Home arrow News-Archiv arrow Transalp 2007 ? Ein Bericht von Ralph Heuser
Transalp 2007 ? Ein Bericht von Ralph Heuser
Mittwoch, 1. August 2007
ImageDas Team minibarista tritt 2007 mit nunmehr 4 Teams beim härtesten Amateurradrennen über die Alpen an. Mit insgesamt 3 Betreuern bzw. Physiotherapeuten und einer detaillierten Projektplanung im Vorfeld, wurde alles dafür getan, dass die harten 825km Verteilt auf 7 Etappen, bei denen insgesamt 18.759 Höhenmeter zu bewältigen sind, so professionell wie möglich bewältigt werden können.

1.Etappe Oberammergau - Imst

Somit standen die vier Teams topfit und gut gelaunt in der Startaufstellung in Oberammergaus Fußgängerzone zur Ersten Etappe. Und die Spannung stieg. Die knapp 1200 Starter der diesjährigen Transalp auf einem Haufen zu sehen sorgt umgehend für die Erkenntnis: Konkurrenz dürfte genug vorhanden sein. Respekt vor dem was kommen wird stellt sich langsam aber sicher ein…

Rennleiter Ulrich Stanciu gibt das Rennen nach Neutralisation kurz hinter Oberammergau frei. Und das ist wörtlich zu nehmen. Die Meute ist los und das Tempo zieht heftig an. Die ersten mehr als 1000 Höhenmeter auf knapp 80 Kilometer vernichten die zwei schnellen minibarista Herrenteams mit einem Durchschnittstempo von knapp 36km/h.

Nachdem das Tempo zu Beginn der Etappe viel höher als gedacht war, sind die Kräfte schon gegen Ende der Eröffnungsetappe nicht mehr voll da und es geht noch über das Hahntenjoch. Aber die Teams fahren allesamt sehr ordentlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sie werden belohnt mit soliden Tagesergebnissen und der Gewissheit, sich noch nicht gleich zu Beginn einer harten Woche verführt haben zu lassen, die Kräfte zu stark zu verschleißen.

2. Etappe Imst – Ischgl

Trotz heftiger Gewitter in der Nacht hatten wir pünktlich zum Start die Sonne im Nacken. Über den Arlbergpass sollte heute die Strecke im Montafon zur Biehlerhöhe führen. Über den Arlbergpass kamen die beiden Herrenteams um Kai/Tom und Rainer/Ralf ordentlich rüber.

Im Montafon bildete sich dann eine große Spitzengruppe mit den Jungs, die mit hohem Tempo auf den Schlussanstieg zu fuhren. Dabei dürfte die kritische Laktatgrenze von 3mmol wohl permanent überschritten gewesen sein. Das Wunderkästchen (Wattleistungsmesser von SRM) zeigte ständig über 350 Watt.

Kurz vor der Passhöhe sind Rainer und Ralph abgefallen und mussten die letzten 200 Höhenmeter ordentlich beißen. Dann begann wieder eine wilde Anschlussjagd auf der Abfahrt Richtung Galtür. Diese bescherte uns minibaristas leider den ersten Sturz der Tour. Rainer ging kurz zu Boden, testete die Asphaltkörnung auf ihre DIN Norm.

Unser Damenteam konnte sich auch bestens in Szene setzen und fuhr den hervorragenden 10. Platz ein. Unser Team 6, mit Martin und Alberto war heute auch (schwer) gut vertreten (die beiden führen unangefochten die inoffizielle Transalp Ü200 Wertung an, bei der beide Fahrer incl. aufgetankten Rädern 200kg auf die Waage bringen müssen), hatte der Damen-Power heute bei dem Schlussanstieg aber nichts entgegenzusetzen. Sie beendeten die Etappe dennoch bestens gelaunt auf Platz 199.

