Home arrow News-Archiv arrow Saisonh?hepunkt f?r jeden Radsportfan
Saisonh?hepunkt f?r jeden Radsportfan
Mittwoch, 1. August 2007
Alpenetappen der Tour de France

ImageDie Tour de France ist der Saisonhöhepunkt für jeden Radsportfan. Mit ihr beginnt der Sommer, und nicht nur vereinzelt hört man im Winter zum monotonen Geräusch des Rollentrainers die Tourkommentare von Eurosport und Co aus den Kellern der Radsportler. Das ist dann so, als ob ein Stück Sommer zurückkehrt und die Beine zu neuen Höchstleistungen antreibt und das Rollentraining so etwas erträglicher macht.

Dort im Keller, auf der gleichermaßen gehassten wie geliebten Rolle, entstehen dann die Sehnsüchte, einmal bei der Tour dabei zu sein. Da für die meisten von uns sehr schnell klar sein dürfte, dies als aktiver Fahrer wohl eher nicht zu schaffen, wird nach Ersatzmöglichkeiten gesucht. Selbst mit dem Wohnmobil der Tour hinterher reisen ist eine Möglichkeit. Eine andere ist, sich einer organisierten Reisegruppe anzuschließen. In meinem Fall hatte ich das Glück. bei einer solchen Reise als Guide arbeiten zu dürfen. Für alle daheim gebliebenen jetzt mein Reisebericht.

Die Tour zur Tour startete in Köln, ich war direkt überrascht, wie groß der Einzugsbereich dieses Angebots war. Gerechnet hatte ich damit, Gäste aus einem Umkreis von etwa 200 Kilometern zu betreuen. Doch es kam ganz anders, der Gast mit der weitesten Anreise kam aus Leipzig, und das war kein Einzelfall. Das zeigt noch einmal deutlich, welche Faszination und Anziehungskraft die Tour de France nach wie vor besitzt. Auf nähere Einzelheiten zu der eher langweiligen Busfahrt verzichte ich an dieser Stelle.

{jflex}d=/images/ausgabe003/schwarzer/tou01 {/jflex}
Unser Ziel war Annecy am gleichnamigen See. Dieser sehr schöne Ort sollte nun für die nächsten Tage unser Ausgangspunkt zu den Alpenetappen der Tour de France sein. Einen kleinen Nachteil hatte dieser Ort allerdings - sein für einen Ort dieser Größe doch recht interessantes Nachtleben. Doch wir waren ja zum Radfahren da und nicht zum feiern. Gut ausgeschlafen konnte dann am Samstag die erste Ausfahrt in Angriff genommen werden. Die strategisch gute Lage unseres Hotels in Annecy erlaubte es, direkt mit den Fahrrädern los zu fahren.

Nach einer Einrollphase von rund 20 Kilometern gelangten wir auf die Originalstrecke. Die neongelben Pfeile wiesen uns von nun an den Weg. Motiviert durch die Zuschauer am Rande der Strecke ging ein Ruck durch die Gruppe und die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöhte sich deutlich. Bis zum Fuß des Col de Colombiére blieb die Gruppe geschlossen zusammen.

Dann hieß es für jeden, Rhythmus finden und am eigenen Leib erfahren, was vier Stunden später Linus Gerdemann vom Team T-Mobile zu leisten hatte. Die Mühen wurden belohnt. Oben auf der Passhöhe wartete das Stationszelt auf alle Gäste der Reise. Das Zelt spendete nicht nur Schatten vor der sehr intensiven Höhensonne. Es gab kalte Getränke, Obst, Kuchen, Salate und als Hauptspeise Pasta a la Colombiére. In den folgenden Tagen, so viel sei vorweg genommen, blieb der Service abwechslungsreich.

Um nichts von dem laufenden Rennen zu verpassen, lief ein Fernseher, der in dieser doch sehr kargen Bergwelt sehr fremd wirkte. Dieses Schlaraffenland  wurde nur verlassen, als sich die Werbekarawane mit lauter Musik und viel Gehupe ankündigte. Viele fühlten sich wohl in den rheinischen Karneval versetzt und es lag ihnen ein „Kamelle, Kamelle“ auf den Lippen. Die gab es dann auch reichlich.

