehr als 6500 Teilnehmer zählte das Team um Organisationschef Hans-Martin Fraas während des diesjährigen Radsport-Events am Ring. Rund 1000 Teilnehmer starteten in den Jedermann-Rennen über 70 und 140 Kilometer. 2500 Aktive nahmen allein oder in Teams die 24-Stunden-Rennen mit dem Rennrad oder dem Mountainbike in Angriff, weitere rund 3000 fuhren ohne Zeitdruck im Rahmen des Radtourenfahrens über die Nordschleife.

Der Nürburgring kann auf viele Jahre Radsport zurückblicken. In den Jahren 1927, 1966 und 1978 wurden in der grünen Hölle die Radweltmeister ermittelt. In den letzten dreißig Jahren wurde  mehrmals versucht, Radtourenfahrten zu etablieren. Leider wurden die RTF´s nach wenigen Jahren aus Kostengründen nicht mehr durchgeführt. Nun scheinen die Organisatoren den richtigen Weg gefunden zu haben.

Der Start war sehr gut zu finden. Die Anfahrt zum Nürburgring ist optimal ausgeschildert.

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Zum Start der Jedermänner ging es durch das alte Fahrerlager. Wer aufmerksam zur Startaufstellung fuhr, konnte hier und da noch Spuren der alten Automobil-Rennsportzeit entdecken.  In der heutigen Zeit brauchen nicht nur die Teams der Rennwagen mehr Platz.

Das neue Fahrerlager wurde zur Veranstaltungsmeile. Die Boxen von BMW, Mercedes, Ferrari & Co. waren an diesem Wochenende das Zentrum der Radsportler. Viele Teams der 24-Stunden-Rennen fanden hier ihr Quartier. Auch die Verpflegung, Siegerehrung, sowie der Reparaturservice waren hier untergebracht. Der Stand in den 24-Stunden-Rennen und die Auswertung der Jedermann-Rennen konnten die Fahrer an mehreren Monitoren aktuell mitverfolgen. Hier brauchte niemand lange auf Ergebnislisten zu warten.

Kurz hinter der Start- und Ziellinie wurde ein Truck mit einer großen Leinwand aufgestellt. Neben Filmen der Veranstaltungen aus den Vorjahren konnten die Zuschauer hier live das Rennen mitverfolgen.  Radio Nürburgring, nicht nur auf dem Ring, sondern auch in Teilen der Eifel zu empfangen, berichtete ständig live über die gesamte Veranstaltung. 

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Auf der Strecke war, neben mehreren Servicefahrzeugen, auch ein Shuttle für Presse und interessierte Zuschauer unterwegs. Sonst erleben die Jedermannfahrer/innen so etwas nur in Verbindung mit einem Profi-Rennen, abgestimmt auf Hobby-Radler ist dieser Aufwand sehr selten.

Der Start zum Jedermann-Rennen erfolgte bei herrlichem Sonnenschein. Vorne standen die Teilnehmer über 70 km (drei Runden),  dahinter die Fahrer/innen der 140 km (sechs Runden); jeweils in zwei Gruppen unterteilt.

Viele Fahrer, die zum ersten Mal auf dem Nürburgring fahren, unterschätzen die Strecke. Neben rund 500 Höhenmetern pro Runde, mit bis zu 17% Steigung,  zehrt auch der raue Asphalt an den Kräften der Fahrer. In Verbindung mit dem warmen Wetter haben viele Fahrer nach wenigen Runden Probleme mit Krämpfen. Wer hier nicht genug trinkt, ist schnell aus dem Rennen.

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Der Reparaturservice hat von Anfang an viel Arbeit. Ungewöhnlich viele defekte Schaltungen waren zu verzeichnen. Einige unerfahrene Fahrer schalteten die Gänge mit Gewalt, wenn es an den Steigungen nicht mehr weiterging. Das Material wurde auf eine sehr harte Probe gestellt. Auf den Abfahrten erreichten einige Fahrer Geschwindigkeiten von knapp über 100 km/h. Hier war höchste Konzentration Pflicht, um sicher über die Strecke zu kommen.