Dass unser Betreuerstab erneut, wie schon am Vortag, hervorragende Arbeit geleistet hat, muss an dieser Stelle erwähnt werden. An den eigenen Verpflegungspunkten wurden reibungslos Trinkflaschen und hochkonzentrierte Energie punktgenau übergeben. Ohne die Leistung der Betreuer wären wir alle definitiv nicht in der Lage, so sorglos die ganze Woche im Feld mitfahren zu können.

3. Etappe Ischgl-Nauders

Wir waren alle nicht besonders erfreut, als wir beim obligatorischen Blick aus dem Fenster unmittelbar nach dem Aufwachen die umliegende Bergwelt in Neuschnee getaucht betrachten konnten. Nachdem dass morgendliche Rätselraten um die beste Bekleidungskombi für den Tag beendet war (Beinlinge? Armlinge? Überschuhe? Schneeschuhe? Lange Handschuhe? usw…) zeigte sich dann zur allgemeinen Erleichterung dann auch etwas die Sonne und es begann abzutrocknen.

Gleich zu Beginn der Etappe sollten sich 17% Steigung in Form des Tobadills in den Weg stellen, gefolgt von einer sehr anspruchsvollen Abfahrt ins Tal, das uns zum Reschenpass führen sollte.

Der Reschenpass war an diesem Tag noch eine kalkulierbare Größe. Die folgende Vinschgauer-Höhenstraße wurde jedoch total unterschätzt. Eine sehr lange Steigung, die sehr unregelmäßig steil ist und sich unendlich in die Länge zieht. Danach eine sehr gefährliche Abfahrt. Heute waren alle froh als sie im Ziel waren. Die beiden Herrenteams konnten sich erneut im Gesamtklassement verbessern.

Tom und Kai fuhren erstmals in die Top 20 – Platz 17 und die Ansage: Abgerechnet wird in Riva! Das denken sich auch Ralph und Rainer. Sie fuhren stark und kontrolliert auf den Platz 29 insgesamt. Morgen kommt dann ein Highlight: Das Stelvio. Das bedeutet vom Start weg mehr als 60km Steigung. Dass bis Livingio noch zwei weitere Anstiege folgen werden, sei nur so am Rande erwähnt…

Image
4. Etappe Nauders – Livingno


Puuuuuuuh. Geschafft. Die Königsetappe haben wir ohne Sturz, ohne größere Verluste und nun auf den letzten Metern auch mit stolz geschwellter Brust hinter uns gebracht.

Den besten Zeitpunkt für eine Pinkelpause hatten sich heute Rainer und Ralph ausgesucht. Exakt in dem Moment, in dem Rennleiter Stancui die Fahne zur Aufhebung der Neutralisation senkte, bogen die beiden hinter ein Bushäuschen ab. Super timing. Das sich das Feld plötzlich nicht mehr mit 30 sondern annähernd 45 km/h entfernte, sorgte bei den beiden erstens für eine erhöhte Durchflussmenge beim Entleeren und anschließend für die erste Laktatdusche des Tages, ausgelöst durch eine heftige Verfolgungsjagd. Super ihr Routiniers! Aber sie schafften den Anschluss noch vor der Passeinfahrt.

Wenn einem Radfahrer dann beim Anblick der 48 Kehren bis zur Passhöhe, nicht der Respekt in die Beine schießt, war er entweder lange Jahre Mitglied im Team TeleEPO oder ist einfach Schmerzfrei. Das waren wir leider heute nicht. Wir haben uns gequält. Alle. Ausnahmslos: Kai, Tom, Ralph, Rainer, Martin, Alberto und auch Tanja und Isabelle sind heute wieder mal ans Limit gegangen.

Denn es war mit dem Stilfserjoch bei weitem nicht getan. Isabelle hat heute eine Praxislehrstunde in Physik erteilt. Und zwar dem Martin. Der durfte sich in Kehre 2 (die vorletzte vor der Passhöhe) mal ganz genau anschauen, dass kontrollierter Krafteinsatz, kombiniert mit einem nicht ganz unerheblichen Gewichtsvorteil zu Überholvorgängen führen können, die einem Mann (von nicht zu übersehender Statur) nachhaltig in der Seele wehtun können.