{jflex}d=/images/ausgabe003/schwarzer/tou02 {/jflex}
Zurück am Fernseher wurde gejubelt, Linus Gerdemann hatte sich durch eine beherzte Attacke von der Spitzengruppe abgesetzt und stürmte nun allein den Berg in unsere Richtung hoch. Jede Kurve wurde kommentiert, denn jeder hatte dort eigene Erfahrungen gesammelt. Über diesen regen Erlebnissaustausch wurde fast vergessen, im richtigen Moment an die Strecke zu sprinten, um dem jungen T-Mobile-Fahrer die Unterstützung zu geben, die er sich verdient hatte.

Die Straße und die gesamte Passhöhe glichen einer Freiluftarena. Der Geräuschpegel war vergleichbar mit dem eines lauten Rockkonzerts, mit den gleichen Nachwirkungen, einem Pfeifen in den Ohren. Bis zum letzten Fahrer wurde fleißig geklatscht und geschoben. So dass die Nachricht vom Sieg und die Fahrt in das Gelbe Trikot von Linus Gerdemann erst später zu jedem Vordrang.

Für die Rückreise in das Hotel wurden zwei Möglichkeiten angeboten. Für die einen ging es mit dem Rad zurück und für die anderen wartete am Fuß des Colombiére der Bus für den Transfer nach Annecy. Nach diesem aus deutscher Sicht sehr erfolgreichen Tag schmeckte das Essen im Hotel besonders gut. Auch wenn die einstimmige Meinung klar das Essen auf der Station bevorzugte. Na ja, die französische Küche ist eben etwas Besonderes.

Die darauffolgenden Tage glichen im Ablauf dem ersten, mit dem Unterschied, dass der Bus die ersten Kilometer übernahm, wenn die Anreise mit dem Rad zu weit war.

{jflex}d=/images/ausgabe003/schwarzer/tou03 {/jflex}
Der Ruhetag der Profis wartete mit einem besonderen Angebot auf die Gäste. Der Bus brachte die ambitionierten Hobbyradler in Richtung des wohl berüchtigtsten Berges der Tour de France: Alpe d’Huez. Wer gedacht hatte, er wäre mit sich und dem Berg an einem solch ganz normalen Wochentag allein, der hatte sich getäuscht. An dem Anstieg tummelten sich etliche hundert Radsportler.

Natürlich motiviert es zusätzlich, wenn man den ein oder anderen überholt. So waren am Ende alle mit ihrer handgestoppten Zeit oben in Alpe d’Huez zufrieden. Alle Augen leuchteten, und auch wenn ich diesen Berg nun schon mehrfach erklommen habe, so bleibt er immer etwas Besonderes, ein Mythos halt.

Auf der Rückfahrt nach Köln hatte ich die Gelegenheit, ein paar Stimmen über die vergangenen Tage einzufangen. Was mir immer wieder zu Ohren kam, war der Eindruck der Schwere der Berge, was man nur nachvollziehen kann, wenn man die selbst gefahren ist. Ein Gast sagte zu mir, er wünsche sich, dass ein Peter Leisl sich doch mal dort hinauf quälen solle, damit er nicht mehr so viel dummes Zeug rede.

Dann bleibt im Gedächtnis die einmalige Stimmung am Berg. Das Bergpanorama, das für einen Tag wohl die schönste Arena der Welt bildet und durch hunderttausende von Fans zum Leben erweckt wird. Dieses gepaart mit dem super Service des Reiseveranstalters an der Station mit Essen, TV und zum Teil sogar Sportmassage, schafft Eindrücke, die unvergessen bleiben.

{jflex}d=/images/ausgabe003/schwarzer/tou04 {/jflex}
Mein Fazit dieser Reise und des Erlebens der Tour de France hautnah: Fernsehen ist für mich fast langweilig geworden und ich giere danach, wieder an der Strecke mit tausenden anderen Radsportsüchtigen zu stehen. Es sind oft nur Sekunden, in denen man die Fahrer sieht. Doch das Drumherum ist ein Erlebnis, das man gemacht haben muss.

Also denkt an meine Worte, wenn Ihr im Winter wieder auf der Rolle Touretappen schaut!

Grüße von der Tour de France...

Jan Eric Schwarzer
 
http://essaytop.technology/shakespeare-essays/   http://www.grenzdenkmaeler.de/personal-statement-writing-service-london/

Anzeige
Advertisement
Advertisement
Advertisement

Facebook


blank

Advertisement