Das Tempo ist von Anfang an sehr hoch, und es entwickelt sich ein Ausscheidungsrennen.
Das Feld der 70 km Strecke zerfällt relativ schnell, sodass sich die Fahrer der beiden Jedermann-Rennen mit den RTF-Fahrern und den Teilnehmern der 24-Stunden-Rennen schnell mischen. Es ist richtig was los auf der Rennstrecke und es ist nicht einfach, den Überblick zu behalten.

Die Fahrer erkennen an den unterschiedlichen Farben der Rückennummern, wer da gerade vor ihnen fährt, die Organisation behält den Überblick durch mehrere Messpunkte auf der Strecke. Um über das Eintreffen der jeweiligen Führungsgruppen informiert zu sein, begleitete UCI-Kommissär Simon Hupperts mit seinem Motorrad die jeweiligen Spitzenfahrer auf den letzten Kilometern. Denn natürlich sind die einzelnen Klassen nach Rückennummern sortiert.

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So wurde Moderator Stefan Schwenke am Ziel rechtzeitig über das Eintreffen der Fahrer/innen informiert und schilderte das Finale den Zuschauern an der Strecke, sowie den Zuhörern am Radio.

30 Fahrer bildeten die Spitze der 70 km Strecke zu Beginn der letzten Runde. Trotz einiger Attacken gelang es in der letzten Runde keinem Fahrer mehr, sich entscheidend abzusetzen. So sprinteten auch diese 30 Fahrer um den Sieg, gefolgt von einer zehnköpfigen Verfolgergruppe. Gerhard Hack aus Bad Vilbel und Annette Kolf aus Eslohe waren nach gut zwei Stunden die ersten Fahrer, die sich für das Jahr 2007 in die Siegerlisten der Großveranstaltung eintragen konnten.

Hack gewann das Rennen über die 70 Kilometer in 2:02:30 Stunden vor Tim Uhl aus Mainz und dem Wuppertaler Silvio Suderow. Kolf setzte sich nach 2:12:01 Stunden vor Linda Eiler aus Leingarten und Manuela Haverkamp aus Bad Bevensen durch. Die Siegerin der Damenklasse, Annette Kolf, wirkte nach ihrem Rennen noch relativ frisch und hätte „noch einige Runden fahren können“. 

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Auch Tim Fricke hatte sich für die 70 km Strecke entschieden. Vor dem Start wunderte er sich über mehrere Fotografen, die es auf ihn abgesehen hatten. Er konnte nicht wissen, dass es sich um Freunde seines Vereins RC Adler Köln handelte, die erfreut waren, ihr Trikot in den vorderen Reihen der Aufstellung zu sehen. Rad am Ring gefiel Tim Fricke sehr gut.

"Anfangs habe ich versucht, in der Spitze zu bleiben, was mir in der ersten Runde auch gelang. Das Tempo war allerdings sehr hoch, daher habe ich mich in die zweite Gruppe zurückfallen lassen und bin mit dieser Gruppe dann die restliche Strecke gefahren. So konnte ich den Nürburgring genießen und hatte großen Spaß bei Rad am Ring. Aufpassen musste man mit einigen langsamen Fahrern; bei so vielen Fahrern gibt es da schon mal heikle Situationen. Allerdings habe ich keine Stürze mitbekommen.

Das einzige, was mir nicht so gut gefiel, war die Anmeldung. Das Startgeld hatte ich überwiesen und musste dann an der Anmeldung noch mal 46,- Euro als Pfand für den Transponder bezahlen. Bei Abgabe des Transponders habe ich dann 40,- Euro zurückbekommen. Zum Bezahlen musste ich mich an einem anderen Tisch anstellen. Das kann man doch bestimmt besser lösen. Beim ersten Rad am Ring war ich auch schon dabei, die Teilnehmerzahlen haben sich schon extrem gesteigert, im ersten Jahr waren deutlich weniger Fahrer am Start."

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Auf der 140 km Strecke war die Spitzengruppe zu Beginn der letzten Runde deutlich kleiner. Zehn Fahrer machten sich noch Hoffnungen auf den Sieg. Nino Ackermann vom Team Blue Essentials schildert das Rennen aus seiner Sicht. „Bis zur dritten Runde fühlte ich mich nicht sehr gut, ich war froh mit der Spitze mithalten zu können. Ab Runde vier wurde es dann immer besser.