Auf der Abfahrt revanchierte sich Martin, indem er seinen Gewichtsnachteil in einen Gewichtsvorteil (Hangabtriebskraft) ummünzte. Er rollte quasi über die 1000 Höhenmeter des Gegenhanges ungebremst hinweg. Alberto. Der Rookie im Team hat im Streckenverlauf die ein oder andere uninteressante Bekanntschaft im Feld gemacht. Bei der abendlichen Aufarbeitung der Tageserlebnisse hat er immer die besten Storys beizusteuern. Unglaublich was sich im Leistungsgedrosselten Teil des Transalpfeldes abspielt. Für ihn scheint sich die Tour am lustigsten zu gestalten. Chapeau!

5. Etappe Livigno – Ponte di Legno

So kalt wie der Tag gestern geendet hat, so begann der neue Tag heute Morgen. Knapp über dem Gefrierpunkt empfing uns der Morgen, dafür erneut Wolkenlos. Nach der ersten Passhöhe auf nüchternen Magen folgen knapp 40km Abfahrt. Nachdem Kai/Tom und Rainer/Ralph die Kuppe mit der ersten Verfolgergruppe überrollt hatten, fasst sich Ralph ein Herz und vertraute auf sein Cervelo und sein Abfahrtalent.

Im Stile des Falken Paolo Savodelli jagte er den vier Ausreißern hinterher, die sich zu beginn der Steigung vom Feld absetzen konnten. Um zu verdeutlichen was er da auf dem Downhill abgezogen hat sei erwähnt, dass es der Carabinieri auf dem Begleitmotorrad (der die Strecke für ihn freihalten sollte) nach ein paar Kurven aus Sicherheitsgründen vorzog, hinter Ralph die Abfahrt zu bewältigen.

Und dann kam der Berg des Tages: Passo di Mortirolo. Laut Roadbook nur 7% im Schnitt. In Real ein mieser Drecksberg, wie es Martin am Ende des Tages auf den Punkt brachte. Rampen mit annähernd 20% sollten kein Ende nehmen. Es hätte nur noch gefehlt, dass die mehrfach auf den Schildern geforderten Schneeketten auf die Laufräder hätten montiert werden müssen. Es war eine elende Steigung, die in ein Hochplateau mündete, dass wiederum zahlreiche Buckel bereithielt.

Ein Sahnestück gab es allerdings heute auch noch auf der Etappe: Die Abfahrt, die wir uns zuvor hart erarbeitet hatten, war absolute Weltklasse. Für viele war es schlichtweg DIE Schönste, die sie je unter die Slicks und auf zwei Räder befahren durften. Ehrlich! Martin und Alberto, deren Stärke ganz besonders im Abfahrtsbereich zu finden sind, haben wohl dem Rest des Feldes ab Startblock C auf dieser Traumstrecke mal gezeigt, wo die Cervelos den Bremspunkt haben. Es ist zum Glück alles gut gegangen.

6. Etappe Ponte di Legno – Kaltern

Ponte di Sowieso ruft bei einem eigentlich Assoziationen mit See oder Brücke oder sonst was hervor. Seit heute wissen wir: Solche Käffer liegen an Bergen. An steilen Bergen. Einen davon sind wir heute dann gleich mal aus der kalten Hose hochgeballert. Ja hochgeballert ist genau der richtige Ausdruck. Aus den von Rainer und Ralph prognostizierten Leistungswerten zum „hochrollen“ der ersten Steigung (es sollten maximal 280 Watt anliegen) wurden dann gleich mal mehr als 350 Watt.

Im Schnitt versteht sich. Das langt bei der Transalp um als 100ster über den Passo Tonale zu kommen. Martin und Alberto konzentrierten sich einmal mehr auf ihre Abfahrtsstärke. Dabei ist laut Aussagen von Alberto unser Martin sogar ca. 8,3 Sekunden an der Spitze einer Gruppe und das auch noch bei Gegenwind (!) gesichtet worden. Respekt! Wenn das so weiter geht, fasst er sich morgen noch richtig ein Herz und fährt mal eine erfolgslose Attacke.

Na mal sehen…Martin ist übrigens gerade bei der Massage und kann sich nicht wehren. Und wo wir schon mal dabei sind: Auch das beste Material ist physikalischen Grenzen unterlegen. Der Latex-Schlauch in Martins Hinterrad konnte dem enormen Drehmoment (oder den Druckverhältnissen???) von Martin am Mendelpass kein Paroli mehr bieten und entließ langsam die Luft.

Die Abfahrt konnte er dennoch bestreiten, indem er durch geschickte Gewichtsverlagerung den Schwerpunkt auf das Vorderrad verlagerte. Vielleicht wäre Kunstradfahren eine neue Herausforderung, nachdem er den Transalp-Olymp in Riva bestiegen hat? Riva wir kommen!

Image
7. Etappe Kaltern – Riva del Garda


Schlussetappe. Endlich? Leider? Na mal sehen…
Die Stimmung war jedenfalls sehr speziell. Auf der einen Seite freut man sich, dass endlich nach der ganzen Quälerei das Ziel nur noch eine verhältnismäßig kurze Etappe entfernt ist. Auf der anderen Seite läuft es mittlerweile einfach rund: vom Ablauf am Morgen, der Beladung unseres Team Busses im geilen Vuelta-Desings, dem reinwürgen des allmorgendlichen PowerBars vor dem Start, dem ausstecken und einteilen der ersten dummen Sprüche, der Begrüßung der Konkurrenz im Startblock, und dem abklatschen mit den Teamkollegen.

Martin und Alberto, die alten Trickser hatten sich ja konsequent während der ganzen Tour immer in Starkblock B anstatt D eingefunden um nicht das ganze Feld gleich zu Beginn vor sich her zu treiben. Das sie dort nicht aufgefallen sind, lag wohl an ihrer schmächtigen Statur und ihrer immer zurückhaltenden Rhetorik.

Die beiden fallen halt im Tour Tross ähnlich schwer auf, wie ein Traktor bei einer Formel 1 Startaufstellung. Dennoch ist es einem unmittelbaren Konkurrenten der beiden gelungen, sie vor der Kelter in Kaltern dingfest zu machen. Zwangsversetzung hinters Feld, Start aus der Boxengasse so zu sagen, genau vor dem Besenwagen. Währenddessen fackelte der Neuminibarista der Saison sein Finales Feuerwerk ab.

Alberto der Rolleur aus Limburg schien sich die Tour sensationell eingeteilt zu haben. Wer am letzten Tag satte 50 Plätze im Tagesklassement im Vergleich zu den Vortagen gutmachen kann, der hat verstanden worauf es bei einer Transalp ankommt. Er drehte heute das Kräfteverhältnis zu seinen Gunsten um und setzte Martin damit schwer unter Zugzwang. Dieser bekam seinen Teamkollegen bis Riva allerdings nicht mehr zu sehen. Alberto the-field-destroyer – Chapeau No.2!!!

Uns allen bleiben unvergessliche Eindrücke und Erlebnisse aus dieser Woche. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, sind von Stürzen verschont geblieben und auch die Mannschaft hat perfekt harmoniert. Zudem gilt der Dank der gesamten Organisation der Transalp 2007, dem Team um Ulrich Stanciu, all den Helfern an der Strecke und ganz besonders unseren eigenen Helfern: Anita, Leander und Stefan: Ohne euch wäre es nicht so toll gelaufen und wir wären nicht so topp platziert in Riva angekommen!Der Dank gilt auch unseren Fans, Freunden und Bekannten, die uns über die Woche mit vielen Aufmunterungen und Durchhalteparolen unterstützt haben. Und was läuft 2008? Na mal sehen!

Ralph Heuser
 
http://fastessaylb.com/essays-about-love/   Read Full Article

Anzeige
Advertisement
Advertisement
Advertisement

Facebook


blank

Advertisement