Auf den Abfahrten habe ich dennoch die 100 km/h Grenze leider nicht knacken können. Mehr als 99,4 km/h war für mich Leichtgewicht nicht drin.  Mit einer kleinen Spitzengruppe fuhren wir in die letzte Runde. An der Steigung zur Hohen Acht habe ich dann attackiert, da waren wir nur noch zu viert. Kurz vor dem Ziel habe ich dann noch einmal angetreten und so die Spitze gesprengt. Leider hatte ich im Sprint nicht mehr genug Kraft und wurde Zweiter. Sebastian Altmeyer (Saarlois) hatte sich auf der letzten Runde etwas mehr geschont und den Sprint gewonnen“. Knapp dahinter belegte Sebastian Ohrmann aus Freiburg Rang drei.

Die besten Frauen kamen mit etwas Rückstand zu den Männern ins Ziel. Annika Grüber aus Altenberge bei Münster siegte mit deutlichem Vorsprung vor Mechthild Gerhard aus Hürth. Dritte wurde die in Frankfurt lebende Dänin Elin Amundsen.

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Sehr aufwendig war auch die Siegerehrung. Sowohl in der Gesamtwertung, wie auch in den einzelnen Alterklassen wurden die jeweils ersten Drei geehrt. 2007 war die vierte Veranstaltung von Rad am Ring. In jedem Jahr wurden Dinge verändert, um den Ablauf zu verbessern. Viele Fahrer sprachen von den großen Problemen der ersten Veranstaltung, als deutlich weniger Teilnehmer an der Veranstaltung teilnahmen. Es wird immer wieder kleinere Pannen geben, für eine Veranstaltung dieser Größe war die Fehlerquote jedoch nahe null.

Einige Fahrer der 140 km Strecke ärgerten sich über langsame Fahrer der 70 km Gruppe. Das wäre umgekehrt wohl ähnlich gewesen. Diskussionen gab es auch um eine Ummeldung nach Beendigung des Rennens. Ein Fahrer, der die 140 km Strecke nicht zu Ende fuhr, hatte auf 70 km umgemeldet, um dort noch platziert zu werden. Da es bei anderen Veranstaltungen möglich war, ging er davon aus, nichts Unrechtes zu tun.

Alexander Donike, für den sportlichen Teil bei Rad am Ring zuständig, nahm diesen Fahrer jedoch sofort aus der Wertung. „Wer seine gemeldete Distanz nicht komplett absolviert, wird als DNF (did not finish) gewertet. Er hat die Fahrt nicht abgeschlossen“ erklärte der erfahrene UCI Kommissär das Reglement von Rad am Ring. Er musste viele Fragen klären an diesem Wochenende. Kein Wunder bei 6500 Teilnehmern.

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Rad am Ring ist eine sehr aufwendige Veranstaltung. Zeitweise ist sehr viel los auf der Strecke; man begegnet mehr Fahrern als bei anderen Veranstaltungen, die Leistungsklassen sind sehr unterschiedlich und manchmal stören sehr langsame Fahrer.

Doch die Vorteile überwiegen deutlich. Durch die verschiedenen Gruppen entsteht auch außerhalb der Strecke Leben. Es ist immer etwas los an und auf der Strecke. So viele Zuschauer hätte eine einzelne Gruppe sicher nicht. Die Jedermänner wurden auf der Strecke von RTF- und Volksradfahrern angefeuert, die mal eine Pause einlegten, um die schnelleren Fahrer zu unterstützen.

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Mit weniger Fahrern wäre die Veranstaltung wohl auch nicht tragbar. Die Organisatoren interessieren sich für die Hobbyfahrer, das war zu sehen und auch bei Gesprächen herauszuhören. Hier waren die Jedermänner kein zahlendes Beiwerk, sondern Teil einer großen Radsportfamilie. Hobby-Radfahrer sollten sich deshalb unbedingt den 23./24. August 2008 merken - dann geht es wieder rund bei Rad am Ring. (ws)

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